Im September wurden ein Student der HHU und ein Auszubildender der Stadt Düsseldorf
Opfer von Angestellten des privaten Sicherheitsdienstes I.S.O. (International
Service Organisation). Die "Schwarzen Sheriffs" sind für ihre
gewaltsamen Ausbrüche längst bekannt. Vor ca. zwei Jahren machten
brutale Übergriffe auf Obdachlose, auf die die I.S.O.-Mitarbeiter mit Schlagstöcken
einschlugen, Schlagzeilen. Für kurze Zeit wurde den privaten Sicherheitsdiensten
genauer auf die Finger geguckt, mittlerweile ist längst wieder Ruhe eingekehrt.
TERZ führte dieses Interview kurz nach dem Übergriff mit den beiden
Betroffenen.
TERZ: Schildert doch bitte kurz den Vorfall.
T: Wir sind Samstagabend aus der Altstadt gekommen und zur U-Bahn Haltestelle
"Heinrich-Heine-Allee" gegangen. Während wir auf die Bahn warteten,
wurde ein anderer Wartender, der wohl versehentlich auf den Notrufknopf gedrückt
hatte, von I.S.O.-Leuten angesprochen. Da die drei super aggressiv aufgetreten
sind, haben wir uns eingemischt und ihnen gesagt, sie sollten mal locker bleiben,
es sei ja nichts passiert. Außerdem hatte sich der Typ mehrmals entschuldigt.
Die drei haben ihn daraufhin auch in Ruhe gelassen und haben sich abseits gestellt.
Viel mehr war bis dahin nicht.
TERZ: Was ist danach passiert?
M: Dann fuhr die Bahn ein. Wir wollten gerade in die Bahn einsteigen, als die
netten Herren von der I.S.O. auf uns zukamen. Sie sagten, sie wollten jetzt
sofort unsere Fahrscheine sehen, weil wir uns nicht ohne Fahrscheine auf dem
Gleis aufhalten dürften. Wir erklärten, dass wir Fahrscheine hätten
und fragten, ob wir sie nicht in der Bahn vorzeigen könnten, da wir schließlich
nicht die Bahn verpassen wollten. Auf die nächste hätten wir verdammt
lange warten müssen, und unser letzter Anschluss wäre auch weggewesen.
Wir sind also eingestiegen, und ich wurde dann auch schon am Rucksack gepackt
und wieder aus der Bahn gezogen. Ich wurde an die großen Glaskästen
mit der Fahrplanauskunft gedrückt. T. haben sie ebenfalls aus der Bahn
gezogen und auf den Boden geworfen. Ich habe gesehen, wie einer T. die Hand
auf den Hals gedrückt hat.
T: Ich konnte mich so gut wir gar nicht mehr bewegen. Ich habe mehrmals gerufen,
sie sollten aufhören und mich loslassen, sie würden mir wehtun. Ich
habe versucht, die Hand wegzudrücken, dass hat aber nichts genutzt. Sie
haben gesagt, ich solle aufhören mich zu wehren. Ich sagte, sobald sie
mich losließen , ginge ich zur Polizei, und sie hätten mich nicht
anzufassen, dass hat sie aber nicht interessiert...
M: Mittlerweile waren sie auch mehr geworden, als sie uns aus der Bahn zogen,
waren sie bereits zu sechst. T. durfte irgendwann auch wieder aufstehen, und
die I.S.O.s trieben uns zur Rolltreppe, wo uns noch drei entgegenkamen. Als
sie dann zu neunt waren, ging es mit den Beschimpfungen los: "Arschloch",
"Wichser" "Mach mal hin , sonst raste ich richtig aus und dann
setzt es" u.s.w.
TERZ: Gab es Leute, die das Ganze beobachtet haben?
T: Leute waren genug auf dem Gleis. Als ich wieder aufgestanden bin, ist einer
zu mir gekommen und hat gesagt "Hier, ich bin Zeuge, ich hab das gesehen."
In der Situation habe ich leider nicht so richtig auf den reagiert. Später
haben sich dann aber auch noch mehr Zeugen gemeldet.
M: Auf der Rolltreppe haben sie die ganze Zeit gepöbelt. Einer von denen
wollte noch mal auf mich losgehen, seine Kollegen haben ihn aber zurückgehalten.
Das lag wahrscheinlich daran, dass wir mit einer Anzeige gedroht haben.
TERZ: Habt ihr auch wirklich Anzeige erstattet?
M: Ja, wir sind direkt zur Polizei gegangen und haben Anzeige erstattet, T.
wegen Körperverletzung und ich wegen Beleidigung und Nötigung. Daraufhin
sagte ein Beamter im Hintergrund "Oh, schon wieder die I.S.O.". Die
scheinen dort bekannt zu sein...
TERZ: Gab es Schwierigkeiten, die Personalien der I.S.O.-Leute festzustellen?
T: Zwei Polizeibeamte sind mit mir direkt wieder runter in die U-Bahn gegangen,
um die Personalien festzustellen. Vorher haben wir die nämlich auch nach
mehrmaliger Aufforderung nicht bekommen. Die I.S.O.s haben auch der Polizei
erst nach der zweiten Aufforderung ihre Daten gegeben. Wir mussten dafür
extra in das I.S.O Büro gehen, sie wollten einfach nicht ihre Personalien
rausgeben, und schon gar nicht in der Öffentlichkeit.
TERZ: Wie haben die Cops überhaupt auf die I.S.O.s reagiert?
F: Ich hatte das Gefühl, dass die Polizei ziemlich hin und her gerissen
war und die I.S.O. auch nicht wirklich leiden konnte. Schließlich haben
die sich auch groß aufgespielt. Immerhin hat die Polizei uns ernst genommen.
M: Generell haben sich die I.S.O.-Leute die ganze Zeit wichtig gemacht, sind
aber von der Polizei zurechtgewiesen worden.
TERZ: Ihr habt euch jetzt einen Anwalt genommen. Wir wünschen euch viel Erfolg!
Zur Erinnerung: Nachdem die rot-grüne Landesregierung von NRW im Sommer ankündigte, Studiengebühren einführen zu wollen, kam es landesweit zu Streiks und Demonstrationen. Am 18. 6. (als im Landtag über die Studiengebühren beraten wurde) zogen mehrere tausend StudentInnen zum Düsseldorfer Landtag. Der Demonstrationszug drang bis in die Bannmeile vor, der Innenhof des Regierungsgebäudes wurde besetzt, einige Studierende gelangten bis in die Sicherheitsschleuse des Landtages. Dort wurden sie von der Polizei über längere Zeit festgehalten. Diese Personen werden jetzt für das Eindringen in die Bannmeile verantwortlich gemacht. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen 21 Studierende (eben jene, die im Landtag festgehalten wurden) wegen "Bruch des Bannmeilengesetzes" und "Hausfriedensbruch". Damit wird versucht, vom eigentlichen Skandal, den Studiengebühren, abzulenken und die Proteste zu kriminalisieren. Dazu Björn Kietzmann, AStA-Vorsitzender der BUGH Wuppertal, "jetzt nach den Bundestagswahlen sieht sich die Regierung scheinbar wieder in der Lage, friedliche Demonstranten zu kriminalisieren und Studiengebühren einzuführen".
www.terz.org - 24.9.2002