book
Represent what...
Über HipHop ist schon viel geschrieben worden - von wegen Ghetto und street-credibility
und so'n Scheiss und dass die Jungs in Deutschland das jetzt auch in unserer
Sprach bringen und so - wenn ihr allerdings verstehen wollt, warum solcher Mist
in kulturindustriellen Gazetten Anklang findet, dann lest lieber die Neuerscheinung
im Argument-Verlag von Stefanie Menrath. Sie beschäftigt sich mit der Konstruktion
und Dekonstruktion von Identitätsmodellen im Kontext von HipHop und liefert
damit so eben mal den aktuellsten sowie zugleich (post?-)marxistisch und (post?-)feministisch
orientierten Einblick in performative Identitäten im Kontext von POPulär-Kultur:
"Gender" und "Queer", Habitus-Konzept und Körper, "signifyin(g)"
und "Hybridität", Ethnizität und "cultural studies"
- Deleuze & Derrida, Bourdieu, Hall und der unvermeidliche Diederichsen
geben sich da die Hand mit Judith Butler und tauchen ein in Ice T., Cartel,
Public Enemy, Run DMC, Advanced Chemistry u.a. sowie in die HipHop-Szene von
Mannheim und Heidelberg. Menrath liefert hiermit einen spannenden und verständlichen
Einblick in linke (POP-)Debatten und deren analytische Instrumentarien. Und
das so gut, dass sogar ein an HipHop nur marginal interessierter Rezensent diese
Studie verschlungen hat und jetzt auch richtig mit argumentativer Munition bewaffnet
ist, um endlich mal mitreden zu können, wenn's um POP & HipHop geht
- Bravo!
AL C.
Stefanie Menrath: Represent what... Performativität von Identitäten
im HipHop
Argument Sonderband NF 282, Hamburg 2001, 179 S. (mit 7-seitigem Musik-Glossar),
29,80 DM
book
Die Sprache des Hasses
Von Horst Mahler ist in letzter Zeit wieder viel die Rede; als "Anwalt"
der NPD scheint er sich alle Mühe zu geben, dem Gericht bisher noch fehlende
Argumente zum Parteiverbot zu liefern. Was bisher in diversen Zeitungsberichten
hierzu berichtet wurde, bedarf einer gründlichen analytischen Ergänzung.
Dies liefern Friedrich Paul Heller und Anton Maegerle in ihrem Buch zur völkischen
Esoterik bei Mahler sowie dem Kultautoren der rechten Esoterik-Szene, Jan van
Helsing. Das Buch ist mehr als reine Textanalyse jener zwei Rechtsextremisten;
es setzt sich detailliert mit der Symbolsprache der Rechtsextremen auseinander
und gibt einen ideologiehistorischen Einblick in die völkische Esoterik
anhand der Thule-Gesellschaft, dem Thule-Mythos der Neuen Rechten und den daraus
resultierenden weltverschwörerischen Vernichtungswünschen völkisch-esoterischer
Rassisten. Obwohl vor dem 11. September 2001 erschienen, liefert das Buch in
vielen Bereichen einen Erklärungsansatz für die nahezu einhellige
Begeisterung deutscher Neonazis für den Terroranschlag in den USA: Im rechten
Wahnbild diente und dient die USA und hierbei besonders die "Ostküste"
- hier New York als Symbol jüdischer "Weltherrschaft" - als Projektionsfläche
für das propagandistische Kernelement der Neonazis, ihren eliminatorisch-verschwörungstheoretischer
Antisemitismus. Auf der esoterischen Science Fiction-Ebene kommt dies deutlich
bei dem Esoterik-Renner van Helsings, "Geheimgesllschaften und ihre Macht
im 20. Jahrhundert", zum Ausdruck. Ein Roman, der trotz Indizierung zum
Bestseller in Kreisen verstrahlter Eso-Anhänger aufstieg. Auch die antisemitischen
Hasstriaden Mahlers gegen "weltlichen Jahwe-Kult" und "mammonistische
Weltherrschaft" speisen sich aus der völkisch-antisemitischen Esoterik,
wie in der "Sprache des Hasses" detailliert mittels Textanalyse und
Beleuchtung der ideologischen Hintergründe verdeutlicht wird.
