fehritalesDas
perfide Albion
23.04.05! Fast habe ich es geschafft! Ich sitze auf der
Spitze eines Berges im Söröysund und beobachte ein
majestätisches
Naturschauspiel. Obwohl es mich Zeit kostet, schaue ich gebannt zu.
Meine
Vorräte sind gepackt, die Kajaks fertig beladen, aber wir
müssen noch warten.
Warum? Tausende von Nar- und Belugawalen blockieren die Ausfahrt des
Sundes, um
wie in jedem Frühling ihren Trieben ungehemmt nachzugeben.
Zahlreiche Eisbären
und japanische Walfänger schaffen es nicht, dem Treiben ein Ende
zu bereiten,
es sind einfach zu viele ... Ich hocke also auf dem Berg und schaue zu,
abgeschnitten von allem ... Fast allem!
Mein alter
KGB-Kumpel Boris meint mich kontaktieren zu
wollen. Vielleicht ahnt er, dass ich mit der Suche nach den deutschen
Vril-Ufos
aus dem letzten Krieg einer dicken Sache auf der Spur bin und will sich
noch
dranhängen. Ich will zwar keinen Kompagnion, aber ein paar
Nettigkeiten aus der
Heimat, warum nicht? “Euer bester Mann, der Karol Johannes ist
verschieden! Der
hat uns früher ganz schön zugesetzt. Der zusammen mit dem
faulen Lauschepper,
dem Walesa!”
Ich bin
bestürzt, ich dachte er wäre unsterblich. Und was
muss ich hören? Ratzinger? Jetzt haben wir Ratzinger! “Keine
Sorge Boris,
Benedetto ist genauso, sagen wir mal fortschrittlich wie Karol, es wird
sich
nichts ändern. Kein Himmelreich für Kommis, Schwule,
Muselmanen,
Kondomverkäufer usw.” Boris berichtet mir, was in Rom los
war: “Da hätte nur
noch der Moonwalk gefehlt, es war wie die große Kirmes. Bin ich
froh, dass ich
kein Katholik bin, sonst würde ich mich ja ärgern, dass mein
Glaube zu so einer
Karikatur gemacht wurde.”
Und dann muss
ich zur Verletzung meines nicht vorhanden
Nationalstolzes erfahren, dass natürlich die Tommys, das perfide
Albion also
gegen Ratzi hetzen: “Vom Hitlerjungen zum Papa Ratzi!” Die
sind sooooo gemein!
Schande über sie! “Was gibt’s sonst noch Neues?”
– “Dein alter Chef, der
Helmut, ist kein Single mehr, und Du bist auch Papst. Alle Deutschen
sind
Papst, sagt große Arbeiterzeitung!” Jetzt ruhe ich wieder
in mir selbst.
Einsamkeit zermürbt auf die Dauer jeden Menschen ... und Dr.
Helmut Kohl, der
so viel für uns alle getan hat, der Kanzler der Einheit, der erste
Europäer,
der Sammler großer Spenden, er hat sicherlich unter dieser
Einsamkeit gelitten.
“Sie ist schön, klug und eine erfolgreiche
Volkswirtin”, sagt uns die
Bild-Zeitung. Eine 41 Jahre junge Dr. Maike Richter. Maike! Und Helmut!
Auch im
Alter kann es also noch wahrhafte Glücksmomente geben, das gibt
mir Trost und
Zuversicht. Dr. Helmut Kohl ist in diesem Augenblick wieder ein Vorbild
für uns
alle. Die Krönung des neuen Glücks wäre ein kleiner
Helmut, wer weiß,
vielleicht klappt das ja noch. All dies geht mir durch den Kopf,
während ich den
kopulierenden Walen zuschaue. Ganz friedlich, ganz zufrieden!
“Ach so, es gibt
noch was Neues: Die Sozis haben nach sieben Jahren in der Regierung
kurz vor
der Wahl bemerkt, dass Kapitalismus nicht gut ist.” An diesem
Punkt musste ich
das Gespräch beenden, sonst hätte ich mich wirklich
totgelacht. Und wenn ich
die Ufos finde, werde ich nach Rom fliegen, jetzt, wo auch ich Papst
bin, da
kann kein Engländer etwas gegen unternehmen! Banzai!
Fehri
www.terz.org - 27.04.2005