Zum Verhalten des Herrn Erwin gegen die Roma in Düsseldorf hat deren
Sprecher einen offenen Brief verfasst den wir in Auszügen abdrucken:
OB ERWIN TERRORIST?
12.9.2002
Guten Tag, Herr Oberbürgermeister Erwin,
am 14.8.2002 habe ich Sie aufgefordert, Ihre Bezeichnung "Affentheater"
für unsere Demonstrationen zurückzunehmen. Sie wurden mit dieser Ausdrucksweise
sowohl in der regionalen, wie bundesweit in der überregionalen Presse zitiert.
Als Antwort schrieben Sie mir: "Ihrer Forderung, das Wort "Affentheater"
zurückzunehmen, vermag ich nicht zu entsprechen. Der verwendete Begriff
bedeutet in der deutschen Sprache "übertriebenes Tun, Reagieren in
Bezug auf etwas, jemanden"(Duden, Band 10. Das Bedeutungswörterbuch,
2. Aufl.)".
Die aus Ex-Jugoslawien geflohenen Roma leben zwar schon seit Jahren in Deutschland.
Bei ihrer Integration sind sie allerdings nicht zu moralischen Krüppeln
assimiliert, die Beleidigungen sprachwissenschaftlich und formaljuristisch zu
betrachten und zu rechtfertigen. Damals schrieb ich Ihnen:
"In einem Schweinestall leben Schweine. Eine menschliche Wohnung so zu
bezeichnen ist beleidigend. Esel oder Kühe gelten als dumm, Ziegen sind
störrisch. Eine Frau als Kuh oder Ziege zu bezeichnen, ist diskriminierend
und beleidigend. In einem "Affenzirkus" oder einem "Affentheater"
treten Affen auf.
"SIE HABEN MIT IHRER FESTELLUNG ALLE TEILNEHMER/INNEN DER DEMONSTRATION
ALS AFFEN BEZEICHNET UND SIE DAMIT PERSÖNLICH BELEIDIGT UND DISKRIMINIERT."
Die Geschichte der Roma ist in großen Teilen eine Tragödie. Selbstverschuldet
ist die Tragödie nicht, ebensowenig wie die Juden am Holocaust selber Schuld
haben. Das Volk der im 3. Reich lebenden Roma wurde zu 90% von den Nazis umgebracht!
Doch nicht nur die "Reichszigeuner" wurden getötet. Die Deutschen
ermordeten schätzungsweise weitere 350.000 in den besetzen Gebieten. Dies
können die Sinti und Roma ebenso vergessen, wie die Juden den Holocaust
ignorieren. (...)
Wir stellen mit Kopfschütteln fest, dass der Oberbürgermeister von
Düsseldorf in der Presse bezeichnet wird als "menschenverachtend",
"politisch unhaltbar", "inhuman, intolerant und rassistisch",
"arrogant, provozierend, ignorant", "albern und beispiellos kindisch",
"empörend, selbstherrlich, autoritär" und "hinterhältig,
schamlos, scheinheilig, infam". Angeblich haben Sie ein "schamfreies
Verhältnis zum Missbrauch von Macht."
Die Anlässe für solche Bewertungen schaffen Sie offenbar selbst:
- Als in der Nacht vom 20. zum 21.7. über Düsseldorf ein schweres
Gewitter niederging, wollte die Feuerwehr den in ihren kleinen Zelten wegschwimmenden
Roma spontan mit großen Zelten und Feldbetten helfen. Das haben Sie mit
christlicher Nächstenliebe ausdrücklich verboten. - Am 13.8. bedrohten
und ängstigten Sie die Roma-Familien mit der Ankündigung, den Eltern
die Kinder wegzunehmen und in Heimen unterzubringen. Sie sagten: "Das ist
nicht gut für die Kinder, in einem solchen Lager zu leben...Das ist unsere
christliche Verantwortung."
- Ebenfalls am 13.8. wiesen Ihre Erfüllungsgehilfen einen LKW, der den
Roma Lebensmittel bringen wollte, von den gepflasterten Straßen des Roma-Lagers
mit der Begründung zurück, hier sei Landschaftsschutzgebiet. An exakt
der gleichen Stelle stehen mehrmals im Jahr viel größere und schwerere
Zirkus- und Kirmeswagen.
- Am 9.8. blockierten Sie unserer Ansicht nach mit einer blitzschnell errichteten
Schein-Baustelle eine genehmigte Demo auf dem Staufenplatz. Am 12.8. versuchten
Sie das Gleiche mit städtischen Fahrzeugen des Gartenamtes vor dem Rathaus.
Wegen dieser rücksichtslos angewandten und möglicherweise rechtswidrigen
Machtausübung ermittelt gegen Sie die Staatsanwaltschaft.
- Ihre mit diskriminierenden Äußerungen garnierten Handlungen erzeugen
bei den Roma ein Klima der Bedrohung, der Unterdrückung und der Angst.
Ich sehe täglich in den Gesichtern und in den Augen, was Sie mit Ihrem
eiskalten und rigorosen Formaljurismus anrichten.
In der Düsseldorfer Stadtbücherei lese ich in dem von Ihnen zitierten
Duden, Band 10, Das Bedeutungswörterbuch, unter TERROR: " gewalttätiges,
rücksichtsloses Vorgehen, mit dessen Hilfe bestimmte Ziele erreicht werden
sollen." Das Tätigkeitswort bezeichnet "einschüchtern, unterdrücken,
bedrängen, bedrohen." Der TERRORIST ist "die Person, der Terror
ausübt." Unter Gewalt lese ich: "Macht und Befugnis, Recht und
Mittel, über jmd. etwas zu bestimmen, zu herrschen. 2. rücksichtslos
angewandte Macht, Willkür, Zwang." Wenn ich auf Ihrem Niveau diskutieren
und argumentieren würde, könnte ich Sie mit Hinweis auf den von Ihnen
so geliebten Duden als TERRORISTEN bezeichnen. Natürlich tue ich das nicht.
Ich wollte Ihnen nur aufzeigen, wohin man kommt, wenn man so vorgeht wie Sie.
Und dabei belasse ich es.
In der Hoffnung, dass nicht nur Sie, sondern auch die Landesregierung NRW, die
Innenministerkonferenz und viele Bürger in diesem wunderbaren Land auch
angesichts der Geschichte der Roma in Deutschland(s.o.) zu anderen Einsichten
kommen als bisher, grüße ich Sie freundlich.
Dzoni Sichelschmidt, Sprecher Roma, C.I.A.E.
www.terz.org - 24.9.2002