www.keynes-ole-und-spd-ade.de
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Who is who?
Bisher ist die angekündigte
neue Protestpartei mehr Phantom als Realität: Erst ein konstituierendes Treffen
gab es in Berlin und mittlerweile eine spärlich gefüllte Homepage. Der Rest
besteht im Großen und Ganzen bisher aus Gerüchten, Spekulationen, Verschwörungstheorien
und medialen Gegenkampagnen. Der Aufruferkreis der zu gründenden Partei besteht
aus Gewerkschaftern aus dem verdi-Bundesvorstand, aus der linkskeynesianistischen
“Memorandum”-Gruppe und linksreformistischen Intellektuellen aus dem Dunstkreis
von (Ex-)PDS, (Ex-)SPD und (Ex-)Grünen, welche allesamt keine richtigen
“Promis” darstellen. Spekulationen um die Mitwirkung von Lafontaine sind
bisher bloße Spekulation. Das prominente Fossil der keynesianischen Lehre wäre
als Bindeglied zwischen Gewerkschaften, Linksreformisten und Attac sicherlich
das ideale Zugpferd, doch der “rote Oskar” wird wohl erst einmal den weiteren
Gang der Dinge abwarten, bevor er offiziell erneut in den Ring steigt.
Inhaltlich ist von dem
Parteiphantom bisher außer einem Positionspapier auf der eigenen Homepage noch
nichts gekommen. Das Positionspapier selbst stellt bisher auch noch alles
andere als ein durchdachtes Programm dar; es erschöpft sich vielmehr in
Allgemeinplätzen. So wird vermerkt, dass sich die SPD “als politische
Organisation und Interessenvertretung
der abhängig Arbeitenden und der sozial Schwachen verabschiedet” habe.
Auch die PDS sei durch ihre Regierungspolitik in Berlin keine tragbare
Alternative mehr. Es bestehe eine “neoliberale Einheitspartei” in diesem Lande
und der Neoliberalismus produziere soziale Zersetzung. Der Angebotspolitik des
Neoliberalismus sei ein gestaltender Keysianismus, eine nachfrageorientierte
Politik für “mehr und sinnvolle Beschäftigung zu sozialen Bedingungen und die
Entwicklung sozial und ökologisch nützlicher Wachstumsfelder” entgegenzusetzen.
Analytisch wird nichts geboten, dafür wird der organisatorische Rahmen der zu
gründenden Partei abgesteckt und damit zugleich die inhaltliche Ausrichtung
dieses Projekts: Linkskeynesianismus mit Gewerkschaften, Attac und Überläufern
aus SPD, PDS, Grünen mit einem Schuss Linkspopulismus, um “eine breite Sammlung
bzw. ein Bündnis, das niemanden ausschließt (außer Rechten)” zu erreichen. Das
hört sich zunächst ziemlich altbacken nach klassischem DKP-Jargon an, versteht
sich jedoch als “Chance für eine neue soziale Kraft”. Zugleich wird verdeutlicht,
wer nicht mit im Boot sein soll: “Sowohl Defaitismus (>eine Bekämpfung der
Massenarbeitslosigkeit ist sowieso aussichtslos<) wie abstrakter
Linksradikalismus (>nur die revolutionäre Überwindung des Kapitalismus ist
eine Alternative<) wirken desorientierend.” Mit der Abschaffung des
Warensystems haben die Linkskeynesianer nichts zu tun: “Es geht heute nicht um
>Reform oder Revolution<, sondern um sozialen Reformismus oder weiteren
Vormarsch der neoliberalen Reaktion.” Mitgestalten und besser machen, Kapital
und Staat humanisieren wollen die Strategen der zu gründenden Partei: Ein
“Zukunftsprogramm einer alternativen Wirtschafts- und Sozialpolitik” müsse
präsentiert werden und dazu gibt man sich schon vor der offiziellen
Parteigründung ganz staatsmännisch: “Es geht um die Frage, wie und mit welchen
parlamentarischen Kräften die Anliegen der außerparlamentarischen Bewegung –
die selbstverständlich die primäre Bedeutung für fortschrittliche politische
Veränderungen hat – in staatliches Handeln umgesetzt werden können.” Bei
solchen Tönen klingeln die Alarmglocken und die Erinnerung an grüne
Programmatik und parteipolitischen Werdegang der Ökos zu Staatsmännleins und
Frolleins werden wach.
Raider heißt jetzt Twix!
Dem Gespenst einer solchen
neuen Links-Partei entspringt letztendlich der
klassisch reformistische Gedanke einer SPD-Neugründung im populären Mix
mit Globalisierungskritik und der Glaube an einen sozial reformierbaren
Kapitalismus, der sich seiner aus dem Netz gefallenen Schäfchen wieder
regulierend annimmt. Nimmt man diese Prämisse zur Kenntnis, so kann einem
solchen Projekt aus systemkritischer Sicht mit Gelassenheit und vielleicht auch
mit Amüsement begegnet werden. Denn neben der altbekannten staatsfixierten
Verblendung hat eine solche Initiative zugleich auch positive
Begleiterscheinungen: Bei einer erfolgreichen Weiterentwicklung könnte es ein
kleiner Baustein sein für den längerfristigen machtpolitischen Niedergang von
PDS und SPD, und die bisherige parteipolitische Öde in diesem Lande etwas durcheinanderbringen.
Und in diesen Zeiten lernt man ja schon, sich an kleinen Veränderungen zu
erbauen ...
Al C.