immer feste druff
Da jammert die
vereinte
Presse- und Politik-Landschaft nun wieder. Nachdem ein paar Eier
unseren
gemeinsamen Kanzler im brandenburgischen Wittenberge knapp verfehlt
haben, ist
das Gejammere groß. Die Rheinische Post schreibt: “Immer wieder
haben
Demonstranten die Ebene normaler menschlicher und politischer
Auseinandersetzung verlassen und sind handgreiflich und
gewalttätig geworden
...” Na, da kommen einem doch die Tränen. Als wenn es nie Gewalt
seitens der
Staates in Form ihrer Büttel, der Polizei, gegeben hätte. Da
wird über ein paar
Eier geheult, als wenn das Abendland untergehen würde. Der
Untertan soll halt
still halten und alles ertragen. Von wegen. Kanzler, komm mal
rüber ...
ltu schiebt weiterhin ab
Wie schon
mehrfach
berichtet, ist der Ferienflieger LTU in das Geschäft mit
Abschiebungen
eingestiegen. In mehreren Städten, wie z.B. auch in
Düsseldorf am 29.Juni
(siehe http://germany.indymedia.org/2004/06/86635.shtml), gab es
bislang
Aktionen gegen den Ferienflieger und Reisebüros. Nun
hat die LTU Angst um ihr Image bekommen
und geht gegen das Plakat der Kampagne vor. Die Betreiber der
Internetseite
www.deportation-airlines.de wurden unter Androhung einer Strafe von
50.000 Euro
gezwungen, die Vertreibung des Plakates einzustellen. Die Androhung
bezieht
sich auf die Nutzung des markenrechtlich geschützten LTU-Logos,
sowie
“geschäftsschädigende und verleumderische Behauptungen”
im Plakat, verbunden
mit dem Satz “schiebt ab in Hunger, Folter und Tod”. Die Wahrheit ist
für die
LTU anscheinend schwer zu ertragen. Die nächsten
Abschiebeflüge von Düsseldorf
nach Belgrad finden am 7. und 21. September statt, nach Istanbul am 14.
September. Pro Flug erhält die LTU etwa 50.000 Euro.
viel post für erwin
Manchmal wird
man das Gefühl
nicht los, dass es Erwin nur wichtig ist, etwas über sich zu
lesen. Natürlich
jammert er wieder. Diesmal geht es um Waren, die er per Post zu seinem
Rather
Haus geschickt bekommen hat, ohne sie bestellt zu haben. Süffisant
bemerkte die
Polizei, dass es eigentlich besser sei, dies nicht zu
veröffentlichen, da dies
immer Trittbrettfahrer anzieht.
der staat hört mit
Auf eine neue
Rekordhöhe ist
die Anzahl der überwachten Telefonanschlüsse gestiegen.
Offiziell wurden 2003
insgesamt 24.441 Telefonüberwachungen gerichtlich angeordnet. Das
waren fast
12% mehr als 2002 und bedeutet eine Steigerung um 400% seit 1995, als
4.674
Überwachungsmaßnahmen angeordnet wurden. Wohlgemerkt, die
Zahl der Überwachungsanordnungen
bezieht sich auf die Anschlüsse, nicht auf die
Telefongespräche, die in die
Hunderttausende gehen können. In den letzten Jahren ist der
Straftatenkatalog
immer weiter ausgeweitet worden. Mittlerweile können auch
Kriegsdienstgegner,
die Soldaten zum Ungehorsam auffordern, ebenso offiziell abgehört
werden wie
Flüchtlinge, die gegen das Asylverfahrensgesetz, bspw. gegen die
Residenzpflicht, verstoßen. Die Dunkelziffer der abgehörten
Telefonanschlüsse,
bei der gar nicht erst die richterliche Anordnung eingeholt wird, liegt
jedoch
erheblich höher, wie aufgedeckte Fälle in den letzten Jahren
vermuten lassen.
wird rheinmetall verkauft?
Angeblich steht
die
Düsseldorfer Rüstungsschmiede “Rheinmetall” zum Verkauf. Auf
die zum größten
Teil in Privatbesitz der Familie Röchling gehörende Firma
haben viele ein Auge
geworfen. In Verhandlungen steht man auch mit mehreren US-Investoren.
