pflege des rheinischen brauchtums
Neusser Bürger- und Schützenfest
Böse Zungen behaupten, das Neusser Schützenfest sei eine reine
Angelegenheit der Krone der Schöpfung. Da wollen nun fortschrittliche
Neusser Frauen gegensteuern. Für DM 25,- vermietet am Tage der Schützenparade
der Verein “Frauen helfen Frauen exklusiv für Frauen geschützte
Fensterplätze am Markt an.” (NGZ, 13.8.01) Endlich dürfen sich
Damen auch mal von oben das Treiben der Herren anschauen. Vielleicht kommen
die Frauen, die ansonsten das Frauenhaus aus anderen Gründen aufsuchen,
in den Genuss des bekannten rheinischen Liedes, das unter Neusser Schützen
oft angestimmt wird und die physiognomischen Besonderheiten der Genitalien
von “Ons Marie” näher beleuchtet.
tradition verpflichtet
Etwas traurig sind die Polizisten, die das Polizeigewahrsam betreuen, schon.
Da hat man nach Renovierung der Zellen einfach das Plakat mit der Aufschrift
“Der Rheinländer ist ein guter Gastgeber” weggenommen. Fast 70 Jahre
durfte der Sinnspruch das Eingangsportal zum Polizeiknast schmücken
- und nun ist er weg!
Vielleicht überlegen sich die innovativen und brüllkomischen Polizeibeamten
mal was Neues. Wie wäre es zum Beispiel mit “Arbeit macht frei” oder
“Jedem das Seine”. Ha, ha, ha!
synagogen-anschlag: neuer prozess
Der Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge vom 2. Oktober letzten
Jahres galt dem Gericht lediglich als Sachbeschädigung. Entsprechend
milde fiel das Urteil aus: Belal T. bekam 18 Monate zur Bewährung. Die
Staatsanwaltschaft hat Revision beantragt, weil sie den Tatbestand von versuchter
schwerer Brandstiftung als erfüllt ansah. Dem ist jetzt stattgegeben
worden. Am 11. September beginnt die Neuverhandlung.
neusser pds will anarchie - hier und überall!
Anläßlich des 40. Jahrestages des Mauerbaus hat die Neusser PDS
laut Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 13. August eine revolutionäre
Erklärung abgegeben: “Kein Staat darf seine Bürger einsperren ...”
Das hat den Autor dieser Lausi-Meldung nachdenklich gestimmt. Ist vielleicht
doch was Wahres dran, wenn die Neusser CDU behauptet: “Ihr (PDS) Ziel bleibt
die Wiedereinführung des Sozialismus.” (ebd.)
Jedenfalls fanden sich in der CDU-Hetzschrift von Laurenz Meyer “Die PDS
- Fakten, Hintergründe”, die auf einem CDU-Infostand in Neuss am 13.
August verteilt wurde, keine Anhaltspunkte, die eine derartige Behauptung
richtig scheinen ließen.
deutschland rassistisch? aber nein!
Da musste Innenminister Schily aber mal deutlich werden. Sehr verstimmt war
er, als der Europarat Anfang Juli Deutschland des Rassismus beschuldigte.
In dem Bericht wird Deutschland Versagen bei der Bekämpfung des Rassismus
und mangelnde Akzeptanz von Fremden vorgeworfen. Aber was nicht sein darf,
kann auch nicht sein. Schily polterte mächtig drauf los, laut „Spiegel“
drohte er die deutschen Zuschüsse für den Europarat zu streichen.
Das wurde natürlich umgehend aus dem Innenministerium dementiert, aber
der Europarat schwächte prompt seine Kritik ab.
zum neuen schuljahr:
fleiß und pünktlichkeit angemahnt!
Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) durfte zwei Wochen vor Beginn
des neuen Schuljahres auf der Titelseite der Rheinischen Post (7.8.) mal
kräftig über missratene Schüler und unfähige Eltern herziehen.
Die Kids wollen angeblich nichts mehr lernen und schätzen die Pünktlichkeit
nicht. Und das Allerschlimmste: Die Eltern kapitulieren und nehmen sogar
ihre Brut in Schutz.
Das war das Stichwort für den berühmten Neusser Stammtischpädagogen
Dr. Albert Wunsch (NGZ, 8.8.). Aber er gibt noch einen drauf. Nicht nur die
Eltern, auch die Schule verwöhne die Zöglinge und unterstütze
deren Trägheit. Wunschs Strategie in Sachen Pünktlichkeit lautet:
Wer zu spät kommt, muss die doppelte Zeit nachsitzen. Die “Weichmacher”
müssten aus dem Schulalltag verschwinden, fordert Wunsch und meint damit,
dass eine “Bitte” um Pünktlichkeit vom Schüler ausgeschlagen werden
könne, “meist ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.”
