Warten
auf den Licht-Weg-Tag
Eine
Reflexion auf den
Masterplan Licht
Als in den
späten siebziger
und frühen achtziger Jahren die konservative Frankfurter
Stadtregierung einen
dem Zeitgeist entsprechenden postmodernen Gegenentwurf zur
Rückeroberungen des
städtischen Raumes durch die dortige Hausbesetzerszene gesucht
hat, verfiel man
auf ein Erneuerungsprogramm innerstädtischer Plätze. Alsbald
wurde der damalige
Frankfurter OB Walter Wallmann berühmt für die vielen
Brunnen, die er in seiner
Amtszeit einweihte. Ähnlich verhält sich die
Düsseldorfer CDU, die nach ihrem
Sieg bei der Kommunalwahl im Jahr 1999 gleich das Programm “Platz da”
initiierte.
Da seit einigen
Jahren
Illuminationen und Lichtkunstwerke das Repertoire postmoderner
Stadtgestaltung
ergänzen, sind Lichtkunstwerke an die Stelle der Brunnen als
Lieblingsspielzeug
der Politik getreten. Seitdem beeilen sich auch die hiesigen
Politiker-,
Planer- und Künstlerszenen, das nächtliche Profil
Düsseldorfs zu erhellen. OB
Erwin proklamierte sogar: “Eine Stadt ohne Licht ist keine Stadt”.
Ein Masterplan soll Licht
bringen
Im letzten Jahr
hat die
Stadt Düsseldorf daher durch die Büros Dinnebier und Fritschi
einen Masterplan
Licht für die Düsseldorfer Innenstadt erarbeiten lassen. Das
im November 2003
vom Rat beschlossene Lichtkonzept sieht vor, die Düsseldorfer
Innenstadt mit
Lichtachsen und sog. Landmarks zu überplanen. Der Kern des
Plangebiets umfasst
die Innenstadt zwischen der Altstadt und dem Hauptbahnhof, sowie das
Gebiet des
Hafens bis zum Kraftwerk an der Lausward. In diesem Bereich sind viele
neue
Beleuchtungsvorhaben geplant. Einen Eindruck von den zu
erwartenden Maßnahmen
geben die bereits realisierten Vorläuferprojekte, wie die neue
Beleuchtung des
Ehrenhofs, des Kö-Grabens und andere Projekte. Weiterhin soll eine
Lichtsatzung
erlassen werden, um zu verhindern, dass durch private Lampen oder
Werbeflächen
die kommunalen Lichtinstallationen gestört
werden.
Städtebauliche
Projekte im
öffentlichen Raum verbinden in der Regel eine funktionale mit
einer
gestalterischen Verbesserung. Ein gutes Beispiel für so eine
Umgestaltung ist
der neue Fürstenplatz, der nach seiner Umgestaltung nicht nur ein
neues Gesicht
bekommen hat, sondern als Spielfeld und Treffpunkt von der
Nachbarschaft
hervorragend angenommen wird. Dagegen verbessern Lichtprojekte selten
die
Nutzbarkeit eines Platzes. Meistens ist eine ausreichende Beleuchtung
heute
schon gegeben oder könnte mit geringem Aufwand geschaffen werden.
Als
ästhetische Projekte sprechen Lichtkonzepte überwiegend die
Gefühle an. Die meistens
imposant angelegten Installationen zielen auf die Beeindruckung des
Betrachtenden.
Emotion beherrscht die Funktion.
So auch bei dem
Düsseldorfer
Masterplan, der den Stadtkörper in formale Linien zergliedert,
denen die
Beleuchtungen folgen sollen. Dadurch werden Gebäude, Straßen
und Plätze von
ihren Funktionen gelöst und als Hintergrund gesetzt, vor dem das
Licht die
eigentlichen Körper bestimmt. Oder anders ausgedrückt: Eine
Brücke wird nicht
als Verkehrsweg über ein Gewässer, sondern als ein lineares
Lichtband, das über
einen dunklen Fluss läuft, betrachtet.
Dass diese
Reduktion von
Stadt und menschlichem Leben auf eine urbane Leinwand auch ihre Opfer
erzeugt,
kann nicht ausbleiben, wo der Künstler und Architekt als
depolitisiertes Wesen
auftritt. Im Hofgarten sorgen z.B. neue Lampen und Kunstobjekte
für eine
bessere Beleuchtung. Den LichtplanerInnen mag dabei nicht aufgefallen
sein,
dass sie mit ihren Lichtinstallationen beginnen, in eine
wichtige Cruising
Area der Düsseldorfer Homosexuellen Szene einzudringen.
Wer zahlt bestimmt, ...
