Düsseldorfer
REPs auf
Bündniskurs
In allen 41
Wahlbezirken
haben die Düsseldorfer REPs KandidatInnen für die anstehenden
Kommunalwahlen
aufgestellt, ebenso für alle zehn Bezirksvertretungen. Eine auf 21
Personen
bemessene Reserveliste meldet zudem unbescheidene Ansprüche auf
Mandate im
Stadtrat an. Großmäulig wurde Mitte August eine “Sensation”
verkündet, es sei
gelungen, “fünf rechte Parteien” zu einem lokalen “Bündnis”
zu vereinen: REPs,
DVU, “Deutsche Partei” (DP), “Bund freier Bürger” (BfB) und
“Schill-Partei/Pro
DM” bzw. deren Nachfolge. Wenngleich dieses “Bündnis” wegen der in
Düsseldorf
relativ bedeutungslosen Bündnispartner ein ziemlicher
Papiertiger1 sein
dürfte, so lohnt doch ein genauerer Blick hinter die Kulissen.
Denn die
Düsseldorfer REPs scheuen sich offenbar nicht, mit rechts von
ihnen stehenden
Kräften zusammenzuarbeiten, selbst Kontakte zur militanten
Neonazi-Szene
scheinen gepflegt zu werden. Und dieses gegen den Willen ihrer
offiziell sehr
um Distanz zu DVU, NPD und militanten Neonazis bemühten
Landesvorsitzenden Uschi
Winkelsett sowie ihres Bundesvorsitzenden Rolf Schlierer.
Eindrücke
aus Oberbilk
Donnerstag, der
19. August
2004, Drehort Düsseldorf Oberbilk, Gaststätte “Oberbilker
Fuchs” auf dem
Oberbilker Markt: Zirka 50 Personen finden sich zu einem
“Bürgerabend” ein, den
die REPs einmal monatlich im Hinterzimmer der Düsseldorfer
Brauchtumskneipe
durchführen. Die REPs selber sprechen
später sogar von “über 70 interessierten
Düsseldorfer Bürgern”.
Geschäftig laufen lokale REP-“Größen” auf und ab,
sorgen per Handy dafür, dass
alle den Weg zur Versammlungsstätte finden oder abgeholt werden.
Mit
unbekannten “Bürgern”, die sich zuvor telefonisch für eine
Teilnahme an dem
“Bürgerabend” interessiert zeigten, wurden Vorabtreffen
vereinbart. Man weiß ja
nie, ob sich nicht auch AntifaschistInnen angesprochen fühlen,
weswegen der
Veranstaltungsort auch nicht veröffentlicht worden war. Doch alles
bleibt
ruhig, nur ein paar Stammgäste sind etwas irritiert. Auch die
Wirtsleute wirken
nicht gerade glücklich, aber die vielen Bestellungen scheinen sie
zu
besänftigen, ist ja schließlich auch nur einmal im Monat.
Einige Teilnehmer,
die zum ersten Mal gekommen sind, zeigen sich über die Wahl des
Ortes
zufrieden: Gut erreichbar, zentral gelegen “und direkt eine
Polizeiwache vor
der Tür”, merkt einer von ihnen lobend an. Die anderen stimmen ihm
zu.
Überpünktlich hat sich auch eine zirka 6- bis 8-köpfige
Delegation der
neonazistischen “Kameradschaft Düsseldorf” eingefunden. Nicht zum
ersten Mal:
Schon in früheren Jahren nahmen “Kameradschaftsführer” Sven
Skoda und einige
seiner Getreuen an REP-Versammlungen teil. Auch dieses Mal ist Skoda an
ihrer
Spitze, wichtigtuerisch, wie immer. Einmal mehr weilt er in den
Semesterferien
fernab seines Studienortes Venlo in der Heimatstadt. Aber auch nur,
wenn er
nicht gerade - wie am 21. August – ins bayrische Wunsiedel muss, um als
Demonstrationsordner am alljährlichen europaweiten
Neonazi-Aufmarsch zu Ehren
des 1987 verstorbenen Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß
teilzunehmen. An seiner
Seite im “Oberbilker Fuchs”: Langjährige Aktivisten der
Düsseldorfer
Neonazi-Szene, u.a. Stefan Krekel und Tibor Engler. Und auch ein
anderer
Weggefährte ist anwesend, sogar in exponierter Rolle: Holger von
der Heydt,
Vorsitzender der Düsseldorfer DVU. Neben REP-Ratsherr Jürgen
Krüger gehört er
an diesem Abend zu den Rednern, verbreitet Aufbruchs- und
Einheitsstimmung.
