Alles
bleibt anders …
Bachelor/Master,
Studiengebühren, Abschaffung des BAföG –
der Wandel im universitären Bildungssektor ist enorm. Die
Einführung von
Langzeitstudiengebühren und die Reform der Studiengänge war
sicherlich erst der
Anfang eines weit reichenden Umbaus und Abbaus von Bildung.
Wie wird sich
der Regierungswechsel in Punkto Bildung wohl
bemerkbar machen? Diese Frage steht nach der Bundestagswahl zur
Debatte.
Rot-Grün hat das Terrain bereitet: Mit dem Umbau der
Studiengänge auf das
Bachelor/Master-System und der Einführung von Studiengebühren
wurde der erste
Schritt in Richtung Rationalisierung und sozialer Auslese getan. Unter
Schwarz-Gelb in NRW ist dieser Kurs direkt aufgegriffen worden. Die
Landesregierung hat angekündigt, voraussichtlich ab dem
Wintersemester 06/07
allgemeine Studiengebühren für alle ab dem ersten Semester
einzuführen und
schließt sich damit dem bundesweiten Trend an. Die Folgen sind
bekannt und
waren schon in NRW mit dem Studienkontenmodell eindeutig. Die
finanzielle
Belastung ist gerade für sozial unterprivilegierte Schichten
untragbar. Viele
mussten ihr Studium abbrechen. Dies hatte natürlich auch
Auswirkungen auf die
Einnahmen des Studentenwerks und der ASten. Die Bereitschaft, Arbeit in
den
studentischen Gremien zu leisten, wird ebenfalls weiter sinken.
Laut einer neuen
Studie des Hamburger Instituts für
Sozialforschung (HIS) konnte seit Jahren mal wieder ein Anstieg von
Studienanfängern aus Arbeiterfamilien verzeichnet werden. Dieser
positive Trend
wird durch neue soziale Auslese zunichte gemacht. Studieren können
in Zukunft
nur diejenigen, die es auch bezahlen können. Diese Entwicklung
wird die Schere
zwischen Arm und Reich schnell vergrößern. Dies wird durch
die immer lauter
werdenden Forderungen nach Abschaffung des BAföG unterstützt.
Mit der Berufung
der baden-württembergischen Bildungsministerin Anette Schavan ins
Kompetenzteam
von Angela Merkel und als mögliche neue Bildungsministerin sitzt
ggf. eine
Befürworterin der Kürzung in der neuen Bundesregierung. Sie
hat im Frühjahr
gefordert, das BAföG durch ein Volldarlehen zu ersetzen. Der
Geschäftsführer
des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren (ABS), Sascha
Vogt, äußert sich wie
folgt: „[…] Allein schon mit der Berufung von Frau Schavan
ist klar, dass es
starke Kreise gibt, die das BAföG einsparen wollen und Studierende
nach dem
Studienende mit mehreren 10.000 Euro Schulden allein stehen lassen
wollen. Das
ist unsozial und verantwortungslos.“
Auch die
Umstellung der Studiengänge auf das neue
Bachelor/Master-System bringt deutlich Nachteile für die
Studierenden. Neben
der deutlichen „Verschulung“ des Studiums wird die
Studienzeit verkürzt. Dies
beeinträchtigt die Qualität der Bildung und macht es den
Studierenden sehr
schwer, neben dem Studium noch Geld zu verdienen, was andererseits in
Zukunft
immer notwendiger wird. Die Studiengänge sind unflexibel gestaltet
und mit
Prüfungen übersäht. Festzustellen ist auch, dass das
Angebot viel zu gering
ist. Studienplätze sind Mangelware, was zu hohem Numerus Clausus
führt. Auch ist
mit einem Bachelor-Abschluss noch lange nicht das Recht erworben, den
Master-Studiengang zu belegen.
ieser ist zudem
mit hohen Hürden belegt und eh nur für nicht
mal 10% der Bachelor-Absolventen vorgesehen. Die ständige
Überarbeitung der
Studiengänge macht weiterhin deutlich, wie überstürzt
die neuen Studiengänge
eingeführt wurden. Regina Weber vom Freien Zusammenschluss von
StudentInnschaften (fzs) sagt dazu: „[…] Das ist keine
Studienreform, sondern
nur ein Abbau von Bildungschancen.’’ Der Wirtschaft
hingegen gefällt das neue
System. So sind die Studierenden im Durchschnitt jünger, wenn sie
auf den
Arbeitsmarkt kommen, und die Lehre ist nach den Bedürfnissen der
Unternehmen
zugeschnitten. Die Ausrichtung des Studiums auf die Interessen der
Ökonomie
gereicht der Bildung zwangsläufig zum Nachteil.
lles bleibt
anders … Ob Rot-Grün oder Schwarz-Gelb oder
Schwarz-Rot oder was auch immer, es kommen dunkle Zeiten auf die
Bildung zu. In
einer Gesellschaft, die immer mehr auf sozialer Selektion beruht, kann
das auch
im Bildungssektor nicht anders sein. So bleibt uns also nur, das
Schlimmste zu
verhindern und für eine solidarische Gesellschaft ohne
ökonomische Zwänge zu
kämpfen.
www.terz.org - 26.09.2005