fehritalesGood
Old Friends
Das schöne
am Leben ist,
dass sich gute Freunde immer wieder begegnen. Alles was gut ist, kommt
wieder.
Ob Gestalten wie Torsten L. oder sächsische Nazis, nichts bleibt
einem erspart.
Endlich ist auch Roberto Blanco wieder in den Schlagzeilen, treu sein
kann
Deutschlands Lieblings-Schwarzer also nicht! Tja, so ist halt die Natur
von
denen da unten, wird manch ein Arier denken!
Aber manchmal
ist es ja auch
ein schönes Wiedersehen ... Ich hatte eigentlich nicht gedacht,
hier jemals
wieder mehrere Musiktipps auf einmal zu geben, da ich mich nun mal
nicht mehr
so sehr dafür interessiere, aber bei alten Freunden mache ich
gerne eine
Ausnahme. In den frühen 80er Jahren war ich ein großer
Freund der Musik von
Tuxedomoon. Diese Band war musikalisch völlig anders als alles,
was damals als
“Post Punk” populär war: Im Gegensatz zu den damals angesagten
Punk-Bands
beherrschten sie ihre Instrumente und hatten einen einzigartigen,
kranken,
drogenverhangenen und morbiden Charme – ohne dabei jemals eine
blöde
Gruftikapelle zu sein. Sie kamen aus der linksradikalen kalifornischen
Theaterszene, hatten einen Post-Punk-Hit (“No Tears”) und
kümmerten sich nicht
um Rock-Klischees. Die Band zerbrach vor etwa 15 Jahren, die Mitglieder
versuchten entweder, wie Blaine Reininger, mit poppigerer Musik
über die Runden
zu kommen, oder werkelten wie Steven Brown vor allen an Ambient- und
Theater-Soundtracks herum. Ich hätte nie gedacht, dass die
noch einmal in
Originalbesetzung wiederkommen. “Cabin In The Sky” klingt
tatsächlich wie
Tuxedomoon, was soll man da sonst zu sagen. Etwas modernisiert, aber
ganz
eindeutig. Also für jeden Salonbolschewisten Pflicht.
Als Punk ab
Mitte der 80er
Jahre immer öder wurde, probierten viele Bands es mit
Geräuschen und Krach. Die
besten waren damals ohne jeden Zweifel die Butthole Surfers. Die machen
heute
noch alle paar Jahre ein Album, das in der Regel deutlich besser als
normale
Rockmusik ist, aber schon lange nicht mehr so ambitioniert wie
früher
erscheint. Gibby Haines, der der Sänger der Surfers ist, hat nun
ein
Soloprojekt veröffentlicht. “Gibby Haynes And His Problem” deutet
vom Cover her
auf die Zeit von “Hairway To Steven” hin, also in die experimentelle
Ära, mit
lauter gruselig verzerrten Gesichtern. Musikalisch ist diese Platte
eine schöne
psychedelische Rockscheibe, keine Granate, aber nett zu hören.
DAS COMEBACK des
Jahres, vor
dem der Rest verblasst, ist aber natürlich die neue CD von HACK
MACK JACKSON!
“Everybody Wants To Go To Heaven But Nobody Wants To Die” heißt
die neue CD,
schon der Titel besticht durch die Tiefe des philosophischen Gedankens.
Auch
hier gilt, dass kein Weg zum Kommerz gesucht worden ist, die CD ist
jedem Fan
bestens zu empfehlen! Ach was: Zwang! Pflicht!!! Ansonsten beim
nächsten
Bullenreiten 10 Stunden auf dem Vieh angeschnallt sein!!!!! Banzai!!!!!
Fehri
PS.: Ein kleiner Beitrag zur
Lokalgeschichte: Kann sich noch jemand an den Plattenladen Heartbeat in
den
80er Jahren auf der Aachener Straße erinnern? Den haben zwei
Freaks in ihrer
Freizeit betrieben. Konzept war die gnadenlose Avantgarde. Es gab ergo
Platten
von Psychic TV, Throbbing Gristle und eben Tuxedomoon. Als ich im
jugendlichen Leichtsinn
mal nach einer Black Flag-Scheibe fragte, wurde mir beschienen, dass
dies ihnen
zu kommerziell für ihren Laden sei! An diese wahrhaft
idealistische
Geschäftsauffassung sei hiermit mit Lob erinnert. Allerdings
machte der Laden
dann irgendwann auch wieder zu ...
www.terz.org - 29.9.2004