Dies ließ
jedoch bei der Bundesregierung die Alarmglocken schrillen. Erst vor
kurzem
verabschiedeten Bundestag und Bundesrat ein Gesetz, das dem
Wirtschaftsministerium ein Vetorecht beim Verkauf deutscher
Rüstungsfirmen ins
Ausland, besonders außerhalb der EU und hier vor allem an
US-Firmen, einräumt.
Die Rüstung, wesentlicher Bestandteil der deutschen und
europäischen
Militärpolitik, soll in deutscher bzw. EU-Hand bleiben und damit
dem Zugriff
der USA entzogen werden, um eine eigenständige
Rüstungspolitik voranzubringen.
kölner polizei angezeigt
Im letzten Jahr
fand in Köln
ein Grenzcamp statt. Verschiedene Aktionen und Diskussionen
beschäftigten sich
mit dem Thema Rassismus und Ausgrenzung. Einen Tag vor dem
regulären Ende des
Camps auf den Poller Wiesen umstellte die Kölner Polizei
frühmorgens das Camp
und zwang alle Anwesenden zur Personalienfeststellung. 307 Personen
kamen der
Aufforderung der Polizei vor Ort nach. 377 AktivistInnen, die sich
weigerten,
wurden in Gewahrsam genommen und in die
Gefangenensammelstelle nach Brühl
verbracht, wo die Identitätsfeststellung vervollständigt
wurde. Pauschal wurde
ihnen Landfriedensbruch, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und
gefährliche
Körperverletzung vorgeworfen. Diese Gummiparagraphen werden von
der Polizei
ständig zur Kriminalisierung unliebsamer Personen
benutzt. Die
Staatsanwaltschaft wollte diesen Pauschalvorwürfen jedoch nicht
folgen und
stellte fast sämtliche Verfahren ein. Kurz vor Ablauf der
Klagefrist haben
Mitte Juli stellvertretend für 684 TeilnehmerInnen vier Frauen
Klage beim
Verwaltungsgericht Köln gegen den Kölner
Polizeipräsidenten gestellt. Anzeigen
gegen die beteiligten BeamtInnen werden folgen. Der Vorwurf lautet auf
Verfolgung Unschuldiger. Weitere Infos unter:
http://www.infoladen.de/koeln/fnb/camp/soli.htm
bka-zentrale verschönert
In der Nacht auf
den 20.
Juli wurden Farbeier und Molotowcocktails auf die Berliner Gebäude
des
Bundeskriminalamtes (BKA) geworfen, die aber keinen größeren
Schaden
anrichteten. Dazu bekannt hat sich eine Gruppe “Aktion Carlo Giuliani”.
Es war
der dritte Jahrestag der Ermordung des Aktivisten durch Polizeibeamte
bei der
Demonstration gegen den G8-Gipfel in Genua. Das BKA schickte damals
bereitwillig
Daten über GlobalisierungskritikerInnen nach Italien und
wurde deshalb als
Ziel des Anschlages ausgesucht.
maulkorb für fortuna
Manchmal
fühlt man sich in
alte Feudalzeiten zurückversetzt. Nach langem Schweigen
bezüglich der Zustände
bei Fortuna platzte es dann doch noch aus dem Trainer Morales heraus.
In einem
Interview berichtete er über die amateurhaften Zustände im
Verein. Prompt bekam
er vom Aufsichtsratsvorsitzenden Erwin einen Maulkorb verpasst. Fortan
darf er
keine Interviews mehr geben, die über sportliche Belange
hinausgehen. Ansonsten
hat er seinen Mund zu halten und Fortuna zum Sieg zu führen. Der
Trainer steht
unter erheblichem Erfolgsdruck. Der Fußballverein ist ein fester
Bestandteil in
der Planung zur Finanzierung der Arena, deshalb ist der Durchmarsch in
die 1.
Bundesliga fest eingeplant. Doch nur mit einem Befehl zum Aufstieg ist
es nicht
getan.
noch mehr polizei
Wie
kürzlich bekannt wurde,
wird es demnächst eine weitere Wache geben. Die in Golzheim
angesiedelte Wache
dient dem Objektschutz und wird auf 180 PolizistInnen, die in
Düsseldorf für
den Objektschutz zuständig sind, aufgestockt. Die
Sicherheitsfanatiker jubeln.
