Leserbrief
an TERZ
Betr.: Bericht
über die 21. Düsseldorfer Eine Welt Tage
2005 in TERZ 9/05
Liebe Terz-ler,Terz-lerinnen, vor
allem liebe Maria La
Rocca,
fast immer ist
es sehr schade, wenn jemand über „etwas“
schreibt, ohne ein Wort zu wechseln mit
dem Veranstalter. So entstehen – Absicht oder nicht –
falsche Informationen,
fehlende Informationen, falsche Eindrücke. Ich bitte um
folgende Korrekturen:
1. Schirmherr
der 21. Düsseldorfer Eine Welt Tage 2005 ist
nicht Herr Oberbürgermeister Erwin alleine: Unterstützt
werden die Eine Welt
Tage weiterhin von Stadtsuperintendentin
Cornelia Oßwald (evang. Kirche), Frau
Dr. Hanna Weipert-Calm (DGB Kreisvorsitzende), Mrsg. Rolf
Steinhäuser
(kath.. Kirche) und dem Rektor der Heinrich-Heine-Universität
Prof. Dr. Dr.
Alfons Labisch.
2.
Die Veranstalter der Bahai-Gemeinde als „schräge
Sache“
zu bezeichnen, belegt, dass die Verfasserin sich weder mit Thema noch
den
Veranstaltern auskennt, aber es beurteilt. Ich kann nur hoffen, dass
dies
nachgeholt wird; vor allem um vielleicht zu realisieren, welcher
Verfolgung die
Mitglieder der Bahai-Gemeinde – vor allem im Iran –
ausgesetzt sind.
3.
Der Punkt mit Bilker Bahnhof/Berührungsängste ist einfach
nur schludrig beschrieben, weil - siehe oben -
niemand mit uns sprach.
4.
Wer von Euch sitzt denn verdammt nochmal „undercover“ im
neuen zuständigen Ministerium? Maria La Rocca etwa?? Denn:
Wenn so jemand weiß / Heute schon, dass es nie
wieder Geld geben wird für die lokale Eine Welt Arbeit
(vielleicht!?!) Wäre für
diesen Begriff auch eine Definition von Interesse. (...)
5.
Ein Hinweis zu den Veranstaltungen: Ich finde es maßlos
ignorant und arrogant, wenn TERZ sich hinstellt und negiert, wie viel
137 Initiativen
mit ca. 2200 Akteuren, die alle ehrenamtlich und in Absprache mit
den Menschen vor Ort im Süden arbeiten, konkrete Projekte
und Unterstützung in Augenhöhe und ohne Verwaltungskosten
jedes Jahr
organisieren und die durch die Veranstaltungen immer mehr
Unterstützung
bekommen! Erzählt doch bitte den Straßenkindern z.B. in
Brasilien, was für ein
dummer, unkritischer „Freizeit-Spaß“ es ist, wenn
hier bei einem Straßenfest an
einem Tag netto ca. EUR 14.000,- für Lehrwerkstatt,
Mädchen-Projekte, Ausbildung,
Brot und Gemüse für die Versorgung usw. (gerne können
wir auf einer Doppelseite
in der nächsten Ausgabe die Projekte sehr genau konkretisieren!)
zusammenkommen!! Was macht eigentlich
TERZ und Frau La Rocca in diesem Zusammenhang??
Übrigens
zur Information: Bei den so verächtlich
beschriebenen Veranstaltungen mit „kulinarischen
Köstlichkeiten“ erhöhten sich
konkret die Anzahl der Interessenten/Innen und der direkten
Unterstützer/Innen
für die Kleinbauern, die sonst ohne Chance auf dem Weltmarkt
pleite gingen und
ihre Familien nicht mehr ernähren könnten. Gerne
wüßte ich auch, wen/was ihr
als „Zeitgeist“ und „Obrigkeit“ ausgemacht
habt, die/der uns zwingt so zu
arbeiten, wie es die Erfahrung seit 20 Jahren ausmacht!?! Ich kann
definitiv
versichern, dass in unserem Büro kein staatlich Beauftragter
heimlich sitzt,
der uns sagt, was wir zu tun haben. Weil Zuschussgeber unsere
Fachkompetenz
sehr gut kennen und schätzen, erhalten wir Zuschüsse und im
übrigen
überfraktionelle Unterstützung! (...)
