1. FANGEN WIR MAL DER LOUNGE HALBER AN: GROOVE-GUMMIS
V/A: SUNNY PART 2 (Roof Records)
Bobby Hebbs All-Time-Classic "Sunny" geht in die zweite Runde: 17
satte Versionen von Les McCann, Shirley Bassey, Ella Fitzgerald über Marvin
Gaye zu Leonard "Spock" Nimoy - faszinierend übrigens - bis zu
den merry Prankstern von The Electric Flag. Nur Masterblaster, kein Verschnitt,
sollte jemand den Song tatsächlich nicht mögen = Problem, ansonsten:
Sternstunde!!!
V/A: FAT AND FUNKY: 45 KINGS VOL 2 (Fat City)
Und noch einmal. Die Dons: Fat-City-Crew / Manchester. Der Executer: Christian
Mc Bride, Plattensammlernerd aus Liverpool. Die heiße Ware: 12 mal SupersouldiscofiedFunk
von 1973 bis 77, digital veredelt, aber ohne ein Gramm Fett weniger. Höret
und spüret die "Exceedin' Headache" von "Truth", macht
Euch das Bett mit Reuben Howell oder verschwindet gleich im "Funky Jungle"
von "Sweet Promise". Bessere Funken werden heute nicht mehr fliegen.
V/A: REWIND (Ubiquity)
Runterkommen mit lässiger Spannung und einem vollem Fass Seele. Hier werden
definitive Klassiker von Stranglers, Cream, Doors, Nat King Cole oder auch Monk
gecovert, geremixt und ge-re-editet. Die komplett unterschiedlichen Vibes von
Rockers Hi-Fi, Yonderboi oder gar Chet Baker/Gotan Project verbindet das tiefe
Einfühlungsvermögen in die Originale mit einem originellen Umgang.
Tiefergelegte Clubtracks und tiefe RareGroove-Sessions sorgen für einen
entspannenden Fluss mit Bewegung. Tut gut, ist gut.
V/A: SOUL SESSIONS (Giant Step)
Bleibt lässig: das definitive Update an zeitgemäßem Soul, auf
den sich das New Yorker Label seit über 10 Jahren spezialisiert hat. Jazzig-lässige
Bässe aus Samt und Seide und treibender Street Soul, Diven und Diebe, straight
und smart, das geht alles locker zusammen hier, und es geht noch mehr, Hauptsache,
der Soul-Vibe verbindet. Chaka Khan und Herbie Hancock treibens gar 14 Minuten
lang, und Erykah Badus ehemalige Hintergrundsängerin N' Dambi zeigt schon
mal die nächste Richtung an. Ziemlich Wow, das alles.
PEACE ORCHESTRA: RESET (G-Stone)
Noch lässiger geht ja kaum, aber es gibt ja noch die Wiener. Und wenn die
mal loslegen ... Peter Kruders Projekt wird hier kräftig aufgemischt, Ergebnis:
Riesenüggelei am Mischpult. Als Beteiligte werden u.a. abgeführt:
Gotan Project, Raw Deal, Zero db, Beanfield, Soul Patrol und das gute alte Trüby
Trio. Das alles klingt bisweilen verdammt Funky-Fusion-lastig, dann aber auch
sehr schwingend. Die Grooves verzwirbeln sich manchmal derart derbe komisch,
aber eure Gummibeine bekommt ihr immer noch auseinander, garantiert!
WALDECK: THE NIGHT GARDEN REFLOWERED (Dope Noir)
Und dann gibt's ja noch diesen komischen Donau-Downbeat-Dandy namens Waldeck...seinen
sinistren "Macht's-doch-was-ihr-wollt"-Soul und die kantig-bluesigen
Dope-Beats von "The Night Garden" hat er Kumpels zugeworfen, bevor
er sich auf eine Bergtour verabschiedet hat...oder so ähnlich zumindest.
Also durften sich Herbert, Kid Loco, das Londoner Jung Collective, diverse verrauchte
Wiener und die Pseudonyme des Meisters selbst die seltsamen Früchte noch
mal eingraben und neue Pflanzen draus ziehen. Kein Standard-Remix-Album, sondern
eine "was-wäre-wenn"-Gärtnerei, die ganz neue Blümelein
sprießen lässt. Und die schmecken ja nun ziemlich gut.
