Lausige Zeiten
vater
darf nicht zur beerdigung seines kindes
Aus der
Presseerklärung des Vereins „Hilfe für Menschen in
Abschiebehaft Büren”: Die Ausländerbehörde
Recklinghausen und die JVA Büren
erlaubten es nicht, dass der 24-jährige Abschiebehäftling B.
bei der Beerdigung
seine Kindes am 13. September anwesend sein durfte. Dieses sei einfach
zu
teuer, so die Aussage der JVA Büren gegenüber den Betroffenen.
Herr B. floh
bereits 1993 zusammen mit seinen Eltern vor dem
Krieg in Jugoslawien in die Bundesrepublik. Er ging hier zu Schule und
lernte
vor 5 Jahren seine jetzige Verlobte kennen. Seit einem Jahr wollen die
Beiden
heiraten, jedoch ist es für sie unmöglich, die entsprechenden
Papiere aus
Serbien zu besorgen.
Seit dem 28.
August befindet sich Herr B. in Abschiebehaft.
Seine Frau, die zu dem Zeitpunkt im 6 Monat schwanger war, verkraftete
die
Aufregung und die Angst um ihren Mann nicht und verlor ihr Kind. Die
Beerdigung
fand am 13.9.2005 statt.
Für Herrn
B. war es äußerst wichtig, an der Beerdigung
seines Kindes teilnehmen zu dürfen. So bat er mehrfach in der JVA
Büren, man
möge ihn doch dort hinfahren, wenn das Gefängnis es wolle,
könnten man ihn
fesseln und zwei Beamte können ihn begleiten. Nach Angaben von
Herrn B. lehnte
Frau Halach, eine leitende Justizbeamtin der JVA, sein begehren ab, da
es
keinen Kostenträger für die Personalkosten der Beamten
gäbe.
Auch der Leiter
der für Herrn B. zuständigen
Ausländerbehörde in Recklinghausen, Herr Reusing, und das
Amtsgericht waren
nicht bereit, Herrn B. für einen Tag aus der Haft zu entlassen
oder ihn zur
Beerdigung zu bringen. Die Begründung des Amtsgerichtes lautete,
dass, wenn er
bereits abgeschoben wäre, er ja auch nicht an der Beerdigung
teilnehmen könne.
„Dass es
sehr wohl Möglichkeiten gegeben hätte Herrn B. an
der Beerdigung teilnehmen zu lassen, macht schon ein Blick ins
Strafvollzugsgesetz deutlich“, so Frank Gockel vom Verein Hilfe
für Menschen in
Abschiebehaft Büren e.V., es wäre z.B. jederzeit denkbar,
Herrn B. Urlaub zu
geben oder ihn auf den Friedhof zu begleiten. Ein Vorgang
übrigens, der bei
Strafgefangenen häufig vorkommt. „Dieses macht wieder einmal
deutlich, wie
menschenverachtend in Deutschland die Abschiebemaschinerie funktioniert
und wie
wenig sie auf den Einzelnen Rücksicht nimmt“, so Gockel.
Herr B. hat nur
noch zwei Wünsche: Er möchte so schnell wie
möglich mit seiner Verlobten zusammen abgeschoben werden und er
will vor seiner
Abschiebung wenigstens einmal das Grab seines Kindes besuchen
dürfen. Doch wie
es aussieht, wird er nie im Leben die Grabstätte seines Kindes
sehen.
das
leidige kopftuch
Zum 1. August
2006 will die neue Schulministerin Sommer das
Kopftuchverbot an Schulen in NRW mittels Schulgesetz
durchsetzen. Nach dem
Vorbild Baden-Württembergs, wo die forsche Schulministerin Annette
Schavan,
gebürtig in der Düsseldorfer Vorstadt Neuss, unmittelbar nach
einem Urteil des
Bundesverfassungsgerichts das Kopftuchverbot in Gesetzesform goss,
sollen im
nächsten Schuljahr die muslimischen Lehrerinnen auch in NRW
ihre Haarpracht
unverhüllt zeigen. Gleichzeitig betonte die Ministerin von der
christlichen
Partei, jüdische Kipa und Nonnentracht seien hingegen
erwünscht. Das wiederum
rief die Grünen-Fraktionschefin, Löhrmann, auf den Plan. Wenn
man das Kopftuch
verbiete, dann müsse man gemäß grundgesetzlich
verbriefter Religionsfreiheit
und Gleichbehandlungsgrundsätze auch die christlichen und
jüdischen Symbole aus
der Schule verbannen. Und daran “könne niemandem gelegen
sein.” (Rheinische
Post vom 3. September)
Die
Ex-Schulministerin Schäfer von der sozialdemokratischen
Fraktion machte noch einen besseren Vorschlag, wie man mit den
unerwünschten
mutmaßlichen Missionarinnen fertig werden kann: Mittels einer
Einzelfallprüfung
kann man die Vertreter des falschen Bekenntnisses bei Bedarf genau so
gut los
werden.
Einig sind sich
die Vertreter von Regierung und Opposition
in der Bewertung der staatsnützlichen Dienste der Religion.
