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Durch eine Weiterbildung ist Marek Miert zu einem Privatdetektiv emporgestiegen. Doch die glänzende Karriere eines Philipp Marlowe setzte noch nicht ein. So kultiviert er sein Nichtstun durch den täglichen Gang ins Café. Aber eines Tages ist etwas anders. Nicht nur, dass der Bekloppte, der immer die Autofahrer zum Langsamfahren zwingt, nicht mehr an seinem Platz ist, Miert wird auch von einem Unbekannten angesprochen, der ihn beauftragt herauszufinden wer er sei. Nun ja, Privatdetektiv Miert hat gerade eh nichts Besseres zu tun. Damit beginnt ein Krimi, in dessen Verlauf sich Abgründe österreichischer Realität auftun. Korrupte Polizei, soziale Brennpunkte, Gewalt, alte Nazis unter neuen Namen, Betrug, Raub, Kunstdiebstahl, Umweltverschmutzung sind nur einige Highlights die einem aus Harland, einem kleine Kaff in der Nähe von Wien, präsentiert werden. Nun gut, vielleicht trägt Manfred Wieninger etwas dick auf und verwechselt das kleine Provinznest im Osten Österreichs mit der Bronx, aber weiss man es ? Entstanden ist auf jeden Fall ein spannender Krimi, der gehörig am sauberen Ansehen der Alpenrepublik kratzt. Auf gerade einmal 124 Seiten schafft es Wieninger, dies alles unterzubringen. Rasant, rasant. Leider war das Buch viel zu schnell zu Ende, und damit ging dann auch alles wieder seinen gewohnten Gang.
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book
Falsches Spiel mit
Marek Miert - Manfred Wieninger |
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Der eine oder andere wird vielleicht aufmerksam. Zora Zobel?
Da war doch mal was? Vor über 15 Jahren fand man "Zora Zobel
findet die Leiche" in bestimmt jedem besetzten Haus. Es war das Buch
der Hausbesetzerbewegung, fand doch endlich die Hausbesetzung auch ihren
literarischen Niederschlag. Glücklicherweise hat Corinna Kawaters
mit ihrem dritten Krimi ihre schriftstellerischen Qualitäten verbessert.
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book
Zora
Zobel auf Abwegen - Corinna Kawaters |
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Vorweg ist zu sagen, dass der Inhalt nicht das hält,
was der Titel verspricht. Man wird das Gefühl nicht los, hier wollte
sich mal jemand so richtig auskotzen. Dabei ist das Thema spannend. Schon
auf dem Umschlag bewirbt der Autor das Buch mit der Provokation, dass
der klassische Nazi so gut wie ausgestorben ist und sich der neue Nazi
inmitten der Alltagskultur bewegt. Eine zwar nicht unbedingt neue Erkenntnis
für diejenigen, die sich mit dem Thema befassen, jedoch etwas, das
in der Medienbetrachtung über den Rechtsextremismus und Aktionen
der sogenannten Zivilgesellschaft gegen Rechts keine Beachtung findet.
Dort wird gebets-ühlenartig dieser Typus Nazi reproduziert: dumpf,
kahlgeschoren, mit Springerstiefeln bestückt und gewalttätig.
Schröder demontiert sehr gut dieses Bild und zeigt auf, dass dieses
Bild immer weniger der Realität entspricht. Das heisst nicht, dass
es diesen Typus nicht immer noch gibt, wie man bei den zahlreichen Aufmärschen
der Nazis jedesmal wieder sehen kann. Doch immer mehr Anwesende lassen
sich von anderen Jugendlichen nicht mehr unterscheiden. Und auch lange
Haare müssen keinen Widerspruch zu einer rechten Gesinnung mehr darstellen.
Dass auch die Aktivitäten gegen Rechts oftmals ins Leere laufen,
die großzügig bemessenen Töpfe gegen Rechts eher der finanziellen
Unterstützung der eigenen rot/grünen Klientel nützen, aber
Theater gegen Rechts usw. keinen Nazi von seiner Gesinnung abbringt, zeigt
Schröder eindringlich auf. Leider verfällt er bei seiner Analyse
in die Totalitarismusdebatte, wenn er behauptet links und rechts schaukeln
sich gegenseitig auf und bräuchten sich. Zugleich wirft er den Antifagruppen
vor, eine rückwärtsgewandte Politik zu machen, da sie ein Verbot
der rechten Parteien fordern und selber totalitär zu sein, wenn sie
Naziaufmärsche verhindern wollen. Was für ein Quatsch. Schröder
müsste es eigentlich besser wissen. Das Reduzieren von Antifapolitik
auf Antinazipolitik ist nicht nur verkürzt, sondern falsch. Keiner
wird behaupten, das mit einer Verhinderung eines Naziaufmarsches oder
aber mit dem Verkloppen eines Nazis die Gesinnung verschwunden ist. Gegen
Nazis vorzugehen ist nun mal eine Notwendigkeit, das sieht der Autor jedoch
anders. Leider zeigt er aber auch keine Wege auf, wie denn mit den Nazis
auf der Strasse und rassistischem Mainstream umgegangen werden soll. Das
ist schade, denn er benennt durchaus Zusammenhänge, die über
die soziologischen Erklärungsversuche vieler Wissen-chaftlerInnen
hinausgehen. Ein Schlüssel ist die nationale Komponente. Die in Europa
einzigartige Verbindung zwischen Blut und Nation gilt bis heute. Ein deutscher
Pass bescheinigt dem Inhaber noch lange nicht auch wirklich deutsch zu
sein. Der "Ausländer" habe sich anzupassen, wie es ganz
aktuell wieder lautet. Schröder zeigt auf, dass die argumentativen
Linien der PolitikerInnen zu den Nazis eng verlaufen. So schreibt Schröder
denn auch: "Der Sozialdarwinismus der Neonazis ist jedoch keine eigene
Erfindung, sondern nur die konsequente Fortsetzung des neoliberalen Kapitalismus
mit dessen eigenen Mitteln. Dahinter lauern Parolen wie "Wer nicht
arbeitet, soll auch nicht essen". Auch dies eine ganz aktuelle Debatte.
