Das große Umlegen - ein Hörbuch
Dashiell Hammett dürfte den Krimifreunden ein Begriff sein.
Mit "Der Malteser Falke", seinem berühmtesten Krimi, und vielen
anderen ist er bis heute ein Bestseller. Wer nicht selber "Das große
Umlegen" lesen will, hat jetzt die Möglichkeit sich vorlesen zu lassen.
Als Vorleser fungieren Wiglaf Droste, der durch seine oft bösen, bösen
Satiren gefürchtet ist, und die häufig bezaubernde Katharina Thalbach
mit den riesigen Augen.
In der Geschichte beschreibt Hammett die Umsetzung eines genialen kriminellen
Planes. In San Francisco treffen die größten Gauner der USA zusammen.
Ein massives Sterben beginnt bis es auch die Gangster selber trifft. Doch bald
sind sie tot. Der Ich Erzähler Hammett freut sich, geht sein Plan des gegenseitigen
ausspielen der Ganoven auf. Scheinbar...
Die Beschreibung San Franciscos und ihrer Bewohner aus der Sicht von 1927 gibt
ein einprägsames Bild der dortigen Unter- und Halbwelt, wie sie Hammett
wohl gesehen hat. Schließlich wußte er wovon er sprach, war er doch
zeitweilig selber Detektiv.
Es ist eine gruselige Story, die spannend bis zur letzten Minute ist. Die Vorleser
wechseln sich ab. Während Droste beim lesen etwas angespannt wirkt und
die Geschichte etwas monoton vorträgt, ist es eine wahre Freude Katharina
Thalbach zuzuhören, die sehr bildhaft und emotional den Zuhörer in
die Geschichte zieht.
Insgesamt ein spannendes Hörvergnügen, so richtig für die kommenden
kalte Nächte.
MEIKEL F
Das große Umlegen - Dashiell Hammett: Gelesen von Katharina Thalbach und
Wiglaf Droste; Edition Tiamat, Berlin, 2 CDs, 140 Min.
bookDie Welt nach dem 11.
September
Mit dem Terroranschlag vom 11. September sind auch die Koordinaten der Linken
auseinandergebrochen: Imperialismus, Antiamerikanismus, Antisemitismus und Islamismus
sind die Schlagworte, welche die Gemüter erhitzen und zu erbitterten Debatten
und Anfeindungen führen. Die Wochenzeitung Jungle World veranstaltete hierzu
einen Kon-gress, und im nun veröffentlichten Reader ist nachzulesen, dass
der Versuch, verschiedene Positionen zu diesen Fragen zusammenzuführen,
nicht zu einer diskursiven Vermittlung geführt hat. Beiträge aus dem
sog. antideutschen Spektrum wie der von Joachim Bruhn und von Matthias Künzel
erschöpfen sich im Wesentlichen in der Anfeindung anderer Positionen und
dem Beharren auf der Unum-stößlichkeit der eigenen Linie. Anstelle
von Fakten, neuen Erkenntnissen oder dialektischen Denkanstößen erschöpft
sich der Sammelband weitestgehend in essayistischen Bekenntnissen und Polemiken.
Sicher es gibt Ausnahmen: Bernhard Schmid unternimmt eine kritische Analyse
der verhärteten Positionen, in der Radikalen Linken mit Blick über
den Tellerrand und Michael Kiefer liefert einen der wenigen fundierten Fachbeiträge
zum Thema. Insgesamt jedoch dient der Reader eher einem Einblick in den Seelenzustand
der Linken mit Sympathien zu antideutschen Positionen als dass er neue Erkenntnisse
zum Thema liefert. Ein bisschen Jungle World zwischen Buchdeckeln, das Ganze...
Ganz und gar nicht antideutsch und anti-antiamerikanisch hingegen ist der Herausgeber
der Le Monde diplomatique, Ignacio Ramonet, der ebenfalls ein Buch zum Thema
veröffentlicht hat. Hier ist eher Antiamerikanismus auf höherem Niveau
zu finden. Ramonet ist kein Linksradikaler, sondern eher ein linkskeynesianistischer
Antiimperialist mit einem großen Faible für die Antiglobalisierungsbewegung,
und seine Analysen sind auch nicht frei von moralisierenden Wertungen. Seine
Einschätzungen zum Nahost-Konflikt und der israelischen Politik - die auch
durchgehend in der Monatszeitschrift zu finden sind - würden bei den meisten
Autoren im oben genannten Reader wahrscheinlich unter der Rubrik Antisemitismus
einsortiert werden. Aber erstens ist Ramonet ein französischer Intellektueller
und die Debatten zu diesem Komplex laufen anders dort und zweitens ist das natürlich
Quatsch. Die Neuerscheinung bietet einen interessanten Einblick in die internationale
Entwicklung nach dem 11. September aus der Sicht eines intellektuellen Mitstreiters
der Antiglobalisierungsbe-wegung. Wir erfahren etwas über die Entwicklung
im Nahen Osten, über die NATO, den neoliberalen Weltkapitalismus sowie
dessen militärischen Optionen und über staatlichen Konkurrenzverhältnisse.
