“Das hat nichts
zu tun mit Kunst oder so!”
Düsseldorfs
Befreiung vom Nationalsozialismus
“Gequälte Leinwand - Seelische Verwesung - Krankhafte
Phantasten - Geisteskranke Nichtskönner.”
Mit diesen
Worten bezeichneten die Nationalsozialisten in
einem Werbeflugblatt zur Ausstellung “Entartete Kunst” 1937
die Kunst der
Klassischen Moderne. In der Nacht auf den 17.April 2005 jährte
sich zum 60.Mal
die Befreiung Düsseldorfs vom Nationalsozialismus. Ein Umstand,
den die
MacherInnen der zeitgleich stattfindenden Nacht der Museen mit keinem
Wort zu
würdigen wussten. Einzig einem Häuflein Antifaschistinnen und
Antifaschisten
war es überlassen, an dieses Datum durch einen unangemeldeten
Sektempfang auf
dem Grabbeplatz zu erinnern. Dabei hat Düsseldorfs Kunst-Szene
durchaus einen
historischen Bezug, der sich sehen lassen kann: In Düsseldorf
wimmelte es nur
so von kreativem Potential. Am bekanntesten vielleicht Johanna Ey,
Freundin und
Mäzenin der progressiven KünstlerInnenszene. Sie
eröffnete noch während des
Ersten Weltkrieges am Grabbeplatz eine Galerie, in der sich die
Künstlergruppe
“Junges Rheinland”, zu der unter anderem Otto Dix
gehörte, traf. Paul Klee,
dessen Werke in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zahlreich
vertreten sind,
wurde 1931 als Professor an die Kunstakademie berufen, und zahlreiche
namhafte
KünstlerInnen, unter ihnen Otto Pankok, Karl Schwesig oder Carl
Lauterbach,
fanden in Düsseldorf den Ort ihres kreativen Schaffens.
Mit der
Machtübertragung 1933 war es vorbei mit der Kunst.
Johanna Ey wurde der Handel mit moderner Kunst untersagt, die Bilder
wurden als
“entartete Kunst” diffamiert und teilweise zerstört.
Paul Klee verlor, da er
“als Jude und als Lehrer für unmöglich und entbehrlich
angesehen” wurde, seinen
Posten, ebenso wie der Kustos des Städtischen Kunstmuseums Walter
Cohen, der
1942 im KZ Dachau ermordet wurde. Am 11. April 1933 fand in
Düsseldorf die
erste Bücherverbrennung statt, der auch zahlreiche Bilder
Düsseldorfer
KünstlerInnen zum Opfer fielen. 1938 wurde die Ausstellung
“Entartete Kunst”
hier in der Kunsthalle am Grabbeplatz gezeigt, deren Bestand zuvor
nochmals
“gesäubert” wurde. 800 Bilder wurden dabei
zerstört.
Folgerichtig
kommentierte die Antifa: “Dass wir heute
während der Nacht der Museen trotzdem Werke der klassischen
Moderne und der
zeitgenössischen Kunst sehen können, ist der Intervention der
Alliierten zu
verdanken. Wäre das faschistische Deutschland 1945 nicht
militärisch besiegt
worden, könnten wir heute an dieser Stelle die
Blut-und-Boden-Kunst Arno
Brekers oder Adolf Zieglers sehen, ganz sicher jedoch nicht Picasso,
Beckmann
oder Warhol.”
Image ist alles
-
Standort noch mehr
Die Nacht der Museen und das ahistorische Verhalten der
Stadt Düsseldorf scheinen keine Einzelfälle zu sein. Am
8.Mai, dem Datum der
völligen Kapitulation des faschistischen Deutschlands und damit
des
Kriegsendes, veranstaltet die Stadt Düsseldorf den Rheinmarathon.
Insgesamt
zeigt sich Düsseldorf nicht gerade von seiner historisch
bewanderten Seite.
Erst nachdem linke Gruppen, allen voran die VVN/BdA und der Antifa-KOK,
zu
eigenen Aktivitäten mobilisierten, sah man sich genötigt,
auch etwas zu
unternehmen. So wurde etwa ein Platz nach dem Antifaschisten und
Ex-CDUler
Alois Odenthal in Gerresheim benannt. Am 8.Mai redet gar
Oberbürgermeister
Erwin am Ehrenmal für gefallene sowjetische Soldaten am Gallberg
– nachdem die
DKP dort bereits eine Aktion angekündigt hatte. Doch an
Veranstaltungen oder
Aktionen für die breite Masse zum 8.Mai und der geschichtlichen
Thematik sucht
man vergeblich – schließlich gilt es, ein Image als
konsumfreudige Sportstadt
aufzubauen und man legt die halbe Stadt mit besagtem Marathon lahm
– da stört
die Erinnerung an weniger glanzvolle Zeiten vermutlich.
Allerdings
beschwerte sich tatsächlich ein Düsseldorfer
Unternehmen. Jedoch nicht etwa wegen der Geschichtslosigkeit regte sich
die
Firma Henkel auf, sondern weil der Marathon ja in Konkurrenz zu ihrem
ebenfalls
am 8.Mai stattfindenden Pferderennen stehe.
Von solcherlei
Sportwettbewerb völlig unbeeindruckt zeigt
sich ein breites Bündnis von Antifa über linke Parteien bis
zu Gewerkschaftlern
und Kirchenvertretern, die am 8.Mai eine Demonstration quer durch die
Stadt und
damit quer zur Marathonstrecke veranstalten. Die Demonstration will zum
einen beschriebener
Geschichtsvergessenheit etwas entgegensetzen, und wird eine Art
Topographie
des faschistischen Terrors, aber auch des Widerstandes durch ihre Route
nachvollziehen. Zum anderen soll durch die Demonstration Kritik an der
herrschenden Geschichts- und Gedenkpolitik artikuliert werden, als
Beispiel die
zunehmende Gleichsetzung von deutschen Tätern und Opfern, wie sie
auch lokal in
der jüngsten Bombenkriegsdebatte etwa einen Ausdruck findet.
Man darf
gespannt sein, wie viele Düsseldorfer Bürgerinnen
und Bürger daran teilnehmen werden.
Thomas Bose
Demonstration:
Gegen Faschismus und Krieg! Deutsche Täter
sind keine Opfer! Geschichtsverfälschung bekämpfen!
8.Mai 2005,
14:00 Uhr, HBF Düsseldorf
Mehr
Informationen unter:
www.buendnis-8mai.de
www.terz.org - 27.04.2005