|
Antifaschistische
Aktivitäten und Neues aus der Naziszene
|
Kurzberichte
zusammengestellt von Pierre Briegert
|
|
Während der von Karl Weise geleitete NPD-Kreisverband Duisburg
nur wenig von sich hören läßt, treibt der Nachwuchs immer
munterer sein Unwesen. Eigen Angaben zufolge Ende 1997 in der Nachfolge
der "Freien Kameradschaft Duisburg/Volkstreue Jugend" als "reine
Kameradschaft" bzw. als "JN Kameradschaft" mit dem politischen
Ziel gegründet, "einen homogenen radikalen Block innerhalb einer
inhomogenen Partei darzustellen, diese zu radikalisieren um dem Hauptziel,
der Zerschlagung des Systems, ein Stück näher zu kommen",
wandelte sich die Gruppe am 22.6.2000 in einen offiziellen JN-Stützpunkt
um. Insgesamt pflegen aber diverse Mitglieder ein sehr kritisches Verhältnis
zur Mutterpartei, was in Zukunft sicherlich noch zu der einen oder anderen
gruppeninternen Auseinandersetzung führen wird.
Seitenanfang
|
Die
JN Duisburg unter der Lupe
Seit
1999 wird sie immer umtriebiger, die heutige JN Duisburg, die auch mal
gerne im Düsseldorfer Norden "wandern" geht (vgl. TERZ
10/2000). In den letzten zwei Jahren waren Mitglieder dieser Gruppe
an mehreren militanten Angriffen beteiligt gewesen. Im folgenden ein
Versuch, diese Struktur unter die Lupe zu nehmen.
Inhalt
|
|
Struktur und Selbstverständnis
Der Duisburger "Stützpunkt" besteht aus ungefähr 15
Mitgliedern und hat ein relativ großes Umfeld im Raum Duisburg,
Moers, Oberhausen und Kempen. Alleine im Duisburger Norden und in Moers
sind mehrere mehr oder weniger gefestigte neonazistische Cliquen anzutreffen,
die großteils aus 16- bis 20jährigen Jungnazis bestehen, die
für die JN mobilisierbar sind, wobei man hierbei sehr bestrebt ist,
nicht jedem gesichtstätowierten Vollalkoholiker Zutritt zu den eigenen
Strukturen zu gestatten. Neben der Durchführung kleinerer eigener
Aktionen ist die JN Duisburg nebst Umfeld spätestens seit 1999 in
einer Zahlenstärke von 15-30 Personen auf Demonstrationen überall
in der BRD anzutreffen, wobei die Mobilierungsstärke aufgrund der
permanenten Aufmärsche in letzter Zeit wieder abgenommen hat. Federführende
Figur im Duisburger "Stützpunkt" war lange Zeit Thorsten
Wawrzyczek (26), der im JN Landesvorstand im "Amt für neue Medien"
tätig war und sich um die Internetpräsentation der JN kümmerte.
Aufgrund interner Querelen erklärte er am 18.4. seinen Austritt aus
der Gruppe, nachdem es mehrfach zu Meinungsverschiedenheiten zwischen
ihm und auf Parteidisziplin drängenden JN-Funktionären gekommen
war. Ein weiterer wichtiger Duisburger JN- und NPD-Kader ist der stellvertretende
JN-Landesvorsitzende Nico Wedding (24), der zur Zeit allerdings eine Haftstrafe
abzusitzen hat und erst ab Jahresbeginn 2002 wieder zur Verfügung
stehen wird. Weiterhin erwähnenswert ist der "Stützpunktleiter"
Steffen Pohl (21) sowie Dennis Maier (18) und mit Abstrichen auch der
Moerser Bastian Gostomski (19). Hervorragende Kontakte pflegt die Gruppe
zu einer Reihe von "Freien Kameradschaften", insbesondere zu
Gruppen aus dem Ruhrgebiet und zur Kempener "Gemeinschaft Nationales
Deutschland" (GND). Zur ortsansässigen "Kameradschaft Duisburg"
um die ehemaligen FAPler Michael Thiel (35) und Peter Kuckels (32), einer
Gruppe, die auch als "Kameradschaft Heinrich Bauschen" und als
"Kampfbund Deutscher Sozialisten Duisburg" bekannt ist, gibt
es allerdings ein angespanntes Verhältnis, da diese sich nach Angaben
der JN Duisburg als "einzige Kameradschaft mit Existenzberechtigung,
weil von M. Kühnen gegründet" verstehen würde. Dafür
bestehen um so bessere Kontakt zu den "Kameradschaft Heinrich Bauschen"-nahen
"Freien Nationalisten - Nationaler Widerstand Ruhr". Einer der
Hauptaktivisten dieser Struktur ist der Duisburger Renè Wagner
(29), der bereits 1990 als Mitglied des Ortsverbandes Duisburg der Ende
1992 verbotenen Kühnen-Partei "Deutsche Alternative" geführt
wurde. Wagner verfügt auch über gute Kontakte zur "Kameradschaft
Düsseldorf".
