fehritales
11.09.2001 - Der Tag der die Welt für immer veränderte
Nun gibt es ja viele Tage, die die Welt für immer verändert haben.
Genau genommen verändert sich die Welt an jedem Tag, oder in jeder Stunde,
Minute ... Sekunde! Böse Menschen tun böse Dinge, das ist nichts Neues.
Böse Menschen mit irrem Blick und Vollbart sprengen Hochhäuser in
die Luft. Und man weiß noch nicht einmal so richtig warum. Rechtschaffene
Politiker fordern dann strengste Sicherheitskontrollen. Gut. Das gibt Auftrieb!
Folgende Szene: Flughafen von Antalya am 13.08.2002, also kein Jahr nach den
grauenhaften Ereignissen. Der Autor dieser Zeilen geht durch einen Metalldetektor
und das Gerät bruuuuummt ganz fürchterlich. Man schickte mich ohne
Schlüssel und Handy noch einmal durch. Es bruuuummt ganz fürchterlich.
Ich fange an zu schwitzen. Warum bruuuuuummt das blöde Ding? Der freundliche
Sicherheitsbeamte kommt auf mich zu, ich ahne Böses. "Do you have
a knife?" Was für eine Frage! "No" sage ich und bekomme
ein "OK, let's go" zu hören. Ich fürchte, die Schilys und
Becksteins dieser Welt werden es nie so richtig schaffen. Da können sie
einem fast schon leid tun ...
Es gibt Menschen, die behaupten, dass die der Bevölkerung präsentierten
Wahlplakate inhaltslos wären. Aber ich finde, man kann so einiges lernen
und anmerken. "Ich - SPD" ist doch eine bemerkenswerte Aussage ...
"Veränderung beginnt mit den Köpfen"! Das gefällt mir.
Nicht in den Köpfen, sondern mit den Köpfen. Ist das eine Referenz
an die heroische Phase der französischen Revolution, als bekanntlich recht
viel mit Köpfen passierte? Dann wäre ich dabei! Auch mit der CDU!
Rübe runter! Und ums Schafott tanzen! Volksfeste mochte ich schon immer.
Die PDS hingegen bedroht das Land mit dem Slogan, dass Arbeit regieren soll!
Das löst Beklemmungen aus! Ich will weniger arbeiten ... Das einzige Plakat,
das mir wirklich relevant und mit Wahrheitsgehalt versehen vorkommt, ist das
FDP-Plakat mit dem Möllemann-Foto. "Klartext! Möllemann! Einer
wie wir!" oder so ähnlich ... Genau da liegt das Problem. Möllemann
ist ein guter Deutscher, einer von uns. Also ein ehrliches Plakat. Warum denke
ich nur immer wieder an Auswanderung?
Aber nun weg vom Kasperletheater, hin zu interessanten Dingen. Gitta Sereny
hat mit "Das Deutsche Trauma" einen dicken Band mit Recherchen und
Interviews die NS-Zeit betreffend herausgegeben. Sie schreibt sehr flüssig
und man kann die Sachen gut lesen. Ob sie nun ihre Gespräche mit Franz
Stangl, dem Kommandanten von Treblinka zusammenfasst oder die Geschichte des
John Demjanuk beschreibt, der dann wohl doch nicht "Iwan der Schreckliche"
war (ein besonders brutaler KZ-Wächter): Sie hat ein sehr großes
psychologisches Feingefühl und kann einen Eindruck dieser schlimmen Menschen
jenseits von rein moralischen Verurteilungen entwerfen - wobei sie niemals vergisst,
was diese Leute getan haben. Ich halte so etwas für eine große Gabe,
denn Verbrecher quasi zu dämonisieren und zu entmenschlichen, macht es
der Gesellschaft leichter damit umzugehen. Und das sollte man nicht tun ...
In der Punk-Zeit war die Band Black Flag für mich eine der besten. Das
waren keine Politagiatoren à la Dead Kennedies (die ich trotzdem mochte),
aber auch keine Bierprollos. Schöne Texte zum alltäglichen Elend.
Der Sänger war damals Henry Rollins, der danach eine größere
Solokarriere startete. Er schreibt aber auch viel. Nun liegt in deutscher Übersetzung
"Eye Scream" vor. Der Miranda Verlag scheint sich löblicherweise
zu bemühen, amerikanische Literatur wie z.B. Rollins-Sachen oder die Texte
von Lydia Lunch zu verbreiten. Die Texte sind allerdings nicht gerade aufbauend.
Sie sind geprägt von Angst, Isolation, Kälte und der Verwerflichkeit
der Menschen. Da ist leider viel dran, aber die Hoffungslosigkeit stört
mich doch etwas. Soll jetzt bloß keiner glauben, dass ich Optimist bin
...
Plattentipps gibt es erst das nächste Mal wieder, da ich im Urlaub war.
Ach so, beinahe vergessen: Ich bin immer noch klamm und von daher gesehen ein
etwas schwieriges Preisrätsel. Welche Band hatte vor ca. 10 Jahren in den
USA den Single-Hit "Lee Harvey Was a Friend of Mine"? Nun gut, so
ein richtiger Hit war es nicht ...
Preise wie gehabt!
PS.: Freiheitskämpfer der Woche ist natürlich der entflohene Seelöwe
aus dem Prager Zoo, der es leider nicht geschafft hat. Rest in Peace und Respekt!
Banzai!
Fehri
www.terz.org - 26.8.2002