filmVergiss
mein nicht!
Der
Drehbuch-Autor Charlie Kaufman hat so seine Schwierigkeiten mit dem Schreiben
konventioneller Hollywood-Geschichten, wovon er in seinem “Adaptation”-Skript
auch Zeugnis ablegte. Stattdessen ersinnt er ausladende Grotesken. An denen
finden mit Vorliebe Musikvideo-Regisseure wie Spike Jonze oder Michel Gondry
Gefallen, weil sie es berufsbedingt ebenfalls nicht so mit der klassischen
Dramaturgie haben und diese Vorlagen ihnen erlauben, den Oberflächen-Reiz ihrer
Clip-Ästhetik tieferzulegen, womit diese dann eine wirkliche Symbiose mit dem
Spielfilm-Format eingeht.
Bevorzugter
Schauplatz von Kaufmans Stories ist der Kopf, wahlweise der von John Malkovich,
der eines mit sich hadernden Drehbuch-Schreibers oder der in zwei Hälften
zerteilte eines gleichzeitig als Quizmaster und CIA-Agenten arbeitenden Mannes.
“Ich bin in meinem Kopf”, konstatiert auch Joel Barish konsterniert in Gondrys
jüngster Kaufman-Adaption “Vergiss mein nicht!”. Der unter Trennungsschmerz
leidende Barish hat den Wunderdoktor Howard Mierzwiak aufgesucht, um sich
mittels einer von diesem entwickelten Apparatur alle Erinnerungen an seine
Verflossene tilgen zu lasssen. Im Zuge des Lösch-Vorgangs durchlebt er alle
Höhen und Tiefen der Liebe erneut und mag das alles auf einmal nicht mehr dem
Nichts überantworten. Er rebelliert gegen das Programm und versucht mit seiner
Ex in verborgene Winkel seines Gedächtnisses zu flüchten.
Charlie
Kaufman hat also wieder eine große Maschinerie angeworfen. Aber diesmal stiftet
sie kaum Verwirrung. Mit einer “Neuromantic Comedy of Remarriage” produziert
sie vielmehr leidlich aufgepeppte Konfektionsware. Angesichts des sich schon
bald abzeichnenden Happy Ends hält sich die Spannung in Grenzen. Und das
Plädoyer dafür, in Beziehungen die Entzauberung, die Routinen und die Fehler
des Partners auszuhalten, statt sich nach etwas Neuem umzuschauen, haut einen
auch nicht gerade um. Die “Vergiss mein nicht!”-Einübung ins Suboptimale,
Gebrochene kann es längst nicht mit den Breitseiten an Schizophrenie und
Hybridität aufnehmen, die frühere Kaufman-Arbeiten bereithielten. Der Autor
scheint leider inzwischen doch einige Drehbuch-Lektionen gelernt zu haben.
Jan
Bundesstart
20. Mai.
www.terz.org - 27.4.2004