Die stark auf Schulungen und Theoriearbeit sowie auf die Verknüpfung
von Theorie und Praxis setzende und sich als antiimperialistisch verstehende
JN Duisburg begreift sich als Teil der "Revolutionären Plattform
- Aufbruch 2000", einem "Zusammenschluß revolutionärer
Nationalisten in der NPD/JN" mit nationalrevolutionärer Ausrichtung,
der von der NPD zunächst verstoßen, zwischenzeitlich aber in
die Parteistruktur integriert und kaltgestellt wurde.
Die JN Duisburg hängt der Querfrontstrategie an, möchte also
an linke Diskurse anknüpfen und linke Themen besetzen. Charakteristisch
für die JN Duisburg ist auch die Betonung eines heroischen revolutionären
Kampfes und ihre unerträglich üble antisemitische Ausrichtung,
die sich in kruden Weltverschwörungstheorien über das angeblich
alles beherrschende "Weltjudentum", über geheime "Freimaurer-"
und "Illuminatenzirkel" verliert, was nicht zuletzt zu einer
schon fast paranoiden Wahrnehmung führt. Dies geht gar soweit, daß
einer der "deutschen Recken" ernsthaft behauptet, die Antifa
habe ihm gedroht, seine Freundin zu vergewaltigen und Artikel in der bürgerlichen
Presse nicht mehr von Flugblättern der Antifa zu unterscheiden weiß.
Seitenanfang
|
Struktur
und Selbstverständnis
Inhalt
|
|
Als großes, fast schon vergöttertes Vorbild, dient der JN
Duisburg die palästinensische Al Aksa- Intifada. Der "Kampf
um die Sache", angeblich heroisch und selbstlos "mit Steinschleudern,
Flaschen und Pflastersteinen gegen moderne Kriegstechnik" vorgetragen,
gegen einen "Feind, der große Teile der Welt hinter sich hat",
ja, so möchten die Duisburger "Revolutionäre" auch
sein. Folgerichtig findet man die JN Duisburg auf neonazistischen Demonstrationen
oftmals "Arafat, Arafat..." und "Freiheit für Palästina!"
skandierend hinter einer PLO-Fahne.
Wenngleich sich viele Verlautbarungen der JN Duisburg als großmäuliger
Verbalradikalismus entpuppen, so beteiligen sich diverse Mitglieder -
wenn auch in Überschätzung der eigenen Kräfte zumeist höchst
stümperhaft - auch an militanten Aktionen. Steffen Pohl und andere
JNler aus Duisburg waren am 11.9.99 an einem Angriff auf BesucherInnen
eines Oi&Punk-Konzertes im Kulturzentrum "Südring"
in Moers beteiligt. Bei der Schilderung des Vorfalls vergißt Steffen
Pohl jedoch stets zu erwähnen, daß er sich, nachdem sich die
angegriffenen BesucherInnen angefangen hatten zu wehren, laut um Hilfe
schreiend und mit einem Nasenbeinbruch ausgestattet in die Arme der Polizei
geflüchtet hatte. Aus dem gleichen Kreis stammen die Täter,
die in der Silvesternacht 1999/2000 einen Angriff auf eine Moschee in
Moers gestartet hatten. Beteiligt waren u.a. Kevin Giuliani aus Moers,
Pohls Freundin Sandy Schlotmann und - Informationen aus der Szene zufolge
- auch Dennis Maier und Steffen Pohl. Fünf der 15 oder 16 Täter,
die im Juli letzten Jahres bewaffnet eine KZ-Gedenkstättenveranstaltung
in Wuppertal überfallen hatten, gehören der JN Duisburg und
ihrem Umfeld an; nur einer, nämlich Nico Wedding, wurde angeklagt
und verurteilt. Der Rest konnte entweder nicht ermittelt werden, oder
es konnte ermittelten Personen die Tat nicht nachgewiesen werden.
Seitenanfang
|
|
|
Noch verfügt die JN Duisburg nur über wenig Erfahrung bei der
politischen Arbeit, schließlich sind die meisten Mitglieder noch
sehr jung. Noch ist die Gruppe sehr heterogen und hat mit immer stärker
werdenden internen Meinungsverschiedenheiten zu kämpfen. Doch das
Gemisch aus Aufstandsromantik, Theoriearbeit und zunehmender Praxiserfahrung
kann sehr schnell zu einer im wahrsten Sinne des Wortes explosiven Mischung
führen. Dieses sollte Grund genug sein, den braunen Damen und Herren
weiter auf die Finger zu schauen und sie nicht länger ungestört
agieren zu lassen.
Seitenanfang
|
|
|
Nun ist er weg, endlich! Der rechte Szeneplattenladen "Power Station"
auf der Bilker Allee hat endgültig seine Tore schließen müssen.
Weit über ein Jahr hatte sich das "Offene Antifatreffen"
für die Schließung eingesetzt, doch dem Inhaber Bernd Buse
war es immer wieder gelungen, die Räumung des vom Vermieter gekündigten
Ladenlokals zu verzögern. Ende März aber war Schluß. Sollte
Buse dennoch an anderer Stelle einen Neuversuch starten, so kann er sich
sicher sein, daß das OAT erneut zur Stelle sein wird.
Seitenanfang
|
|