STEREOTYP: MY SOUND (G-Stone)
So, nun ist aber bald gut mit Donauwellen. Aber einer geht noch: der gute Stereotyp
aka Stefan Mörth macht elektronischen Dub-Soul-Ragga vom Feinsten, der
vor allem durch seine einzigartige Mixtur und das krude Crooning der erlesenen
jungen Gast-MCs - u.a. Tikiman - über darke Textürchen und straight-verfrickeltes
Beatprogramming zu gefallen weiß. So ergeben sich verschiedene Vibes,
und wir uns dieser außergewöhnlichen Platte, die live dargeboten
ein ziemlicher Hammer sein könnte. Vergessen sollten wir dagegen das Cover,
aber man sollte Musik ja hören und nicht sehen, gelle?
SO SOLID CREW: THEY DON'T KNOW (Independiente/Relentless)
Wer weiß hier was nicht? Diese Platte passt wegen der Elektrifizierung
der Wurzeln zur vorherigen, ist aber noch zwingender: die oberlebendige Mischung
aus Two-Step, Garage, R&B, HipHop, Ragga und Electro klingt sehr futuristisch
im Hier und Jetzt, hat 20 Tracks in 77 Minuten und eine Band von 20 Youngstern.
Mainstream-Underground mit Rootsanbindung, das ist die Popmusik von heute, Leute.
EL-P: FANTASTIC DAMAGE (Def Jux)
Ist da jemand böse? Ex-Company-Flow und jetzt Def Jux Labelmacher EL-P
hat endlich sein langerwartetes Debut am Start. Holt die Youngster wieder von
der Straße, wenn diese Krach- und Rockmaschine des Underground-Hip-Hops
rollt. Irgendwie wird hier geballert, ich kann mir nicht helfen, es geht um
Tod, Blut und 9mm - vielleicht ist das aber genauso böse wie Counterstrike,
dann wird's bestimmt bald verboten. Viel aufschlussreicher ist, dass Jaime Meline,
so er real ist, demnächst die Soloplatte von Zack de la Rocha von Rage
Against the Machine produziert. Passt, denn das hier ist HipHop-Rock. Check!
SCIENZ OF LIFE: OVERGROUND THE SCIENZ EXPERIMENT (SubVerse)
Der HipHop-Dreier aus New York, jetzt Yersey, hat sich über die Jahre zu
was ganz Großem gemausert: supercooler Jazz-Flow mit Wissen, Seele und
Kante. Das funkt und orgelt und spinnt sein spannendes Ding, und wenn die Hood-Folklore
und der yo-yo-shit mal verlassen wird - dann klingt das richtig geil!
DECLAIME PRES: MADMEN: MADMEN ON ARRIVAL (HumDrums)
Die sind echt verrückt: LA's Declaime lud Kumpel Kan Kick und Poppy zu
einer Wochenendsession im Haus seiner Mutter, mietete sich einen 8-Spurrecorder,
ein Mikro und man reparierte Kan Kicks ASR10 Sampler - so will es zumindest
die Sage. Aber es könnte stimmen: so ursprünglich, entspannt und minimal
klingt HipHop selten: please try this at home!
2. GEHT GERADE NOCH
V/A: SOMA 10 ANTHOLOGY (Soma)
Klar geht das gerade: die Geschichte des schottischen Labels der DJs Stuart
McMillan und Orde Meikle aka Slam ist die Geschichte von 10 Jahren Soma, und
das heißt 10 Jahre tiefgründiger Techhouse. Daft Punk, Slam, Maas,
Russ Gabriel - Glasgow's erstes unabhängiges Dancelabel ist Geschichte
und Gegenwart - und Zukunft, wenn man die Clubpatina mal wegbläst. Congrats!
MARQUES WYATT: FOR THOSE WHO LIKE TO GET DOWN (OM)
MARK FARINA (OM) Zwei Housemeister der zweiten Generation, die je einen sehr
schönen Mix ihres Geschmacks hinbekommen: Farina repräsentiert Chicago
roh, knallig und smooth, und Wyatt LA deep und soulful. Ich kanns kaum glauben:
diese Mixe putzen die Hundescheiße unter deinen Tretern weg!
