"Die Veranstaltungen in Hamburg [...] und Düsseldorf" hätten
"bei Harry Fisher und Familie den größten Anklang" gefunden,
schrieb Ulrich Kolbe am 16.04.2001 nach Abschluss des ersten Drittels der deutschen
Lesereise von Harry Fisher im Forum der Homepage http://www.harryfisher.net.
"Neben dem netten Auftreten der örtlichen Veranstalter lag dies wohl
vor allem daran, daß Harry selbst am liebsten vor jüngerem Publikum
spricht", so Kolbe, der im Sommer 2000 Harrys Buch "Comrades. Bericht
eines US-Interbrigadisten im spanischen Bürgerkrieg" aus dem Amerikanischen
ins Deutsche übersetzte und es deutschen Verlagen anbot. Der "Pahl-Rugenstein
Verlag Nachf." ließ sich diese Chance nicht entgehen und die deutsche
Fassung erschien im Frühjahr 2001. Für den 11. April 2001 luden der
ANTIFA-Arbeitskreis an der FH und der ANTIFA-KOK1 Harry zu einer Lesung ins
Düsseldorfer Kulturzentrum ZAKK ein. Eine der eindrucksvollsten Veranstaltungen
der letzten Jahre in Düsseldorf war das Ergebnis. Zu verdanken war das
einem Mann, der schon in seiner Jugend begonnen und danach nie damit aufgehört
hatte, für eine gerechte Welt zu kämpfen, - bis zum 22. März
2003. An diesem Tag, kurz nach Kriegbeginn im Irak, nahm er an einer Friedensdemonstration
in Manhattan teil. Seit frühester Jugend gehörten Friedensdemonstrationen
zu seinem Leben, und kaum eine der New Yorker Friedensaktionen fand wohl je
ohne ihn statt. Bei dieser jedoch erlitt der noch im hohen Alter sehr agile
Harry eine Herzattacke, wurde ins Krankenhaus gebracht - und verließ uns
alle für immer.
Harry, der am 12. März 1911 geboren wurde, wuchs in einem jüdischen
Waisenhaus in New York auf. Als Jugendlicher sah er, wie Wohnungen von Arbeiterfamilien
während der Weltwirtschaftskrise geräumt wurden, weil die Mieten nicht
mehr bezahlt werden konnten. Die von der Polizei auf die Straße geräumten
Möbel wurden jedoch von Jugendlichen des kommunistischen Jugendverbandes
YCL wieder in die Wohnungen zurückgetragen. Harry wurde einer von ihnen.
Als in Spanien die Faschisten gegen die gewählte Volksfrontregierung putschten,
kämpfte Harry mit 2.800 anderen US-Amerikanern in der "Abraham-Lincoln-Brigade"
für die Freiheit Spaniens. Im 2. Weltkrieg kämpfte Harry gegen Nazi-Deutschland
an Bord eines B-26 Bombers für die Befreiung Europas vom Faschismus. 1939
heiratete er Ruth Goldstein, und beide arbeiteten fast 50 Jahre für die
Nachrichtenagentur TASS in New York. Ruth starb 1993, nachdem sie Harry noch
überzeugt hatte, ein Buch über seine Erfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg
zu schreiben: "Comrades".
Bei seinen Stationen in Düsseldorf und Oberhausen lernten wir einen zurückhaltenden
Menschen mit großer Ausstrahlungskraft und fester innerer Überzeugung
kennen. Sein Buch eröffnete besonders der jüngeren Generation einen
neuen, ergreifenden Zugang zum Spanischen Bürgerkrieg. Erstmals wurden
in großer Einfachheit und ohne heroisierende Beschönigungen auch
die Ängste eines jungen Kämpfers beschrieben. Dieses Buch vermittelt
die tiefe Friedenssehnsucht eines Menschen, dessen eigenes Leben stets Kampf
und Auseinandersetzung für Gerechtigkeit und Solidarität gewesen ist.
Vielen der rund eintausend Menschen, die Harry auf diesen Lesungen erlebten,
fiel sofort auf, wie offen, herzlich und ohne Pathos dieser Mann sprach, wie
bescheiden er auftrat und wie verschmitzt er bei dieser oder jener Episode lächelte.
"Harry Fisher wirkt schon allein durch seine äußere Erscheinung
und sein natürliches Auftreten bewundernswert und sympathisch. Ohne jegliches
Pathos, faszinierend lebendig und neugierig, dezent und höflich in der
Wortwahl, sowie kritisch, scharf und kämpferisch im Inhalt, wenn das Thema
auf den US-Imperialismus kommt. Ein weißhaariger alter Mann mit lebenslustigem
Funkeln in den Augen; leger in Jeans, Wildleder-Mokkassins und grünem Strickpulli
mit einer Friedenstaube als Anstecker - locker und offen halt; ein Mann, den
man eben nicht nur wegen seiner Taten bewundern muß, sondern dem man zudem
einfach aufgrund seiner Ausstrahlung gerne zuhört", schrieb die TERZ
2001 in ihrer Mai-Ausgabe.
2002 beendete Harry Fisher die Arbeit an seinem zweiten Buch, das in den USA
voraussichtlich den Titel "Legacy" tragen und an dessen Erscheinen
auch in Deutschland derzeit intensiv gearbeitet wird. Schon bei seiner Veranstaltung
in Düsseldorf hatte er von diesem Buch berichtet. Die TERZ damals: "Später
in der Kneipe erzählt Harry Fisher, dass er an einem weiteren Buch arbeitet,
das seine Zeit im 2. Weltkrieg und danach behandelt. Die TERZ hofft inständig,
Euch dieses kommende Werk Fishers bald genauso schmackhaft machen zu können,
wie wir Euch diesmal COMRADES ans Herz legen wollen."
Sein Tod bedeutet für seine Freunde und Mitstreiter eine nicht schließbare
Lücke, einen tiefen Verlust. Die Generation der Zeitzeugen verliert mit
ihm einen weiteren Mitstreiter, dessen schlichtes, zutiefst menschliches Auftreten
ihm stets einen innigen Kontakt zur jüngeren Generation ermöglichte.
Harry Fisher verkörperte für seine Freunde und Mitstreiter ein großes
Stück Hoffnung und Glaube an das "andere Amerika".
Die TERZ schrieb im Mai 2001 am Ende ihres Artikels: "Thank you, Harry!"
Dem ist nur noch eines hinzuzufügen: Good bye Harry! Du fehlst uns!
1 in Kooperation mit der TERZ, dem Buchladen BiBaBuZe, den ASten von FH und Uni Düsseldorf sowie der DKP Düsseldorf
Geschichtswerkstatt Oberhausen und AntifaschistInnen aus Düsseldorf
Lesungen aus Harry Fishers Buch "Comrades" (ISBN 389144284X), sowie
die Vorstellung der filmischen Dokumentation der Geschichtswerkstatt Oberhausen
über Harry Fisher können über www.harryfisher.net oder bei der
Geschichtswerkstatt Oberhausen (Tel.: 0208-856326) vereinbart werden.
www.terz.org - 29.4.2003