»Düsseldorf
- Notizen am
Rande«
Den Ausgangspunkt des neuen Films »Düsseldorf –
Notizen am
Rande« bildete ein Konglomerat von rund zehn Stunden
unbearbeitetem
Filmmaterial aus den Kellern des Filmmuseums, das diesen Film bei
Stephan Sachs
in Auftrag gab. Der Düsseldorfer Filmemacher (»sugar
b» 2003, »und sahen, was
zu machen war ...« 1994, auch Vorsitzender der
»Filmwerkstatt Düsseldorf«)
lässt anhand alter Filmaufnahmen prägende Ereignisse in
Düsseldorf der Jahre
1925, vom Abzug der Franzosen, bis 1953 wieder aufleben.
Viele der
Filmaufnahmen stammen vom Fritz Genandt. Genandt war ab Mitte der
20er Jahre
»Betriebsführer« u.a. des Residenz-Kinos der
Hugenberg’schen Ufa. 1930/31
übernahm er als Generaldirektor die Leitung des berühmten
Apollo-Varietés an
der Königsallee, Ecke Luisen-straße. Das Apollo war am 16.
Dezember 1899 als
Theater eröffnet worden, kam 1937 in die Hände der UFA, die
es vor allem als
Kino nutzte. 1942 wurde das Dach bei einem Luftangriff zerstört,
das Haus- war
nicht mehr bespiel- und benutzbar. Neben seinen beruflichen
Verbindungen zum
Kino dokumentierte Genandt bis in die 50er Jahre hinein
Düsseldorfer
Alltagsszenen über vier Jahrzehnte mit seiner Filmkamera. Bekannt
ist sein Film
»Es rauscht der Rhein, es strömt das Leben: 40 Jahre
aktuelles Zeitgeschehen
gefilmt von 1911 - 1951 in den rheinischen Metropolen Düsseldorf
und Köln«
(1996 vom Filmmuseum auf Video wieder herausgegeben).
Neben
befremdlichen Aufnahmen vom zerstörten Düsseldorf -
Alltagsleben in den Trümmern, Nachrichten der Ausgebombten auf den
Trümmern
ihrer Häuser für Freunde und Verwandte und sachliche
filmische
Bestandsaufnahme-Schwenks über die Zerstörungen nach
Luftangriffen und
Flugzeugabstürzen – spannt der Film den Bogen doch weiter.
Immer wieder tauchen
typische Alltagsszenen auf: Sammlungen für das
»Winterhilfswerk« auf der Kö,
Karnevalszugsaufnahmen, Sommerbadespaß im Rhein, private
Familienfeiern, ...
Aufnahmen verschiedener Herkunft und Motivation.
Ein roter Faden
in den Notizen sind Filmbilder der großen
Ausstellungen »GeSolei« 1926 und »Schaffendes
Volk« 1937 in Düsseldorf: Die
»GeSoLei - Ausstellung über
GE-sundheitspflege, SOzialfürsorge und LEIbesübungen«
vom 8. Mai bis 15.
Oktober 1926 war eine der größten Ausstellungen der Weimarer
Republik mit 7,5
Millionen Besuchern. In der Dimension internationaler Weltausstellungen
propagierte sie in Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Sport die
Erziehung
zu einem “neuen” leistungsfähigen Menschen. Für
diese Ausstellung wurde der
»Ehrenhof« neu gestaltet und u.a. Bau der
»Rheinhalle« (Planetarium) – der
heutigen Tonhalle - und der »Rheinterrassen« gehen auf die
GeSoLei zurück.
Am 08.05.1937
wird in Düsseldorf die »Große
Reichsausstellung Schaffendes Volk« von Schirmherr Hermann
Göring eröffnet in
Konkurrenz zur Pariser Weltausstellung (die vom 25. Mai - 25. November
1937
stattfand).
Zu den
Ausstellern gehörte alles, was in der deutschen
Wirtschaft Rang und Namen hatte. Dazu wurde Gartenkunst auf einem fast
300.000
qm großen Gelände präsentiert, dem heutigen
»Nordpark«, Baukunst wurde in zwei
Mustersiedlungen und eingerichteten Musterwohnungen vorgestellt. Zu der
nationalsozialistischen Wirtschaftsschau, die bis zum 17. Oktober 1937
dauerte,
kamen fast sieben Millionen Besucher nach Düsseldorf.
Stephan
Sachs’ Film erinnert u.a. auch an Personen wie Ernst
von Rath, der am 18. November 1938 in Düsseldorf beerdigt wurde
und Leo Albert
Schlageter, der von einem französischen Militärgericht wegen
Sabotageakten
gegen die französischen und belgischen Besatzungstruppen zum Tode
verurteilt
und am 26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide hingerichtet wurde. Nach
seinem
Tod wurde Schlageter, der seit 1923 Mitglied der NSDAP war, von den
Nationalsozialisten zum deutschen Freiheitshelden hochstilisiert. Oder
an
Wolfgang Langhoff, einem deutschen Schauspieler, Regisseur und
Kommunisten, der
von 1928 bis 1933 am Düsseldorfer Schauspielhaus unter Louise
Dumont und Gustav
Lindemann spielte. Am 28. Februar 1933 wird er in seiner
Düsseldorfer Wohnung
als einer der ersten Künstler von den Nazis in
“Schutzhaft” genommen und ins Konzentrationslager
Börgermoor im
Emsland gesperrt. 1934 konnte Langhoff in die Schweiz emigrieren. Im
November
1945 kam er nach Düsseldorf zurück und engagierte sich
für das
Nachkriegstheater. Ab Mitte 1946 leitete er das Deutsche Theater in
Ost-Berlin.
Entstanden ist
ein interessanter, 70minütiger essayistischer
Dokumentarfilm, eine Montage aus Wochenschauen, Dokumentarfilmen und
Privataufnahmen bis zu Bestandsaufnahmen von Kriegsschäden. Ein
gelungenes
Projekt, welches collagenhaft Spuren von Ereignissen aus der
Düsseldorfer
Stadtgeschichte visualisiert. Derzeit ist nur ein
Aufführungstermin des Filmes
vorgesehen, am
Fr., 06. Mai
2005, 19.30h, Schauspielhaus
Vorpremiere des
Film:
»Düsseldorf
– Notizen am Rande«
Buch und Regie:
Stephan Sachs, Deutschland, 2005, 70min.,
mit anschl. Diskussion.
Zum Gedenken an
60 Jahre Kriegsende liest der Schauspieler
Peter Hartung aus dem Roman von Peter Weiss »Die Ästhetik
des Widerstands«. Der
Abend wird moderiert von Werner Ruzicka (Duisburger Filmwoche).
www.terz.org - 27.04.2005