Finanzieren
sollen die neuen
Projekte Unternehmen und private Stiftungen. Denn der neue Masterplan
wird
nicht billig werden, auch wenn die Realisierung des
Maßnahmenbündels bis zum
Jahr 2007 gestreckt wird. Allein die Investitionskosten für die im
Dezember
2001 eingeweihte Beleuchtung des Ehrenhofs beliefen sich auf 614.000
Euro. Ein
Betrag, für den man auch sechs Kinderspielplätze hätte
grundsanieren können. Da
fallen die 5.000 Euro Stromkosten jährlich angeblich kaum mehr ins
Gewicht.1 Dennoch sind gerade diese Folgekosten zu beachten,
werden sie
doch in der Regel nicht von den Sponsoren aufgebracht, sondern
müssen durch
Steuergelder von allen DüsseldorferInnen getragen werden. In der
Summe können
ganz erhebliche Kosten entstehen. So kostet allein die allabendliche
Beleuchtung der Bäume an der Königsallee weitere 13.000 Euro
im Jahr.2
Mal ganz abgesehen davon, dass einmal verbrauchte Energie von keinem
Sponsor zu
ersetzen ist.
Die
Übertragung der
Finanzierung an Sponsoren entzieht die Entscheidung über die
Gestaltung der
Innenstadt in erheblichem Umfang der öffentlichen Kritik und
Debatte. Die
Auswahl der Orte wird durch ihre Attraktivität für
potenzielle Sponsoren
mitbestimmt. Für die Lichtfläche vor der
Vodafone-Hauptverwaltung ist es
verständlicherweise leichter, den potenten Sponsor zu finden, als
für dringend
notwendige Verbesserungen wie z.B. die Beleuchtung der
Bahnunterführung in der
Hüttenstraße. Dementsprechend steht die Realisierung der
Lichtfläche für Vodafone
im Jahr 2005 an während die Beleuchtung der Bahnunterführung
ganz am Ende des
Zeitplans steht.
Daneben
beeinflusst das
Sponsoring selbstverständlich auch die Intention der
Lichtgestaltung.
Paradigmatisch dürfte eine Installation des Düsseldorfer
Lichtkünstlers Baumann
sein. Während der Nacht der Museen im Jahr 2003 hat er mit einem
Laserstrahl
die Spitze des Victoria Hochhauses mit einer Schornsteinanlage in
Duisburg und
mit dem Fernsehturm Colonius in Köln verbunden. Mittels dieser
technoiden
Inszenierung illustriert der Künstler, wie sich die
Landesregierung NRW den
Standort Rhein-Ruhr vorstellt. Die Region soll als eine Vernetzung von
potenten
Knoten begriffen werden, deren Interaktionen vorwiegend technischer Art
sind.
Dagegen dürften sich Gestaltungskonzepte, die die
gesellschaftlichen Brüche
außerhalb der Knoten aufzeigen, schwer durchsetzen können.
... aber wer darf zahlen?
Eigens für
die Umsetzung
solcher Konzepte ist in Düsseldorf die Stiftung “Dus Illuminated”
gegründet
worden. Initiator der Stiftung ist Edmund Spohr, Vorsitzender der
Aktionsgemeinschaft der Düsseldorfer Heimat und
Bürgervereine. Finanziell
getragen wird die Stiftung von einigen großen Spendern.
Zwar bekennt
sich die
Stiftung pro forma zu einer bürgernahen Politik, an der sich jeder
beteiligen
soll, nicht ohne im selben Absatz nachzuschieben, dass der Spender als
Mindestsumme 100 Euro mitbringen solle.3 Der Ausschluss von
weniger
wohlhabenden Spendern ist nicht weiter verwunderlich, sieht die
Stiftung doch
ihren Sinn darin, unabhängig von behördlichen – und damit
auch politischen –
Wegen, schnell Entscheidungen treffen zu können. Was nur logisch
ist, wenn man
weiß, dass das größte Ziel der Stiftung ist, “durch
Licht den Wirtschaftsstandort
Düsseldorf als internationale Stadt weltweit bekannt zu
machen.”4
Das letztendlich
dann doch
Rat und Verwaltung verantwortlich sind, erfahren wir, wenn die ersten
Projekte
aus dem Masterplan realisiert werden. Mit ihrer beeindruckenden Wirkung
sollen
dann die Lichtinstallationen den Glanz Düsseldorfs und der es
regierenden
Politik- und Wirtschaftselite mehren. Den Düsseldorfer
Bürgern wird durch ein
neues Spektakel einmal mehr die Möglichkeit gegeben, sich zur
Stadt der Reichen
und Wohlhabenden zugehörig zu fühlen.
www.terz.org - 01.09.2004