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"Eine sehenswerte Publikumsmischung lauschte letzten Monat im Düsseldorfer
ZAKK den Erzählungen des US-amerikanischen Antifaschisten und Kommunisten
Fisher: Im hinteren Teil des Publikums mehrheitlich junges Publikum; Punks,
Anarchos, Antifa-Aktivisten; Leute, die den Spanischen Bürgerkrieg
aus Filmen wie "Land and Freedom" von Ken Loach kennen oder
die über (den früher noch lesenswerten) Enzensberger oder Abel
Paz zu glühenden Durruti-AnhängerInnen geworden sind. Im vorderen
Teil des Publikums dagegen war die mehrheitlich alt-ehrwürdige Fraktion
der KommunistInnen vertreten; Leute, die den Faschismus zum Teil noch
selbst miterlebt oder gar ihn selbst aktiv bekämpft haben. So wie
die anwesende jüdische Kommunistin Henny Dreyfuss - damals selbst
aktiv in einer Partisanen-Einheit in Frankreich. Sie berichtete, wie ihr
Vater der damals vierzehnjährigen Emigrantin die ankommenden Schiffe
mit den Interbrigadisteen aus den USA am Hafen zeigte und ihr erklärte:
"Das sind die Leute aus Amerika, die jetzt gegen die Faschisten in
Spanien kämpfen."
Der Referent Harry Fisher wirkt schon allein durch seine äußere
Erscheinung und sein natürliches Auftreten bewundernswert und sympathisch.
Ohne jegliches Pathos, faszinierend lebendig und neugierig, dezent und
höflich in der Wortwahl sowie kritisch, scharf und kämpferisch
im Inhalt, wenn das Thema auf den US-Imperialismus kommt. Ein weißhaariger
alter Mann mit lebenslustigem Funkeln in den Augen; leger in Jeans, Wildleder-Mokassins
und grünem Strickpulli mit einer Friedenstaube als Anstecker - locker
und offen halt; ein Mann, den man eben nicht nur wegen seiner Taten bewundern
muß, sondern dem man zudem einfach aufgrund seiner Ausstrahlung
gerne zuhört. Aufgewachsen in einer proletarischen jüdischen
Familie in Brooklyn -N.Y. wurde Herschel - "call me Harry" -
Fisher über Gewerkschaftsaktivitäten zum Kommunisten. Er kämpfte
in der spanischen Lincoln-Brigade gegen den Faschismus, dann im 2. Weltkrieg
gegen die Nazis, nach dem Krieg wiederum gegen den US-Imperialismus in
Cuba, Vietnam und Nicaragua. Fisher war nach dem Krieg über Jahrzehnte
Leiter der New Yorker Abteilung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS
und versteht sich auch heute noch als Kommunist.
Sein Buch "Comrades", aus dem er vortrug, behandelt seine Aktivitäten
in der "Lincoln-Brigade". Es ist eine faszinierende und überaus
spannende Beschreibung der individuellen Beweggründe der Interbrigadisten
für ihre Entscheidung, nach Spanien zu reisen, um dort den Kampf
gegen den Faschismus zu führen. Zugleich vermittelt es die Grausamkeiten
und die Tragik dieses historischen Ereignisses. Fisher bringt der Leserschaft
die Beweggründe von Menschen näher, die aus eigenen Entscheidungen
auf illegalen Wegen die halbe Welt durchqueren, um in einem für sie
völlig fremden Land ihr Leben für den Versuch zu riskieren,
dem Faschismus Einhalt zu gebieten.
Der Abend im ZAKK wurde mit einem antifaschistischen Lied aus dem spanischen
Bürgerkrieg beendet. Vorgetragen wurde es von John Fisher, dem Sohn
Harrys, der zusammen mit seiner Schwester den Vater auf seiner Lesetour
durch Deutschland begleitet.
Später, in der Kneipe erzählt Harry Fisher, dass er an einem
weiteren Buch arbeitet, das seine Zeit im 2. Weltkrieg und danach behandelt.
Die TERZ hofft inständig, euch dieses kommende Werk Fishers bald
genauso schmackhaft machen zu können, wie wir euch diesmal COMRADES
ans Herz legen wollen.
Thank you, Harry!
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Harry
Fisher: Comrades.
Bericht eines US-Interbrigadisten im
spanischen Bürgerkrieg
244 S., Hardcover, 39 Abb.
Pahl-Rugenstein-Verlag 2001, 36 DM
Inhalt
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TERZ: Was für Leute aus den USA sind eigentlich damals nach Spanien
gegangen?
Harry Fisher: Ca. 900 Amerikaner kämpften in den Internationalen
Brigaden. Dabei waren Arbeiter, Arbeitslose ganauso vertreten wie Intellektuelle
und Leute aus besseren Verhältnissen. Es gab auch bekannte Persönlichkeiten
wie beispielsweise Ernst Hemmingway, die uns in Spanien unterstützten.
Über 70 % unserer Brigade waren Kommunisten. Aber wir hatten auch
Sozialisten, Demokraten, Parteilose und Anarchisten unter uns. Einer meiner
besten Kameraden und Freunde bei der Lincoln-Brigade war Pat Reid - ein
Anarchist durch und durch. Er haßte die Kommunistische Partei und
die Sowjetunion. Aber wir haben uns blendend verstanden. Ich habe nie
mehr einen aufrechteren Menschen getroffen.
TERZ: Was waren Ihre Beweggründe, in die Lincoln-Brigade zu gehen?
H.F.: Ich bin Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation gewesen.
Die Kommunistische Partei rief damals dazu auf, Unterstützung für
den Kampf gegen den Faschismus in Spanien zu leisten. 30 % der Lincoln-Brigade
waren Juden. Ich selbst bin jüdisch, allerdings nicht religiös.
