Briefe
Betr. TERZ
07&08.2004,
“Vom
Sozialstaat zum
Strafstaat”
Zu dem gut
recherchierten
Beitrag möchte gerne folgendes ergänzen: der Theorie des
Strafvollzugsgesetzes
nach, sollen die Gefangenen - Zitat - “fähig werden, künftig
in sozialer
Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen” (§ 2
StrVollzG). Gemessen an
den Rückfallquoten von aus Haft entlassenen Menschen (teilweise
jenseits der
70% Rückfallquote) steht das Versagen dieses Strafzwecks fest.
In der Praxis
werden in
Deutschland - und sicherlich auch andernorts - Gefangene oft genug nach
Vollverbüßung ihrer Strafe auf die Straße gesetzt,
ohne daß sie zuvor
Gelegenheit gehabt hätten sich bspw. eine Wohnung zu besorgen.
Oder aber
Familien- und Freundschaftsbande gehen in die Brüche, weil in den
60 Minuten
Besuchsdauer, die das StrVollzG pro Monat zubilligt, über Jahre
hinweg
Bindungen wohl kaum aufrecht erhalten werden können.
Und um noch
einen Punkt
anzusprechen: wie soll ein gefangener Mensch “soziale Verantwortung”
verstehen,
wenn ihn dieser Staat zur Zwangsarbeit verpflichtet (nur nebenbei: der
Begriff
“Zwangsarbeit” findet sich so in Art. 12 Grundgesetz!)? Das letzte was
dem
unfreien Menschen verbleibt ist seine Arbeitskraft - und diese wird
unter Androhung
erheblich Verweigerung, zwangsweise in
Anspruch genommen.
Ich selbst sitze
seit Jahren
in Isolationshaft. Da ich mich weigere dort auch noch zu schuften, denn
man bot
mir an, eine zweite Isozelle leer zu räumen, auf daß ich
dort werktäglich -
alleine - das Bruttosozialprodukt steigern hülfe, erhalte ich
monatlich eine
Haftkostenrechnung von knapp 400 Euro für Knastessen und
Einzelzelle (die ich
natürlich nie werde bezahlen können). Unter Hinweis auf die
Arbeitsverweigerung
sind dann auch Fernstudium und TV-Besitz verboten worden (wobei
letzteres nicht
gerade eine Qual ist ;). Taschengeld für den Einkauf von Nahrungs-
/
Körperpflegemitteln bekomme ich schon seit 5 Jahren nicht mehr.
Details
können auf “meiner”
Homepage nachgelesen werden, die Menschen “draußen” für mich
einrichteten:
http://www.freedom-for-thomas.de
Thomas
Meyer-Falk, c/o JVA
Bruchsal
Betr. TERZ
07&08.2004,
“Auf Gudrun Hock kein Bock”
Vielen Dank
für Ihren
Artikel über Gudrun Hock.
Auch hier in
Essen hat man
eher den Eindruck, daß sie mehr auf allen möglichen
Schicki-micki-Partys glänzt, statt
sich um ihr Amt zu kümmern.
Eine Behinderten- oder Senioren-Einrichtung kennt sie wohl kaum von
innen,
statt dessen ist sie darauf bedacht, sich möglichst oft mit
Kindern oder Herren
der Industrie ablichten zu lassen - macht sich ja auch besser als mit
Behinderten. Außerdem machte die luxuriöse Ausstattung ihres
Büros negative
Schlagzeilen.Der Titel “Sozialdezernentin” steht ihr wohl keineswegs zu.
Eine
Zeitungsleserin
www.terz.org - 01.09.2004