TERZ: Wer seid ihr, was macht ihr?
Food Not Bombs ist eine Bewegung, die in den USA entstanden ist. Weltweit gibt
es über 100 Gruppen. In Düsseldorf sind wir eine gemischte Gruppe
von ca. sechs Leuten. Wir sammeln am Abend vor einer Aktion Lebensmittel (vornehmlich
aus Bioläden), die sonst weggeworfen werden würden. Am nächsten
Tag kochen wir daraus einen riesigen Topf voll Essen. Wir packen Teller, Besteck,
einen Tapeziertisch, Wasser (zum Spülen), Infomaterial, Flugis und noch
einiges mehr in unseren FNB-Speedbollerwagen und fahren damit ins Zentrum. Unser
Essen ist vegan, weil das alle essen können und wir das für sinnvoll
halten. Zu diesem Thema (Veganismus) haben wir auch eine Infobroschüre
gemacht. Das Essen jedenfalls verschenken wir dann an alle, die wollen.
TERZ: Also wie die Heilsarmee?
Nein, wir machen keine Obdachlosenabfütterung, sondern eine Protestaktion.
Das ist doch Wahnsinn: Essen wird weggeworfen, obwohl es noch voll genießbar
ist. So protestieren wir auf unsere Art gegen die Vertreibung von Menschen aus
den Innenstädten. Diese werden nämlich immer mehr zu irrealen Glitzer-
und Konsumwelten ausgebaut. Überwachungskameras und Securities überall,
da ist für vermeintlich "Andere" kein Platz.
TERZ: Und wieviele Leute kommen zu euch? Wie sind die Reaktionen der Leute?
Das ist unterschiedlich. Mal kommen nur 15 Leute, die was essen, mal sehr viel
mehr. Andere Leute essen nichts, bleiben aber stehen und reden oder lesen unsere
Flyer. Die meisten finden unsere Aktion gut und sind äußerst erstaunt,
dass das Essen bei uns kostenlos ist. Im Juli kam das Ordnungsamt vorbei und
wollte unsere Genehmigung sehen. Wir haben denen gesagt, dass wir fürs
Essen verschenken keine Genehmigung brauchen, woraufhin die die Polizei holen
wollten.
TERZ: Und was habt ihr gemacht?
Wir haben uns nicht einschüchtern lassen, sondern waren beim nächsten
Mal einfach mit mehr Leuten da. Dann haben die vom Ordnungsamt uns auch in Ruhe
gelassen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen wegen solcher Art Aktionen
sanktioniert werden.In den USA sitzen Leute von fnb sogar im Knast, weil sie
Essen verschenkt haben!
TERZ: Habt ihr Kontakt zu anderen Gruppen?
Ja, wir haben losen Kontakt zu anderen fnb-Gruppen, z.B. in Köln oder Amsterdam.
Wir tauschen Termine, Erfahrungen und Infos aus. Wir arbeiten aber auch mit
anderen Gruppen zusammen, kochen z. B. nach Demos. Wir verstehen dass nicht
als Dienstleistung, sondern als unsere Art, sich an Aktionen zu beteiligen.
Das Essen ist bei uns Mittel zum Zweck, d. h., beim Essen kann Kommunikation
entstehen, durch die dann womöglich ganz andere Hebel in Bewegung gesetzt
werden. Durch unsere Aktionen wollen wir niemanden zu Veganismus, Nächstenliebe
oder sonst irgendnem Quatsch bekehren. Wir wollen über die bestehenden
Verhältnisse informieren. Viele Leute wissen gar nicht, wie massiv und
mit welchen Mitteln - nämlich Schlägen und Platzverweisen- die Innenstadt
"saubergehalten" werden soll und wer alles daran beteiligt ist.
TERZ: Kann man bei euch mitmachen?
Klar. Bislang kochen wir erst einmal im Monat, das würden wir gerne noch
weiter ausbauen. Wer Lust hat, kann einfach jeden vierten Samstag im Monat zwischen
12.30 Uhr und 15.00 Uhr zum Tausendfüßler kommen; da stehen wir dann.
Oder zu unserem wöchentlichen Treffen am Montag ab 19 Uhr im Infoladen
Zapata... Oder auf unserer Homepage nachschauen: www.nav.to/fnb-dtown. In diesem
Sinne : Gar nich' soviel fressen können wie man kotzen will!
-- FNB Düsseldorf
education is not for sale!
Bei uns gibt's nichts zu kaufen, bei uns gibt's lecker Essen -umsonst und für
alle! Weil wir es satt haben, dass Geld für Waffen ausgegeben wird und
Nahrungsmittel weggeschmissen werden, dass Menschen hungern müssen und
aus den Innenstädten vertrieben werden.