Lausige Zeiten
"kriminell
ist das system und nicht der
widerstand"
Im Moment findet
in Magdeburg ein Revisionsprozess gegen
zwei Antifaschisten statt. Im vorherigen haarsträubenden
Indizienprozess
wurden sie wegen angeblich von ihnen begangener Brandanschläge zu
mehrjährigen
Haftstrafen verurteilt.
Am 22. Februar
diesen Jahres ging der Staatsschutzprozess
gegen Aktivisten der Magdeburger Linken in die zweite Runde. Anderthalb
Jahre
zuvor sprach der 1. Senat des Oberlandesgerichts Naumburg das Urteil
gegen die
zuvor nach § 129 a 3 Angeklagten antifaschistischen
Internationalisten: 2 1/2
Jahre ohne Bewährung und sämtliche Verfahrenskosten für
Marco, 2 Jahre ohne
Bewährung für Daniel und Freispruch für Carsten. Ihnen
wurde und wird
vorgeworfen, mit anderen unbekannten Menschen Brandanschläge gegen
das
Magdeburger LKA Gebäude und einem BGS Mannschaftswagen, gegen
Daimler Chrysler
Fahrzeuge, ein Autohaus und gegen Fahrzeuge der deutschen Telekom
begangen zu
haben. Zu den Anschlägen bekannten sich verschiedene militante
Gruppen, welche
ihren Ursprung in der linksradikalen Gruppe Autonomer
Zusammenschluß
[Magdeburg] gehabt haben sollen.
Der damalige
Vorsitzende Richter Hennig ließ dies auch in
der mündlichen Urteilsverkündung voll zur Geltung kommen,
denn er könnte sich
einfach vorstellen, dass sie die “Straftaten” begangen
haben, es gibt zwar
keine eindeutigen Beweise, aber allein ihre politische Gesinnung
scheint wohl
zu reichen. Gleichzeitig relativierte er im Urteilsspruch den
Holocaust, indem
er brennende Fahrzeuge mit brennenden Synagogen verglich.
Dass die
angeklagten Mitglieder des Autonomen Zusammenschluß
[Magdeburg] waren, der eine konsequente antifaschistische Praxis in
Magdeburg
vorantrieb, den antifaschistischen Selbstschutz organisierte in einer
Stadt, in
der zwei Punks von Nazis ermordet wurden, es Alltag ist, dass
MigrantInnen
gejagt und erniedrigt werden und die Polizei Nazis schützt, bleibt
da natürlich
außen vor.
Am 22. Februar
fand der Revisionsprozess gegen Marco statt.
Es ging ausschließlich um die Verhandlung des Strafmaßes in
der der Richter
Braun das Urteil von 2 1/2 Jahren erneut bestätigte. Das
Revisionsverfahren von
Daniel begann am 5. April und wurde aufgrund eines Verfahrensfehlers
komplett
neu aufgerollt. Auf Drängen des Richter Braun wurden erneut alle
Zeugen
vorgeladen denen, bei Verweigerung der Aussage ebenfalls Repression bis
zur
Beugehaft drohen. Bereits am 26.April verhängte Richter Braun
gegen Marco
Beugehaft und zusätzlich 1.000 Euro Strafe da er die Aussage
verweigerte.
“…Wir
werden auf keinen Fall Aussagen in diesem Verfahren
machen, da wir dies nicht mit unserem Gewissen und unserer politischen
Identität vereinbaren können. Auch eventuell verhängte
Repressionsmaßnahmen
werden uns von diesem Standpunkt nicht abbringen. Sondern uns und unser
Verhältnis zu diesem System und diesem Spektakel hier eher
stärken, da es uns
und anderen Menschen weitere Einblicke in die Ungerechtigkeit dieser
Verhältnisse aufzwingt.” (Auszug aus der Erklärung des
ZeugInnenkollektivs zur
Aussageverweigerung)
Am 18. Juni 2005
wird eine bundesweite Antirepressionsdemo
in Magdeburg stattfinden: 15 Uhr Kundgebung – 17 Uhr Demobeginn.
Weitere Infos
unter: http://www.soligruppe.de
von
den griechen lernen
Anstatt sich
brav dem Kalender zu unterwerfen und
zähneknirschend hinzunehmen, dass der 1. Mai in diesem Jahre auf
einen Sonntag
fiel, forderten die Griechen, dass der 1. Mai diesmal verlegt wird. Da
die
griechische Regierung dieser Forderung nicht nachkam wurde für den
11. Mai der
Generalstreik ausgerufen. Landesweit legte die Arbeitsniederlegung das
öffentliche Leben lahm.
millionen
seid umschlungen
In
Düsseldorf leben die meisten Einkommensmillionäre in NRW.