Mit
freundlichen Grüßen
Ladislav
Ceki - Geschäftsführer Eine Welt Forum Düsseldorf
e.V.,
Eine
Welt Promotor der Landeshauptstadt (...)
Ja,
lieber Herr Ceki,
es handelt sich
bei dem Artikel zu den Eine-Welt-Wochen um
einen polemisch zugespitzten Kommentar, der das Ziel verfolgt,
bestimmte
politische Tendenzen zu verdeutlichen und zu kritisieren. Zu ihren
Anmerkungen:
1. Es
stimmt, neben Herrn Erwin sind weitere
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Schirmherren der
Düsseldorfer
Eine-Welt-Wochen. Während aber - bei aller möglichen Kritik
an den einzelnen
Institutionen – durchaus vorstellbar ist, welches die
Berührungspunkte eines
Kirchenoberen oder Gewerkschaftsvertreters mit der
“Eine-Welt-Thematik” sind,
so sticht doch unser CDU-Bürgermeister besonders hervor. Um es
kurz
auszudrücken: OB Erwin vertritt eine politische Praxis der
Ausgrenzung sozial
Schwächerer, der Umverteilung von unten nach oben. Was ist also
der Antrieb,
einen Politiker mit seinen Positionen als Schirmherrn seiner
Veranstaltungen zu
wählen? Könnte es etwas mit Anbiederung an die
“Obrigkeit” zu tun haben?
2. Über
Aktivitäten oder Verfolgungen der „Bahai-Gemeinde“
im Iran können wir tatsächlich nichts sagen, ein Besuch auf
deren
Internet-Seite vor dem Schreiben des letzten Artikels war wenig
erhellend, und
wenn Sie den Artikel richtig gelesen hätten, wüssten Sie,
dass wir keinerlei
allgemeine Aussagen über diese Vereinigung getroffen haben.
“Schräg” finden wir
nach wie vor die Veranstaltungsankündigung der Bahai-Gemeinde mit
einem „Global
Marshal Plan ein ökosoziales Weltwirtschaftswunder zu
ermöglichen.“
3.
Okay, niemand von der TERZ hat persönlich mit Ihnen
gesprochen. Entkräftet dies die Kritik daran, sich in umstrittenen
Projekten
wie dem Umbau des Bilker Bahnhofs zu engagieren?
4.
Ich muss Sie enttäuschen, wir sitzen nicht undercover im
zuständigen Ministerium. Dass die neue Landesregierung die
derzeitige Förderung
für die kommunale Eine-Welt-Arbeit einstellen wird, ist eine
Vermutung, die aus
deren politischer Programmatik erwächst. Mittlerweile wurde
bekannt, dass die
neue Landesregierung den Eine-Welt-Beauftragten abschafft.
5.
Es ist gut und löblich, wenn für Straßenkinderprojekte
Geld gesammelt wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Wir wenden uns
dagegen,
die Zusammenhänge zwischen Armut in den Ländern des
Südens (und auch hier) und
den Strukturen, die diese produziert haben und aufrecht erhalten, nicht
zu
thematisieren. Eine emanzipatorische Eine-Welt-Politik setzt sich
für die
Veränderung eben dieser Strukturen ein, und dafür ist es auch
nötig, einen
Konflikt mit den Interessensgruppen einzugehen, die davon profitieren.
Diese
Thematisierung ist zumindest im Programmheft bei fast keiner der
Veranstaltungen zu entdecken, deshalb macht es den unschönen
Eindruck, dass
sich hier eine Praxis etabliert hat, die Menschen, die es sich leisten
können,
in den Genuss exquisiter internationaler Kulturveranstaltungen und
Feste
bringt, und die Verlierer dieser Weltordnung werden mit ein paar
Spenden
abgespeist. Wir wollen keinesfalls abstreiten, dass die einzelnen
Gruppen, die
sich an den Eine-Welt-Wochen beteiligen, in ihren Projekten eine gute
und
sinnvolle Arbeit leisten – unsere Kritik bezieht sich auf die
inhaltliche
Ausrichtung und Schwerpunktsetzung der
Veranstaltungsreihe Eine-Welt-Wochen. Zumindest deren Darstellung im
Programmheft zeigt “wenig Kritisches und viel Kultur und
Freizeitspaß”. Wenn
Sie uns in der Praxis eines Besseren belehren können – um so
besser! Dann hat
sich die Kritik ja gelohnt!
Mit
freundlichen Grüßen
Maria
La Rocca für die TERZ
www.terz.org - 26.09.2005