Ein Buch also, dass besonders im Kontext aktueller Debatten um die Ursachen
von "Todestrieb" und "Terrorismus" den Blick auf eine zentrale
Ursache sowie zugleich zentrale Hassobjekte von Vernichtungswünschen und
Taten lenkt: Die im gesellschaftlichen Überbau Deutschlands nach wie vor
virulenten antisemitischen Projektionsflächen.
AL C.
Friedrich Paul Heller/Anton Maegerle: Die Sprache des Hasses. Rechtsextremismus
und völkische Esoterik - Jan van Helsing, Horst Mahler...
Schmetterling Verlag, Stuttgart 2001
211 S., 29,80 DM
book
DAS ENDE DER POPLITERATUR IST DER ANFANG DER POPLITERATUR.
Interessiert sich noch jemand für Popliteratur? Dacht ich mir schon. Ist
auch ok so. Doch trotzdem, ich koch noch mal kurz auf. Und überhaupt: erscheinen
Analysen oder Anthologien über etwas, ist die Sache nun erst recht vorbei.
Johannes Ullmaier, Musik- wie Literaturkenner, -wissenschaftler und Testcard-Mitherausgeber,
hat mit "Von Acid nach Adlon und zurück. Eine Reise durch die deutschsprachige
Popliteratur" den Versuch unternommen, Definition wie Geschichte von etwas
zu unternehmen, das als Genre zwar wissenschaftlich erfass- und beschreibbar,
als ästhetische Form jedoch mehr als ranzig ist. Aber er hat es, wie zu
erwarten war, sehr penibel, genau und mitunter auch witzig gemacht. Johannes
Ullmaier, der sich in dem - natürlich viel zu schwach besuchtem, was aber
ein korrektes Ende der Düsseldorfer Reihe über POP markierte - letzten
Panel im Zakk zur Übernahme der bürgerlichen Kultur durch die Popkultur
durch einen gewissen unversöhnlichen Scharfsinn und ein schnelles Denken
auszeichnete (während der ebenfalls geladene Jochen Bonz fasziniert das
Routieren von selbstmitgebrachten Schallplatten betrachtete, darauf bauend,
dass sich durch deren Klänge alleine bereits eine kulturästhetische
Aussage ableiten würde), hält sich in diesem Buch nun vor allem mit
Fakten und Fremdaussagen auf, und sich selbst auf eine äusserst angenehme
Weise zurück. Somit profiliert er sich als aufmerksamer Kompilator des
ungemein verschiedenartigen Materials, kommentiert aber auch genau dann, wenn
gewisse Aussagen von gewissen Pop-Literaten unerträglich werden, mit kritischen
Einwürfen. Das Buch ist ein gebrauchsfertiges Tool, mit dem mensch sich
zu den vergangenen popliterarischen Geschehnissen mit Fakten abgesichert äussern
kann. Unterteilt ist diese Reise in vier Trips: zuerst richtet sich der Spot
auf die publicityträchtige Jeuneusse Doree der neoliberalen Medienschreiberlieblinge,
dann begibt sich der Trail zu den Anfängen der aktionistischen und politisch
bewegten Beat-Literatur der 60er Jahre, schliesslich geht es über in die
80er Jahre (Stichwort "Amok Koma"), wo verschiedenste Phänomene
von Punk, Neo-Dada oder Neue-Welle Literatur beschrieben werden, um schliesslich
erneut in der Gegenwart anzukommen, bei Slam, der Social-Beat-Hölle und
einigen anderen schwerer klassifizierbaren Formen von Schreiben - Zaimoglu oder
Röggla zB. -, die jedoch allesamt zeigen, dass Pop und Literatur auch historisch
etwas anderes bedeutete als Stuckrad und Barre. Ullmaier betreibt jedoch keine
trockene Historisierung und Kanonisierung, sondern zog nicht selten selber mit
dem Mikro zu Interviews los, ging auf Lesungen oder erbat sich Wortbeiträge
von den AutorInnen, und kann somit nach monatelanger und nervender Kleinarbeit
dem Buch eine CD mit 49 teils exklusiven Wortbeiträgen beilegen. Es lässt
sich also den Damen und Herren auch in der Badewanne zuhören, zumindest
schnipselweise. Als erste Impression reicht das - und wenn's auch nur zu abschreckenden
Zwecken sei. Dazu liest sich das Buch sehr flüssig, anregend und mitunter
richtig spannend, da es logischerweise immer noch Fakten zu entdecken gibt,
die man entweder nicht wusste oder schlichtweg schon so gut wie vergessen hatte.
