TERZ 05.08 - STORE : music made my day
by HONKER
Berlusconi zum 1., zum 2., und zum DRITTEN! Was lässt sich daraus lernen?
Dass die norditalienische Industriearbeiterschaft Lega Nord gewählt hat, die in der Lombardei 30 % kassierte und in Mailand den Regionalpräsidenten stellen will, dass Bertinottis Regenbogen-Linke mit sagenhaften 3,5 % aus dem Parlament flog, ebenso wie die KPI und die Sozialisten, die unglaubliche 0,6 % einholten. Hallo Restlinke, anyone in for Sektierertum? Oder ist es vielleicht doch mal angebracht, die Linke von Grund auf neu zu organisieren, wie es Franco Giordano direkt nach der Wahl ausdrückte? Ihr könnt Euch von jetzt an nochmals die Zähne daran ausdiskutieren. Wird auch die New-World-Order neu organisiert? Cheerleader-auf-LSD-Hackfresse Hilarious Clinton auf jedenfall versprach, wenn sie Präsi sei, werde der Iran im Falle eines Angriffs auf Israel (O-Ton) "ausgelöscht". Auch wenn die Leute von Bush, der in Sachen Klimaschutz erneut der gesamten Welt in die Fresse scheißt (keine Reduktion von CO2-Ausstoß in den USA und keine Erhöhung ab - festhalten - 2025) die Fresse gestrichen voll haben, Leute, ich sag's Euch: McCain macht das Rennen. Ein Nam-Vet gegen einen Schwarzen und eine Frau, die sich gegenseitig die Fresse einzimmern, was glaubt ihr denn, was die Amis wollen? Das Original! Klasse ohne Kampf auch: Olympia, das Fest des reinen Sports in der Wirtschaftswunderdiktatur. Genial dazu Jürgen Hambrecht, BASF-Chef und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, dessen Ansage an die Bundesregierung lautet, die möge sich doch bitte mit ihrer Kritik an China zurückhalten, weil sie damit den Interessen deutscher Unternehmen im Ausland schade. Diese Menschenrechtssache sollte doch lieber den Geschäftsleuten überlassen werden, die würden solche Themen viel effektiver im täglichen Miteinander mit den Chinesen ansprechen. Kann man sich richtig gut vorstellen: so zwischen Pekingente, Rülpser und Pflaumenwein ein bisschen ‚Nanana!'. Freaks: was soll man mit Leuten wie ‚Bertolt' Hambrecht machen? Nach China schicken, hätten früher die Hardcore-Maoisten gesagt, aber, Leute, da wollen sie ja genau hin bzw. da sind sie schon. Ganz schön Zwickmühle mit linken Lösungen, was? Die Welt dreht sich nach rechts, das könnt Ihr an jeder ihrer Rotationsbewegung ablesen. Irgendwas muss sich da ändern, vielleicht, indem der ganze physikalische Schmonzes und die Tradition mal locker ignoriert werden und sich die Geschichte von hier aus neu schreibt? Schafft die Menschheit das noch, oder ist sie einfach doch schon zu alt? Roman "Rentnergedeck" Herzog - der mit dem Rock durchs Land ging - hat auf jedenfall nen deftigen Riss in der Birne: Erstmal plündern nicht die Rentner die Jungen aus, sondern immer noch die Politiker die Leute, und dann sind wir selbst die Rentner-Zombies, die ohne Rücksicht auf lechts und rinks uns selbst an die Gurgel gehen. Chaos, Alde. Nur Roland Schill hat die Zeichen seiner Zeit erkannt und zieht die letzte Line. Schill out in Rio! Und ich klapp jetzt dieses dämliche Kasperltheater mal zu und mach die Musik für das wirkliche Leben an.