Der Herr Doktor hat Recht. In unserer Gesellschaft hat jeder an seinem Platz
so zu funktionieren, wie Staat und Ökonomie es für ihn vorgesehen
haben. Und das lernen die Kids in der Schule: Wer seinen Verpflichtungen
nicht nachkommt, wird empfindlich bestraft.
Die alte Tour, das Mitmachen über die Einsicht einzufordern, fällt
bei Wunsch unter die Kategorie “Weichmacher”. Diese Zeiten sind vorbei.
neusser bürgermeister:
Synagogen-Bau durchkalkuliert
Die Neusser Junge Union gibt ein Hochglanzblättchen mit dem Titel
„Blackbox - Neues aus Neuss” heraus. Mit mehr oder weniger gelungenen Schüleraufsätzen
versucht sich hier die Junge Garde der Unionschristen für die besseren
Pöstchen in Partei und Gesellschaft zu empfehlen. In der neuesten Ausgabe
zeigt Sarah Ayoughi ihre unzweifelhaften Qualifikationen für politische
Führungspositionen. Mit kniffligen Fragen prüft sie die Machbarkeit
der Vorstellungen von Bürgermeister Napp.
Dieser, ganz auf der Höhe der Zeit, möchte Neuss mit der Einrichtung
einer Synagoge schmücken. Durch einen geschickten Umbau des ehemaligen
Rheinischen Landestheaters an der Drususallee soll ein Haus entstehen, in
dem in Zukunft nicht nur profane Illusionen vermittelt werden sollen.
Die zentrale Frage, die sich der Bürgermeister von der aufgeklärten
Jungbürgerin gefallen lassen musste, war die nach der Finanzierbarkeit
des ganzen Spaßes. Ob die zukünftigen Mitglieder der jüdischen
Gemeinde „Ortsansässige” oder etwa „Immigranten aus Osteuropa” seien?
Das verstand Herr Napp blind, ohne nachzufragen: „Das wird einige Leistungen
und Kosten im Bezug auf Sozialhilfe mit sich bringen, wobei ich sehr zuversichtlich
bin, dass dies sich sehr schnell stabilisieren wird.”
Dass die Stadt Neuss ihren Sozi-Empfängern Beine macht, da sind auch
wir sehr zuversichtlich.
Wie es um die übrigen Kosten bestellt ist, erklärt der Bürgermeister:
„... ein Umbau zieht gute 2 Millionen mit sich, wobei man einen Neubau nicht
unter 15 Millionen DM bereitstellen könnte. Die Stadt würde das
Gebäude zur Verfügung stellen und dann wird das Land die Kosten
für den Um- und Ausbau tragen, denn es gibt ein sog. Synagogenbauprogramm.
... Die Gespräche laufen bereits und das Programm wird die Kosten übernehmen.
... Die laufenden Kosten, wie Personal werden teilweise aus Kirchensteuermitteln
und Konkordatsmitteln bezahlt.”
Haben die Neusser nicht einen cleveren Bürgermeister: Wo gibt es schon
ein derartiges Vorzeigestück zum Nulltarif und noch die Abrisskosten
eingespart?
urteile wegen eu gipfel in göteborg
Als Skandal bezeichnete der Stellvertretende Berliner Landeschef der Dienstleistungsgewerkschaft
Verdi, Andreas Köhn, das Urteil gegen Hannes Heine. Das Mitglied des
Landesbezirksjugendvorstandes der IG Medien Berlin-Brandenburg war zu einer
Haftstrafe von 14 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden, weil er
sich bei den Protesten gegen den EU-Gipfel am 15. Juni an gewalttätigen
Ausschreitungen beteiligt haben soll. Einziger Beleg ist die Aussage eines
Zivilpolizisten, der einen vermummten Mann von hinten bei Ausschreitungen
gesehen haben will und ihn 7 Stunden später ohne Vermummung zufällig
auf der Straße wiedererkannt hat. Auch der Richter war für Freispruch
wurde jedoch von den Schöffen überstimmt. Das entspricht der gegenwärtigen
„Law and Order“-Stimmung im Land, die behauptet, dass die bisherigen Urteile
zu milde gewesen seien. In den meisten Prozessen fehlten ganz einfach Beweise,
die belegten, dass die Angeklagten die ihnen vorgeworfenen Taten auch begangen
haben. Allein fast 20 Anklagen stützen sich allein auf die Aussage eines
(!) zivilen Polizeibeamten, der alle betroffenen Personen wiedererkannt haben
will.
