Fußball, Fans & Flüchtlinge

Programm der Fare (Football Against Racism in Europe) Aktionswoche 2010 von alerta-network

Politics is coming home - Düsseldorfer Initiativen bringen Flüchtlinge ins Fortuna-Stadion, Fans zur Gedenkstätte Westerbork und das Thema "rechte Fußball-AnhängerInnen" aufs Tapet.


Aktion

Freitag, 15.10.2010, 18:00 Uhr, Heimspiel gegen den FC Augsburg

Alerta Düsseldorf präsentiert:
"Refugees Welcome Day"

Zusammen mit der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay! werden erneut jugendliche Flüchtlinge zu einem Fortuna Heimspiel eingeladen. Darüber hinaus präsentiert sich Stay! und alerta auf 20.000 Infoflyern. Zusätzlich wird zum ersten Mal der Stay!-Spot auf den Videowänden der Arena gezeigt und ein Interview mit VertreterInnen der Initiative im Innenraum geführt. Am Fanstand hinter Block 41 erhalten interessierte Fans weitere Informationen (u. a. werden einige Schautafeln gezeigt) und Artikel zum Thema Flüchtlinge und Migration. Hier besteht auch die Möglichkeit, die Flüchtlinge zu treffen und kennenzulernen. Spenden für Stay! sind generell herzlich willkommen.

Informationen zum Projekt "Refugees Welcome":

Seit 2007 gibt es innerhalb der Düsseldorfer Fanszene das Projekt "Refugees Welcome", welches von Mitgliedern des Alerta!-Netzwerkes organisiert und durchgeführt wird. Gegründet wurde dieses Projekt zum einen, um sich kritisch mit der deutschen und europäischen Flüchtlingspolitik auseinanderzusetzen und zum anderen, um gemeinsam mit Flüchtlingen Heimspiele der Fortuna zu besuchen. Der Spaß und das gegenseitige Kennenlernen stehen dabei im Vordergrund. So werden in regelmäßigen Abständen Gruppen von 10 bis 15 Jungs und Mädels zu Heimspielen eingeladen. Sie kommen meist aus Asien oder Afrika und sind teilweise schon einige Monate, andere auch erst wenige Wochen in Düsseldorf. Dementsprechend erfolgt die Verständigung wahlweise auf Deutsch, Englisch, Französisch oder mit Händen und Füßen. Spätestens beim Spiel ist die Sprache jedoch nebensächlich - die Gesänge irgendwie nachahmen, klatschen, jubeln und sich über die x-te vergebene hundertprozentige Chance aufregen geht auch ohne tiefgehende Sprachkenntnisse. Nach dem Spiel geht es oftmals noch gemeinsam ins Haus der Jugend, um sich weiter kennenzulernen und auszutauschen und um den Tag gemeinsam gemütlich ausklingen zu lassen. Große Hilfe bei diesem Projekt leistet Fortuna, durch das Bereitstellen kostenloser Eintrittskarten, das Fanprojekt mit seiner Infrastruktur, Stay! als Partnerorganisation sowie die Ultras und verschiedene Einzelpersonen, die für Essen und Getränke in der Arena aufkommen. Dank dieser breiten Unterstützung war es letzte Saison fünfmal möglich, Flüchtlinge einzuladen. Dabei hat sich der Austausch mit einigen nicht nur auf den jeweiligen Spieltag beschränkt, manche kommen inzwischen regelmäßig zu Fortunaspielen, kochen bei Fantreffen unglaublich leckere Gerichte aus ihrer Heimat, sind Freunde geworden und stellen eine Bereicherung für die Fanszene dar. Auch diese Saison wird die Refugees Welcome-Fahne hoffentlich an vielen Spieltagen hinter dem Fanstand hängen, das ist das Zeichen dafür, dass wieder Flüchtlinge beim Spiel dabei sind.

Wer mehr über das Projekt und über Stay! wissen möchte, oder vielleicht sogar mitarbeiten möchte, bekommt am Fanstand weitere Informationen.


Gedenkstättenfahrt

Sonntag, 17.10.2010, 10:00 Uhr

Das Fanprojekt präsentiert:
Tagesfahrt zum ehemaligen Durchgangslager und Erinnerungszentrum Westerbork (NL)

Das "Polizeiliche Judendurchgangslager Westerbork" war ein von den nationalsozialistischen Besatzern in den Niederlanden errichtetes zentrales Durchgangslager, wo nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht am 10. Mai 1940 zuerst in die Niederlande geflohene jüdische Deutsche und Österreicher inhaftiert wurden; ab dem 1. Juli 1942 wurde das "Zentrale Flüchtlingslager Westerbork" zum "Judendurchgangslager", von wo aus im Juni die Deportationen in die Vernichtungslager anliefen. Neben den jüdischen Insassen wurden auch Sinti und Roma und WiderstandskämpferInnen hier festgehalten und 101.000 Menschen Richtung Auschwitz-Birkenau und Sobibór, Bergen-Belsen und Theresienstadt deportiert. Auch Anne Frank war hier zwischen dem 7.August 1944 und dem 3.September interniert. An diesem Tag fuhr hier der letzte Zug Richtung Osten ab. Seit 1983 befindet sich ein Erinnerungszentrum in der Nähe des Lagers; beide Stätten werden wir auf unserer Tagesfahrt besuchen und mit einer Führung näher erschließen.

