Kurt
Goldstein
–
ein bewegtes Leben
Es gibt Menschen, die in ihrem Leben außergewöhnlich
viel erleben
und erleiden mussten und
darüber auch noch aufrüttelnd
reden können. Ein solch seltener Glücksfall ist ohne Zweifel
Kurt Goldstein,
der vor kurzem in Düsseldorf gastierte. Nach einem Gespräch
mit uns konnte er
einem viel zu kleinen, aber sehr positiv eingestellten Publikum
über sein Leben
so einiges erzählen. Nicht dass die Veranstaltung schlecht besucht
gewesen
wäre, aber unserer Meinung nach verdient Herr Goldstein ein noch
viel größeres
Publikum. Man kann in einem kurzen Artikel nicht ein solches Leben
zusammenfassen, es kann leider nur ein biographischer Auszug sein. Kurt
Goldstein wurde 1914 in Hamm / Westfalen als Sohn einer jüdischen
Kaufmannsfamilie geboren. Er fand schon früh zur politischen
Linken und wurde
Antimilitarist auf Grund des Todes seines Vaters, der seinen
Kriegsverletzungen
kurz nach Kriegsende erlag. Der Schüler wurde früh von
antisemitischen
Anfeindungen geprägt und fand sich schon mit 15 Jahren in der KPD,
in der er
die konsequenteste antifaschistische und antikapitalistische Kraft sah.
Schon
als ganz junger Mann engagierte er sich in der Endphase der Weimarer
Republik
stark für die Partei und wurde deswegen seiner Schule verwiesen.
1933 entkam er
nur äußerst knapp seiner Verhaftung, die Gestapo hatte ihn
schon so gut wie
festgenommen. Mit Witz, Intelligenz und Glück entkam er den
Häschern und ging
ins Exil. Seine „12 Jahre lange Reise von Deutschland nach
Deutschland“ hatte
begonnen, wie er das Exil selber nennt. Über Luxemburg ging er
nach Frankreich
und dann 1935 im Auftrag der Partei nach Palästina. Als 1936 der
spanische
Bürgerkrieg ausbrach, hielt es ihn dort nicht mehr, und er meldete
sich zu den
Internationalen Brigaden, für die er in vielen Schlachten
kämpfte und verwundet
wurde. So kam es zum schlimmsten Teil seines Lebens. Die ehemaligen
Brigadisten
wurden 1939 in Frankreich interniert und fielen nach der Besetzung des
Landes
den deutschen Behörden in die Hände, so auch Kurt Goldstein.
Von 1942 bis zu
Anfang 1945 überlebte er 30 Monate in Auschwitz, wo er im
Nebenlager Jawischowitz
unter Tage arbeiten musste. Wenn er über diese Zeit redet, kann
man nur
erahnen, was er alles erlebt und gesehen hat. Aber er hat es
überlebt. Er hat
auch noch einen Todesmarsch nach Buchenwald überlebt, den die
Nazis noch 1945
erzwangen. Von 3000 Häftlingen überlebten diesen Marsch kaum
500. Kurt
Goldstein zog aus diesem Leidensweg mehrere Schlüsse, die seine
Lebensbejahung
unter schwierigsten Umständen beweist. Er wollte eine Familie und
Kinder haben,
da er den Mord an vielen Kindern gesehen hatte. Und er wollte einen
sozialistischen
Staat mitaufbauen und engagierte sich zu diesem Zweck in verschiedenen
Funktionen ab 1951 in der DDR, die für ihn das bessere, das
antifaschistische
Deutschland war.
Auch im hohen
Alter hat er seine Überzeugungen
nicht verloren und ist bis heute ein Kämpfer
für Sozialismus und Kommunismus,
der sich aktuell für die Linkspartei einsetzt, wie die Hörer
des Abends im
linken Zentrum bestätigen können. Sogar der bürgerliche
Staat hat ihm die
Anerkennung nicht verweigert und ihm das Bundesverdienstkreuz
verliehen. Er
arbeitete für viele internationale Organisationen. Heute ist er
Ehrenpräsident
des Internationalen Auschwitz Komitees. Bis heute schaltet er sich ein,
wenn
Naziverbrechen geleugnet oder verharmlost werden. So kritisierte er die
jüngste
Entscheidung des BGH, dass die Parole „Ruhm und Ehre der
Waffen-SS“ nicht
strafbar ist, öffentlich scharf. Wir danken Herrn Goldstein
für den Besuch und
Vortrag in Düsseldorf und wünschen ihm viele weitere
engagierte
Jahre!
Fehri
www.terz.org - 26.09.2005