Hei-di-ho, wie lassen sich
nur die ganzen Sickos auf diesem Planeten ertragen?
Diese immergeldgeilen
Schweinchen, die 1fach nie genug bekommen können, zb. dieser Ami, der seit
Jahrzehnten schon Mond-Grundstücke verkloppt, weil ihm irgendein genervter
Beamte in San Francisco mal bestätigte: OK, der Mond gehört dir, jetzt hau ab!
Der nahm das ernst, die Leute auch, sie kauften den Mond wie blöd und tun’s
immer noch. Der Typ ist Millionär und will immer noch mehr. Und Völkerrechtlern,
die sagen: Typ, du spinnst, der Mond gehört keiner Nation, sagt er: Mir egal,
denn ich bin keine. Mindestens so krank der 58jährige Millionär Bikram
Choudhury, bei dem auch Madonna, die coole linke Gender-Polit-Sau (liest man
doch überall, oder?) Kunde ist. Er hat sich das Copyright für 26 Yogaposen und
zwei Atemtechniken sichern lassen. Und verklagt jeden, der seine Technik
weitergibt, ohne vorher bei ihm ein Seminar und eine Franchise-Gebühr zu
latzen. Sagte nicht die uncoole unlinke ungegenderte Pop-Sau Zeltinger mal ”Den
Hals voll kriegen die Bonzen nie!”?
Leute, was hilft gegen diesen
Sicko-Shit? Vielleicht neue Musik? Hörn wer mal.
TOKYO+1 (max.Ernst)
Diese Musik ist vieles von
dem, was hilft, den äußeren Schwachsinn und die innere Unsicherheit zu
verstehen und in universelle wie persönliche Stärke zu verwandeln. Thomas
Brinkmann (schön, dass er im Waschzettel nicht einmal namentlich erwähnt ist,
ein kleines Kunststück) verschenkte erst, wollte dann veröffentlichen, und ist
nun endlich wieder bei sich selbst angekommen. Sehr konsequent zwischen
Experiment, Hörspiel und kompaktem Nomadenclub.
MEAT BEAT MANIFESTO: R.U.O.K.
IN DUB (Quatermass)
Kaum zu glauben, wie gut das
tut. Jack Dangers griff sich das Album vom letzten Jahr, reinterpretiert, führt
weiter und verdubbt das Ganze beseelt und treibend. Obergroovy-intensive
Electro-Dub-Fusion, in der Tat: ein Hammer!!!
PAULO RAPOSO/MARC BEHRENS: FURTHER CONSEQUENCES OF REINTERPRETATION
(Crónia)
Und hier der Nagel: der
Japaner Nosei Sakata begann den Prozess mit einer CD, auf der vor allem Nichts
zu hören ist, dh mit Klängen, die außerhalb des menschlichen Hörvermögens
liegen. Behrens und der portugiesische Medienkünstler Raposo erweitern den
Prozess unter der beliebten kreativen Prämisse ”von Nichts zu Etwas” – keine
schlechte Maxime, ziemlich hilfreich auch für unseren Alltag. Das Material hier
ist sehr reduziert, sehr konzentriert, nie nervig, aber auch nicht beruhigend -
irgendwann klingt’s wie die nächtliche schnarrende Kommunikation träumender
Großcomputer.
AGF: LANGUAGE IS THE MOST (Quecksilber)
…und genau das stört die
Produzentin: Sprache codiert die Musik stets mit Bedeutung, ergo arrangiert agf
die Spannungen zwischen Unverständlichem, technisch ”cool”-konkretem, Gefühligem
und Visionärem. Das Material vom Ars Electronica Klangpark 2003 wagt sich gut
weit vor, flüstert und macht, ohne bedeutungsschwanger sein zu wollen. Schöne
Sache, und agf ist eine wirklich moderne Existenz...vielleicht aber tatsächlich
so modern, dass sie gar nicht mehr mitbekommt, wie rück- und randständig die
Realität WIRKLICH ist...egal...
OOIOO: KILA KILA KILA
(Thrill Jockey)
Wer auf erweiterte
Japanerinnen steht, die eine Can-Pille zuviel geschluckt haben, ist hier
bestens aufgehoben. Im Schamaninnenoutfit feiert Yoshimi (Boredoms, Free
Kitten) das Hohelied des Avantgarde-Rocks, findet tolle Grooves, swingende
Lockerungen, ethnische Klassik, neumusikalischen Ambient und vielleicht sogar
die schmutzige Unterhose von Damo Suzuki.