Insgesamt wird die Düsseldorfer Polizei um 80 Kräfte
verstärkt. Daraus wird
unter anderem eine 37 Polizisten umfassende neue Einheit aufgebaut, die
insbesondere in der Altstadt für Ruhe und Ordnung sorgen soll. Der
Polizeisprecher Sprick sieht sie schon als eine Art Gedankenpolizei:
“Wenn der
Täter anfängt, seine Tat zu planen, sind wir schon am
Tatort.” Sie erhält den
schicken Namen “Prios” und ist zusammengesetzt aus “Einsatztrupp
Präsenz und
Intervention an offenen Szenen und Brennpunkten”. Der Name lässt
schon darauf
schließen, um was es geht: Verdrängung missliebiger
Personen, Kontrolle und
Überwachung.
arena-endspurt
Man mag
mittlerweile weder
etwas lesen noch hören vom Arena-Bau. Am 10. September ist es dann
soweit. Die
immer noch namenlose Multifunktionshalle wird
eröffnet. Langsam wird es
knapp, noch einen Großsponsor zu finden, der Namensgeber sein
will. Aber auch
ansonsten läuft es nicht ganz so wie geplant. Bisher sind für
den Eröffnungstag
mit dem Fortuna-Spiel gegen Union Berlin nur 7.000 Karten (von 38.000
möglichen
Karten) verkauft worden. Auch für den Bürgertag mit Nena am
12. September sind
noch reichlich Karten vorhanden. Offensichtlich erwarten die Planer
weitere
Veranstaltungen mit wenig Zuschauern. Damit die Arena auf Fotos und vor
allem
bei Fernsehaufnahmen nicht so leer wirkt - das ist schließlich
schlecht fürs
Image -, gibt es bunte Schalensitze, die den Eindruck von besetzten
Rängen
erwecken sollen. Dass der Verkauf für die Fortuna-Spiele so
schleppend
verläuft, liegt wohl auch daran, dass es trotz vorheriger
Versprechungen keine
Stehplätze geben wird. Das gab nun der Pressesprecher des Bauherrn
Walter Bau
AG in einem Interview bekannt. Momentan wird noch hektisch gebaut.
Dabei kam es
schon wieder zu einem Unfall. Ein Maler stürzte von der Leiter und
verletzte
sich. Schon Ende Mai kam es zu einem Toten und einem Schwerverletzten,
was zur
Vermutung Anlass gab, dass aufgrund des Termindruckes nicht alle
Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. Etwa 1.000 Arbeiter aus 50
Firmen
ackern, um die Halle bis zum 10. September zumindest halbwegs
herzurichten.
deutsche lagerhaltung
Die deutsche
Regierung
bereitet gemeinsam mit der Regierung Italiens die Errichtung von
Auffanglagern
in Libyen vor. Dies bestätigte der italienische Innenminister nach
einem
Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen. In die geplanten Lager
sollen Menschen
eingewiesen werden, die ohne gültiges Visum in die EU einzureisen
suchen. Die
so genannten ,,EU-Aufnahmeeinrichtungen” sind Teil eines mehrgliedrigen
Internierungssystems zur Abwehr unerwünschter Einwanderung und
entsprechen
langfristigen Planungen Berlins. Menschenrechtsorganisationen
bezeichnen die
geplante Maßnahme als Verstoß ,,gegen das deutsche
Grundgesetz, die
EU-Verfassung und die Europäische Menschenrechtskonvention”.
auf einmal kam es heraus
Plötzlich
war Panik
angesagt. Durch die Computertechnik war im Redaktionskopf der
“Frankfurter
Rundschau” in der Ausgabe vom 3. August statt des Hinweises auf die
Unabhängigkeit nur ein “abhängig und überparteilich” zu
lesen. Und wer war
Schuld? Auch noch Woody Allen, der die Silbe “Un” verdeckte. Den
Vorgang nahm
die Redaktion allerdings so ernst, dass sie unverzüglich die
Ausgabe zurückzog
und einstampfte. Oder hat da doch jemand Sabotage betrieben, denn einen
Tag
zuvor machte die SPD-Medienholding DDVG, die seit Mai 90 Prozent der
Anteile
der finanziell stark angeschlagenen “Frankfurter Rundschau” hält,
ihre Pläne
publik, ein Drittel der Belegschaft vor die Tür zu setzen.
deutsche im irak
Durch den Tod
zweier Grenzschutzbeamter
im Juli kam heraus, dass auch deutsche Beamte im Irak tätig sind.