V.A.: NIGERIA SPECIAL - MODERN HIGHLIFE, AFRO-SOUNDS & NIGERIAN BLUES 1970-76 (soundway) Die Musikindustrie reagiert auf den Untergang des Albumlandes immer häufiger mit Reissues, die oft schlampig kompilierten Schlonz aus den Gewölben befördern. Labels wie Soundway tun dagegen das einzig richtige: seit 2002 veröffentlicht das Londoner Label Musik aus Afrika, Südamerika und der Karibik. DJ Miles Cleret hat 5 Jahre an dieser unglaublichen Doppelscheibe gearbeitet und dabei neben den bereits im Titel genannten Stilen auch jazzige und bezwingende traditionelle Stile ausgraben können. 26 Reissues, die von einer großartigen Lebendigkeit und Bewegung zeugen, die - es scheint verrückt, aber es ist genau so - der so genannten kontemporären Popmusik einfach fehlt. Dazu ein 32seitiges Booklet mit großartigen Linernotes, die neben der Musik und dem erstaunlichen Artwork vor allem auch Geschichtschreibung sind, wenn es auch nur einige ‚Schnappschüsse' von den tausenden vergessenen Künstlern aus der kreativsten musikalischen Zeit des Landes sind. Diese Edition ist essentiell!
V.A.: NIGERIA DISCO FUNK SPECIAL (soundway) Und es ist noch nicht vorbei: ab Mitte der 70er war in Lagos - einem Moloch von Stadt mit herbstem Hafenviertel, dagegen ist Hämburch Kinnegadn - mehr Nachtleben als in irgendeinem anderen Ort der Westküste Afrikas. Die stark vom US-Funk beeinflussten Spieler hier fügen den Boogie-Down-Vibes ihre ganz eigene Note zu und heben Euch mit lusty Horns, dirty Licks und cleanen WahWahs in den Groove-Himmel. Leute, originaler geht gar nicht mehr, und dass'n Typ namens Dr. Adolf Aonotu so taffe Arschwackelgrooves kann - hier hört ihr's derbstens!
GUILTY SIMPSON: ODE TO THE GHETTO (stones throw) Guilty ist'n Beeser, 'n janz Beeser. Auf der Straße findet er plattgetretene Kaugummis, Latexhüllen mit Love Juice drinne, Patronenhülsen und manchmal die Wahrheit. Stubenrein ist das nicht, und die Art, wie sich Guilty hier als Rude-Boy-King etablieren will, wird auch nicht jedem gefallen. Doch Detroit bietet logisch jede Menge Material dafür an, und der taff-gehetzte Elektro-Hustle-Vibe ist so originär, dass die hiesigen Weißbrote juchzen werden und ihre Dr.National-Sex-Plattenbauten-Homies dafür hoffentlich in die Tonne treten werden.
PETE ROCK: NYs FINEST (nature sounds) Ladies'n Gentleman: Mr. Pete Rock. Nuff said? Ok: diese Scheibe begeisterte mich beim ersten Hören und sie tut das immer noch. Dermaßen smooth - auch ohne CL -, relaxt, funky und auf dem Punkt, das kriegt nur dieser absolute Master-Ace-Produzent hin. Dass Pete seit 20 Jahren agiert, hört man, und das ist auch nötig, um im HipHop heute noch qualitative Akzente zu setzen. Eine illustre Gästeliste ist unaufgeregt dabei, checkt sie selbst aus, denn hören solltet ihr das unbedingt!
BETTIE FORD: SINGAPORE SLING (crafty) Handgranate, aber sehr gediegen. Vier Gentlemen mit Koteletten und Tatoos, die unprätentiös und fett rocken, dass die Schwarte kracht. Neben ungewöhnlichen Lyricthemen wie Kindesmissbrauch gibt's die Klassiker: Abfackeln, Arschlecken and the big getaway. Geile Scheibe und vor allem live sicherlich ein cooler Brenner.
TRITE RADIO: HERE'S TO THE MOMENT (your life) Letztlich überzeugender Vierer aus Münster mit Campusradiowurzeln, dessen Songwriting genug Format hat, um gegen den usual Indie-Wust zu bestehen.