Man muss nicht die Wertungen des Autoren teilen, um Gewinn aus der Lektüre
zu ziehen: Le Monde diplomatique-Niveau zwischen Buchdeckeln!
AL C.
Redaktion Jungle World: Elfter September Nulleins; Verbrecher Verlag 2002, 237
S. 14 Euro
Ignacio Ramonet: Kriege des 21. Jahrhunderts. Rotpunktverlag 2002, 217 S., 19,80
Euro
bookHerbst der Chimären
Aus Algerien hört man seit einiger Zeit kaum noch etwas. Doch immer noch
werden dort Menschen hingemetzelt, teils von religiösen Fanatikern, teilweise
aber wohl auch vom Militär.
Yasmina Khadra ist das Pseudonym von Mohammed Moulessehoul, einem ehemaligen
hochrangigen Offizier der algerischen Armee. Schon länger schrieb er in
Algerien viel gelesen Krimis, die er später nur noch unter dem Namen seiner
Frau veröffentlichen konnte.
In "Herbst der Chimären" wird Kommissar Brahim Llob von der Polizei
suspendiert. Er machte sich schon mit seiner polizeilichen Arbeit nicht nur
Gegner bei seinen Feinden, sondern auch bei Polizei und Politik. Seine schriftstellerische
Arbeiten über die Korruption der Mächtigen des Landes brachten das
Fass jedoch zum überlaufen. Neben der Schadenfreude wird aber auch ein
Mordanschlag auf ihn verübt. Nun ist er fast ganz auf sich allein gestellt.
Doch dann gibt es für ihn die Chance alles zu vergessen. Doch er lehnt
dankend ab.
Dieses Buch ist sicherlich der schwärzeste Teil der Trilogie um den Kommissar
Loeb. Schonungslos wird der blutige Alltag in Algerien dargestellt. Loeb ist
nicht gebrochen, aber angeknackst. Khadra beschreibt einen verletzlichen Mann,
der fast jede Hoffnung aufgegeben hat und resigniert beobachtet, was um ihn
herum geschieht.
Ein bedrückender Krimi, der einen kleinen Einblick in das vergessene Sterben
in Algerien bringt.
MEIKEL F
Herbst der Chimären - Yasmina Khadra; Unions Verlag, 157 Seiten für
EUR 14,90
bookÄsthetische Mobilmachung
Lang angekündigt, ist in der "Reihe antifaschistische Texte"
(rat) nun endlich das Standardwerk zum Thema Dark Wave, Industrial und Folk
im Kontext neofaschistischer Interventionen erschienen. Die Wertung der Neuerscheinung
als Standardwerk ist deshalb nicht übertrieben, weil es einfach keine vergleichbare
Untersuchung mit derartiger Materialdichte und internen Kenntnissen auf der
Höhe der Zeit gibt, und die Neuerscheinung zudem von einem intellektuell
höchst anspruchsvollen Niveau kritischer (Sub)Kulturanalyse geprägt
ist. Während allgemein neofaschistische Jugendkultur lediglich mit Skin-heads
und Rechtsrock in Verbindung gebracht wird, hat sich deren Einflussnahme auf
eine wesentlich breitere Ebene ausgestreckt. Die Neuerscheinung, verdeutlicht,
wo, wie und in welchen Formen dies in die sog. Schwarzen Szene, bei den Grufties,
Gothics und heidnisch orientierten Folkanhängern sowie in die sog. Industrial-Szene
eingesickert ist. Zugleich werden die historischen Wurzeln und Analogien der
Symbolik und Ästhetik von Anhängern der "Schwarzen Sonne"
veranschaulicht und ideologiekritisch beleuchtet und hinterfragt. Detailliert
werden die Einflussnahmen der neofaschistischen Strömungen in dieser Szenen
anhand von Material aus Medien, Vertrieben, Organisationen beschrieben. Ein
umfangreiches Sach-, Personen- und Bandregister erhöht zusätzlich
den Ge-brauchswert dieser Neuerscheinung.
Eine Pflichtlektüre für alle am Thema Interessierten!
A.B.
Andeas Speit (Hg.): Ästhetische Mobilmachung. Dark Wave, Neofolk und In-dustrial
im Spannungsfeld rechter Ideologien
rat 2002, 282 S., 16 Euro
www.terz.org - 26.11.2002