Natürlich nur
zum Schutz der Diplomaten. Zahlreiche weitere Deutsche sind jedoch als
Söldner
und Sicherheitskräfte im Irak. Ein früherer Angehöriger
der GSG9-Truppe leitet
die Firma BSN, die Sicherheitskräfte in den Irak vermittelt. Da
will die
Bundesagentur für Arbeit nicht zurückstehen und wirbt in der
August-Ausgabe
ihrer Zeitschrift “Markt und Chance” für
Beschäftigungsmöglichkeiten als
Sicherheitskräfte zur Bewachung des Flughafens Mossul.
Zusätzlich zum guten
Lohn gibt es auch eine Lebensversicherung. Das wäre doch die
Möglichkeit, hier
endlich die Arbeitslosenzahlen zu reduzieren. Alle ab in den Irak und
die
zukünftigen Krisengebiete.
Anstatt sich
über kreative
Kids zu freuen, die nicht den ganzen Tag vor Computerspielen
rumlungern,
sondern die tristen Betonwüsten verschönern und bunt
gestalten, wird Jagd auf
Graffitisprayer gemacht. Neuester Clou sind Polizeihunde, die auf den
Geruch
des Menschen spezialisiert sind. Man kennt das aus US-amerikanischen
Filmen,
wenn Sträflinge fliehen und den Blutkötern ein T-Shirt der
Flüchtenden unter
die Nase gehalten wird, damit sie die Spur aufnehmen können. Der
Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) will nun dieses sogenannte
Geruchsspurenvergleichsverfahren einsetzen. Dazu
müssen die gefundenen
Utensilien, wie z.B. Spraydosen, fachgerecht gesichert und archiviert
werden.
Also, ihr Sprayer, immer schön aufräumen nach eurer Aktion
und sich auch mal
waschen.
gesunde corneliusstraße
Seit 2002 liegen
die
Messwerte und hier besonders die Stickstoffdioxid-Werte weit über
den (jährlich
sinkenden) Grenzwerten der EU. Im Jahr 2003 lag der Grenzwert bei 54
Mikrogramm, gemessen wurden 62 Mikrogramm. Im Jahr 2010 wird der
Grenzwert nur
noch 40 Mikrogramm betragen. Zeit, etwas zu tun. Der Hauptverursacher
ist der
Straßenverkehr. Na gut, werden sich einige denken, verringert man
halt den
Straßenverkehr. Da kommt der Umweltamtsleiter Goertz aber auf
ganz andere
Ideen. Demnach sei es wichtig, den Stop-and-Go-Verkehr durch geschickte
Ampelschaltungen zu beschleunigen. Wir gehen weiter und fordern die
grüne Welle
und als Mindestgeschwindigkeit 90 km/h. Dadurch entstehen nicht nur
weniger
Giftstoffe, durch den Sog der Geschwindigkeit entschwinden diese auch
schneller
nach oben. Schöne neue Welt.
schon wieder selbstmord
Die Reihe von
Selbstmorden
im Knast “Ulmer Höh” reißt nicht ab. Im August hat der
dritte Häftling in
diesem Jahr Selbstmord begangen. Ein 48 Jahre alter Deutscher, der
wegen
gewerbsmäßiger Bandenhehlerei festgenommen worden war,
erhängte sich. Und
wieder verlautet es von der Gefängnisleitung, dass dies ganz
überraschend
komme, dass sie sich das gar nicht erklären könne. Die
Vorgänge sind ein
Skandal. Im letzten Jahr starben insgesamt sieben Häftlinge im
Düsseldorfer
Knast. Darauf folgte eine Untersuchung, die zu keinem Ergebnis
führte und den
Verdacht aufkommen lässt, dass es sich um ein
Gefälligkeitsgutachten handelte.
verbrecher erwin?