Literatur wird hier stets in ihrer negativen wie positiven Reflektion auf gesellschaftliche
Zustände her erfahrbar, gerade auch in ihren Inszenierungen, und der omnipräsente
Nullmythos Pop ist hier nur eine ästhetische Klammer, die beim Lesen selbst
geweitet werden sollte. Das alles gab es in dieser komprimierten Faktenfülle
bislang noch nicht, und auch nicht diese 42-seitige (!) kommentierte (!!!) Bibliografie,
und so bin ich tatsächlich versucht, von einem kommendem Standardwerk zu
faseln, das aber für Universitätsseminare alleine natürlich zu
schade ist - und auch nicht an diese addressiert ist. Dazu geht die Reise ja
auch wieder zurück. Ullmaiers Buch macht nämlich sehr deutlich klar,
dass sich der sogenannte popliterarische Impetus eines R.D. Brinkmann von dem
eines Stuckrad-Barre deutlich unterscheidet. Während ersterer (Acid) die
Hinwendung zum Pop - zumindest am Anfang - als durchaus emanzipatorischen Impetus
einer gegenkulturellen Öffentlichkeit begriff, und sich ebendiese Bezugnahme
strikt gegen die offizielle Kultur des Spiesserdeutschlands der 60er Jahre richtete,
ist die Literatur des zweiteren (Adlon) selbst ein Prgdukt der zwanghaft selbstinszenatorischen
Hysterie und Sucht nach den schwachsinnsverbreitenden omnipräsenten medialen
Diskursen, die in ihrer vermeintlichen Wichtigkeit die wirklich relevanten gesellschaftlichen
Diskurse ersetzen. Und nicht zuletzt regt sich, zumindet bei mir, nach dieser
Lektüre auch der Impuls, sofort ein gutes Buch zu lesen.
MARCUS
Von Acid nach Adlon und zurück.
Eine Reise durch die deutschsprachige Popliteratur.
216 Seiten mit CD. Ventil-Verlag. Mainz 2001. ISBN 3-930559-83-8. 39,90 DM.
book
GEGEN-GLOBALISIERUNGSBESTSELLER?
Schwarzbuch Markenfirmen - Die Machenschaften der Weltkonzerne
Die launig geäusserte, aber durchaus präzise gemeinte Ansicht "Vorsicht
vor Polit-Bestsellern" soll weder die Integrität der jeweiligen AutorInnen,
noch deren Informationsgehalte schmälern. Gut nämlich, wenn notwendige
Basics über die blanke Theorie in grosser Auflage Verbreitung finden, um
politischen Bewegungen gegen Autorität, Hierarchisierung und Herrschaft
und fortschreitende Kapitalisierung den notwendigen Faktenunterbau liefern.
