Der
Kampf um die Parlamente
Nur 19
Wahlkreise fehlen der NPD, um flächendeckend bei der
nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 22. Mai anzutreten.
Allerdings bedurfte
es hierfür sowohl diverser auswärtiger Kandidaten, als auch
der Unterstützung
der neonazistischen “Freien Kameradschaften”. Die
“Republikaner” (REP) haben es
trotz der Vorwürfe, sie hätten beim Sammeln von
Unterstützungsunterschriften
betrogen, sogar in allen 128 Wahlkreisen geschafft. Ihre Beschwerden
gegen die
Nichtzulassungsbeschlüsse in einigen Wahlkreisen hatten Erfolg.
Lediglich in
einem einzigen der elf Wahlkreise in Düsseldorf
und den Kreisen Mettmann und Neuss konnte die NPD die erforderlichen
100
Unterstützungsunterschriften nicht beibringen: im Wahlkreis 38,
der die Städte
Ratingen und Heiligenhaus umfasst.
Wie bereits in
TERZ 4/2005 berichtet, tritt im Düsseldorfer
Wahlkreis 40 Ralph Tegethoff aus Bad Honnef (Rhein-Sieg-Kreis) an.
Tegethoff,
der seine neonazistische Karriere in der “Wiking Jugend”
startete, dann zum
Führungskader der “Freiheitlichen Deutschen
Arbeiterpartei” (FAP) und der
späteren ”Freien Kameradschaften” aufstieg,
gehört seit Herbst 2004 der NPD an
und zählt bundesweit zu den profiliertesten Führungsfiguren
der
Neonazi-Szene.
In den
Düsseldorfer Wahlkreisen 41 bis 43 musste die NPD
mangels lokalen Parteipersonals auf die Unterstützung
niederrheinischer
“Kameraden” zurückgreifen. Im Wahlkreis 42 tritt
Gunter Kretzschmann aus
Viersen an, im Wahlkreis 42 der Schüler Alexander Dobiosch aus
Mönchengladbach
und im Wahlkreis 43 Holger Wilke aus Erkelenz, Vorstandsmitglied des
NPD-Kreisverbandes Mönchengladbach/Heinsberg. Im Rhein-Kreis Neuss
kandidieren
der Neusser Willibrord Osmers, René Rosenbaum aus Würselen
bei Aachen, der bei
den letzten Kommunalwahlen erfolglos zum Kreistag im Kreis Heinsberg
angetreten
war, sowie der Schüler Bernd-Josef Hermanns aus Heinsberg. Im
Kreis Mettmann
gehen der Monheimer Uwe Baues, der Velberter Rentner Karl Scheuer sowie
der
Ratinger Ralf-Peter Zecher für die
“Nationaldemokraten” an den Start. Letzterer
gehörte nach Angaben in der Fachliteratur Anfang der neunziger
Jahre der
Führungsmannschaft der nach ihrem Verbot am 27.11.1992 illegal
fortgeführten
militanten Neonazi-Partei “Nationalistische Front” (NF) um
Meinolf Schönborn
an. Sein Name taucht in einer Mitglieder- und Aktivistenliste aus dem
Parteiarchiv der NF auf, datiert auf den 15.11.1993. Die NF unterhielt
Ende der
achtziger/Anfang der neunziger Jahre einen “Stützpunkt
Mettmann/Düsseldorf”.
Als emsige
Helfer beim Sammeln und Abgeben der notwendigen
Unterstützungsunterschriften betätigte sich in
Düsseldorf der Führungskreis der
ehemaligen “Kameradschaft Düsseldorf” um Sven Skoda.
Doch weder er, noch sein
politischer Ziehvater Christian Malcoci, der vom Landeswahlleiter mit
seiner
alten Anschrift im Grevenbroicher Elternhaus geführt wird, treten
als
Direktkandidaten an. Dafür wird Malcoci aber als bestgesetzter
Vertreter der
“Freien” auf Platz 8 der Landesliste der NPD geführt.
Im höchst
unwahrscheinlichen Fall eines 5-Prozent-Ergebnisses der NPD, würde
er mit
dieser Platzierung sicher in den Landtag einziehen.
Offenbar nicht
einig war sich im Vorfeld die NPD-nahe Gruppe
um Malcoci mit dem NPD-kritischeren Teil der “Freien
Kameradschaften”. Während
erstere offenbar eine großzügige Wahlhilfe von ihren
“Freien Kameraden”
erwarteten, stellten die anderen finanzielle Bedingungen. Laut Angaben
des
Hamburger Neonaziführers Christian Worch ging es hier um ein
vertraglich
fixiertes Abführen von bis zu 20 Prozent der
Wahlkampfkostenrückerstattung an
die “Freien Kameradschaften”. Und ganz so einig scheint
sich selbst Malcoci
nicht mit der NPD zu sein. Parallel zur zentralen NPD-Demo am 8. Mai in
Berlin
organisieren er und offenbar auch Tegethoff zur Zeit einen
“Gedenkmarsch ...
gegen die alliierten Kriegsverbrechen” in Remagen.
Einen guten
Bekannten der “Freien Kameradschaften” findet
man als Direktkandidaten der REP im Wahlkreis 40, den langjährigen
Düsseldorfer
DVU-Kreisvorsitzenden Holger von der Heydt, der bereits bei den
Kommunalwahlen
auf Platz 3 der Düsseldorfer REP-Liste zum Stadtrat antrat, obwohl
Unvereinbarkeitsbeschlüsse der REP-Führung gegenüber der
DVU vorlagen (vgl.
TERZ 9/2004).
Doch nicht nur
REP und NPD werden in Düsseldorf um extrem
rechte WählerInnenstimmen konkurrieren, mit der extrem rechten
Kleinstpartei
“Bund für Gesamtdeutschland” (BGD) geht in zwei
Düsseldorfer Wahlkreisen noch
eine weitere Organisation ins Rennen, die landesweit nur in diesen
beiden
Wahlkreisen antritt. Als Direktkandidaten treten hier der
BGD-Führer Horst
Zaborowski aus Duisburg sowie der Vorsitzende der eng mit dem BGD
verbandelten
Gruppierung “Ab jetzt ... Bündnis für
Deutschland”, der Siegburger Ratsherr Dr.
Helmut Fleck, an.
Wie auch immer
die Wahl für die NPD ausgehen wird, einen
ersten Erfolg hat die Partei mit ihrem Antritt in 85 Prozent aller
Wahlkreise
schon eingefahren. Ein zweiter und entscheidenderer Erfolg wäre
das
Überspringen der 1-Prozent-Hürde für eine
Wahlkampfkostenrückerstattung. Alles
andere hat in den Augen der Partei Zeit, schließlich wird die
diesjährige
Landtagswahl nicht die letzte sein.
Antifaschistisches
AutorInnenkollektiv
www.terz.org - 27.04.2005