Die Kosten für die Fahrt einschließlich Busfahrt, Eintritt und Führung belaufen sich pro Teilnehmer/in auf 10 Euro. Der Betrag ist bei der Abgabe der Anmeldung bar zu entrichten. Abgabemöglichkeit immer montags und donnerstags (U18 Club) ab 18 Uhr im Fancafe (Haus der Jugend, Lacombletstr. 10) oder am Fanstand hinter Block 41. Infos unter:
fan [at] jugendring-duesseldorf.de


Infotag (Film + Diskussion)

Dienstag, 19.10.2010, 19:30 Uhr, Hinterhof, Corneliusstraße 108, Düsseldorf

Alerta Düsseldorf präsentiert:
"Football is Freedom"

In der gut einstündigen Dokumentation "Football is Freedom" liegt der Fokus auf den Thematiken Rassismus, Sexismus und Homophobie im Fußball. Auch die Möglichkeiten von Fans und Vereinen, diesen Phänomenen entgegenzuwirken, werden aufgezeigt. Über fast 2 Jahre hinweg wurden zahlreiche Interviews mit Betroffenen und Experten geführt. Ein Film des Fanprojekt Darmstadt und der Ultras Darmstadt.

Anschließende Diskussion zum Thema:
"Keine Politik bei Fortuna?! Alle Jahre wieder das gleiche Spiel?!"

Die Diskussion möchte versuchen, anknüpfend an den Film die derzeitigen Konflikte innerhalb der Fortuna-Fanszene zu versachlichen. Um welche "Politik", sprich Themen, geht es denn konkret überhaupt? Welche Ziele und Inhalte verfolgen die derzeit im Fokus stehenden Gruppen und Personen? Was ist die Intention der derzeitigen Kampagne und gewalttätigen Übergriffe auf kritische AktivistInnen? Wie sieht es in der gesamten Szene mittlerweile aus? Wird die faktische Zunahme von rechten Personen, rassistischen und homophoben Zwischenfällen bei Fortuna innerhalb der Szene wahrgenommen bzw. diesem Trend entgegengesteuert, oder ist diese Form von "Politik" eher ein geduldeter Normalzustand? Wir wollen versuchen gemeinsam den Knoten aus Gerüchten, Halbwahrheiten und klar gesteuerter Propaganda, hinter der ein konkretes Ziel steckt, zu entwirren.


Film

Donnerstag, 21.10.2010, ab 19:00 Uhr, Hinterhof, Corneliusstraße 108, Düsseldorf

Alerta Düsseldorf und Cafe Bunte Bilder präsentieren:
PartisanInnen im Piemont - Antifaschistischer Widerstand in Nordwestitalien

Eine der bedeutendsten Auseinandersetzungen der deutschen Wehrmacht mit Partisanen und Partisaninnen fand von 1943 bis 1945 in der nordwestitalienischen Provinz Piemont statt. Den Verbänden von Wehrmacht, SS und italienischen Faschisten standen bis zu 40.000 bewaffnete Partisanen und Partisaninnen gegenüber. Die deutschen Versorgungs- und Rückzugswege von und nach Frankreich wurden von den Einheiten "Garibaldi" empfindlich gestört. Die Deutschen schlugen mit unmenschlicher Härte zurück. Im Video kommen ehemalige Partisanen und Partisaninnen sowie Menschen aus dem Widerstand der Provinzhauptstadt Turin zu Wort. Sie erzählen von der Zusammenarbeit der kämpfenden Formationen und der Arbeiter und Arbeiterinnen in der Stadt, bis zur Selbstbefreiung in Turin im April 1945. Der Film berichtet auch von den Massakern der Deutschen im Piemont. Die ehemalige Partisanin Mara Piovano aus Turin erläutert, weshalb sie sich als eine der ersten Frauen im Piemont den kämpfenden Einheiten in den Bergen anschloss. Das Video gibt Einblick in ein Kapitel deutscher Besatzungsgeschichte, das bis heute in Deutschland kaum bekannt ist.


Stadtrundgang

Samstag, 23.10.2010, 11:00 Uhr, Treffpunkt: Carsch-Haus an der Heinrich Heine Allee (Altstadt)

Fanprojekt präsentiert:
Alternativer Stadtrundgang durch Düsseldorf (mit dem Schwerpunkt NS-Zeit)

Rundgang für Personen mit Vorwissen (ca. 2,5 Stunden inkl. Besuch des Stadtmuseums) Leitung des Rundgangs: Frank Sparing, geboren 1963, studierte Geschichte und Romanistik, Autor von mehreren Veröffentlichungen zum Thema Nationalsozialismus in Düsseldorf.