Immer wieder
lustig ist es,
über die Eskapaden des Oberbürgermeisters Erwin zu lesen. Wir
berichteten bereits,
dass die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen ihn wegen
Steuerhinterziehung
aufgrund nicht angegebener Spekulationsgewinne ermittelt. Nun griff
auch das
Magazin “Focus” das Thema mit dem Titel “Spekulant Erwin” auf. Nach
Informationen des Magazins muss Erwin mit einem Strafbefehl wegen
Steuerhinterziehung rechnen. Während alle Düsseldorfer
Tageszeitungen dies
daraufhin berichteten, las sich das in Erwina Verlautbarungsorgan
“Rheinische
Post” ganz anders. Hier lautete der Titel: “OB Erwin: Ende des
Steuerfalls?” Er
jammerte, dass er von einer politischen Justiz unfairer behandelt wird
als
jeder andere Steuerbürger und polterte von einer politischen
Schmutzkampagne.
Scheint ein kleiner Verschwörungstheoretiker zu sein, der
überall böse Mächte
sieht, die gegen ihn tätig sind. Oder ist es nur einfach
Größenwahn? So setzt
er sich offensichtlich mit Düsseldorf gleich: “Das sind absurde
Vorwürfe. Hier
wird der Zukunft Düsseldorfs geschadet.”
schlusslicht bei der
lohnentwicklung
Das Tarifarchiv
des Wirtschafts-
und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der
Hans-Böckler-Stiftung kommt in
seinem aktuellen Europäischen Tarifbericht 2003/2004 zum Ergebnis,
dass
Deutschland im europäischen Vergleich Schlusslicht ist. “Mit einer
durchschnittlichen Lohnerhöhung von jeweils nur 1,6% in den Jahren
2003 und
2004 weist Deutschland den mit Abstand niedrigsten Wert in der alten EU
auf.
Entgegen dem europäischen Trend bleibt die Lohnentwicklung auch im
Krisenjahr
2003 hinter dem Verteilungsspielraum zurück, der sich aus der
Summe der Preis-
und Produktivitätssteigerungen ergibt. Im Jahr 2004 nimmt
Deutschland einmal
mehr die europäische Schlusslichtposition ein. Vor diesem
Hintergrund erscheint
die aktuelle Forderung nach tiefgreifenden Lohnsenkungen besonders
absurd.” Im
Durchschnitt stieg der Nominallohn in den alten EU-Ländern um
3,1%. In den
neuen um durchschnittlich 4,8%. Weitere Infos unter http://www.boeckler.de
drogenstatistik der polizei
ungenau
Für viel
Aufsehen hat eine
Traueranzeige in den Düsseldorfer Tageszeitungen gesorgt. In einer
gemeinsam
von AIDS-Hilfe Düsseldorf, Düsseldorfer Drogenhilfe,
Flingern mobil, SKFM und
Trebecafé getragenen Veröffentlichung zum bundesweiten
“Gedenktag für
verstorbene Drogenabhängige” am 21. Juli erwähnten sie 40
Personen, die seit
dem 22. Juli 2003 an den direkten und indirekten Folgen von
Drogenkonsum
gestorben sind. Das führte zum Aufschrei bei der Stadt und schon
an Hysterie
grenzende Reaktionen. Die Liste weicht nämlich eklatant von der
offiziellen ab.
