Kommerz
regiert die Hochschule
Wenn man
heutzutage über den Campus der Heine-Uni läuft,
sticht einem eines so richtig ins Auge. Überall ist Werbung.
Nahezu jede freie
Fläche ist von “Vodafon” in Beschlag genommen. Die
roten Plakate mit den Handys
drauf, sie sind nicht zu übersehen. Zu befürchten ist, dass
dies nur der
Auftakt ist für eine Vereinnahmung der Uni als Werbetafel.
Vermarktung ist
bekanntlich alles und wo lassen sich die Studierenden als Zielgruppe
besser
erreichen als hier?
Werbung ist nur
ein Ausdruck einer Entwicklung, die schon
länger an den Hochschulen Einzug hält. Zu einer Bildung, die
im Besonderen nach
den Kriterien Leistung und Ökonomisierung ausgerichtet wird,
gehört auch die
Erschließung des Campus als Werbefläche dazu. So ist die
zukünftige Elite
natürlich Objekt der Begierde. Auf dem Weg von der Bibliothek zur
Mensa werden
einem Zeitungsabos, Handyverträge, Kredite speziell für
Studenten und all der
Mist aufgeschwatzt. Einem der größten ortsansässigen
Unternehmen ist mit dem
“Konrad-Henkel-Hörsaal” direkt ein Denkmal gesetzt
worden.
Wenn
StudentInnen ihre eigenen Plakate auf dem Campus
aufhängen wollen, wird rigoros durchgegriffen. Plakate, die
politische
Statements vermitteln sollen, die studentische Veranstaltungen
ankündigen oder
einfach nur auf eine kleine Party hinweisen, werden immer wieder
abgerissen.
Doch auch von
studentischer Seite wird dieser Entwicklung
zugetragen. Die Fachschaft BWL hat nicht nur ihre Partyreihe
“Campus
Revolution” in die Hände des 3001, einer Disko im
Medienhafen, gegeben und
damit auf kommerzielle Vermarktung gesetzt. Sie werben mit sexistischen
Plakaten und lassen jede kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema
vermissen. Hier haben StudentInnen nicht weggeschaut, sonder dagegen
protestiert.
Bei dieser
Entwicklung ist das Horrorszenario z.B. einer McDonald-Mensa
gar nicht so abwegig. Es ist natürlich klar, dass die Hochschule
kein Raum ist,
der vor äußeren Einflüssen dieser Art abzuriegeln ist.
Jedoch lässt eine
kritische Debatte darüber auf sich warten. Es wird gar nicht in
Frage gestellt,
dass ein Konzern wie “Vodafon” Einfluss auf die Uni nimmt.
Werbung ist hier ja
nur ein Bereich. Dies nimmt vor den gelehrten Inhalten keinen Halt.
Partnerschaften mit Konzernen sind in anderen Ländern schon lange
Realität und
auch hier deutlich im Vormarsch.
Viele werden
sich fragen, was daran so schlimm sein mag.
Hinter der Unterstützung von Unternehmen und ihre
Erschließung von Hochschulen
als Einflussbereich verbirgt sich keine gut gemeinte Hilfe. Hinter all
dem
steht nämlich eine unternehmerische Strategie der Aneignung von
Ressourcen
öffentlicher Universitäten, um die eigene Wettbewerbsposition
zu stärken. Hier
wird Bildung zur Ware, zu einem Gut, dass sich vermarkten und auf die
eigenen
Interessen ausrichten lässt. Hochschulen begeben sich in
finanzielle Abhängigkeiten
und verlieren ihre Unabhängigkeit. In Berlin gibt es zum Beispiel
ein Projekt,
bei dem “Volkswagen” die Bibliothek zweier Hochschulen
finanziert und somit
auch gestaltet. Sie haben damit einen ersten Schritt getan, um Zugriff
auf
freie und öffentliche Bildung zu erlangen.
Es ist mehr als
notwendig, die Bildung auf den Prüfstand zu
stellen. Die neuen BA- und MA-Studiengänge, die in ihrer jetzigen
Form die
Qualität des Gelehrten deutlich mindert, der erhöhte Druck
und soziale Auslese
durch Studiengebühren verhindern nachhaltig eine unabhängige
und kritische
Wissenschaft. Studierende werden individualisiert durch ihr Studium
gehetzt und
können gar nicht mehr über ihren Tellerrand schauen.
Auswendig lernen ist hoch
im Kurs, eine inhaltliche Debatte wird in den Hintergrund
gedrängt.
Studentische Vertretungen, eigene Lernangebote und Diskussionskreise
werden
aussterben, wer wird noch Zeit für so was haben. Ein
karriereorientiertes
Studium wird nur Fachidioten und Ja-SagerInnen hervorbringen. Es ist
mehr als
notwendig sich die Freiräume an der Uni zurück zu
erkämpfen, eine kritische
Wissenschaft und Bildung zu praktizieren und ökonomische
Interessen von der Uni
zurück zu drängen.
www.terz.org - 23.08.2005