Rundgang für Personen ohne Vorwissen (ca. 1,5 Stunden inkl. Besuch der Mahn und Gedenkstätte) Leitung des Rundgangs: Tobias Theuerkorn, Student der Germanistik und Geschichte, Fortuna Fan und freier Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.


Vortrag + Diskussion

Montag, 25.10.2010, 19:30 Uhr, Fancafe, Haus der Jugend, Lacombletstraße 10

Fanprojekt präsentiert:
Ultras, Politik und Rechtsextremismus

Die politische Geschichte der Ultras in Italien und was das mit den deutschen Ultras zu tun hat. Ein Vortrag von Jonas Gabler.

Ultras, Politik und Rechtsextremismus. Diese drei Begriffe in Zusammenhang zu bringen, löst bei Ultras häufig ablehnende Reaktionen zumindest aber Diskussionen aus. In der Öffentlichkeit hingegen ist es weit verbreitet, Ultras - wie auch andere Fußballfans - mit Rechtsextremismus in Verbindung zu bringen. Eine Rolle spielen dabei auch die Presseberichte über Ultras aus Italien, bei denen Rechtsextremismus offensichtlich ein ernst zunehmendes Problem darstellt. Aber wie politisch ist das Fanmodell der Ultras wirklich und wie anfällig ist es für Rechtsextremismus?


Vortrag

Donnerstag, 28.10.2010, 19:30 Uhr, Fancafé, Haus der Jugend, Lacombletstr.10, Düsseldorf

Supporters Club Düsseldorf präsentiert:
Das Versteckspiel - Lifestyle, Symbole und Codes von neonazistischen und rechten Gruppen

Das Versteckspiel beleuchtet die Codes und Symbole der rechten Szene und ihren Zusammenhang mit einem konkreten Lifestyle, zu dem auch bestimmte Markenkleidung gehört. Der Vortrag bietet verschiedene Informationen zu extrem rechter Symbolik unter verschiedenen Gesichts- bzw. Schwerpunkten. Vorrangiges und erreichtes Ziel der Veranstaltungen ist, den ZuhörerInnen Informationen zu einschlägigen Symbolen und Lifestyle-Elementen zu vermitteln und eine Sensibilisierung dahin gehend zu erreichen, dass extrem rechte Kultur das Nischendasein einer Subkultur verlassen hat und sich mittlerweile als ein Lifestylesyndrom etabliert. Konzipiert ist diese Veranstaltung ausdrücklich als Informations- und Diskussionsveranstaltungen, die nach dem einführenden Infoblock Raum bietet für Fragen nach regionalen Entwicklungen, Entwicklungen in Fanszenen sowie notwendigen Gegenmaßnahmen und Gegenstrategien. Eine Veranstaltung zusammen mit dem apabiz Berlin.


Party

Samstag, 30.10.2010, ab 20:00 Uhr, Hinterhof, Corneliusstrasse 108, Düsseldorf

Alerta Düsseldorf präsentiert:
"United colours of Fortuna Düsseldorf"

Tanzen gegen den neureaktionären Trend - Spaß inne Backen statt Knoten im Kopf!

Party auf zwei Floors: Café (Ska, Reggae, Punkrock, Soul), Halle (Electro, Trash, Hip Hop).
Mit einer Cocktailbar, afrikanischem Essen, Info- und Merchständen


Aktion

Montag, 01.11.2010, 20:15 Uhr, Heimspiel gegen den MSV Duisburg

Das gesamte Bündnis der FARE Aktionswoche 2010 präsentiert:
Hauptaktionstag in der Arena

Einlauf der Mannschaft zusammen mit Kids und Jugendlichen aus der AG Handicap, samt Präsentation der Fahne "Gemeinsam gegen Rassismus und Diskriminierung" -Die Ultras Düsseldorf präsentieren eine Choreographie zum Thema - Zusätzliche Informationen und weitere Artikel (Aufkleber) am Fanstand hinter Block 41. Präsentation einiger Infotafeln aus der neuen Wanderausstellung der VVN-BdA "Neofaschismus in Deutschland" - Der neu geschnittene Spot zur FARE Woche wird auf den Videoleinwänden präsentiert - Informationen und Statements rund ums Thema in der Stadionzeitung "Fortuna Aktuell".


Alerta?!: Im November 2007 wurde dieses internationale Netzwerk gegen die rassistischen Tendenzen in den Stadien gegründet von antirassistischen Fans. Die Gruppe Alerta Düsseldorf setzt sich aus Mitgliedern der Gruppen Ultras Düsseldorf, Azzuro Düsseldorf, Lost Boyz Flingern, sowie Einzelpersonen aus der Fanszene zusammen. Hier geht es um eine möglichst effektive und gut vernetzte antifaschistische Arbeit über das gesamte Jahr. Alerta ist eine undogmatische und parteilose Organisation. Der Einsatz gilt der Emanzipation innerhalb der Fanszene, für ein basisdemokratisches Agieren in der Kurve und um den Kampf für Selbstbestimmung. Vereint in Solidarität für eine Verbesserung der Situation in und außerhalb des Stadions.
Kontakt bekommt ihr am Fanstand im Stadion oder über alerta-duesseldorf.org.