TERZ 02.12 – FH-SEITE
Der "Arbeitskreis Kritische Theorie" veranstaltet zusammen mit dem FH-AStA-Referat für politische Bildung die Veranstaltungsreihe "Das ausgeschlagene Erbe", in dem verschiedene Facetten der Kritischen Theorie vorgestellt werden. Die Veranstaltungen finden monatlich im ZAKK statt.
Doch was ist Kritische Theorie überhaupt und warum ist es sinnvoll, sich heutzutage damit zu beschäftigen? In Frankfurt am Main wurde 1923 das "Institut für Sozialforschung" gegründet. 1931 übernahm Max Horkheimer die Leitung. Horkheimer war auch Begründer und Herausgeber der "Zeitschrift für Sozialforschung", die zunächst von 1932 bis 1941 erschien. Später sollten in ihr Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Erich Fromm, Leo Löwenthal, Herbert Marcuse und Friedrich Pollock schreiben, um nur einige der Bekanntesten zu nennen. Allerdings zwang die Machtübernahme der Nationalsozialisten das Institut zur Migration in das amerikanische Exil. Dort entstand auch das bekannteste Buch der Kritischen Theorie, die "Dialektik der Aufklärung". Im April 1948 reiste Horkheimer nach Frankfurt, um die "Gesellschaft für Sozialforschung" neu zu gründen. Anfang der 1950er Jahre kehrte das Institut nach Frankfurt zurück.
Der Terminus Kritische Theorie geht auf den Aufsatz "Traditionelle und kritische Theorie" von Max Horkheimer aus dem Jahre 1937 zurück. In diesem beschreibt er die Grundzüge der Kritischen Theorie sowie deren Unterschiede zur Traditionellen Theorie. Für ihn ist Forschung und Wissenschaft nicht zu trennen von den Produktionsverhältnissen des Kapitalismus. Der Wissenschaftsbetrieb häuft in voneinander getrennten Fachgebieten Wissen an, sein Anspruch ist es jedoch nicht, die Gesellschaft in ihrer Totalität zu erfassen, geschweige denn, sie "herrschaftfrei" einzurichten. Genau dieses aber verfolgt die Kritische Theorie. Horkheimer: "Es gibt nun ein menschliches Verhalten, das die Gesellschaft selbst zu seinem Gegenstand hat. Dieses Verhalten wird im folgenden als das ‚kritische' bezeichnet. Das Wort wird hier weniger im Sinn der idealistischen Kritik der reinen Vernunft als in dem der dialektischen Kritik der politischen Ökonomie verstanden. Es bezeichnet eine wesentliche Eigenschaft der dialektischen Theorie der Gesellschaft."
Die Kritische Theorie versucht, mit der Dialektik von Hegel, der Kapitalismusanalyse von Marx und der Subjektanalyse von Freud die Gesellschaft in Spätkapitalismus zu begreifen. Ihr Ausgangspunkt ist neben der Frage, warum die proletarischen Revolutionen im westlichen Europa scheiterten, wie der NS in einem Zeitalter nach der Aufklärung entstehen konnte. Ihr Programm könnte mit der Frage "Was herrscht?" skizziert werden. Die kapitalistische Gesellschaft herrscht durch die Vereinzelung der Individuen im Produktionsprozess und Konsumtionsprozess und produziert deswegen beständig das, was sie am Leben hält, die Ideologie.
Mittwoch, 22. Februar, 19.30 Uhr, ZAKK, Fichtenstraße 40
"Dynamit der Zehntelsekunden" - Benjamin, Brecht, Adorno und das Kino
Mit dem Filmwissenschaftler Christoph Hesse.
Kino ist gediegene Unterhaltung, ähnlich wie das aus dem bürgerlichen Zeitalter übrig gebliebene Theater. Der Film hat unterdessen längst Platz genommen in neueren Medien, die ihn wie ein altes liebgewonnenes Möbelstück aussehen lassen, auf dem der zur Rastlosigkeit angehaltene Überallhinschauer ein paar Augenblicke verweilen kann. Die explosive Kraft, die man ihm einst zutraute in der Hoffnung, damit der Enge der eigenen bürgerlichen Existenz zu entkommen oder gar die gesellschaftliche Ordnung als Ganze zu sprengen, scheint unwiederbringlich verpufft. Ob der Film die ihm zugeschriebene Kraft einem anderen, neueren Medium übertragen konnte, bleibt fraglich. Eine so pathetische Kontroverse, wie er sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts provoziert hat, wurde seither jedenfalls um kein Medium mehr geführt, Computer und Internet einbegriffen. In der Beurteilung des Films ging es sowohl um Kunst, Wahrnehmung, Technik als auch um Gesellschaft und Revolution. Walter Benjamin und Theodor W. Adorno, zwischen ihnen Bertolt Brecht, sollen als Zeugen aufgerufen werden in einem nunmehr historischen Prozeß, in dem das revolutionäre Medium Film, stellvertretend für die höchsten Hoffnungen einer Epoche, zu einem Medium der Kulturindustrie verurteilt wurde. Diese Strafe hat der Film anscheinend noch auf unabsehbare Zeit zu verbüßen.
Christoph Hesse arbeitet an der FU Berlin an einem Forschungsprojekt zur Filmarbeit deutschsprachiger Emigrant_innen in der Sowjetunion der 1930er und 40er Jahre.
SVEN
Mittwoch, 29. Februar, 19.30 Uhr, Zentrum Hinterhof, Corneliusstraße 108
INPUT – antifaschistischer Themenabend:
Die Enkel des Duce –Allgemeiner Rechtstrend und die extreme Rechte in Italien
Referent: Jörg Kronauer (Freier Journalist und Buchautor)
Seit den 1980er Jahren verschieben sich die politischen Koordinaten in Italien deutlich nach rechts. Der Prozess hat sich weiter beschleunigt, als Silvio Berlusconi 1994 zum ersten Mal Faschisten in die Regierung holte. Jenseits von Mussolini-Anbetern und tatsächlich oder vermeintlich geläuterten Faschisten spielt in Italien weiterhin die Lega Nord eine wichtige Rolle, die mit ihrer rassistischen Agitation in gleich mehreren Großstädten Bürgermeisterposten erobern konnte und jahrelang an der Zentralregierung beteiligt war. Auch außerparlamentarisch ist die extreme Rechte in Italien im Aufwind; bekanntestes Beispiel ist die Häuserkampfbewegung Casa Pound.
Der Vortrag bietet einen Überblick über den Rechtstrend Italiens in den letzten 20 Jahren und über aktuelle Entwicklungen in der italienischen extremen Rechten.