ANTHONY ROTHER: HACKER (Psy49net)
Zwei lustige Nachrichten: Anthony Rother sieht jetzt aus wie Michael Jackson
und macht endlich gute Musik. Nicht weglaufen, Andy, so haben wir's doch gar
nicht gemeint..."Hacker" ist durchzogen von den Rother-bekannten abgedunkelten
Elektroscores, die durch ihre sinistre Klarheit in mancher Situation geil erfreuen
können. Tageslichtscheu pumpen sich kristalline Sci-Fi Sound durch die
Drähte und generieren eine kalte Fernsehspielatmo, in der Titel wie "Justitia"
oder die "Macht" passend erscheinen. Besonders geil: "Leben".
SPEEDY J: LOUDBOXER (Novamute)
Wie spät is', Jochem? 1994? Meister Paap zeigt uns allen noch mal, wie
das damals war mit dem Techno - nur ist das leider ein brandneues Artist-Album.
Hm, wer hat da an der Uhr gedreht? Ach so: Rotterdam - isch Kaputtnik-Schtadt,
weischdu? Na dann...neben einigen Soundspielereien bratzt der letzte Teil der
Platte direkt und hart durch. Schnüff...das kann es nur in Holland geben.
Ambitioniert, doch doch, aber was das mit Jazz zu tun haben soll, weiß
nur mal wieder der Waschzettel allein. Für düstere Benelux-Trips voll
geeignet. Oder euren ollen Kohlenkeller dazu voller Nebel pumpen, dann stimmt
das wieder!
3. STROMKRAM GALORE
JOHN TEJADA: DAYDREAMS IN COLD WATER (Plug Research)
Etwas distinguierter: Mr. Tejada aus LA, der auf seinem eigenem Label Palette
ja durchaus gerade gehen kann. Die Tagträume hier aber sind kuscheliger
als alles sonst, er ist ja eh ein ganz durchtriebener Lieber. Die Musik ist
sonnendurchschienen, atmet frische Luft und vermittelt ein Gefühl von Aufbruch
und Melancholie. Tejadas Platte, die bislang am "Warp"igsten klingt,
ist unspektakulär und genau so bleibt man schließlich auf ihr hängen.
Schön.
RECLOOSE: CARDIOLOGY (!K7)
Ähnlicher Ansatz, genauso herzlich, nur noch bewegter und grooviger. Kardiologie,
Musik als Herzmedizin. Fenster auf, Soul und Jazz einatmen. Dann von Detroit,
wo Matt Chicoine bereits mit Carl Craig arbeitete, nach Neuseeland ziehen. Der
Liebe wegen. Elf ziemlich tolle Tracks, die pumpen und streicheln. Fusion aus
Technologie und Seele, und eine sichere Sache, die überrascht.
V/A: INSTRUMENTALS - STAEDTEZISM 3 (Scape)
Stefan "Pole" Bethkes Label definiert in einer tollen Compilation
den Powerbook-HipHop State-of-the-art, aber nur durch labelverbundene Laptop-Whiteys.
Das ist ok, muss man nur wissen. Jan Jelinek ist und bleibt super, Kit Clayton
dito - immer dasselbe hier: wer issn gerade dran? Und dann die. Aussetzer: deadbeat.
Lässt der 1fach seinen Pianosample endlos bis zur gähnendsten Langeweile
loopen und sitzt fasziniert davor, während sich der Raum längst geleert
hat. So geht es ja nun wirklich nicht. Ansonsten top.
THE ORB: AUNTIE AUBREY'S EXKURSIONS PART 2 (Deviant)
...beyond the call of duty. Genau, Reisen außerhalb des Pflichtbereiches,
so abgedreht britisch klingt's hier. Und meine Güte: unglaublich, wen die
Kultgruppe um Dr. Alex Patterson schon in ihr psychedelisches Versuchslabor
getaucht hat: Can und Robbie Williams, KLF und Tangerine Dream, alles auf zwei
satten CDs zusammengefasst. Wahnsinn, irres Kichern, krude Gags, vernebeltes
Grinsen und ein Dub geht immer. Und die Welt wird Ambient.
BOOMP BIP & DOSEONE: CIRCLE (Leaf)
Scheeei-ße! Was ist denn das? Speedmetal, Rap, Comedy, Zappa-Rappa, Weird'nWired-irgendwas?
Und das auf 29 Tracks auf 70 Minuten! Doseone, der Advanced-Hopper von Clouddead,
und sein nicht minder verrückter Produzent und Turntablist Boom Bip zerren
Beefheart und Anverwandte aus dem Orkus und machen die ganz heiße Scheiße.