Niemand will auf
die ausgezeichnete Bedeutung der Religion bei der Herausbildung der
Knechtsgesinnung verzichten. Jedoch ist der Islam mit dem Verdacht
behaftet,
gleichzeitig die Parteinahme für eine fremde Herrschaft zu
fördern. Und das hat
natürlich in der öffentlichen deutschen Schule, die lauter
kleine und große
deutsche Nationalisten züchtet, keinen Platz. Unser Vorschlag
für unbeugsame
muslimische Lehrerinnen: Zieht euch einfach Nonnentracht an.
immer
mehr wahnsinn
Das
Innenministerium bestätigte Pressemitteilungen wonach
politisch motivierte Gewalt in den ersten 6 Monaten dieses Jahres in
NRW vor
allem im rechtsextremen Bereich enorm angestiegen sei. Delikte aus
diesem
Milieu stiegen um 396 auf 1347! 1347 erfasste Straftaten innerhalb von
6
Monaten in einem Bundesland! Über 60% davon von unter 25 Jahre
alten Tätern
verübt. Wir sagen, dass wer nur auf Wahlergebnisse schaut nicht
unbedingt
alles, was in dieser Gesellschaft ins Rutschen kommt wahrnimmt!
billig
davongekommen!
Im Rahmen der
öffentlich inszenierten
Vergangenheitsbewältigung hat auch die katholische Kirche
Altlasten entdeckt
und fachgerecht entsorgt.
Während
ihre Glaubenskinder vor über 60 Jahren auf dem Feld
der Ehre kämpften und die christlich deutsche Kultur tausende
Kilometer
entfernt im atheistischen Feindesland verteidigten, engagierte die
Kirche
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die an der Heimatfront die
Drecksarbeit zu
erledigen hatten. Insgesamt 4951 ausländische Arbeiter und 1138
Kriegsgefangene
wurden lt. Rheinischer Post vom 3. September ausgemacht, die im Zweiten
Weltkrieg ihre Knechtsdienste für den Herrgott in Deutschland
abliefern
mussten.
Fünf
Millionen Mark hatte nun die katholische Kirche im Jahr
2000 für die Entschädigung der Opfer christlicher
Nächstenliebe im WK II zur
Verfügung gestellt. Aber von den ermittelten Personen konnte nur
bei einem Drittel
die Adresse herausgefunden werden, und von denen waren knapp 60 Prozent
schon
verstorben. So wurden lediglich an 587 Personen pauschal jeweils 2556
Euro
Entschädigungsleistungen ausgezahlt. Das wären also knapp
drei Millionen
Deutschmark. Zwei Millionen hat die Kirche eingespart.
Wenn das kein
gutes Geschäft war!
und
immer wieder geht die sonne auf
Und immer wieder
kann man über Düsseldorfs Arenagößenwahn
nur lachen. In diesem Jahr sollten 400.000 Euro Überschuss
erwirtschaftet
werden, es werden wohl eher 10 x soviel Miese! Andererseits wurden
für die
Renovierung des Paul Janes Stadion von der Stadt 5 Millionen Euro
aufgewendet.
In der Arena kämpft nun Fortuna Düsseldorf gegen den Abstieg
in die vierte
Liga, im Paul Janes Stadion spielen ein paar
Jugendmannschaften. Die ganze
Geschichte ist so gelungen, dass man sie, wäre sie für einen
Roman erfunden
worden, als zu grotesk abgetan hätte. Ein Beispiel gelungener
Planwirtschaft!
kölner
gelöbnis
Nur wenige
hundert Menschen demonstrierten am 21.September
gegen das Militärspektakel in Köln. Die Bundeswehr vereidigte
nach einem
Militärgottesdienst ihre neuen RekrutInnen auf dem
Roncalliplatz direkt neben
dem Dom. Begleitet wurde es von dem lautstarken Protest und
Sirenengeheul, was
von der Polizei nicht unterbunden werden konnte. Gleichzeitig
demonstrierten
auf der Ehrentribühne Mitglieder der Ratsfraktion „die
Linke/PDS” gegen das
Militär. Trotz erheblichen Kontrollen konnte von einer Empore des
Kölner Doms
ein Transparent entrollt werden. „Wir geloben zu morden, zu
rauben und zu
vergewaltigen“ hing die gesamte Zeit über den Anwesenden.
Abends fanden sich
etwa 250 AntimilitaristInnen zur
Demonstration gegen den Bundeswehraufmarsch ein. Nach Einbruch der
Dunkelheit
fand ein weiteres gruseliges Militärspektakel statt. Die
Bundeswehr zelebrierte
einen sogenannten “Großen Zapfenstreich”, der in
seiner Präsentation fatal an
dunkelste Zeiten erinnerte. Auch dieses “Zeremoniell” wurde
laut und lustig mit
Trillerpfeifen, Musik, Reden, Sprechchören und Karnevalsliedern
gestört. Aus
der Sicht der Bundeswehr ein nicht gänzlich gelungener Tag in
Köln.
www.terz.org - 26.09.2005