THE FELICE BROTHERS (loose music) Shit, was ist das denn für ein formidables Wunderwerk? Die drei Brüder und ihr komischer Bruder Christmas, die von den Catskill Mountains, NY, direkt in die Straßen des Zentrums kamen, um mit diesem famosen Zweitling ihren leichtfüßigen BBQ-Country-Americana-Swing endlich in alle Ohren zu pusten. Conor Obersts Label hilft dabei, aber das macht mittlerweile nichts mehr, denn sie sind eh besser. Steckt Euch auch die early Springsteen/Dylan-Vergleiche in die Keksdose, es gibt eher so was wie nen Flying-Burrito-Vibe … aber, meine Fresse, das ist Ihrer!
JASMINA MASCHINA: THE DEMOLITION SERIES (staubgold) Sagenhaft in doppelter Hinsicht: dass das gute Label Staubgold sich - ähnlich wie bei ‚Sun' - als Ort für die Song-Vorlieben von ExperimentalElektroden versteht und in diesem Sinne der einen Hälfte von ‚Minit' Raum gab, diese absolut fantastischen Folk-Songscapes zu veröffentlichen. Immer & immer wieder hört man diese tief empfundenen und leicht vorgetragenen Stücke, die sich sowohl zum Heimreflektieren als zum Roadmoven eignen. Unglaubliches Glück!
FOLKLABOR: THE SLIDER IN ADVANCE (angelika köhlermann) Weiter im Vibe: auch Philipp Mold produziert seinen Folk retrolos, dafür mit Sequenzialisierungen, Vocoder und etwas Schwachstrom, aber stets am analogen Lagerfeuer. Partnerin Maria Augustin singt toll und spielt, natürlich, Flöte. ‚Wir fahren im Traktor' klingt dann sehr undercover wie ‚Autobahn', und überhaupt ist das eine unglaublich reiche und volle Musik, die im Gewand eines Tagediebs daherkommt. Sehr visionär und weitreichend, da habt ihr lange was von.
YASUSHI YOSHIDA: LITTLE GRACE (noble) Hier geht's weiter: Yoshida arrangiert auf seinem Zweitling vor allem Live-Instrumente, deren Orchestration die Gratwanderung zwischen Ambiente und Dramatisierung hervorragend hinbekommt. Sehr schön, große Scoremusik dazu, doch teilweise etwas zu überambitioniert wirkend, wie Ambient-Kammermusik. Weniger wäre mehr.
WILLITS + SAKAMOTO: OCEAN FIRE (12k) An die Klasse dieses Stör-Ambients kann das nicht rankommen: Diesen Soundtrack für das Meer improvisierte dieses Instant-Duo live im Frühling 2006 in Sakamotos Studio. Sakamotos prozessiertes Piano und Willis originelle Gitarrenprozessierung führen zu einem einzigartig tiefen und bewegten Klangerlebnis, das ebenso betörend wie verstörend ist. Sakamoto, der immer wieder soziales Bewusstsein mit seinen Projekten vermittelt, weiß auch hier den richtigen Unterton zu treffen: nicht puren Ästhetizismus bieten diese 7 Spitzentracks, sondern auch Bewusstsein, dass der Ozean brennt und ein Großteil der Weltmeere unwiderruflich kontaminiert ist. Einmal mehr profiliert sich 12k als eines der wichtigsten Labels für neue Digitalmusik mit "human touch".
OFFICERFISHDUMPLINGS: O. FINDS YOU WAY HOME (notenuf) Der Waschzettel lässt Schlimmstes ahnen: Es gibt ja so notorische HaHa-Vibes, die irgendwann nur noch nerven. Manchmal ist es eben besser, zu Musik nicht zuviel zu schreiben. Der Typ, Hatim Belyamani, Marokkaner, der sich sein Exil in den USA offenbar leisten kann, ist etwas genauso: gutgelaunt zwangsschräg, was fürchten lässt, dass der Vibe dieser Musik letztlich nur Gimmick ist. Aber naja schön, erstens ham wir ja nix gegen Humor und zweitens kriegt keiner den Mix zwischen Elektroakustik und Exotika derzeit so gut hin wie dieser Knallkopf. Das war ein Lob, du Ei, jetzt setz dich wieder und mach weiter!
