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Nun gibt es für diesen Zweck bekanntlich auch andere, dunkle und
verbotene Substanzen, von denen man immer behauptet, daß ihr Genuß
in der verelendeten Bahnhofsszene endet. Da wird die Nation schon wieder
schockiert: Ulrich Wieckert, ansonsten ein Garant für pseudoliberales
Nullinhaltsgefasel outet sich als neuer Christoph Daum bzw. Haschischesser.
16 Stunden ohne Pause war er im Rausch! Donnerwetter! Wo hat der Mann
das Dope gekauft? Und dieser Hänger liest unserer Jugend die Nachrichten
vor. Womöglich ist er auch nicht stolz auf Deutschland. Der Ruf nach
Konsequenzen wird laut. Der Eindruck festigt sich: In diesem Land sind
Ruhe und Ordnung gefährdet. RotGrün (von denen manch einer incl.
dem Schreiber dieser Zeilen die Legalisierung von Cannabis erhoffte, als
ob man von denen irgend etwas erwarten könnte, mea culpa) könnten
doch auch hier ihr Deutschtum unter Beweis stellen und hart durchgreifen.
Wie schon der unvergesse CSU Innenminister Zimmermann einst sagte:"Auch
der sogenannte kleine Kiffer ist ein Krimineller!" Jawoll. Ab in
die Chain Gang!
Im Taschen Verlag ist ein sehr interessanter Bildband über Deutschland
im Jahre 1944-1949 erschienen: Entering Germany von Tony Vaccaro. Vaccaro
wurde in den Fünfziger Jahren einer der bekanntesten Fotografen in
den USA- durch Modebilder und Prominentenportraits für die Zeitungen
Look und Flair. Vaccaro, und das macht die Bilder interessant, war kein
Kriegsreporter, sondern ein gemeiner Soldat, der immer seine Kamera und
sein Gewehr dabei hatte. In einer linken Kritik des Bandes wurde ihm verhalten
vorgeworfen, daß er die Deutschen nachsichtig sähe. In der
Tat ändern sich die Bilder. 1944 begibt er sich unter Lebensgefahr
als Kämpfer nach Deutschland und erlebt die Grauen des Krieges. Jahre
später als Besatzungssoldat sieht er das Elend der deutschen Kinder
und begegnet den Fräulleins mit Wohlwollen. Wem das zu mild ist,
dem kann ich nur empfehlen, sich Vaccaros Bilder anzuschauen und währenddessen
ein anderes Buch zu lesen. Saul K. Padover: Lügendetektor - Vernehmungen
im besiegten Deutschland 1944/45. Padover war in einer US-Einheit zur
psychologischen Kriegsführung und sollte für Regierung und Armee
eine Untersuchung über die Stimmung im fast besiegten Deutschland
führen. Seine Interviews mit ganz gewöhnlichen Leuten, meist
unmittelbar nach der Besetzung ihrer Heimatorte (den Begriff Befreiung
benutze ich absichtlich nicht, da die Deutschen in ihrer Masse nicht befreit
werden wollten), zeigen erschreckend deutlich, wie tief der Nazismus in
das deutsche Volk eingedrungen war und wie demoralisiert die wenigen waren,
die oppositionell dachten. Sein Resümee nach sieben Monaten Deutschland:
".....in diesem Moment wußte ich, daß ich von Deutschland
genug hatte......Sieben Monate lang hatte ich Interviews mit Deutschen
geführt, und plötzlich wurde mir klar, daß ich extrem
allergisch auf sie reagierte. Seit Buchenwald lagen meine Nerven bloß."
Spannend an seinen Vernehmungen ist, daß die Lüge, daß
man von den Greueltaten nichts gewußt hätte, damals noch nicht
verbreitet wurde. Fast alle wußten, daß die Juden vernichtet
wurden und gaben das auch offen zu, nur man selber hatte damit ja nichts
zu tun. Extrem denkwürdig sind auch die Anfänge der alliierten
Militärverwaltung am Beispiel Aachen, der ersten eroberten Großstadt.
Man spürt den Zorn des Autors als er beobachtet, wie alte schnell
demokratisierte Nazis und Konservative plötzlich wieder Ämter
innehatten. Er forderte als einer der wenigen Amerikaner die Einbeziehung
von Sozialdemokraten und auch Kommunisten. Auch seine Einschätzung
der ZwangsarbeiterInnen im Reich ist unbedingt lesenswert. Wie immer sind
solche Bücher nicht gerade Laune hebend.
Dies tun allerdings zwei neue Platten um so mehr, die ich zum Abschluß
gerne empfehlen möchte. Als erstes wäre da die neue Knoxville
Girls: In A Paper Suit und als zweite Now Time Delegation mit Watch For
Today (beide auf In The Red erschienen). Die erstere bietet Swamp Blues,
thrashigen Folk u.ä. Gute Songs, ebenso gut gespielt. Wobei Gun Club
Veteran Kid Congo Powers sicherlich der bekannteste der Musiker ist, Bob
Bert hat mal bei Sonic Youth getrommelt. Von deren Sound ist die Scheibe
allerdings weit entfernt. Wer Gun Club mochte, oder auch z.B. Beasts of
Bourbon, der sollte reinhören. Now Time Delegation ist poppiger,
rockiger und hat viel, viel mehr Soul. Das liegt vor allem an Lisa Kekaula,
einer Sängerin, die nicht mit dem üblichen computer-epeppten
Piepsstimmchen, sondern wirklich mit Wärme und Volumen singt. Unbedingt
reinhören.
FEHRI
PS.: Ist es nicht albern? Da bewirbt sich eine Stadt um die Olympiade,
die es nicht schafft, einen Fußballclub in der dritten Liga zu halten.
Weiter so!!!
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Da hat man mal ein
paar Tage frei und kann die Ostertage genau wie Weihnachten bei Schnee
und Regen verbringen und deutsche National-tolzdebatten in der Presse
nachlesen. Wenn in diesem Land mal jemand wie der Trittin etwas sagt,
das den allgemeinen rechten Konsens angreift, sind alle Patrioten von
CSU bis PDS wiedervereint, wie einst 1914, als der Kaiser keine Parteien
mehr sondern nur noch Deutsche kannte. Die freiwillige Gleichschaltung
in den Köpfen ist nicht aufzuhalten und der Mann entschuldigt sich
dann auch noch (für was?). Demnächst muß man sich verstecken,
wenn man die Nationalhymne nicht mitbölken will (Gesetzesvorschlag
für RotGrün: Vor Arbeitsbeginn wimmern alle hysterisch delirierend,
vom Chef bis zum Hausmeister zusammen das Lied der Deutschen, Arbeitslose
vorm Laub pieken sowieso...) oder daran erinnert, daß der deutsche
Nationalismus der verbrecherischste von allen war. Dazu fällt mir
nur noch Folgendes ein: Eine Flasche guten russischen Wodka, den Kopfhörer
aufsetzen und guten alten amerikanischen Lärm à la Honeymoon
Killers, Cows und Pussy Galore in den Schädel dröhnen. Das
entkalkt das müde Gehirn.
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