Eindrücke
aus der DVU
Der
38-jährige Holger von
der Heydt ist ein Freund von “Bündnissen”, eine Abgrenzungspolitik
innerhalb
der extremen Rechten ist ihm zuwider, ganz im Gegensatz zu seinem
Münchener
Parteichef Dr. Gerhard Frey. Doch der Dicke lässt ihn
erstaunlicherweise
walten. Dabei hatte von der Heydt ihn schon übel beschimpft, was
bei dem
millionenschweren DVU-Unternehmer gewöhnlich zum sofortigen
Rauswurf
führt. In der ehemaligen Zeitschrift
der
“Jungen Nationaldemokraten” (JN) “Einheit und Kampf”, hatte der
Düsseldorfer
seinen Führer und andere bereits im Frühjahr 1997 respektlos
als “Postenreiter
und Parteibuchfetischisten” bezeichnet. Die DVU-Spitze habe
”parteiübergreifende Aktionen” mit der NPD und JN untersagt. “Eine
Anzahl der
besten DVU-Aktivisten verloren ihr Parteibuch”, so von der Heydt
damals.
Derartigen Abgrenzungen tritt er aber nicht nur auf dem Papier
entgegen. Unter
anderem auf den bundesweiten 1. Mai-Aufmärschen der NPD sieht man
ihn Schulter
an Schulter mit der ”Kameradschaft Düsseldorf”, zuletzt am 1. Mai
diesen Jahres
in Berlin sogar als Träger eines Transparents mit der
zentralen Parole der
bundesweiten “Freien Kameradschaften”: “frei – sozial – national”.
Als ebenfalls im
Frühjahr
1997 die Neugründung eines Kreisverbandes der maroden
Düsseldorfer DVU anstand,
war es das “Nationale Infotelefon Rheinland” (NIT Rheinland) der
“Kameradschaft
Düsseldorf”, das diese Gründung ankündigte und von
anstehenden “größeren
Verteilaktionen” der DVU zu berichten wusste. Der erste Versuch dieser
Gründung
unter Leitung von der Heydts ging 1997 jedoch komplett daneben,
AntifaschistInnen
verhinderten mit einer Blockade die in einer Kneipe am
Barbarossaplatz
geplante Gründungsversammlung. Aktuell dürfte der
DVU-Kreisverband aus nicht
mehr als einer Handvoll aktiver Mitglieder bestehen, deren wahrnehmbare
Aktivität sich bisher auf monatliche Stammtische beschränkt
hat. Nun aber
scheint die Stunde des von der Heydt und seiner ansonsten nicht sehr
wahlfreundlichen “freien Kameraden” gekommen zu sein. Unmittelbar
hinter dem
REP-Spitzenkandidat Jürgen Krüger und dem Düsseldorfer
Rechtsanwalt Björn
Clemens kandidiert er auf Platz drei der REP-Liste für den
Stadtrat, als
Direktkandidat im Wahlbezirk 30 (Lierenfeld) und auf Platz 1 für
die Wahl zur
Bezirksvertretung Eller/Lierenfeld/Unterbach/Vennhausen. Ein Einzug in
das
Stadtparlament ist zwar in weiter Ferne, die Direktkandidatur nur
symbolisch,
ein Mandat in der Bezirksvertretung 8 jedoch durchaus möglich. Auf
eben diesen
Stadtbezirk hat sich die DVU offenbar konzentriert. Auf Platz 2 nach
von der
Heydt folgt der Düsseldorfer DVU-Schatzmeister Karl-Josef
Roß.
