“18.
Juni:
2.000 Studierende protestieren gegen Studiengebühren und
blockieren den
Landtag. 80, die die Bannmeile durchbrechen, werden vorläufig
festgenommen. Die
Pläne, eine Rückmeldegebühr von 50 Euro pro Semester zu
erheben, scheinen in
der SPD vom Tisch. Langzeitstudierende sollen allerdings bis zu 650
Euro
zahlen”, und dann:
“3.
Juli:
Vertragsunterzeichnung »Ordnungspartnerschaft« zwischen der
Heinrich-Heine-Universität, der Fachhochschule, dem Studentenwerk,
dem Klinikum
und der Polizei mit dem Ziel, Sicherheit und Sicherheitsgefühl auf
dem Campus
zu erhöhen”, heißt es in der Chronik des Jahres 2002 der
Heinrich-Heine-Universität. Nunmehr schreiben wir ja schon das
Jahr 2004, und
die Taktik von Polizei und König, dem Kanzler der HHU, scheint
sich ein wenig
geändert zu haben. Studierende wurden nach Protestaktionen gegen
die
Ordnungspartnerschaft in ein Beratungsgremium derselbigen quasi
zurückintegriert, nachdem man dieses Gremium zuvor aufgelöst
hatte (siehe Terz
Januar 2004).
Die
Polizei
steht nicht einfach dumm vor der Mensa rum, unter ihrem
lächerlichen Sonnenschirmchen,
setzt ein breites Grinsen auf und wartet auf hungrige oder
gesättigte StudentInnen
vierzig plus, nein, es werden Fahrräder codiert, um dem Unsinn der
bezahlten
Schäferstündchen nun doch einen Sinn zu geben. Notwendige
Utensilien zur
Abschreckung der organisierten Fahrraddiebe sind: natürlich ein
Fahrrad (nicht
gestohlen, hoffentlich) und eben auch ein gültiger
Personalausweis. Dass die
organisierte Kriminalität zur Überbrückung der
lückenlosen Registrierung
lediglich einen Metallstempel und eine Sprühdose braucht, sei
dahingestellt.
Wie in der Chronik erwähnt, geht es ja eben auch um das
Sicherheitsgefühl. Nun
gibt es da aber einige StudentInnen, denen das ganze nicht so recht
passt,
nicht weit genug geht, und sie lieber ihren eigenen Sicherheitsdienst
an der
Universität zu etablieren versuchen. Ohne Sonnenschirm versammelt
sich also am
Mittwoch gegen 12 Uhr, die Polizei schaut bereits ihrem
angeheuerten Fahrradcodierer
auf die Finger und notiert Personalien, eine Gruppe von Studierenden
vor der
Mensa, um der zimperlichen Polizei in Sachen “Recht und Ordnung”, wie
es auf
der Website der HHUD heißt, unter die Arme zu greifen.
Wer
die
Heinrich-Heine-Universität kennt, kennt auch die
Fußgängerbrücke über die
Universitätsstraße, der einzig sichere Weg zur Mensa, der
während der
Mittagszeit bestimmt von 4.000 Menschen frequentiert wird. Unter diesen
eben
auch solche, die sich nicht so recht an “Recht und Ordnung” zu halten gedenken. Es werden also
zusätzliche Sicherheitskräfte auf der Brücke postiert,
um endlich der
studentischen Anarchie Einhalt zu gebieten.
Die
Sirene
des Megafons heult auf, um erst einmal die volle Aufmerksamkeit der
Massen für
sich zu gewinnen. “Achtung, Achtung” tönt es dann, “hier spricht
der neue
Sicherheitsdienst der Heinrich-Heine-Universität. Wir sorgen von
nun an im
Rahmen der Ordnungspartnerschaft für Recht und Ordnung auf dem
Campus. Auf der
Brücke bitte rechts gehen, reeeechts gehen!” Ein randalierender
Radfahrer, der
zwischen den Menschen hindurch zu rollen gedenkt und somit die
Unfallgefahr
exponentiell vervielfacht, wird mittels des Schallverstärkers zur
Ordnung
gerufen und siehe da: Dieser Radfahrer steigt tatsächlich von
seinem Drahtesel
herunter und schiebt. Für all jene, die der Verkleidung und dem
autoritären
Gehabe auf den Leim gehen, gibt es die Informationsbroschüre. Auch
das
Transparent neben dem Stand mit dem Gewinnspiel und den unglaublichen
Preisen
ist eigentlich nicht zu übersehen:
Gegen
Ordnungspartnerschaft, Sicherheitswahn und Ausgrenzung!
EURE
ORDNUNG KOTZT UNS AN
Doch
es ist
Land in Sicht: “Endlich mal eine Gaudi hier!” teilt ein Student in
spontaner
Meinungsäußerung mit. Eintausend Informationsbroschüren
zum Sicherheitswahn der
Rechtssprecher und Ordnungshüter im allgemeinen und im speziellen
zur HHUD sind
in weniger als einer Stunde an die Frau und an den Mann gebracht.
Händchen
haltende Paare werden verwarnt, illegale Versammlungen auf der
Brücke aufgelöst
und ein langer Schlacks mit Zopf, der gedenkt, auf der linken Seite die
Universitätsstraße zu überqueren, in Gewahrsam
genommen.
Die
Taktik
der Polizei, Berührungsängste und Hemmschwellen durch das
Eingravieren von
unverständlichen Nummern zu überwinden, scheint
fehlgeschlagen. Die Reihe der wartenden
Studierenden vor dem Sonnenschirm verkürzt sich zusehends. Zur
Unterstützung
(und auch irgendwie aus Mitleid) werden dann lauthals alle
RadfahrerInnen
gebeten, sich zum Stand der Polizei zu begeben, um ihre Räder
“überprüfen” zu
lassen. Man schüttelt sich die Hände über diese
gelungene Aktion und fragt
sich, welche Taktik die Polizei in Zukunft wohl fahren wird, wenn es
denn an
der Universität keine Räder mehr zum Codieren gibt ...
www.terz.org - 24.5.2004