Irrer Humor, der sogar Chill-Out-Momente zulässt, irrer Round-Trip durch
alle Spielarten des Pop, der nie in dämliche Comedy ausartet, sondern stets
für sich bestehen kann. Psych Out!
MURCOF: MARTES (Leaf)
Und noch mal die volle Punktzahl: Leaf profiliert sich derzeit als DAS Label,
wo die spannenden Sachen passieren! Der atmosphärischste, mysteriöseste
und dabei durchdachteste elektronische Sound dieser Tage kommt von einem Mexikaner.
Fernando Corona aus Tijuana kam vom Akustikrock zur experimentellen Multimedia
und watete dabei tief durch den emotiven Minimalismus von Gorecki und Paert
wie auch durch minimale Elektronik. Dazu kommen Soundtracks für Kurzfilme
und Videospiele, aber erst hier entfaltet sich eine kreative Klasse, die eine
wirkliche musikalische Sprache schafft. Das alles als einfaches Geheimnis ohne
Attitüden. Elektronische Kammermusik mit fantastischer Dramaturgie, wie
selbstverständlich, unerwartet großartig.
KREIDLER: EVE FUTURE (Wonder)
Das geht auch in Düsseldorf. Kreidler werden immer ästhetischer in
Optik und Klang und kommen hier ziemlich vom Bandimage weg. Die 7 Tracks des
Kurzalbums generieren die berühmte Filmmusik ohne Film. Das ist zuerst
mal ziemlich toll und gelungen. Mit gepflegten Streicherarrangements, geschickten
Dynamisierungen und trickreichen Harfensequentialisierungen zwischen Morricone
und Mike Oldfield entwickelt man hier immer mehr sicheres Gespür für
Klang und Arrangement. Das tolle "La Casa"-Video verschneidet zudem
Interieurs, Filmzitate und Sozialkitsch in ansprechender Bildsprache. Sehr gut,
dass Kreidler jetzt auch einmal solche Wege in Klang und Bild gehen!
MAPSTATION: A WAY TO FIND THE DAY (Staubgold)
Und hier der verlorene Sohn. Stefan Schneider geht auf seinem Full-length-Debut
ungleich anders zu Werke. Statt minimalem Barock ergibt sich hier ganz minimaler
und feiner elektronischer Soul, der im continuous-mode die Stimmung des Tages
beeinflussen kann. Lange hat kein Minimalismus mehr soviel Seele gehabt wie
hier. Der bisweilen aufgesetzte Purismus von Minimaltechno, der in seiner formalistischen
"Neue-Räume-Öffnen"-Manie oft vergaß, die alten zu
schließen bzw. ersteinmal deren Inhalte zu überprüfen, hängt
niemals als bleischwere Designkeule über den Tracks. Statt dessen wird
verlangsamt, und auf sehr zeitgemäße und organisch wirkende Weise
Reggae und Dub transformiert. Dazu der Gesang von Raz Donovan - wundervoll!
4. PAUSENCLOWNS MIT DRÄHTEN DRAN
THE BELL RAYS: MEET THE...(Poptones)
Scheiße - und dann das hier! Tut mir leid, aber auch die Rockfraktion
muss dran glauben - nämlich an den dreckigsten geilsten leidenschaftlichsten
SoulPunk seit den seligen MC5. Unglaublich, dass diese Scheibe von heute sein
soll! Bin hin und weg, das Poptones-Label ist wieder da, und wie!!!
CHOKEBORE: IT'S A MIRACLE (Pale Blue)
Schwer, schwer, und "very emotional" - introvertiert-groovender Indie-rock,
der gut für verregnete Autofahrten taugt. Und sonst? Die fünfte des
LA-Quartetts ist für mich zu schwer, stellt euch Kyuss als elektrifizierte
Folk-Melancholiker vor.
EDWYN COLLINS: DOCTOR SYNTAX (Setanta)
Für alle, die den 80er-Hals nicht vollkriegen können: Mr. Orange Juice
melancholt vor sich hin wie eh und je. Sehr nett, funky belanglos und mit der
Teillizenz zur kompletten Ödnis. Späte Selbstfindungsversuche entfachen
einen Taumel der Gleichgültigkeit. Beim Ersthören fast eingeschlafen.
Vielleicht die Hintertür zu dieser Musik? Bowie für Schlafwandler.
Never felt like this. Ich auch nicht.
