Dagobert Lubinski wurde 1893 in Breslau geboren und wuchs in einem traditionellen
jüdischen Milieu auf. Wie viele der früheren jüdischen KommunistInnen
entfernte sich Lubinski aus diesem Milieu. Er verließ die jüdische
Gemeinde und trat 1921 in die KPD ein. Lubinski - von FreundInnen Dago genannt
- war Wirtschaftsredakteur der KPD-Zeitung "Freiheit", bevor er wegen
Kritik an der "Sozialfaschismus"-These der KPD seine Stellung verlor
und zum führenden Kopf der KP-Opposition wurde. Sein Ausschluss aus der
Partei vollzog sich nach seinem Umzug nach Düsseldorf.
Dagobert Lubinski war zudem mitwirkend im sog. Weltbühnenkreis, als dessen
Kopf neben ihm der Schauspieler und Regisseur Werner Zacharias galt. Die Tätigkeit
Lubinskis gegen die Nazis und sein kulurpolitisches Engagement fand in informellen
Diskussionszirkeln statt, ein Faktum, das von den Nazis als besonders hinterhältig
eingestuft wurde. So hieß es in der Anklageschrift, Lubinski hätte
als Leiter seiner Gruppe, die nach seinem KPD-Ausschluss eigenständig als
sog. Bund der Gleichen agierte, einen geheimen Organisationsplan entworfen,
der "wegen seines geschickten Aufbaus die Entdeckung erschwerte und deshalb
besonders gefährlich war".
Einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt dieses kultur- und wirtschaftspolitisch
hoch gebildeten humanistischen Intellektuellen, der seiner kommunistischen Utopie
bis in den Tod treu blieb, vermittelt die Herausgabe seiner Briefe aus dem Gefängnis
durch Lubinskis Enkelin Annette Leo unter dem Titel "Briefe zwischen Kommen
und Gehen" (Berlin 1991).
Dem Verein Düsseldorfer Journalisten ist es zu verdanken, dass Dagobert
Lubinski nun durch eine Gedenktafel, die von dem Bildhauer Karl-Heinz Klein
erschaffen wurde, eine postume Würdigung erhalten hat.
Das Haus, an dem die Tafel angebracht ist, beherbergte zudem den 1977 dort verstorbenen
ehemaligen KPD-Vorsitzenden Fritz Reimann. Und - für die TERZ besonders
bedeutsam: Unser journalistischer Lehrmeister und "Ehrenmitglied"
Peter Baumöller wacht dort zusammen mit seiner Frau Henny über den
guten Geist des Hauses!
www.terz.org - 24.6.2002