Jene umfasst nur Tote, die direkt am Drogenkonsum verstorben sind, aber
nicht
solche, die z.B. wegen einer Blutvergiftung aufgrund unsauberer
Spritzen
sterben. Demgegenüber zählen die Drogenhilfezentren alle
Fälle, bei denen der
Drogenkonsum eine Rolle spielte, also auch Menschen, die Selbstmord
begehen
oder an AIDS oder anderen Krankheiten in Folge des Drogenkonsums
sterben. In
diesem Zusammenhang grenzt die Behauptung des Gesundheitsamtes, dass
die Zahl
falsch ist, an eine Täuschung der Öffentlichkeit. Doch allein
schon die offiziellen
Zahlen zeigen die dramatische Situation in Düsseldorf, verursacht
durch die
Repressionspolitik der Stadt unter Erwin und der Verdrängung
der Szene durch
die Polizei. Demnach hat sich die offizielle Zahl der Drogentoten im
Jahr 2003
verdoppelt, während sie bundesweit um 12% sank. Dennoch gibt es
keine
Veränderung der städtischen Drogenpolitik oder am Vorgehen
der Polizei. Man
geht lieber über Leichen und regt sich über die
Veröffentlichung der
Drogenhilfsorganisationen auf. (Zur städtischen Drogenpolitik
siehe auch Terz
März 2004)
ratingen schiebt wahllos ab
Die Klagen
über das
ausländerfeindliche Verhalten einiger Beamte im Ratinger
Ausländeramt häufen
sich. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen das Ratinger
Ausländeramt wegen Nötigung, Körperverletzung und
Freiheitsberaubung. Der
jüngste Fall betraf eine schwangere abgelehnte Asylbewerberin aus
Serbien, die
während einer Zwangsuntersuchung (zur Bestätigung der
Transportfähigkeit für
die Abschiebung) kollabierte. Nur durch starke Medikamente und einen
10-tägigen
Krankenhausaufenthalt konnte ihr Kind gerettet werden. Als Revanche
betrachtet
der Ratinger Flüchtlingsrat die darauf folgende
Verschärfung der
Meldeauflagen für die Frau. Sie darf mittlerweile in Deutschland
bleiben, da
sich ein in Hamburg lebender Deutscher als Vater gemeldet hat und ihr
Aufenthalt nunmehr legal ist. Das soll die Behörde allerdings auch
schon vorher
gewusst haben, dennoch leitete sie die Abschiebung ein. Ein
offensichtlich
normaler Vorgang in Ratingen. So mäkelte selbst die SPD Ratingen,
dass es wohl
zu gute Kontakte zur rumänischen Abschiebefluglinie “Tarom” geben
würde. Da
andauernd vorsorglich Abschiebeflüge gebucht werden, die
kurzfristig storniert
werden müssen, weil die (in Deutschland schon weit gefassten)
Grundlagen der
Abschiebung nicht stimmen. “Im Ausländeramt sitzen einige Leute,
die nur danach
schauen, wie schnell sie Leute loswerden können”, so
SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Christian Wiglow in der Taz Ruhr vom 13.
Juli. Der
Ratinger Flüchtlingsrat berichtet von weiteren Fällen aus dem
letzten Jahr: In
einem Fall sollte eine Frau mit ihren minderjährigen Kindern
abgeschoben
werden, während der Ehemann im Krankenhaus lag. In einem anderen
Fall drohte
das Ausländeramt einer Mutter, dass ihr neunjähriger Sohn
abgeschoben würde.
nach dem stern greifen
Im Juli legten
bei Daimler
die 800 Beschäftigten der Nachtschicht die Arbeit nieder und zogen
mit dem
Transparent “Wir lassen uns nicht spalten!” vor das Werkstor.
Während der
DaimlerChrysler-Konzern fette Gewinne verbucht (5,69 Milliarden in
2003),
sollen die KollegInnen dort 500 Millionen Mark einsparen – damit die
Gewinne
noch größer werden. Die Unternehmensleitung droht mit der
Verlagerung von
Betrieben, wenn die KollegInnen nicht für noch weniger Geld noch
mehr arbeiten.
Es ist die gleiche Schweinerei wie bei Siemens oder anderen Konzernen –
überall
sollen KollegInnen entlassen werden oder mehr schuften für weniger
Geld, damit
die Gewinne einiger Weniger steigen. Zeit also dafür, die Dinge
einmal
andersrum zu betrachten: Zur Sicherung wie zugleich zur
selbstbestimmten
Gestaltung des Arbeitsplatzes wäre eine Enteignung von
DaimlerChrysler, Siemens
& Co. doch wesentlich praktischer …
niederlage für bayer
Juristische
Drohversuche des
BAYER-Konzerns gegenüber dem britischen Umweltverband Friends of
the Earth
(FOE) sind gescheitert. Das Unternehmen versuchte FOE daran zu hindern,
Studienergebnisse über Risiken des Pestizids Glufosinat zu
veröffentlichen.
