Normalerweise flanieren auf der Rheinuferpromenade gutsituierte Düsseldorfer
Bürgerinnen und Bürger, schauen auf das betagte Oberkassel und genehmigen
sich einen Drink in einem der vielen schicken Cafés. Seit Ende Oktober
haben sie Gesellschaft bekommen. Unweit der großen Treppen am Burgplatz
steht ein ausrangierter, 30 Jahre alter Reisebus und bietet eine Aufenthaltsmöglichkeit
für Menschen, die OB Erwin, sein Ordnungsdienst und die Destination Düsseldorf
(ein Zusammenschluss von Unternehmen in der Alt- und Innenstadt), am liebsten
aus der Altstadt verbannt hätte: Obdachlose und Arme.
Offiziell öffnete das "Buscafé Untere Rhein Werft" am
Montag, den 4. November als provisorische Obdachlosentagesstätte seine
Türen. Das "Buscafé" ist ein Gemeinsschaftsprojekt von
der Obdachlosenzeitung fifty/fifty, der Armenküche und axept-Streetwork
und richtet sich mit einem niedrigschwelligen Angebot an die Betroffenen. Hier
können sich Wohnungslose und Menschen mit wenig Kohle im Winter aufwärmen,
bekommen warme Getränke, können die fifty/fifty zum Weiterverkauf
erwerben und werden auf Wunsch beraten oder an andere Einrichtungen vermittelt.
Der Bus dient auch als Schutzraum, um wenigstens für ein paar Stunden dem
oft stressigen Leben auf der Straße zu entkommen. Über 80 BesucherInnen
verzeichnet das Buscafé mittlerweile jeden Tag.
Die Forderung nach einer Obdachlosentagesstätte in der Altstadt besteht
schon über zwei Jahre und wurde von den Verantwortlichen im Düsseldorfer
Stadtrat geflissentlich überhört. Das Hauptargument der CDU/FDP/REP
Mehrheit sind mangelnder Bedarf an einer solchen Einrichtung in der Altstadt.
OB Erwin favorisiert eine Obdachlosentagesstätte in der Harkortstraße,
in der Nähe des Hauptbahnhofs. In demselben Gebäude sollen nach ersten
Planungen auch eine Drogenberatung und eine Notschlafstelle für Frauen
eingerichtet werden. Das Konzept sieht vor, verschiedene gesellschaftlich marginalisierte
Gruppen in einem Gebäude unterzubringen; aus sozialpolitischer Sicht ein
äußerst zweifelhaftes Unterfangen. Das "Da-fehlt-nur-die-Mauer-drum"
Gefühl wird auch an den Betroffenen nicht vorbei gehen - mal abgesehen
davon, daß die unterschiedlichen Zielgruppen verschiedene Bedürfnisse
haben.
Es ist davon auszugehen, daß sich OB Erwin über solche Fragen wenig
Gedanken gemacht hat. Ihm geht es in erster Linie darum, die Altstadt in seinen
Worten gesprochen "sauber" zu halten, d.h. Obdachlosen, SozialhilfeempfängerInnen,
DrogenkonsumentInnen etc. nicht auch noch eine Anlaufstelle zu bieten, wo sie
sich aufhalten und beraten lassen können. Sein Konzept sieht weiterhin
vor, Armut in Düsseldorf mit repressiver Sozialpolitik zu bekämpfen.
Dafür steht u.a. der OSD (Ordnungs- und Sicherheitsdienst des Ordnungsamtes),
der Menschen aus der Drogenszene durch die Stadtteile hetzt, der auf dem Straßenstrich
Charlottenstraße durch verschärfte Kontrollen die Frauen einschüchtert,
der Obdachlose in der Altstadt durch Kontrollen und Platzverweisen kriminalisiert
und von der Straße drängt. Für die Betroffenen hat das oft fatale
Auswirkungen: Drogen werden schnell und mit dreckigen Spritzen konsumiert, Frauen,
die sich prostituieren, achten nicht mehr darauf, zu wem sie ins Auto steigen,
etc.. Insgesamt bedeutet diese repressive Sozialpolitik eine erhöhte Gefährdung
für die Betroffenen und reduziert ihre Überlebenschancen auf der Straße.
Dementsprechend sind auch die Reaktionen von den BesucherInnen des Busprojekts,
wenn man auf "ihren" Oberbürgermeister zu sprechen kommt. "Der
soll mal herkommen und sich hier in Bus setzen. Dann können wir dem mal
erzählen, wie das so ist, wenn man plötzlich auf der Straße
steht."
Ol
www.terz.org - 26.11.2002