BOOKS ON TAPE: SINGS THE BLUES (No Type)
Todd Books (daher der schöne
Titel) aus LA nach seinem Debut ”Throw down your laptops” mit seiner
erweiterten Definition von ”Beatpunk”: einmal Indie, immer Indie, jedoch
verstärkt durch sein simpel-trickreiches Programming. Dazu ein klasse Humorvibe
und jede Menge powervolle Psycho-Styles, nur den Blues suchen wir hier
vergeblich. Klare Empfehlung: geht doch nach Indien!
V.A.: FATCAT RECORDS COMPILATION
SPLIT SERIES 9-16 (FatCat)
Eine Kunst für sich: die
stilbildenden Split-12”es von FatCat präsentieren auf je einer Seite ein
Projekt, woraus sich oft korrespondierender Widerspruch ergab. Hier 17 sehr
außenstehende Tracks aus dem Herzen unserer Empfindungen: sehr sehr schönes,
forderndes, störrisches und auch bereitwilliges Material, u.a. von Fennesz,
Main, Matmos, Ultra-Red, Kid 606 und David Grubbs.
BUGGE WESSELTOFT: FILM ING
(Jazzland)
Das fünfte Album des
Norwegers pendelt wie immer gutgelaunt zwischen Innovation und Tradition.
Einmal mehr wird klar, dass dieses Jazzkonzept in der Fusion zeitgemäßer
Club-Vibes mit der Suche nach Erweiterungen sehr entspannt und unterhaltsam
vorgeht.
MILTON NASCIMENTO: MARIA MARIA & ULTIMO TREM (Far Out Rec)
Ein kompletter Leckerbissen:
die Musik zum Ballett Maria Maria wurde 1976 von Nascimento, dem ersten
farbigen Musiksuperstar Brasiliens, mit einer absoluten Spitzenband
eingespielt. Da er für diese Geschichte um Sklaverei und Freiheit nicht die
damals gängigen US Jazz- und Rockelemente, sondern die Musik Brasiliens
ausdrücken wollte, entstand ein hochlebendiges atmosphärisches Panorama, das in
seiner emotionalen Ursprünglichkeit beeindruckend bleibt. 1981 tat sich das
Ensemble für die Geschichte um die Schließung der brasilianischen
Eisenbahnlinien noch einmal zusammen. Mit Sicherheit der Re-Release des Monats
und uneingeschränkt zu empfehlen.
BIGGABUSH: BIGGABUSHFREE (Stereo de Luxe)
Seit der Auflösung der legendären
Rockers HiFi groovte sich Glyn Bush quer durch diverse Remixe und Tracks. Hier
hat er endlich ein kompaktes Projekt gefunden, das tief und gemütlich wächst
und reift wie der Brandy im Glas.
KEMETICJUST: THE PEACE BETWEEN US (Pooledmusic)
Das Duo aus Atlanta/Georgia
mit einer wahnsinnswarmen und tiefen Houseplatte auf Ian Pooleys Label. Frühe
HipHop-Einflüsse, 1a gebrochene Beats und klassische Housevibes sind innovativ
und tief verbunden. Sehr gut!
SUPERPITCHER: HERE COMES LOVE
(Kompakt)
So hört sich gefühliger
Clubpop aus unseren Breiten an, und hier ist das Rezept: bassige Schwelgerei,
monotone Süße, lokale Opulenz, bisschen ausgewählte Umarmung, bisschen
Arroganz, bisschen Elvis, bisschen Charlotte Roche (singt!), ganz viele Träume,
keine Trips. Schön künstlich und echt gut.
SEX IN
Der Versuch,
Arme-Seelen-Hipness, Sex-Craze und Großstadt-Provinzialität unter einen Hut zu
bekommen. Gelingt 1a und ist 1a peinlich. Saugeil.
RYTHM KING AND HER FRIENDS: GET PAID REMIXED 12” (Kitty Yo)
Fette
Dienstleistungsverweigerungsscheiße, die auch noch knallt und nicht halb so
nervt wie schlecht oder gar nicht bezahlt zu werden. Zieht euch das weg.
V.A.: NEUE HEIMAT 4
(Ministry of Sound)
& hier noch mehr
aufsteigende hiesige Popsmusik. Sind geile Schweine drunter und solche, die
sich später mal schämen werden für das, was sie hier tun.
THE YOUNGSTERS: THE ARMY OF 1.0 (F-Com)
Aus knalligem
Mall-Disco-Tech, Glukose-Detroit, ausgeklügeltem Atmo-House und perfekt designten
Stilvariationen entsteht insgesamt ein cleverer Flow.
WECHSEL GARLAND & WORLD
STANDARD: THE ISLE (Staubgold)
Wunderschönes Panorama: eine
fantastische Segelschiffentdeckungsreise auf die legendäre einsame Insel
mittels hochromantischem Indietronicfolk ... kleines Kino, ganz großes
Abenteuer.
