Mit der überwältigen Mehrheit der "Fraktion Düsseldorf", bestehend aus CDU, SPD, FDP, Grüne und Braune, beschloß der Rat der Stadt sich für die "Dope"lympischen Spiele 2012 zu bewerben. Dass die Bewerbung auf Kosten der Rheinauen und der Zerschlagung der Struktur von "Altlörick" durchgepeitscht wurde, interessierte am 11.April 2002 nur noch die - unter Polizeischutz gestellten - VertreterInnen der linksrheinischen Initiativen auf den Rathaustribühnen und den Ex-Grünen Ratsherr Georg Blanchard sowie die PDS.
Kern des Beschlusses der Düsseldorfer Blockparteien war hierbei nicht die Einbindung des Widerstandes der betroffenen Bevölkerung, sondern der Versuch eine Art "Friedhofsruhe" herzustellen, die eine erfolgreiche Bewerbung auf nationaler Ebene benötigt.
Nomen est Omen?
Zentrales Mittel des parlamentarischen Einheitsbeschlusses sind die Begrifflichkeiten
"Suchraum und Werkstattverfahren", die als Worthülsen in der
Außenwirkung eine Partizipation der Bevölkerung vorheucheln sollen,
aber bestenfalls marginale Veränderungen der bestehenden (Geheim)Planungen
erzielen können!
Der sogenannte "Suchraum" (Suchtraum für Olympiaabhängige
wäre treffender) erweitert lediglich eine mögliche Standortfläche
für das Olympische Dorf auf eine Fläche von 90 ha, schließt
aber en passant jeden anderen Standort kategorisch aus. Die "Prüfkriterien"
verdeutlichen aber bereits, dass es beim ausgeguckten Standort "Altlörick"
bleiben wird.
Geradezu vergewaltigt werden die Grundideen des sog. "Werkstattverfahrens"
im Zusammenhang mit dem Olympischen Dorf: Ursprünglich ist bei einem "Werkstattverfahren"
von vornherein ein wichtiger Aspekt der, dass ein zu untersuchendes Projekt
als ungeeignet eingestuft und deshalb eingestellt wird, da z. B. von den Betroffenen
nicht akzeptiert. Diese Möglichkeit ist jedoch für das Olympiadorf
in Lörick ausgeschlossen worden, wie die Olympia-Troika, bestehend aus
dem SPD-Ministerpräsidenten Clement, seinem grünen Stellvertreter
Vesper und OB Erwin, im Vorfeld zum Ratsbeschluß bereits auf einer gemeinsamen
Pressekonferenz jovial zum Besten gab.
Divide et impera
Als Lehrstück machiavellistischer Politik ist hierbei (wieder einmal) das
Verhalten der Bündnisgrünen im Rat zu betrachten. Düsseldorfs
"institutionalisierte BedenkenträgerInnen" waren zu Beginn der
Erwinschen Olympiaträume -noch "entschlossen" gegen "Olympia
im Dorf am Rhein". Da jedoch die Landtagsgrünen "auf Geheiß"
von Clement auf den Olympiazug aufsprangen, entschloss sich die Düsseldorfer
Basis intern auf eine pflaumenweiche "JA - aber" -Position, die an
"harte" Kriterien, wie Bau des Olympiadorfes auf einer Industriebrache,
keine Bauten in Natur- und Landschaftsschutzgebieten, nachhaltige Entwicklung
usw., geknüpft war.
Nach dem Durchsickern der wahren Olympiaabsichten, nämlich der werbewirksamen
Idee: "das Dorf am Rhein", formierte sich linksrheinisch erheblicher
Widerstand gegen die Planungen. Aber auch in Büderich zeigte sich die Bevölkerung
wenig erfreut über die rotgelbgrünschwarzbraunen Visionen.
Die Düsseldorfer Grünen - besonders die linksrheinischen - beteiligten
sich umgehend an Aktionen der Bürgerinitiative und übten sich en passant
in einem fast vergessenen Schulterschluß mit den Betroffenen vor Ort.
Dies wiederum nötigte den stellvertretenden Ministerpräsidenten und
Ex-Pfadfinder Michael Vesper zu der Annahme, für "klare Verhältnisse"
sorgen zu müssen: Der Spottminister zitierte umgehend die Spitzen der grünen
Ratsfraktion und die linksrheinischen Grünen zu sich, sah er doch den massiven
Widerstand in der Bevölkerung und den "quengelnden Unmut" der
grünen Basis als Problem für eine erfolgreiche nationale Bewerbung.
Auf diesem Treffen - von dem grünintern "entsetzt kolportiert"
wurde, dass "Michi" sich weniger wie ein waschechter Basisdemokrat
aufführte, sondern mehr wie der "Chef einer politischen Drückerkolonne"
agierte - wurde deutlich, dass eine Gefährdung der lukrativen "Olympischen
Idee" durch den Düsseldorfer Kreisvorstand, bzw. durch die Ratsfraktion
oder anderer grüner Organisationen nicht akzeptiert wird.
Sichtlich beeindruckt durch die Vorstellung ihres Chefs, kehrte von Düsseldorfer
Seite der Grünen erst einmal "Ruhe ein". Dies nutzte die Olympia-Troika
(CVE), um in einem pressewirksam aufgezogenen Gespräch mit den Initiativen
(bei dem netterweise u.a. auch die "Ortsgrünen" aus Meerbusch
und Düsseldorf Platz nehmen durften) den WiderständlerInnen halbseidene
Versprechungen unterzuschieben und weitere Werbung für ihr Olympia zu machen.