Obwohl die Untersuchungen in mehreren Ländern frei zugänglich
sind, wollte der
Konzern bei Zuwiderhandlung hohe Strafzahlungen erzwingen. FOE sollte
gehindert
werden, den Besitz der Untersuchungen und ihre Herkunft öffentlich
zu machen.
Zudem sollte der Umweltverband sich verpflichten, keine weiteren
Studien von
ausländischen Behörden anzufordern. Selbst die bloße
Nennung der Studien-Titel
wollte BAYER unter Strafe stellen lassen.
was ist eigentlich ein
zombie?
Diese Frage
könnte sich für
die Terz als eine zukunftsweisende Problematik erweisen. Vor etwa vier
Jahren
erschien ein Artikel über die ISO Security, in dem die
hochverehrten
Mitarbeiter dieses Unternehmens wenig charmant unter anderem als
“Zombies”
bezeichnet worden sind. Nun sind diese alten Dinge zwecks Dokumentation
im
Internet noch nachzulesen. Diese selbstlose Archivarbeit unsererseits
führt nun
zu einem Unterlassungsbegehren der genannten Firma wegen Beleidigung.
Aber was
ist Beleidigung? Was darf Berichterstattung? Was darf Satire? Was ist
eine
vielleicht nicht nette Bezeichnung?
Unvergessen ist
wie der
Grünenpolitiker Joschka Fischer den damaligen
CDU-Bundestagspräsidenten als
A... bezeichnete, damals schien so etwas noch förderlich für
die Karriere. War
das schlimm? Er hat sich sicherlich entschuldigt. Wenn man nun wiederum
meint,
dass es mittlerweile gute Gründe gibt um ähnliche Komplimente
an Herrn Fischer
zurückzugeben? Ist man dann ein böser Mensch, der belangt
werden sollte?
Was ist z.B.
wenn man einen
“Trottel” als “Wurst” bezeichnet? Keine Beleidigung? Oder doch? Ist der
Begriff
“Wurst” beleidigend? Oder der “Trottel”, oder beides? Was ist nun
schließlich
ein “Zombie”? In diversen hochkulturellen Filmproduktionen “lebende
Untote”,
was das nun auch wiederum sein soll. Kann ich jemanden ernsthaft
beleidigen, in
dem ich Begriffe ohne Wahrheitsgehalt benutze, so wie “Zombie” eben,
was es ja
bekanntlich nicht gibt. Ist jemand, der Jahre braucht um eine böse
Beleidigung
zu entdecken nicht etwas langsam und hat das nicht wieder etwas von
einem ...
uuups, dass sagen wir nun aber nicht. Sind “Schläger” (auch so ein
böses Wort)
nun Leute, die ständig um sich prügeln, oder reicht es, dass
einem im Übereifer
mal die Hand ausrutscht um schon ein solcher zu sein? Wir sehen der
Klärung
dieser hochethischen Fragen mit Gelassenheit entgegen!
Der eine oder
die andere
dürfte sich noch an diese berühmte Broschüre erinnern.
Eigentlich war sie ja
immer aktuell, ist mit der Zeit aber leider etwas in Vergessenheit
geraten. In
der Broschüre ging es darum, wie man sich am Besten krankschreiben
lässt. “Sei
doch so gesund, ‘krank’ zu machen, ehe du richtig krank wirst. Dann
hast du mal
Zeit zum leben und überlegen.” Ein Motto, das ja wieder
hochaktuell ist. Es
melden sich laut Krankenkassen immer weniger arbeitende Menschen krank
– aus
Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes. Im ersten Halbjahr 2004 ist der
Krankenstand auf 3,33% gesunken und hat damit einen historischen
Tiefpunkt
erreicht. Noch nie seit der Einführung der Lohnfortzahlung im Jahr
1970 war der
Krankenstand so niedrig. Zeit, etwas daran zu ändern. Wer die
Broschüre im
Antiquariat nicht findet, liest im Internet nach:
http://www.sozialistische-klassiker.org/diverse/Div09.html
Betrunkene und
lärmende und
manchmal gar renitente oder erst recht kriminelle Jugendliche sind ein
wahres
Ärgernis. In London gelten deswegen seit Ende Juli dieses Jahres
neue
Richtlinien. Wer jünger als 16 Jahre alt ist, kann von der Polizei
in Londoner
Vergnügungsvierteln aufgegriffen und nach Hause gebracht werden.