Trotzdem bleiben Fragen des Vorgehens übrig. Ganz auf die ImmigrantInnen
zu setzen, wie es Schröder am Schluss des Buches macht, ist zu wenig.
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Die extreme Rechte hat Grund zum Jubeln über das große
Medienecho auf die Verschwörungsthesen des amerikanischen Autors
Norman Finkelstein: "Das Erscheinen der deutschen Ausgabe der 'Holocaust-Industrie'
war die erste Niederlage des Zentralrats der Juden in Deutschland, dem
seine angemaßte potestas indirecta in unserem Land für unanfechtbar
und unantastbar deuchte." So heißt es etwa in der neuen Ausgabe
der rechtsextremen "Staatsbriefe": Die Presse der extremen Rechte
- egal welcher Ausrichtung - preist Finkelstein und bietet sein Werk zum
Kauf an: Der Autor fungiert als jüdischer Kronzeuge im völkisch-revisionistischen
Kreuzzug gegen die deutsche Verantwortung für die nazistische Vernichtungspolitik.
Schon der Titel von Finkelsteins Buch weist auf die Funktion des Buches:
Analog zum Begriff der nazistischen "Vernichtungs-Industrie"
wird der reisserische Titel "Holocaust-Industrie" gewählt.
Und das nicht ohne Grund. Denn anstelle von stehenden Begriffen für
Kritik an der Vermarktung des geschichtlichen Verbrechens wie z.B. "Shoah
Business" impliziert "Holocaust-Industrie" eine indirekte
Gleichsetzung von Nazi-Verbrechen mit behaupteten "Verbrechen jüdischer
Organisationen". So was kommt an in Deutschland. Mit "Das Finkelstein-Alibi"
ist nun eine Neuerscheinung aus dem PapyRossa-Verlag herausgebracht worden,
die sich pointiert mit den Thesen Finkelsteins und dessen Wirkungen auseinandersetzt.
Ulrike Winkler und Dieter Vaupel demontieren die These von der "abgegoltenen
Schuld" in Bezug auf die sog. Entschädigung von ZwangsarbeiterInnen
anhand eines historischen Rückblicks auf Entschädigungszahlungen,
der Entschädigungsverweigerung der Industrie am Beispiel von Flick
und der Dokumentation der getroffenen Abkommen zur Entschädigungsfrage.
Das Thema "Holocaust-Erinnerung" ist Anlass für Moshe Zuckermann,
einen Einblick in die Kontroversen der israelischen Erinnerungspolitik
zu geben, während Micha Brumlik in diesem Kontext die Martyriologie
Finkelsteins beleuchtet und einen Vergleich zu dem Historizismus bei Peter
Novick, einem weiteren "Shoa-Business"-Kritiker, zieht. Wolfgang
Wippermann beleuchtet in seinem Beitrag die Funktion von Finkelsteins
Ausfällen gegen "jüdische Geschäftemacher" anhand
von dessen Angriffe gegen die Thesen von Daniel Jonah Goldhagen. Rolf
Surmann dagegen zeigt die Funktion der Finkelstein'schen Ausfälle
gegen die "Abzocker" für die deutsche Normalisierungs-Politik
mit deren Abwehr von Erinnerung und Verantwortung für die NS-Verbrechen
auf. Lars Rensmann beleuchtet in diesem Kontext die hegemoniale Durchsetzung
eines sekundären Antisemitismus in den zentralen Debatten um Entschädigung
und Erinnerung. Am Beispiel der rechtsextremen Wochenzeitung "Junge
Freiheit" illustriert Andreas Speit die Funktion der sog. Finkelstein-Debatte
für die Propaganda der extremen Rechten. |
book
Rolf Surmann (Hg.): Das Finkelstein-Alibi. "Holocaust-Industrie" und Tätergesellschaft. - 173 S., 28 DM, PapyRossa-Verlag, Köln 2001 |
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Wenn der Deutschland-Kanzler populistisch bekundet, es gäbe
"kein Recht auf Faulheit" und zum Kampf gegen "Drückeberger"
aufruft, dann befindet er sich mit seinen Hetzereien in bester deutscher
Tradition. Schon im Frühjahr 1938 wurden im Rahmen der Gestapo-Aktion
"Arbeitsscheu Reich" mehr als 10 000 Menschen verhaftet und
in KZs eingewiesen: "Arbeitsscheue", das waren im Nazi-Jargon
"Gemeinschaftsfremde" und "Volksschädlinge".