Nur erinnern wir uns mit Schaudern an gewisse Polit-Bestseller von der Gesinnungskaufkultur
des 2001-Verlages bis hin zu bourgeoiser Empörung über die schlechten
Tischmanieren des Kapitals à la Vivian Forrester, der "Grande Dame
der Globalisierungskritik", wie sie vor kurzem tatsächlich genannt
wurde. Nach "No Logo" von Naomi Klein, das derzeit auch in Werbeagenturen
äusserst aufmerksam rezipiert wird - siehe Interview und Feature im neuen
hippen Business-Magazin "Brand Eins" - , legen die Österreicher
Klaus Werner und Hans Weiss mit ihrem "Schwarzbuch Markenfirmen" in
punkto "Brand-Criticism" nach, was ihnen in Spiegel 35 dieses Jahres
schon ein fettes einseitiges Feauture bescherte. Ein Schelm, wer Böses
dabei denkt, aber nicht nur Mediensprüche wie "...könnte zu einer
neuen Bibel der Globalisierungsgegner werden" vom ORF oder Lobeshymnen
von FAZ.net bis Ulrich Beck verziehen Gesicht wie Gedanken wie nach einer tapfer
ausgelutschten Zitrone. Doch sauer macht lustig, also schauen wir mal, was die
beiden da in der Pfanne haben. Ziemlich schnell wird klar, dass die freien Journalisten,
die bereits wichtige Bücher und Hintergrunduntersuchungen zu Praktiken
der Pharma-Konzerne oder der Lebensmittelindustrie geschrieben haben, ihren
Markenfirmen-Abzug unter ureigenem Einsatz mit rundsoliden Recherchen erstellt
haben. Unter bewusster Vorspiegelung falscher Tatsachen, so wenn sie sich als
Zwischenhändler für Coltanerz (woraus das seltene Element Tantal,
das u.a. für Handytechnologie essentiel ist) ausgeben), ergeben sich eben
mitunter die "richtigen" Fakten. Die detailliert geschilderten und
dokumentierten Reportagen liefern genug Hintergrundwissen, um die Zusammenhänge
von globalen Firmenpolitiken und Staatsraison, die mitunter nur aus puzzleartigem
Presse-, Newsgroup- und Basiswissen verfügbar waren, kompakt vor Augen
zu führen. Nichts, was vorher noch nicht bekannt war, aber SO konkret komprimiert
und als Faktentool verwendbar eben auch nicht. Durch Reportagen, in denen die
Autoren sich mitunter testweise selbst als global player ausgaben, werden die
Bereiche "Elekronikindustrie", "Medikamente", "Erdöl",
"Lebensmittel", "Spielzeug", "Sport und Bekleidung"
und "Export und Finanzwirtschaft" abgedeckt. Seinen Werkzeugcharakter
bekommt das Buch dann aber vor allem durch den grossen Firmen-Index, in dem
detaillierte Portraits von 50 Unternehmen enthalten sind, mit Daten, Profil,
Produktpalette, und den Vorwürfen, die diesen Konzernen jeweils konkret
zu machen sind. Weiterführende Websites und exakte Quellenangaben sind
selbstverständlich. Und wer sich nicht die Mühe machen will, in den
Sites der Firmen oder den kritischen Untersuchungen über diese herumzuwühlen,
bekommt sein Kritikwissen hier kompakt vermittelt. Es ergibt sich eine angenehm
sachbezogene und sehr nah am Faktenwissen orientierte Untersuchung, die ihren
grösseren Rahmen nie aus dem Blickfeld verliert. Ziel ist der aufgeklärte
Konsument, der seine Macht durch Konsumverweigerung oder rigorose Konsumselektion
immer weiter ausbauen soll. Klingt oft naiv, sollte aber nicht unterschätzt
werden. Die weisen Parteien dürfen dann darüber streiten, ob solche
"Anti-Globalisierungsbibeln" ein weiterer Stein in der Mauer des ewigen
Reformismus oder ein weiterer kleiner, aber wichtiger Markstein zu einem besserem
Morgen sind.
PS ...und das Schokoladenessen wird Euch auch noch verleidet...
MARCUS
Klaus Werner / Hans Weiss "Schwarzbuch Markenfirmen. Die Machenschaften
der Weltkonzerne."
Deuticke Verlag. Wien/FfM 2001. ISBN- 3-216-30592-9. DM 42,-
book
Boten der Finsternis
Nach einem Fernsehauftritt erhält die katalonische Inspectora Petra Delicado
ein Päckchen mit mysteriösem Inhalt. Ein abgetrennter Penis hat der
unbekannte Absender der Polizistin verehrt. Es soll nicht der Einzige bleiben.
Doch die dazugehörigen Opfer tauchen erst mal nicht auf. Erst die Obduktionen
der fachmännisch abgetrennten Geschlechtsteile ergeben erste Hinweise.