SISSIKONTEST: BOYS ON TRANQUILIZERS (spezialmaterial) Das ist auch so ne geile Eierfahrgruppe: sind luschtig, haben ne super Bandbreite, saugute Sounds, tolles Artwork (Cover 1A, Innenposter scheiße & voll affig) tolle Ideen, toller Klang mit teils selbstgebastelten Instrumenten, toller klassisch ausgebildeter Gitarrero, tolle Kohle von Schweizer Popunterstützern und überhaupt glaub ich, dass die live unglaublich spitze sind. Aber auf Konserve hängt's irgendwann und blubbert so vor sich hin. Irgendwas stimmt da nicht. Ich weiß auch was: das ganze ist ZickZack-Studentensound von 1981. Da ham was!
ANGEL: KALMUKIA (mego) Aber das hier! Himmelwolke und Arschbruch! Diese dreisten Drei - Ilpo Väisänen, Hildur Gudnadottir und Dirk Dresselhaus - reißen den metallgrau zugeschweißten Himmel über Euch auf und lassen alle Laserkanonen gravitätisch gen Kosmos fahren. Machen wir es kurz: dieser Sound ist exakt das, was Ihr zwischen November und April braucht. Also die ultimative Durchhalte- und Entdeckermusik. Väisänen hat die Visionen und Exkursionen einer Reise an die Wolga in ein kontaminiertes Flussgebiet und die Entdeckung von mutierten Fischen als Umweltgau-Parasiten wie eine Art Journal im Edgar-Allan-Poe-Style beschrieben. Sehr fein das alles, aber der Sound dazu bläst Euch in seiner epischen Kraft und Weite noch mal um. Das ist keine verdammte Kunstmusik, Leute, das rockt wie Stalker! Kopfhörer angeraten.
MAYBE MONDAY: UNSQUARE (intakt) Als John Zorn der Kotospielerin Miya Masaoka im November 2006 die Möglichkeit gab, Konzerte im NYer ‚Stone'-Club zu organisieren, holte sie umgehend ihre alten ‚Maybe Monday'-Mitspieler Fred Frith und Larry Ochs, um einige Konzerte als Trio, andere hingegen mit Gästen zu spielen. Neben den Live-Gigs jedoch wurde auch wegen der Klangreinheit explizites Studiomaterial quasi direkt nebenan eingespielt, wovon auf dieser CD über 60 Minuten im Septett zu hören sind. Zusätzlich sind es Zeena Parkins, Ikue Mori, Carla Kihlstedt und Gerry Hemingway. Man muss es deutlich sagen: Die Aufnahme hat große Klasse, aber wenn Hemingways Drums mit hineinmischen, verliert es sofort. Dieser antiquierte Drum-Sound mit Zischel-Becken und Tom-Gepulvere nervt zwischen der oft vorgenommenen Elektrifizierung von Koto, Violine oder Harfe. Auch Hemingways Percussion ist arg hippiemäßig, verdammt schade, denn die anderen Asse brennen natürlich. Den perkussiven Part bei einer derart avancierten Improvisation jedoch kann und sollte mittlerweile die Elektronik oder zumindest die prozessierte Percussion übernehmen, das ist ein generelles Ding. Ansonsten könnt Ihr Euch darauf verlassen, hier allerbeste Improv-Kost vorgesetzt zu bekommen - Word!
MARK STEWART: EDIT (crippled dick hot wax) Ja gut. Lass den Bass treten. Dieser Mann hat nicht nur bei uns einen mehr oder weniger unheimlichen Fanclub und muss den Reigen hier definitiv für einen Neuanfang schließen. Wilde Cut-Ups, Metall-Hall und ein Yardbirds-Cover (mit Ari Up). Das neue Studioalbum wummert und hämmert wie Dulle, ich kann schon sehen, wie in den durchgeschwitzten Kellern dazu die Asche von den Spliffs abfällt. Einfach so. Ist doch gut. Tritt aus, geh rauf. The world is moving to the right? Von wegen! Alles neu krachtlachtmacht der Mai.