MARY TIMONY: THE GOLDEN DOVE (Matador)
Muss erst wieder ne Frau kommen und den Jungs zeigen, wie man gute Gitarrenmusik
macht? Mrs. Helium glänzt durch funkelnde Spielfreude, clevere Arrangements
und kammermusikalisch hochintelligente Etüden. Berauschend, fantasievoll
und mit dem frischem Atem längst vergessener Indie-Intelligenz.
5. ENTERTAINER'S HEAVEN
GONZALES: PRESIDENTIAL SUITE (Kitty Yo)
Nach mehreren Laborprüfungen und Härtetests schließlich für
gut befunden. Nachdem Chilly schweigend wochenlang nur "When We Were kings"
gegessen und verdaut hat, kommt nun endlich der Rülpser. Was ham die Leute
nur? Hinter diesem Großmaul steckt ja was, und das ist ja wohl das mindeste,
wenn man's so weit aufreißt wie der Exil-Kanadier, der in seiner Vergangenheit
noch nicht wusste, wer er werden könnte und damit potenziell eigentlich
war. Chilly sagt und macht kluge Sachen, Chilly sagt und macht dumme Sachen
- wie jeder halt. Aber er macht vor allem auch gute Musik mit originellen Texten.
Gemein ist nur, dass er arme unwissende Ossi-Jazzer wie Eier in die Pfanne haut
und sich daraus auch noch'n Omelett brät. So geht's ja nicht. Oder doch?
ROCKO SCHAMONI: DER SCHWERE DUFT VON ANARCHIE (Virgin)
Uns Rocko ist dagegen natürlich lang länger dabei, hat sich die große
Klappe aber immer verkniffen und war immer authentisch erfolgreich auf der Flucht
vor dem Mainstreamerfolg. So was gibt natürlich klare Credits bei Indieisten
und Undergroundpupsern, aber wenn Glam eine Droge ist, dann zieht Rocko hier
ganz schön durch. Dafür gibt's dann nach all den Jahren endlich die
verdienten Streichereinheiten und lang versprochenen Bläsersätze,
und das ist ganz schön. Unterhaltsam.
ALEC EMPIRE: INTELLIGENCE AND SACRIFICE (Form & Function)
Die kommen, die Entertainer, gelle? Gleich noch einer: hier kommt Alec, Vorhang
auf für das definitive Alex-Spar-Paket für alle, die bislang noch
nicht zuhören durften, weil sie zu doof waren, seine Platten zu finden.
Für alle Anderen gibt's nicht so viel arg neues, dafür noises harhar.
Unterm Doppelpack machters sowieso nicht: CD 1 brätzt brachial brutal im
wohlbekannten Hardcoregestus alles weg, was nicht bei 1 auf den Speakern ist,
CD 2 hat dagegen die experimentellen, ruhigeren und minimaleren Elektroniktexturen.
Zwei Seiten einer Geschichte, und mit so was kann Alec Hallen in Japan füllen,
ob's aber der gewünschten Revolutiuon dienlich sein wird, weiß nur
die Zukunft. Die Gegenwart hat auf alle Fälle einen stets ernst und ganz
ganz beese guckenden Alec im Video, der via Elektropunk seinen eigenen Style-War
kämpft. Aber wenn einer den Kampf mit Härte aufnehmen kann, dann er.
SEELENLUFT: OUT OF THE WOODS (Klein Records)
Seelenluft ist spitze, dass das hier mal klar ist. Und in diesem Reigen sicherlich
der unbekannteste Entertainer, aber absolut nicht der schlechteste, OK? Die
Vocals auf dem begnadetem "LA Woman" singt ein Elvis-Imitator, fantastisch,
und danach bitte den coolen Übertrack "Manila", und ihr seid
ihm verfallen. Der beste Laptop-Entertainer heißt Beat Solér und
atmet Seelenluft. Grandios.
DEXY'S MIDNIGHT RUNNERS: DON'T STAND ME DOWN (EMI)
Der große Kevin Rowland mit seinen großen Dexys - 1fach einer von
uns, und dazu ein begnadeter Sänger, Songschreiber, Shouter, Showman und
Style-Shaker. Mit dem Director's Cut seiner missverstandensten Platte. Welche
Klasse! Plus drei oberfantastische DVD-Videos, die sich alle der hier Aufgeführten
mal genau anschauen sollten. Und ihr auch. Just grand.
www.terz.org - 3.6.2002