Ein seltene Gesteinsart, ein seltener Kerzenwachs, mysteriöse Anrufe bei
Petra Delicado und der Tip eines Sektenkenners bringen sie und ihren brummigen
Kollegen Fermin Garzon auf die Spur einer kleinen Sekte, die Verbindungen nach
Russland hat. Dort wird sie mit dem Leben bedroht, doch Stück für
Stück nähert sie sich dem Rätsel.
Alicia Gimenéz-Bartlett ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen
Spaniens. Boten der Finsternis ist schon eine recht makabre Geschichte, die
im Macho Land Spanien sicherlich für Furore gesorgt hat. Schliesslich vergreift
man sich nicht einfach am männlichen Glied. Umso belustigender sind die
Darstellungen im Buch. Das Gespann Delicado und Garzon ist die klassische Variante
eines gegensätzlichen Ermittlergespannes, wie man es aus vielen Krimis
her kennt. Diese Unterschiedlichkeiten, die spätestens bei einem guten
Essen wieder zusammen finden, tragen viel zur Leichtigkeit bei und machen das
Buch zu einem kurzweiligen Lesespaß. Kein Wunder, dass es dieses Duo in
Spanien schon zu einer Fernsehserie gebracht hat.
Boten der Finsternis
Alicia Gimenéz-Bartlett
Unionsverlag
18.90 DM für 288 Seiten
book
Die Zukunft der Vergangenheit
Mit einer Neuerscheinung von Gerd Wiegel zur kulturellen Hegemonie des konservativen
Geschichtsdiskurses hat der PapyRossa Verlag ein Standardwerk herausgegeben,
das besondere Beachtung verdient. Wiegel leistet nämlich mit seiner detaillierten
Herleitung und chronologischen Schilderung des Prozesses der Renationalisierung
der deutschen Geschichtspolitik etwas, was in anderen Büchern bisher noch
nicht zu finden ist: Ihm gelingt unter klassisch marxistisch geschultem Blick
unter dialektischer Darstellung von Basis und Überbau die Ideologiekritik
vorherrschenden Geschichtsbewusstseins. Eine solche Ideologiekritik wird als
Prozess im Kontext staats- und gesellschaftskritischer Analyse entwickelt, Phänomene
wie etwa der Historikerstreit oder die Walser-Bubis-Kontroverse nicht isoliert
betrachtet, sondern eingereiht in die übergreifende Frage nach den hegemoniellen
Bestrebungen derjenigen Kräfte, die nun unter dem Label der "Neuen
Mitte" um das Anrecht auf Urheberschaft der "selbstbewussten Nation"
ringen - Ideologiekritik also in bester marxistischer Tradition wie zugleich
auf der Höhe der Zeit. Wiegel erläutert den Wandel der Faschismus-Deutungen
sowie die Anfeindungen jener Begrifflichkeit; er analysiert den Prozess der
"geistig-moralischen Wende" seit Beginn der Achtziger und dessen vorläufige
Kulmination im Historikerstreit; er zieht einen roten Faden durch die öffentlichen
Kontroversen seit der Wiedervereinigung und beleuchtet in diesem Kontext das
ideologische Zusammenwachsen von neurechts zur "Mitte" und nimmt abschließend
die politischen Hintergründe der Umdeutung der NS-Geschichte detailliert
auseinander. Das Buch ist daher wesentlich mehr als eine bilanzierende Aneinanderreihung
geschichtspolitischer Kontroversen, die im einzelnen erhellend analysiert und
dekonstruiert werden; es erklärt - geschult an Gramsci - zugleich, warum
heute Nationalismus normal geworden ist, und wie sich dieser Prozess entwickelt
hat. Deshalb ist es nicht nur für diejenigen geeignet, die sich detaillierte
Kenntnis über die einzelnen Kontroversen erwerben wollen, sondern zugleich
für alle, die den Prozess der Nationalisierung begreifen und verändern
wollen.
TERZ-Tipp: Kaufpflicht!
AL C.
Gerd Wiegel: Die Zukunft der Vergangenheit. Konservativer Geschichtsdiskurs
und kulturelle Hegemonie.
PapyRossa, Köln 2001
436 S., 50,80 DM
www.terz.org - 29.10.2001