PAUL ARMFIELD: SONGS WITHOUT WORDS (a town full of fonzies)
Ruhige romantische
Song-Klarheit. Exakt die Schnittmenge aus der Epik Kurt Wagners, dem
Balladenstyle Roger Whittackers und der sinnlich-erdigen Opulenz Stuart
Staples. Sehr nett, aber irgendwann ist auch mal gut.
PAUL JAMES BERRY: NATIONS
(supermusic)
PJB klingt nun schwer nach
ihm selbst. Ein Feuerwasserkopfeinzelkämpfer mit hausgemachtem Pathos, aber
auch ein Grundguter, der die Ochsentour nicht nur hinter oder vor sich hat,
sondern vor allem mittendrin ist. Good Luck!
SONDRE LERCHE: TWO WAY
MONOLOGUE (Virgin)
Ein ganz normales Wunderkind:
der 21jährige aus Bergen/Norwegen schreibt klare klassische Popsongs, deren
minimale Arrangements und upliftende Atmo eine ganz eigene und bestechende
Erinnerung an magische Momente von Prefab Sprout, Beach Boys, Van Dyke Parks
und den Beatles hervorruft.
KEREN ANN: NOT GOING ANYWHERE (Capitol)
Atemberaubend schöne
Folk-Chansons der Französin mit multiethnischer Herkunft, die gerne mit
Benjamin Biolay arbeitet. Märchenerzählerin, Seeräuberfee, Blütensängerin:
mellow, tender und leichte Schwere galore.
CORALIE CLÉMENT: SALLE DES
PAS PERDUS (Capitol)
Das perfekte Debut der
kleinen Schwester Biolays ist dagegen NUR leicht. Edel, easy, angenehm – und
irgendwann viel zu säuselig, hingehaucht und behäbig.
ESTHER BERTRAM: URBAN ANGEL
(Exil Musik)
Die Tochter einer finnischen
Mutter und eines australischen Vaters suchte jahrelang ”as angel as possible”
nach Love and Peace, ohne je total abzuheben. Statt schnöder
Hippie-Trance-Ästhetik gibt’s ergo vielmehr zeitgemässen Groove-Folk, den
Dissidenten-Produzent Marlon Klein auf die Erde holte.
PAPA M: HOLE OF BURNING ALMS (Domino)
Dave Pajo (Zelig, Slint,
Tortoise) hat nach dem Zwischenspiel bei Billy Corgans Post-Pumpkins-Formation
Zwan endlich wieder eigene und sinnige Gewänder gestrickt. Diesmal rein
instrumental: welch wundersame Verschlingungen mit längst vergangenem Single-
und Bonus-Material, das hier korrekt postrockt wie eh! Bestes Klangfutter, an
dem man sich ewig satt hören kann.
BONNIE ”PRINCE” BILLY:
GREATEST PALACE MUSIC (Domino)
Yes...hier interpretiert Will
Oldham 15 Tracks von Palace Music, Palace Brothers und Palace...coole und
smarte Re-Arrangements, ohne gleich zum Liberace seiner selbst zu
werden...nein, das hier hat das Zeug zum Oberklassiker.
NATALIE MERCHANT: THE HOUSE CARPENTER’S DAUGHTER
(Myth America)
Wow! Die Ex-10.000
Maniacs-Sängerin auf eigenem Label und als zeitgemäße Sandy Denny. Covert auf
dieser ”collection of traditional & contemporary folk music”
folgerichtig Fairport, aber auch den Gewerkschaftsklassiker ”Which side are you
on?”, dazu murder ballads, Kinderlieder, ein Carter Family Classic und weitere
Nuggets. Tolles Artwork, Lyrics und LinerNotes machen diese fragile und
kräftige Sammlung komplett.
ELLIOTT SHARP/MELVIN GIBBS/LANCE CARTER: RAW MEET (Intakt)
Und ein deftiges Schmankerl
zum guten Ende: der NYer Downtownaktivist Sharp mit einem heftig aufspielendem
Trio, dessen frei improvisierter Power-Blues das zeitgemässe Adäquat zur
seeligen Jimi Hendrix Experience sein könnte. Die letztjährige Aufnahme wurde
vom Beginn des Irak-Krieges überschattet, ein indirekter Subtext, dessen reale
Hintergründe in einem Interview zu lesen sind:
www.intaktrec.ch/sharpinterv-a.htm
Check that out! Besser als
Mondstückchen oder Yogaposen kaufen…
www.terz.org - 27.3.2004