Währenddessen bröckelte der Widerstand innerhalb der grünen Ratsfraktion
sukzessive ab, so dass - unter einer geschickten Stillhaltetaktik des Vorstandes
der Düsseldorfer Kreispartei - die linksrheinischen Grünen innerhalb
der Fraktion zusehends isoliert werden konnten. Zwar existierte seit März
ein eindeutiger Fraktionsbeschluß der Ratsfraktion, in dem Lörick
als Standort kategorisch abgelehnt wurde, jedoch deuteten "wöchentliche
Wasserstandsmeldungen" zum potenziellen Abstimmungsverhalten grüner
Ratsmenschen darauf hin, dass die Dominotheorie (zumindest bei Grünen)
nicht von der Hand zu weisen ist.
Abgesehen davon, dass die Olympiadiskussion die öffentlich nur marginal wahrnehmbare Oppositionsarbeit der Ratsgrünen ab Januar 2002 weitesgehend lahmlegte, wurde intern deutlich , dass als vorrangiges politisches Ziel offenbar die Herstellung einer nebulösen Einigkeit (mit wem auch immer...) wieder Kernziel grüner Politik in Düsseldorf ist.
"O tempora; O mores"
Auf der Ratssondersitzung zu Olympia am 11. April manifestierte sich die Unfähigkeit
der Grünen, politische Konflikte durchzustehen in einer kafkaesken Groteske:
Noch wenige Minuten vor Beginn der Sitzung "stand unumstößlich
fest", dass - bei zwei Enthaltungen von A.Frey und G.Yimbou und der Zustimmung
der Vorsitzenden des Umweltausschusses I. Bellstedt - drei Gegenstimmen (M.
Enke, W. Marquis und G. Blanchard) von der grünen Fraktion "sicher
waren"....
Doch als die "grünen politischen Gladiatoren die Ratsarena" betraten,
gerieten sie auf ungeklärte Weise ins Stolpern und kippten schneller um
als ein Bio-Joghurt in der Mittagssonne. Unter dem Motto "Dabei sein ist
alles" wurde der strategische Rückzug eingeleitet und die panische
Parole: "Retten was zu retten ist" bestimmte fortan die konzeptionelle
Kapitulation der Grünen.
Konsternierte BesucherInnen aus Lörick auf den Rathaustribünen, die
wenige Tage zuvor noch von den Grünen RatsherrInnen eingeladen worden waren
und sich daraufhin einer gremienpolitischen Unterstützung ihres Widerstandes
sicher waren, fühlten sich bitter verraten.
Vom "entschlossenen" Widerstand der Ratsfraktion blieb nur der "Ex-
und Nochgrüne" Georg Blanchard, der seinen Redebeitrag dazu nutzte,
um mit der "Standhaftigkeit" seiner FraktionskollegInnen abzurechnen.
Blanchard, der im November 2001 die Partei wegen ihrer militaristischen Bundespolitik
verlies, gilt im Linksrheinischen als "grünes Urgestein" und
ist die führende Identifikationsfigur für grüne WählerInnen
in diesem Bezirk.
Während bei Blanchard zu vermuten ist, dass seine persönliche Unterstützung
der Initiativen vor Ort "ernst gemeint" ist, ist das Engagement des
linksrheinischen Ortsvereins mit dem entsprechenden Mißtrauen zu betrachten,
denn intern diskutierten die Parteistrategen aus dem Vorstand und anderen "grünen
Zirkeln" bereits im Vorfeld zur entscheidenden Ratssitzung eine janusköpfige
Doppelstrategie: "Unterstützung" des Widerstandes durch Gruppen
vor Ort einerseits, um parallel dazu auch einen stetigen Informationsfluß
aus den Initiativen zu bekommen und Enscheidungen der Initiativen ggf. zu beinflussen.
Und andereseits die - wahltaktisch motivierte Darstellung einer geschlossenen
Partei, die ihr "chronisches Neinsager- Image" zum "Wohle aller
Beteiligten" abgelegt hat.
Dass der breite Widerstand gegen die Olympiapläne in Düsseldorf nun
von Clement in der Presseöffentlichkeit süffisant unter dem Tenor
"Nörgler gibt es immer..." diskreditiert werden kann, liegt vor
allem an der erfolgreichen Strategie der Grünen. Die wachsweichen Formulierungen
im "Konsensbeschluß von Düsseldorf" und die rückgratlose
grüne Zustimmung, sorgten vor allem überregional für genau die
falsche Darstellung der Belange Naturschutz, Partizipation der Bevölkerung,
Finanzierungskonzepte usw., die Düsseldorf für den nationalen Sieg
im Rennen um die Olympischen Spiele braucht.
Epilog?
By the way: Im Zusammenhang mit der Bebauung des Deiches wird von den PlanerInnen
gern von sog. "temporären Bauten" geschwärmt, die nach der
Olympiade 2012 wieder abgerissen werden sollen.
Düsseldorf, das "Klein-Paris am Rhein", sollte jedoch eben jenen
Blick in die Historie seiner "Vorbildstadt" wagen. Dort steht das
wohl bekannteste "temporäre Bauwerk" , das anläßlich
der Weltausstellung von Ferdinand Eifel konstruiert wurde (und nach einem halben
Jahr abgerissen werden sollte) und feiert seinen 103. Geburtstag. In diesem
Sinne: herzlichen Glückwunsch!
Nat Flanders
www.terz.org - 24.4.2002