Der
Arzt als Dealer
Seit dem 1.
Januar 2003 gelten
bundesweit für Heroinabhängige, die den Ersatzstoff Methadon
bekommen, neue
Richtlinien. So brauchen auch die zur Zeit ca. 700 Substituierten in
Düsseldorf
einen Nachweis über eine psychosoziale Betreuung (PSB). Die Idee
ist im Prinzip
gut: Nicht einfach nur Methadon verabreichen, sondern die Patienten
gleichzeitig durch SozialarbeiterInnen und PsychologInnen zu betreuen,
damit
die individuellen Probleme, die Folgen und Ursachen des Drogenkonsums,
besser
verarbeitet werden können.
Die Sache hat
nur einen
Haken: Es ist nicht klar, wer das bezahlen soll. Allein in
Düsseldorf fehlen
zwölf SozialarbeiterInnenstellen, um eine vernünftige PSB
für die große Anzahl
der MethadonpatientInnen zu gewährleisten. Die Angebote der
Drogenhilfe, wie
z.B. auf der Flurstraße oder im Kompass, waren schnell
erschöpft. Die
Wartelisten wurden wegen zu großem Andrang mittlerweile
geschlossen. So
streiten sich Krankenkassen, substituierende Ärzte und die
Einrichtungen der
Drogenhilfe, wer denn jetzt die neu einzustellenden SozialarbeiterInnen
bezahlen soll. Und das treibt in Düsseldorf merkwürdige
Blüten.
Drei
substituierende Arztpraxen haben jetzt
jeweils eine/n SozialarbeiterIn engagiert, um die PSB
sicherzustellen. Nur
bezahlen wollen zumindest zwei der Praxen, Mutwill und Hamkens, die
neuen
SozialarbeiterInnen nicht. Als Freiberufliche bitten diese nun die
MethadonpatientInnen zur Kasse. Zwischen 10 und 30 Euro kostet die PSB
jetzt im
Monat, und wer nicht zahlt, dem wird offen gedroht aus dem Programm
geworfen zu
werden. Bei aXept!-Sozialberatung und fiftyfifty-streetwork häufen
sich die
Fälle, bei denen die Betroffenen nicht in der Lage sind, von ihrer
Sozialhilfe
auch noch monatlich 30 Euro zu bezahlen. So geraten die Substituierten
unter
einen enormen psychischen Druck. Sie müssen sich von jemanden
beraten lassen,
der einem dann die Pistole auf die Brust setzt: zahl oder du fliegst
raus. Und
rausfliegen heißt, wieder Heroin nehmen zu müssen, um die
Entzugserscheinungen
vom Methadon zu behandeln. Methadon macht mindestens so stark
abhängig wie
Heroin. Dipl. Pädagoge Roland, selbsternannter PSB-Aussteller in
der Praxis
Hamkens hat damit keine Probleme. Er bietet eine Dienstleistung an, und
die
muss bezahlt werden. Wie sich die Höhe des Beitrags bemisst,
bleibt genauso im Dunkeln
wie ein pädagogisches Konzept, ein Qualitätsstandard oder
eine
Qualitätskontrolle seiner Arbeit.
Dabei
ist die Methadonvergabe ein gutes
Geschäft. Für einen Methadonpatienten bekommt der Arzt 5 Euro
pro Tag und am
Wochenende 12,60 Euro pro Tag von der Krankenkasse. So kann ein
Substituierter
ca. 210 Euro (brutto) im Monat einbringen. In der Praxis Hamkens
bekommen über
hundert Personen Methadon, das allein macht im Monat die stolze Summe
von
21.000 Euro (brutto). Das monatliche Gehalt eines Sozialarbeiters ist
dagegen
recht bescheiden.
www.terz.org -26.10.2004