Elleraner
Verhältnisse
Spätestens
jetzt wird auch
das Interesse der Düsseldorfer “Kameradschaft” - die sich Angaben
ihrer
Aktivisten zufolge aufgelöst haben will - an den Kommunalwahlen
und an den
REP-Versammlungen nachvollziehbar. In Eller haben neonazistische
Aktivitäten in
den letzten zwei Jahren stark zugenommen. Mehrere Stammaktivisten der
“Kameradschaft Düsseldorf”, z.B. Udo Birr und Marco Schirmer
(“Ossi”),
verlegten ihren Wohnsitz in den dortigen Stadtbezirk, mehrere
RechtsRock-Bands
wirken von hier aus und es gibt ein zahlenmäßig großes
Umfeld. In den letzten
Wochen hingen fast täglich bis zu zehn Neonazis und Personen aus
deren Umfeld
auf dem zentralen Gertrudisplatz herum. Immer wieder kommt es auch zu
Bedrohungen von der extremen Rechten unliebsamen Personen im Stadtteil.
Da
steht schon mal nachts eine Handvoll Neonazis grölend vor der
Haustür von zwei
DKP-Lokalpolitiker/innen und versucht, die gläserne Haustüre
einzuschlagen; da
werden Flugblätter gegen den Inhaber der Elleraner
fiftyfifty-Galerie verteilt,
als links vermutete Jugendliche angepöbelt, da attackieren
Neonazis beim
Gumbertstraßenfest einen Informationsstand des
“Antifaschistischen Bündnis
Eller - Aus der Geschichte lernen, für die Zukunft handeln”,
verletzen hierbei
ein Mitglied der VVN-BdA und vieles mehr.
Die “Kampf um
die Straße”
scheint einigen “Kameraden” jetzt wohl nicht
mehr auszureichen, der “Kampf um die Parlamente” soll
ergänzend
hinzukommen, eventuell eröffnet dieses ja weitere
Möglichkeiten.
Lüdenscheider
Verhältnisse?
Unabhängig
von der Situation
in Eller bleibt die Frage, wie denn die REP-Spitze auf die
Düsseldorfer
Listenkonstellation reagiert. Düsseldorf ist auch nicht der
einzige Fall in
NRW, in dem lokale Parteistrukturen der Führung Kopfschmerzen
bereiten. So kam
es in Lüdenscheid kürzlich zum Eklat, nachdem sich REPs und
NPD darauf
verständigt hatten, gemeinsam auf einer REP-Liste zu kandidieren.
Unmittelbar
nach dem REP-Spitzenkandidaten, -Ratsherr und
Bürgermeisterkandidat Jürgen
Thiel folgt der NPD-Landesvorsitzende Stephan Haase. Ein weiterer
NPD-Funktionär,
Axel Schoppmann, ist auf Platz 4
platziert. Wie schon zuvor in Dresden intervenierte die REP-Spitze,
leitete ein
Parteiausschlussverfahren gegen Thiel ein und richtete eine Anfechtung
der
Listenkandidatur an die Stadt Lüdenscheid, da auf der
entscheidenden
REP-Versammlung angeblich nicht die erforderliche Anzahl von
REP-Mitgliedern
anwesend gewesen seien. Der Einspruch wurde Ende August abgewiesen, die
Liste
darf also antreten. Seitens der REP-Spitze soll jetzt wohl die
Lüdenscheider
Basis mittels Plakate dazu aufgefordert werden, die REP-Liste nicht zu
wählen.