240 verdienen mehr als 1 Million Euro im Jahr. Die meisten
Großverdiener mit
über 500.000 Euro im Jahr leben in Köln (730) vor
Düsseldorf (709). Neben den
vielen Gutverdienenden gibt es in Düsseldorf aber viele
Schlechtverdienende. 15
bis 17 Prozent der Düsseldorfer leben in Armut. Im NRW-Schnitt
sind es 14
Prozent. Genauere Zahlen gibt aber es nicht. Der letzte Armutsbericht
stammt
aus den 90ern, mit damals erschreckenden Ergebnissen. Seitdem weigert
sich die
CDU mit OB Erwin einen neuen aufzulegen.
kungeln
um zahlen
Der Streit um
die so genannten Bilker Arcaden eskaliert
langsam. Wie oft berichtet, wird dem Investor mfi und den
Befürwortern des
Projektes vorgeworfen, die eigentliche Quadratmeterzahl der
Verkaufsfläche
wissentlich auf den Plänen zu verkleinern. Für erheblichen
Ärger sorgte eine
Umfrage der städtischen Werbegemeinschaft
“Düsseldorf Destination”. Mit
manipulativen Fragestellungen wurde versucht den Protest zu negieren um
dann
mit dem Ergebnis der Umfrage für den Bau zu werben. Aber nur
wenige Antworten
kamen überhaupt zurück. Zu offensichtlich war der Versuch der
Werbegemeinschaft, die Mitglieder zu instrumentalisieren, von
denen viele
auch Gegner des Projektes sind.
big
brother is watching you!
Nun ist es auch
in Düsseldorf soweit: Nach Bielefeld und
Mönchengladbach ist Düsseldorf die dritte NRW-Stadt, in der
eine von der
Polizei betriebene Videoüberwachungsanlage läuft.
Künftig heißt es den Schnittpunkt
von Bolker-, Hunsrücken-, Neustraße und
Heinrich-Heine-Allee - dem sogenannten
“Bolker Stern” - zu meiden, möchte man nicht auf Video
getaped werden oder sich
dem Voyeur-Vergnügen der Beamten aussetzten. Untersuchungen
belegen schon
lange, wer da häufig ins Visier der Kontrolleure gerät: Gut
aussehende junge
Frauen und Ausländer. Die einen zum sexistischen Vergnügen,
die anderen aus
rassistischen Gründen, da die Polizei ihnen von vornherein eine
hohe Neigung,
Verbrechen zu begehen, unterstellt. Auch wenn die PropagandistInnen der
Big
Brother Manie gebetsmühlenartig die angebliche Effizienz
wiederholen, belegen
seriöse Studien, vor allem aus dem Big-Brother-Wunderland
Großbritannien,
längst das Gegenteil. Trotz einer extrem hohen Dichte von
Videokameras steigt
die Kriminalität schon länger wieder stetig an.
Mit der
Observierung, die angeblich dazu dienen soll,
Straftaten zu verhindern bzw. begangene Straftaten aufzuklären
wird aber eben
auch zugleich Kontrolle über alle dort zufällig Langlaufenden
ausgeübt. Und wer
sich kontrolliert fühlt oder eben wie am Bolker Stern, unsichtbar
gefilmt wird
(wobei in den Presseerklärungen immer euphemistisch von
“Videobeobachtung” und nicht
“Videoüberwachung” geredet wurde),
dessen “Recht auf informationelle Selbstbestimmung” wird
verletzt, schließlich
werden hier “personenbezogene Daten” erhoben und
gespeichert. Eine immer weiter fortschreitende Kontrolle
wird Angepasstsein und Problemverdrängung Vorschub leisten. Das
stellte schon
das “Volkszählungsurteil” des
Bundesverfassungsgerichts von 1983 fest.
Und OB Erwin
möchte noch viel mehr Kameras, und die am
besten in den Händen seines städtischen Ordnungs- und
Sicherheitsdienstes. Die
Kosten dieser polizeilichen Videoüberwachung betragen knapp
100.000 Euro und
werden vom Land übernommen. Die Bilder werden auf Monitore in die
wenige Meter
weiter liegende Altstadtwache übertragen, rund um die Uhr
aufgezeichnet und in
der “Kernzeit” von 15 bis 6 Uhr auch von Beamten
ausgewertet. Nach einem Jahr
wird erneut entschieden, ob der Pilotversuch verlängert wird.