19 Urteile wurden bisher gesprochen und zogen Knast von einem Monat bis zu
drei Jahren nach sich, allesamt ohne Bewährung. Die Ermittlungen gegen
die Polizisten, die in Göteborg auf Demonstranten geschossen haben kommen
dagegen nicht so gut voran. Man sei da noch im Vorstadium der Ermittlungen,
erklärte ein Justizsprecher. Auch über die mehr als 100 Strafanzeigen
von Demonstranten wegen der von Polizeibeambten veruebten Gewalt konnte der
Sprecher nichts sagen. Weitere Infos zu den haarsträubenden Urteilen
unter http://euforthepeople.tripod.com
wunder der gentechnik: erwin geklont!
Figuren wie der Oberbürgermeister Erwin erscheinen als Prototypen eines
zeitgemäßen Politikers: Neoliberal mit einem guten Schuß
völkischem Rechtspopulismus, karrieregeil und charakterlos machtopportunistisch.
Deshalb gibt es sie auch wie Sand am Meer - bisher allerdings nur in unterschiedlichen
Hüllen. Doch da die Marke Erwin sich besonders gut verkaufen lässt,
hat nun die Berliner CDU wohl zu einem bisher einmaligen Mittel gegriffen,
um nach der NRW-Landeshauptstadt auch die Reichshauptstadt zu erobern: Erwin
scheint geklont zu sein! Er erscheint jetzt in zweiter Ausführung als
Frank Steffel und setzt auf die gleiche Wahlkampfstrategie wie der Düsseldorfer
Saubermann. Erwin hatte schon am Kommunalwahltag Brandreden vor Vertriebenverbänden
gehalten und von Steffel ist nun von seinem eigentümlichen Verhältnis
zu „Bimbos”, „Kanaken” und „Mongos” zu hören. Die Sprache des Stammtischs
kommt an bei den Wählern, doch dazu bedarf es einer entsprechenden Maske,
welche der Düsseldorfer OB mit seinem bisher einmaligen Grinsen perfekt
illustriert. Daher wohl der Griff in die genetische Zauberkiste: Grinsemann
Erwin als Berlin-Steffen! Demnächst wohl auf Berliner Plakaten mit schwingender
Faust und hochgekrempeltem Hemd über dem Spruch: Sie sind meine zweite
Familie!
Da sage jemand noch was gegen den Segen der Technik....
sicher? aber sicher!?
Wer meint, wir hier in Düsseldorf leben sicher, das nächste AKW
sei weit entfernt, der unterliegt einem Trugschluss. Kaum 100 km von Düsseldorf
entfernt werkelt solch eine Atombombe vor sich hin. In Belgien bei Thiange
in der Nähe von Lüttich fabrizieren drei Druckwasserreaktoren seit
25 Jahren Strom. Greenpeace hält den Reaktor für hochgradig gefährlich.
In den letzten Wochen kam es denn auch zu mehreren schweren Vorfällen,
so dass der Reaktor heruntergefahren werden musste. Unter anderem waren Dichtungen
defekt, die ansonsten nur in Russlands Reaktoren eingesetzt werden. Na dann.
blaue briefe nach hause
Was hat man nicht schon alles versucht, um den Strassenstrich auf der Charlottenstrasse
trockenzulegen. Doch die Repression gegen die meist drogenabhängigen
Frauen fruchtete nicht. Dort, wo es eine Nachfrage gibt, gibt es auch ein
Angebot. Zumal es für die Drogenabhängigen eine der wenigen Einnahmequellen
ist. Oft genug werden sie dann auch noch von den Freiern geprellt. Nun wollen
die Stadt und die Polizei das Ganze umdrehen. Motorisierte “Kunden” sollen
Zwangsgelder bis zu 5.000 DM bezahlen. Sie erhalten den Zahlungsbefehl im
Blauen Brief nach Hause geschickt. Zur Freude von Freundin oder Ehefrau.
satire darf alles!?
Man muss sich schon fragen, was einen Kabarettisten Kölzer reitet, in
einem bierseligen Kirmeszelt in Anlehnung an Goebbels zum totalen Krieg -
gegen Köln - aufzurufen. Der Aufschrei und die fristlose Kündigung
kam denn auch wenige Tage später. Erschreckender ist jedoch die Reaktion
im Bierzelt. Kaum einer im gutgefüllten Zelt protestierte, fast alle
stimmten sie begeistert der Frage nach dem totalen Krieg zu und antworteten
auf des Kabarettisten Vorgabe „Sieg“ laut mit „Heil“. Man sieht, die Düsseldorfer
haben ihre Lektion gut gefressen. Das ist Deutschland im Jahre 2001. Doch
darüber spricht man nicht so gern.
www.terz.org
- 29.08.2001