Dass dieses in Düsseldorf auch geschehen wird, ist mehr als
fraglich. Erstens
darf die vor Ort völlig bedeutungslose NPD zu ihrem Leidwesen
(noch?) nicht
mitspielen, zweitens mischt einer der Parteioberen, nämlich der
stellvertretende REP-Bundesvorsitzende Björn Clemens,
persönlich mit.
antifaschistisches autorInnenkollektiv
1
So ist z.B. der BfB
schon vor längerem aufgelöst worden. Die ehemalige
BfB-Landesbeauftragte NRW Hilde
Hülsmeyer (80), die auch schon mal als Rednerin auf extrem rechten
Aufmärschen
auftritt, kandidiert jetzt für die REPs
Auschwitzleugner
verurteilt
Man stelle sich
vor, man
veranstaltet eine Projektwoche an einer Schule zum jüdischen Leben
während der
NS-Zeit. Daraufhin erhält man Post von jemandem, der meint, dass
jedenfalls in
Auschwitz keine Juden vergast wurden. So oder ähnlich hat es sich
nicht nur am
Benrather Schlossgymnasium, sondern auch an anderen Schulen in der BRD,
der
Schweiz und in Österreich zugetragen.
Am 18. August
2004 hat das
Düsseldorfer Landgericht ein Urteil des Amtsgerichts Neuss gegen
einen
ehemaligen Schulleiter einer deutschen Schule in Japan bestätigt.
Verurteilt
wurde dieser zu einer Geldstrafe in Höhe von 2.400 Euro wegen
Volksverhetzung.
Der 75-jährige Joachim Schäfer aus Meerbusch hatte nach
Ansicht der Gerichte
die Gräueltaten der Nazis im Konzentrationslager Auschwitz
geleugnet.
Nach der
erstinstanzlichen
Verurteilung ist Schäfer nunmehr vor dem hiesigen Landgericht
angetreten, um
“ganz offen zu kämpfen, bis der Auschwitz-Wahn zerbrochen ist”.
Dabei sieht er
sich in einer Linie mit dem Befreiungskampf des palästinensischen
Volkes und
meint, dass dieser “Befreiungskampf ... einen lokalen Höhepunkt im
Prozeß
gegen” ihn findet. Noch grotesker wird es, wenn man sich einen Brief
ansieht,
den Schäfer mit Datum 13. August 2004 an den Präsidenten des
Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier geschickt hat. Darin
schreibt er:
“Allein aufgrund dieser Fakten ist ersichtlich, daß die
Gaskammern in Auschwitz
eine Fälschung sind, die uns unermeßlichen Schaden an
Ansehen und finanziellen
Ressourcen erbracht hat, ganz abgesehen von der psychischen Verformung
unserer
Kinder.” (Hervorhebung im Original)
Vertreten wurde
Joachim
Schäfer von dem Bonner Rechtsanwalt und Oberstleutnant a.D. Claus
Plantiko.
Dieser fällt nicht das erste Mal bei derartigen Prozessen auf,
zuvor vertrat er
bereits unter anderem den Neonazi-Terroristen und Auschwitzleugner
Manfred
Roeder. Außerdem sticht Plantiko auch gerne mit drastischen
Worten vor Gericht
hervor. So soll er Richter als “Parteigenossen” oder
“Verrichtungsgehilfen in
Robe” tituliert haben, weshalb er im Jahre 2003 vom Landgericht
Frankfurt am
Main zu 5.000 Euro Geldstrafe verurteilt wurde. Vor dem
Düsseldorfer
Landgericht musste man sich in einem nervend langen Plädoyer
ähnliches anhören.
Die Justiz befände sich im Würgegriff der Politik, weshalb
alle Richter
befangen wären. Es fehle die demokratische Legitimierung der
Richter. Außerdem
sei Schäfer ja ein Privatgelehrter und habe seine Erkenntnisse
wissenschaftlich
untermauert, weshalb seine Verurteilung gegen die Wissenschaftsfreiheit
des
Grundgesetzes verstoßen würde.
In Schäfers
“Aufruf zum
Widerstand” hieß es zum Gerichtsverfahren: “Sie werden Zeuge sein
bei der
weiteren Demontage des Auschwitz-Mythos, oder aber Sie können
meine Demütigung
zelebrieren.” Letzteres böte sich nach dem Urteil an.
antifaschistisches
autorInnenkollektiv
www.terz.org - 01.09.2004