Flughafenausbau
Streit geht weiter
„Es
gibt Dinge, da muss man sich ganz einfach wehren“.
Das ist nicht
nur die Meinung von Christoph Lange,
Vorsitzender der Initiative „Bürger gegen Fluglärm
e.V.“ in Meerbusch, die seit
Oktober 2002 besteht und sich den Protest gegen den weiteren Ausbau des
Düsseldorfer Flughafens auf die Fahnen geschrieben hat. Seit 30
Jahren gibt es
im Rheinland Auseinandersetzungen um „die reichlich
überflüssigen Bauvorhaben“.
Die „erste
ortsübergreifende Initiative“ mit 2.500
Mitgliedern hat es sich, neben anderen Initiativen im Großraum
Düsseldorf und
in verschiedenen Umland-Gemeinden, zum Ziel gesetzt, den Ausbau des
Projekts zu
stoppen. „Eine halbe Million Menschen in der Region sind von den
Auswirkungen
betroffen, die sie im Falle eines abgeschlossenen Ausbaus erleiden
werden“,
sagt Lange. Er verweist dabei auf den jetzt schon drastisch
angestiegenen
Fluglärm und sagt, dass dessen Opfer, die schon einmal durch
Umzüge versucht
haben, dem Luftterror zu entgehen, diesem nun erneut ausgesetzt sind.
Dabei
wurden ganze Familien an den Rand des finanziellen Ruins gebracht.
„Liegen Sie
mal nachts im Bett“, so Lange, „und ständig rasen
Flugzeuge über Sie hinweg.
Dann reicht es irgendwann. Die Leute lassen sich das nicht mehr
gefallen“.
Alleine im Juli 2005 wurden 226 Nachtflüge gezählt. Das war
eine deutliche
Zunahme im Vergleich zu früher. Gab es 1983 noch 34 Flugbewegungen
pro Stunde,
sind es jetzt 40. Beantragt wurden mittlerweile 47. Mit einer
explosionsartigen
Zunahme ist zu rechnen, wenn die Pläne der Profiteure
(Flughafen-Gesellschaft
Düsseldorf, Ministerium für Bauen und Verkehr, Hoch-Tief) und
ihrer
Unterstützer aufgehen. Dass diese alles dran setzen werden, um
ihre Ziele zu
erreichen, ist für den BI-Vorsitzenden klar.
Dafür
spricht auch die Aussage von Heinz Hardt
(CDU-Landtagsabgeordneter): „Hoch-Tief hat eine Milliarde
investiert. Die
wollen Kohle sehen“. Der MdL ist übrigens jetzt auch
„Flughafenberater“ des
neuen NRW-Ministerpräsidenten Rüttgers.
Nichts
als Lügen der
Ausbau-Profiteure
Auch die
Behauptungen der Flughafenbetreiber-Gesellschaft
und der BI „Pro Flughafen Düsseldorf“, die sich
für den Ausbau einsetzen,
wonach 500 neue Leute eingestellt würden (Stand 2004) hat sich als
„Luftblase“
erwiesen. Tatsächlich waren es ganze 30 Leute, die ein
Beschäftigungsverhältnis
erhielten. „Und ganz im Gegenteil“, so Lange,
„gefährden die Billigflieger, die
in Düsseldorf starten, noch Arbeitsplätze. Die von Lohausen
abfliegenden
Fluggäste dieser Gesellschaften geben ihr Geld woanders aus. Es
wird kein Geld
ausgegeben, womit in der Bundesrepublik weitere
Beschäftigungseffekte erzielt
werden“. Außerdem: Billiganbieter von Flugreisen, wie zum
Beispiel „Air Berlin“
oder LTU (jene Firma, die auch an der rassistischen Abschiebepolitik
viel Geld
mitverdient), kündigten MitarbeiterInnen nach zwei Jahren den
Arbeitsplatz.
Diese seien zudem noch harten Arbeitsbedingungen und -zeiten
unterworfen. Die
Belegschaften hätten zumeist nicht einmal einen Betriebsrat.
Etwas, was die
Flughafenausbau-Propagandisten nicht sagten. Und das wiederum sage viel
über
deren Ehrlichkeit aus.
Überhaupt
ginge ja auch die Zahl der Fluggäste weiter
zurück. Im Jahr 2000 betrug ihre Zahl noch 16 Millionen. Jetzt
seien es 15,3
Millionen. „Wenn eine normale Lufthansa-Maschine mit einer
Kapazität von 110
Fluggästen diese nicht voll ausnützen könne, weil sie
zumeist nur 57 Passagiere
an Bord“ habe, so spreche auch das „nicht für einen
weiteren Ausbau“.
Zudem: Dass den
Flughafenausbauern die Gesundheit der
umliegenden Bevölkerung völlig gleichgültig ist, sieht
mensch auch an folgenden
Tatsachen. Es betrifft das Thema Schallschutz. Leuten aus Büderich
wurde
gesagt, sie lägen „außerhalb des zu schützenden
Bereichs“. Oder: Einer Familie
in Ratingen wurde Schallschutz verweigert, mit der Begründung,
dass ihr Opa
schon vor 33 Jahren Geld für Schallschutzmaßnahmen bekommen
habe.
Christoph Lange:
„Der Flughafen als privatrechtlicher
Unternehmer hält sich nicht an die bestehenden Gesetze. Er ist
kein
ernstzunehmender Verhandlungspartner.“ Ob das auch daran liegt,
dass
Düsseldorfs OB Joachim Erwin da mitmischt? Lange vermag das so
direkt (noch)
nicht zu sagen. Die Stadt Düsseldorf ist zu 50% Anteilseignerin am
Flughafen.
Erwin sitzt im Aufsichtsrat der Flughafenbetreiber.
Landtagsparteien
nicht für
den Schutz der ansässigen
Bevölkerung
Was nun den
Flugverkehr betrifft, so haben, das muss
fairerweise gesagt werden, nur die Vertreter von Bündnis
90/„Die Grünen“
zweimalig einen Vorstoß im Düsseldorfer Landtag unternommen,
das veraltete
Fluglärmgesetz von 1970 zu ändern. Durchgekommen sind sie
damit nicht, da sie
auf eine Ablehnung der übrigen Landtagsparteien gestoßen
sind. SPD, CDU und FDP
setzten und setzen sich über AnwohnerInnen-Interessen hinweg. Sie
sind für eine
Ausweitung des Flugverkehrs. Allerdings hätten die
„Grünen“ auch die
Möglichkeit gehabt, gegen diese unverantwortliche Politik
Widerstand, oder doch
zumindest Protest, zu organisieren. Statt dessen: heiße Luft.
Dabei muss auch
klar gesehen werden, dass von dieser heutigen grünlichen FDP auch
nichts
anderes zu erwarten ist. Ganz anders die grüne Partei der 80er
Jahre. Die hätte
noch Widerstand organisiert. Doch diese Zeiten sind ja wohl vorbei.
Die BI
„Bürger gegen Fluglärm e.V.“ jedenfalls verfolgt
nach
Meinung von Lange keine „Kirchturmpolitik“, sie benennt
Alternativen zu einem
Ausbau des Düsseldorfer Flughafens. Alle Vorschläge, die sie
dazu gemacht habe,
seien aber von der anderen Seite abgewimmelt worden.
Jürgen
Stein
www.buerger-gegen-fluglaerm.de
www.flughafen-forum.de
www.fluglaerm.de
www.terz.org - 26.09.2005