Internationaler
Anschlag
gegen Meinungsfreiheit
Geht es um
Presse- und
Meinungsfreiheit, wird richtigerweise gerne auf China oder dem Iran
rumgehackt.
Dass es mit diesen Freiheiten auch im angeblich so freien Europa nicht
weit her
ist, zeigte Anfang Oktober die Abschaltung und Beschlagnahmung von
Servern des
Nachrichtenportals Indymedia. Damit waren 20 lokale Indymedias nicht
mehr zu
erreichen.
Am Morgen des 7.
Oktober
erließen US-Behörden eine Anordnung an den Hostingprovider
Rackspace, in der
dieser aufgefordert wurde, den Behörden die Server von Indymedia
auszuhändigen.
Rackspace, auf deren Servern mehr als 20 Indymedias gehostet wurden,
fügte sich
dieser Anordnung und händigte die Server, die in England standen,
aus, was dazu
führte, dass viele Indymedia Webseiten nicht mehr zu erreichen
waren. Auch die
deutsche Indymediaseite war teilweise betroffen, da keine Fotos
angeschaut
werden konnten.
Die
Zwangsanordnung war an
Rackspace und nicht an Indymedia gerichtet, deshalb kennt Indymedia
nicht den
Grund für diese Maßnahmen, da Rackspace durch
Gerichtsbeschluss zur Verschwiegenheit
verpflichtet wurde, an das sich auch die englische Tochterfirma
hält.
Für
Indymedia ist unklar,
wie und warum ein Server, der sich außerhalb des Territoriums der
USA befindet,
von einer US Behörde beschlagnahmt werden kann.
Mittlerweile
sind die
meisten Indymedias wieder online, die Server sind zurückgegeben,
aber die
Unklarheiten mehren sich.
Es gibt
sicherlich Viele,
die sich über die Abschaltung gefreut haben, denn die freie
Berichterstattung
bei Indymedia ist Vielen ein Dorn im Auge. Im November 1999,
anlässlich der
Proteste in Seattle, wurde Indymedia gegründet. Hunderte einzelner
MedienaktivistInnen und unabhängige Medienprojekte vernetzten sich
erstmalig im
großen Stil anlässlich dieser WTO- Konferenz und der dagegen
stattfindenden Proteste.
Bis dahin war es
den
Mainstream-Medien gelungen, die Proteste komplett auszublenden oder nur
als
gewalttätige Ausschreitungen einiger Spinner darzustellen. Daraus
wuchs ein
Netzwerk von mittlerweile über 160 eigenständigen Indymedias
weltweit. Immer
wieder gab es staatliche Versuche, einzelne indymedias zu behindern
oder gleich
ganz zu schließen. Schon kurz vor dem Parteitag der Republikaner
in New York
Anfang September versuchte das FBI die Logfiles (und damit die
Nutzerdaten) der
Indymedia-Seiten von den entsprechenden Internetanbietern in
den USA und den
Niederlanden zu bekommen. Die Provider konnten sich damals jedoch
erfolgreich
wehren. Die meisten Indymedias speichern jedoch keine Logfiles.
Ende September
wurden verschiedene Indymedia-Vertretungen aufgefordert, die Fotos von
zwei
schweizerischen Zivilpolizisten aus dem Netz zu entfernen. Die waren
während
der Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel in Davos im vergangenen Jahr
gefilmt
worden (http://www.andrew.cmu.edu/user/mtoups/nantes/copsinnantes.htm).
So
etwas mag die Polizei so gar nicht. Unvergessen ist die hektische Panik
bei der
Düsseldorfer Polizei, als in den 80er Jahren Plakate mit etlichen
Zivilbeamten
und zivilen Autos der Polizei auftauchten. Die Verfasser konnten nie
ermittelt
werden.
www.terz.org -26.10.2004