Ich war entsetzt darüber, was ich in den Zeitungen über Nazi-Deutschland
las: Daß Juden auf der Straße angespuckt und mißhandelt
wurden, daß Linke und Demokraten verfolgt wurden. Als in Spanien
die Faschisten eine demokratisch gewählte Regierung stürzten,
wollte ich endlich handeln, etwas Praktisches tun, um diesen Wahnsinn
zu verhindern. Ich bin zwar Pazifist, aber ich wollte aktiv dazu beitragen,
den Faschismus zu bekämpfen.
TERZ: Im Zweiten Weltkrieg kämpften Schwarze in der US-Army in
separierten Einheiten. Wie war das in der Lincoln-Brigade?
H.F.: Wir hatten zwischen 80 und 100 schwarze Soldaten unter uns.
Sie waren angewidert von der Verfolgung der Juden durch die Nazis und
sie wollten durch ihren Kampf gegen den Faschismus einen Beitrag leisten
gegen rassistische Verfolgung und Unterdrückung. Wir waren die erste
soldatische Einheit von Amerikanern, die keiner Rassentrennung unterlag.
Viele unserer farbigen Mitkämpfer waren Offiziere. Der erste farbige
Kommandeur überhaupt war Oliver Law, der mit uns in der Lincoln-Brigade
kämpfte. Er fiel bei der Schlacht in Brunete. Wir errichteten eine
Holzplatte auf seinem Grab, auf der stand: Hier ruht Oliver Law, der erste
amerikanische Neger, der weiße Amerikaner im Kampf führte.
TERZ:Wie wurden die überlebenden schwarzen Antifaschisten später
zu Hause behandelt?
H.F.: Eigentlich noch schlimmer als die Übrigen, denn die
USA waren schließlich von Rassismus geprägt. Ein Beispiel:
Ein schwarzer antifaschistischer Soldat, der 1938 von Spanien zurück
in die USA kehrte, ging mit seinem weißen Kameraden der Internationalen
Brigaden in ein Restaurant, um dort zu speisen. Er wurde mit den Worten
"no blacks" aus dem Lokal gewiesen. Er sagte in einem Gespräch:
In Spanien war ich gleich unter Gleichen; hier in den USA bin ich es nicht.
TERZ: Welches Verhältnis hatte die amerikanische Regierung zu
den Brigadisten?
H.F.: Unser Kampf gegen den Faschismus in Spanien wurde eher als
kommunistische Untat statt als antifaschistische Aktion interpretiert.
Wir kämpften gegen den Faschismus, bevor die Regierung es erlaubte.
Wir kämpften gegen Franco, Mussolini und Hitler, bevor wir dazu aufgefordert
wurden. Wir waren sog. Verfrühte Antifaschisten -- so wurden wir
bezeichnet. Unter McCarthy waren wir in den fünfziger Jahren allesamt
Verfolgungen ausgesetzt. Es wurde uns vorgeworfen, als Kommunisten einen
Umsturz vorzubereiten. Keiner der Leute von der Lincoln-Brigade durfte
in den USA einen offiziellen Posten bekleiden. Ich habe meinen Reisepass
erst nach 25 Jahren wieder erhalten. Ronald Reagan äußerte
später einmal, wir - die Lincoln-Brigade - hätten auf der "falschen
Seite" gekämpft.
Viele der überlebenden sog. "Verfrühten Antifaschisten"
kämpften später im 2. Weltkrieg gegen die Nazis. Ich selbst
war Bordschütze auf einem B-26 Bomber. Meinem Kameraden Herman Bottcher,
einem Deutsch-Amerikaner, der vor Hitlers Machtantritt in die USA emigrierte,
wurde beispielsweise wegen seines Einsatzes in Spanien die amerikanische
Staatsbürgerschaft wieder aberkannt. Am Tag von Japans Kriegserklärung
meldete er sich freiwillig zur US-Army und wurde ein Kriegsheld im Pazifik.
Es bedurfte eines speziellen Erlasses des amerikanischen Repräsentantenhauses,
ihn wieder zum Staatsbürger zu machen, damit er überhaupt zum
Hauptmann befördert werden konnte.
TERZ:Wie sehen Sie die heutige Politik der amerikanischen Regierung?
H.F.: Sowohl die Demokraten als auch die Republikaner in den USA
haben sich nach dem 2. Weltkrieg an Verbrechen schuldig gemacht. Das war
nicht nur bei Cuba und Vietnam der Fall; das ist auch heute noch so. Clinton
beispielsweise müßte meiner Ansicht nach für den Angriffskrieg
auf Jugoslawien als Kriegsverbrecher verurteilt werden.
TERZ: Was ist es für ein Gefühl heute für Sie, nun durch
Deutschland zu touren?
H.F.: Nach Kriegsende hatte ich jahrzehntelang einen Hass auf die
Deutschen. Die Nazis, das waren für mich halt die Deutschen. Meine
Großeltern, Verwandten -- viele von ihnen sind von den Nazis bestialisch
umgebracht worden. Aber nicht nur die Juden, auch andere Unschuldige wurden
grundlos ermordet von den Deutschen. Das hat mich erschüttert und
verbittert. Meine Kinder fragten mich allerdings: Was ist mit Leuten wie
Einstein, Karl Marx oder Rosa Luxemburg - Menschen, die du doch so schätzt.
Das hat mich dazu gebracht, nicht mehr pauschal von den Deutschen, sondern
von den Faschisten zu sprechen, wenn ich über den Nationalsozialismus
rede. Ihr könnt z.B. stolz sein auf die Mitglieder der Ernst-Thälmann-Brigade,
die in Spanien heldenhaft gegen den Faschismus kämpften!
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Ein
TERZ-Interview mit Harry Fisher
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