Ein Volkstrauertag, so sollte man meinen, ist eine prinzipiell sinnvolle Einrichtung;
zumal, wenn man den Opfern der Kriege gedenkt mit der festen Absicht, solche
in Zukunft zu verhindern.
Wurde beim Volkstrauertag ursprünglich der Toten des 1. und später
dann auch des 2. Weltkrieges gedacht, so wurde die Veranstaltung sehr bald zu
einer Ehrung der "auf dem Felde der Ehre Gefallenen", wobei "Gefallene"
selbstverständlich und in erster Linie bewaffnete und uniformierte Helmgesichter,
also aktive Kriegsteilnehmer sind. Bei den Nazis sprach man schon deutlicher
vom Heldengedenktag, von dessen Funktion als Vorbild für Militarismus und
Faschismus noch heute das 39er Denkmal der Nazis am Reeserplatz1 in Düsseldorf
zeugt.
Der Volkstrauertag mutiert wieder zunehmend zu einem völkischen Trauertag,
an dem Täter - in der Überzahl bezahlte Uniformierte - der Täter
gedenken.
Neben dem obligatorischen Trauermarsch von Tschaikowsky, wurde auch diesmal
wieder von der Bullenblaskapelle (die sich übrigens ausgezeichnet im AufDerStelleMaschieren
macht) das Lied "Ich hatt' einen Kameraden..." intoniert. Hier konterkariert
sich die offiziell noch vorgeschobene Schutzbehauptung, man gedenke uniformierter
wie ziviler Toter gleichermaßen: Kameraden waren Soldaten, waren Täter
bzw. deren willige Erfüllungsgehilfen und keine Zivilisten.
Dies ist eine militaristisch betrachtet durchaus konsequente Haltung: Die Wölfe
beheulen die Verluste in den eigenen Reihen und betreiben so eine Täter-Opfer
Umkehr. Hätte die aufmarschierte Bundeswehrmacht2 tatsächlich der
Opfer von Krieg und Militarismus gedenken wollen, hätte sie ihre Uniformen
zerrissen und in den Staub getreten, sowie ihre Schießprügel zerbrochen
anstatt wie geschehen zu präsentieren. Die Unverfrorenheit dieser Verhöhnung
von Kriegsopfern ist den meisten Menschen nicht bewusst, vermutlich aus dem
banalen Grund: sie wurde oft genug wiederholt bzw. wir haben uns daran gewöhnt
oder damit abgefunden; kurz: der Wahnsinn ist Normalität geworden. Transferierte
man dieselbe Situation auf ein Gebiet, in der die Gesellschaft noch nicht ganz
so abgestumpft reagiert, würde die Sache schon deutlicher: wenn nämlich
anlässlich einer Feier zum Gedenken an vergewaltigte und ermordete Kinder
Päderasten eine Schanzparade abhielten.
Doch zurück zu unserem Düsseldorfer Volkstrauertag: Joachim Erwin
unser aller Papa, der seit er Oberbürgermeister ist nicht mehr persönlich
erscheint, ließ es sich auch dieses Jahr nicht nehmen sich mit Namen auf
dem Kranz der Stadt Düsseldorfs verewigen zu lassen.
Ebenfalls anwesend waren wie jedes Jahr die Düsseldorfer Jonges, ein Heimatverein
mit Tradition wie er brauner nicht sein kann; gegründet 1932, nicht unbedingt
als Bund von Widerstandskämpfern gegen die Nazis, sah schon ihr erster
Baas aus wie ein Abziehbild Adolf Hitlers, dessen äußerliche Ähnlichkeit
mit seinem Vorbild (Nasenhaare langgewachsen usw.) noch der geringste Vorwurf
gegen ihn ist. Konsequent wie die traditionsbewussten Jonges sind, legen sie
auch gerne einen Kranz für die Täter am schon erwähnten faschistischen
39er Denkmal am Reeser Platz ab, dessen Sprengung - bei der Entnazifizierung
wie so vieles verabsäumt - immer noch aussteht.
Doch nun zur entscheidenden Frage: Was soll das ganze Gezeter? Kann uns dieses
Pack und ihr Tun nicht herzlich am Allerwertesten vorbei gehen?
Ich denke nicht. Ich denke man darf diesem Verein nicht die Entsorgung ihret
Altlasten überlassen und muss sie an der Wiederaufbereitung ihres militaristischen
Gedankenguts hindern. Denn:
"Wer die Vergangenheit besitzt bzw. ihre offizielle Interpretation diktiert, bestimmt die Gegenwart und greift nach der Zukunft"3
Und dies wird eine Zukunft die wir bestimmt nicht wollen.
Es sollte uns aufhorchen lassen, wenn die CDU sogar Kriegstreibern von SPD und Bündnisgrünen das "Schüren von Kriegsangst" (eine Phrase die beste Chancen auf den Titel Unwort des Jahres hat) vorwirft. Eine Farce wie von den Republikanern die ihrerzeit Franz Josef Strauß vorwarfen ein Linker zu sein und dadurch den Grad ihrer Verdorbenheit in höhnischem Trotz zu Protokoll zu geben.
In der Hoffnung nächstes mal nicht wieder alleine der uniformierten bezahlten und bewaffneten Meute gegenüberzustehen
Stefan Schmitz Mitglied der DFG-VK4
1 (in ungebrochenem Kampfeswillen marschieren deutsche Soldaten aus der
Gruft in den nächsten Krieg; zusätzlich zieren die Namen der von der
Wehrmacht eroberten Städte das Denkmal)
2 (in welcher Tradition sie steht zeigt allein schon die Namensgebungen ihrer
Kasernen)
3 geklaut von Wiglav Droste, der es seinerseits wieder von sonst woher klaute
4 Deutsche Friedensgesellschaft Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen
www.terz.org - 26.11.2002