Gruppen von
zwei(!) oder mehr Jugendlichen können von den Bobbies
auseinandergetrieben
werden, unter anderem wenn sie auf verdächtige Weise herumlungern.
Da es in
Großbritannien keine Ausweispflicht gibt, bleibt es dem Beamten
überlassen, das
Alter der Trunkenbolde und Störenfriede zu schätzen. Also
noch einmal
zusammengefasst: Der Beamte entscheidet was herumlungern ist und
schätzt das
Alter der Betreffenden!
jede menge kohle
In der Ausgabe
vom 21.07.04
hat die RP sich mal wieder selber übertroffen. Das ganze Geluller
um Hartz ist
doch Mumpitz, wie der fröhliche Rheinländer sagt. Denn: Ein
Arbeitsloser der
345 Euro im Monat bekommt, kann davon sogar noch locker 15 Euro im
Monat
sparen!!! Gut, dabei sind etwas seltsame Ideen in dem Artikel. So soll
der
Arbeitslose nicht auf Bildung, sprich Bücher verzichten. Er kann
sich gut
erhaltene Mängelexemplare für 2 Euro das Stück in der
Fachbuchhandlung kaufen.
Und Kleidung beim Billigdiskounter, die zwar nicht chic aber funktional
ist
(vor allem bei Bewerbungsgesprächen vorteilhaft). Aber wir denken,
dass der
Vorschlag der RP nicht weit genug geht. Wer z.B. konsequent nur
Schwarzbrot,
Zitronen und Kiwis isst, spart da noch mal eine ganze Menge, ohne an
Skorbut zu
sterben. Und relativ schnell kommt da ein Vermögen zusammen, dass
die
öffentlichen Kassen dann wieder für ein paar Monate entlasten
könnte. Wenn
schon, denn schon!
irr und wirr!
Für Herrn
Minister Clement
sind die Menschen, die gegen Hartz demonstrieren “irregeleitet”.
Für den
ehemaligen SPD-Bundesgeschäftsführer Peter Glotz, der heute
Bücher über die
Schrecken der Vertreibung der Deutschen aus Tschechien schreibt, sind
die
Montagsdemonstrationen gar “Rückstände marxistischer
Indoktrination aus 50
Jahren SED.” Clement wiederum sieht den Protest als Wahlkampf für
die PDS.
Typisch Politiker. Als ob die Menschen für Marx und Engels auf die
Straße gehen
würden? Was für ein Blödsinn! Schon mal daran gedacht,
dass die Leute (selbst
wenn vielleicht zu Unrecht) schlicht Angst haben, bei völliger
Ausweglosigkeit
auf dem Arbeitsmarkt demnächst unter der Brücke zu schlafen?
Angst vor Armut?
Ein Thema, dem sich die beiden Herren wohl kaum stellen müssen!
arme kinder
Die Meldungen
ergänzen sich.
So konnte man in allen Zeitungen in den letzten Wochen immer wieder
lesen, dass
immer mehr Kinder und Jugendliche von Sozialhilfe leben müssen.
Mittlerweile
sind es 1,08 Millionen Menschen unter 18 Jahren, die von der
Stütze leben. Dies
ist ja schon schlimm genug, aber da kommt noch folgendes hinzu: Nur 11%
der
Kinder, die aus Familien der unteren Einkommenshälfte kommen,
werden einmal
studieren. Dagegen werden dies 81% der Kinder der oberen 10% tun.
Anders
ausgedrückt: Wer von oben kommt, muss dumm wie Brot sein um die
Uni zu
verfehlen. Wer aus der unteren Hälfte kommt, hat Schwierigkeiten
auch nur bis
zum Abitur zu kommen. Ein böser Mensch, wer da denkt, dass die
Klassengesellschaft halt immer noch gut funktioniert.
www.terz.org - 01.09.2004