Solange sollte
man nicht warten: Weg mit den Videokameras - mit allen Mitteln.
billigjobs
en masse
Wer immer noch
der Propaganda der Bundesregierung und
Bundesanstalt für Arbeit glaubt, dass mit den 1-Euro-Jobs keine
Arbeitsplätze
wegfallen, ist selber Schuld. Der Wuppertaler Verein Tacheles hat
für Wuppertal
eine Liste mit 1000-Ein-Euro-Jobs veröffenlicht, die eine ganz
andere Sprache
spricht. Ein Großteil der Billigarbeitsstellen werden von
den Trägern dazu
benutzt, Arbeiten von ALG-II-Empfängern verrichten zu lassen,
für die die
Träger ansonsten wesentlich mehr bezahlen müssten. Neben
der Billiglöhnern
erhalten die Beschäftigungsstellen für jede 1-Euro -Kraft
mehrere hundert Euro,
die zur Weiterbildung vorgesehen sind, oftmals aber einfach in den
Taschen der
Organisationen verschwinden. Ein tolles System zur zusätzlichen
Finanzierung
für viele Organisationen, das so oder ähnlich bundesweit
angewendet wird und
somit sicherlich auch in Düsseldorf funktioniert. Auch in
Wuppertal konnte man
immer vorher vernehmen, dass so etwas nicht passiert. Bis die Liste
auftauchte.
Die ist im Internet einzusehen unter:
http://www.tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/2005/eineuro-wuppertal.pdf
drogentote
Nach der
Verdoppelung der an illegalen Drogen Gestorbenen im
Jahre 2003 ist 2004 die Zahl leicht von 22 auf 19 gesunken. Dies sind
jedoch
die offiziellen Zahlen der Polizeistatistik, die mit Vorsicht zu
genießen sind,
da die Polizei und das Gesundheitsamt der Stadt anders zählt als
die
Drogeneinrichtungen. Die kamen für die Zeit von Mitte 2003 bis
Mitte 2004 auf
eine Zahl von über 40 Drogentoten.
cross-boarder-leasings
am ende
Noch wird so
getan, als sei alles in Ordnung, doch in der
Verwaltung wird man langsam nervös. Schon 1996 verkaufte die
städtische
Rheinbahngesellschaft die Straßenbahnen an US-amerikanische
Gesellschaften,
später kam der Betriebshof Lierenfeld und das gesamte Schienennetz
dazu. Die
Stadt zog nach und verkaufte das gesamte Kanalnetz und die
Kläranlagen. In
diesen so genannten “Cross-Boarder-Leasings” wurde ein Loch
in der
US-amerikanischen Steuergesetzgebung ausgenutzt, die den deutschen
Gesellschaften und Kommunen durch das Zurückleasen der vorab
formal verkauften
Liegenschaften zig Millionen einbrachte. RechtsexpertInnen sind sich
jedoch
uneins über den rechtlichen Status der Geschäfte. So wurde
frühzeitig vor
diesen dubiosen Geschäften gewarnt. Nun ist der Supergau
eingetroffen. Die
US-Finanzbehörden haben die Cross-Boarder-Leasingverträge
nicht anerkannt und
sie sogar als “missbräuchliche Steuerumgehung”
klassifiziert. Nun droht eine
Rückzahlung und viel Ärger.
dateien
für schwule
Die Sammelwut
der Behörden macht vor nichts halt. Weiterhin
sammlen einige Polizeibehörden Daten von Homosexuellen oder
vermeintlich
Homosexuellen – und das 30 Jahre nach Liberalisierung und 10
Jahre nach
Abschaffung des sogenannten Schwulenparagraphen §179.
Aufgedeckt hat dies der
“Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter”
(Velspol).
NRW, ebenso wie
Thüringen, kaufte für ihre
Polizeidienststellen ein Softwareprogramm aus Bayern. In dem von den
Polizeibehörden der drei Bundeländer genutzten, von der
bayerischen Polizei
entwickelten und vertriebenen Computerprogramm namens "IGVP"
können
in einer Suchmaske unter der Schlüsselnummer 901 Angaben zum
“Aufenthalt von
Homosexuellen” an bestimmten Orten eingegeben werden. Dieses neue
Vorgangs- und
Verwaltungsprogramm “IGVP” erlaubt es den Beamten
Verkehrsunfälle,
Strafanzeigen, Ordnungswidrigkeitenanzeigen und
Meldungen mit kompletten
Datensätzen von Tätern, Geschädigten und (zufällig
anwesende) Tatzeugen zu
erfassen. Dieses Programm ermögliche laut Velspol “auch eine
Recherche nach
Tatörtlichkeit mit einem einzugebenden Zeitraum”. Dadurch
sei beispielsweise
auch problemlos zu ermitteln, welche Personen sich wann und wie oft an
Schwulentreffpunkten oder anderen Örtlichkeiten aufgehalten haben.
Peinlich wird
die Sache, weil das Innenministerium erst vor
wenigen Tagen Schwulen- und Lesbengruppen aus ganz NRW zu einer
Fachtagung zum
Thema Vielfalt der Lebensformen nach Düsseldorf eingeladen hatte.