Der berüchtigt-zynische Spruch über dem KZ Auschwitz lautete:
"Arbeit macht frei". Mit der Buch-Neuerscheinung "Freiheit
und Wahn deutscher Arbeit" haben die AutorInnen daher nicht nur einen
dem Thema angemessenen Titel gewählt. Sie weisen anhand eines Streifzuges
durch die Geschichte nach, wie sich das Arbeitsethos mit antisemitischen
Projektionen verwebt. Von der Bibel über Luther bis zu den Nazis:
Das Bild von "dem" Juden als dem "Schacherer" und
dem Handel und Geldgeschäfte treibenden "Blutsauger" wurde
zum antisemitisch konstruierten Gegenbild des Ideals des "ehrlichen
Arbeiters". Mit der Herausbildung des Kapitalismus wurden die Juden
zum personifizierten Sinnbild für Ausbeutung stilisiert: "Raffende"
versus "schaffende Arbeit"- diese Zuschreibungen resultierten
aus einem verdrehten und verkürzen Verständnis vom Mechanismus
der Wertschöpfung des kapitalistischen Arbeitsprozesses. Die Autoren
Schatz und Woeldinke setzen sich hierbei analytisch mit der marxistischen
Werttheorie und deren Verkürzungen auseinander. Mit Rückgriff
auf den marxistischen Politologen Moishe Postone und die Vertreter der
Kritischen Theorie zeigen sie auf, wie im Prozess der Konstitution der
deutschen Nation das Verständnis von Arbeit zum Mechanismus eines
völkisch besetzten Unterwerfungsrituals unter kapitalistische Herrschaftsverhältnisse
wurde: Der Mythos der "deutschen Arbeit" bedurfte des verabscheuten
Gegenbilds der "Nichtarbeit" als antisemitisch konstruiertem
Feindbild, um wirkungsmächtig zu werden. Ein abschließendes
Kapitel widmen die AutorInnen dem deutschen NS-Nachfolgestaat. Hierbei
vertreten sie allerdings u.a. die zweifelhafte Ansicht, dass "der
spezifisch deutsche völkische Rassismus und Antisemitismus an Bedeutung
verlieren" würde. Eine Annahme, die angesichts aktueller Debatten
und Kampagnen leider angezweifelt werden muß. Das tut der hervorragenden
Analyse des Arbeitsbegriffs und dessen Mythologisierungen allerdings keinen
Abbruch. Hier wird Kapital- und Ideologiekritik in bester un-deutscher
Tradition betrieben. Ein Buch also, das wir unserer LeserInnenschaft wärmstens
zur Lektüre anraten ! |
book
Holger Schatz/Andrea Woeldinke: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. - 208 S., 29,80 DM, Unrast-Verlag (reihe antifaschistische texte), HH 2000 |
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Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der
Antifaschisten (VVN/BdA)-Kreisvereinigung Esslingen hat mit diesem Buch
einen hervorragend konzipierten Einstieg über die beschämende
sog. Entschädigungsdebatte herausgebracht. Tjark Kunstreich gibt
hier einen pointierten Einblick in die Verdrängungsmechanismen und
die sich zunehmend aggressiver gebärdenden "Normalisierungs"-Mechanismen
der "Berliner Republik". Rainer Bakony liefert einen komprimierten
Überblick über die Dimensionen der Zwangsarbeit im NS-Regime.
Zwei ausführliche Texte liefern historisch-theoretisches Rüstzeug
zur Einordnung der Zwangsarbeit in die NS-Politik: Karl-Heinz Roth liefert
Grundlagen zum weitgefassten Komplex "unfreier Arbeit" von 1930-1945;
Holger Schatz und Andrea Woeldike erläutern mit dem Begriff der "Deutschen
Arbeit" die Zentralität des Antisemitismus in dem historischen
Verständnis von Arbeit und Volksgemeinschaft. Der "AK Zwangsarbeit
im Kreis Esslingen" zeigt anhand einer lokalen Fallstudie die NS-Praxis
im Umgang mit ZwangsarbeiterInnen auf und Christine Krause setzt sich
mit der Entschädigungsdebatte nach 1945 auseinander. Im Abschluß
des Sammelbandes sind Briefe ehemaliger ZwangsarbeiterInnen aus der Zeitspanne
von 1979-1999 dokumentiert, die das schreiende Unrecht der postfaschistischen
BRD im Umgang mit Entschädigung beispielhaft illustrieren. |
book
VVN/BdA Esslingen (Hg.): "Räder müssen rollen für den Sieg!" - 184 S., zahlreiche Abb., Schmetterling Verlag 2000, 26,80 DM |