Jetzt sei
klar, daß das Innenministerium offenbar selbst erheblichen
Nachholbedarf in
diesem Bereich habe, heißt es in der Szene. Entsetzen herrscht
vor allem
darüber, daß in Zeiten von Homo-Ehe und rot-grüner
Antidiskriminierungspolitik
ausgerechnet die von der Schwulenbewegung seit Jahrzehnten immer wieder
entschieden bekämpften und von den Behörden ebenso vehement
bestrittenen
sogenannten “Rosa Listen” bei der Polizei “ein
fröhliches Comeback erleben”.
Bereits am 21.
März 2005 hatte VelsPol nach eigenen Angaben
von der Abteilung IV des NRW-Innenministeriums die ersatzlose
Löschung der
genannten Schlüsselnummern gefordert. Nach einer
Eingangsbestätigung vom 30.
März 2005 habe das Ministerium jedoch lediglich mit einer –
nicht nähere
bezeichneten – “inoffiziellen Benachrichtigung”
reagiert.
geh
doch erst mal arbeiten
Anstatt als
Arbeitsuchender ständig auf die Absagen zu
warten, gehen einige den umgekehrten Weg. Unter dem Motto:
“Verkaufen Sie sich
nicht unter Wert – sagen Sie lieber gleich ab!” suchen sich
Arbeitsuchende
Stellenangebote aus und schreiben dem Anbieter eine Absage. Entweder
als
persönlicher Text oder unter Verwendung eines vorformulierten
Textes der
Absageagentur. Die will die Arbeitsuchenden aus der Defensive locken.
Nach
Aussagen von AbsagerInnen machen diese Briefe ihnen viel Spaß,
zumal die
angeschrieben Firmen sichtlich irritiert sind. Gleichzeitig kritisiert
die
Absageagentur aber auch die gesellschaftlichen Zustände, die den
Wert eines
Menschen nur über die Lohnarbeit definiert. Weitere Informationen,
vorformulierte Briefe, irritierte Rückschreiben der Firmen und
vieles mehr
unter www.absageagentur.de
alt und
abgeschoben
Erst vor ein
paar Jahren kam es zu einem Skandal in dem
städtischen Altenheim Flehe. Lange versuchte die Stadt die
katastrophalen
Zustände zu vertuschen, bis das Heim letztendlich geschlossen
werden musste.
Nun kamen ähnliche Zustände im städtischen Altenheim
Gallberg an die
Öffentlichkeit. Eine Frau war auf 29 Kilo abgemagert und wurde
offensichtlich
unzureichend versorgt. Erst eine Besucherin, die eine andere Rentnerin
betreut,
entdeckte die Frau und alarmierte die Heimaufsicht. Die suchte
vergeblich nach
einer vollständigen Pflegedokumentation und einem Pflegeplan. Die
Geschäftsführung der als GmbH geführten
“Städtischen Kliniken und
Seniorenzentrum” versicherten treuherzig die Mängel zu
beseitigen. Pikant daran
ist, dass im Aufsichtsrat der CDU-Politiker Olaf Lehne sitzt, der
jüngst in den
Landtag gewählt wurde. Er weiß angeblich von nichts und
beweist damit, dass er
keine Kontrolle und Übersicht über das Altenheim hat. Aber
als
Aufsichtsratmitglied verdient man ja gutes Geld. Das ist
schließlich die
Hauptsache. Und irgendwie muss das Geld ja hereinkommen,
schließlich ist eine
GmbH gewinnorientiert. So spart man eben an der Betreuung. Das
Schicksal der
Frau ist kein Einzelfall. Nach der Veröffentlichung in der
städtischen Presse
wurden immer mehr Fälle publik.
keiner
will den knast
Eigentlich
schien der geplante Neubau eines Knastes schon besiegelt,
aber nun sträubt sich Ratingen mit allen Mitteln dagegen.
Eigentlich sollte der
Knastneubau 2008 stehen, doch nun sieht alles wieder anders aus.
Ratingen sähe
anstatt eines Knastes lieber Industrie dort. Dabei muss das doch gar
kein
Widerspruch sein. Mit dem Zwang zu arbeiten versehen, werden
Häftlinge gedungen
zu Sklavenlöhnen zu malochen. Die erwarteten 845 Häftlinge
sind doch ideal
einsetzbar für industrielle Tätigkeiten. Zumal der Knast als
PPP-Projekt
(Private Public Partnership) zum großen Teil privat betrieben
werden soll. Da
lassen sich doch noch andere Projekte finden, damit auch ein Knast
endlich
gewinnorientiert arbeitet.
www.terz.org - 31.05.2005