Was
unterscheidet einen Revolutionär von einem Rebellen und diesen von
einem
Meuterer? Ein richtiger Revolutionär wird mehr von Erkenntnissen
angetrieben
und weniger von Emotionen. Bestes Beispiel hierfür ist Che
Guevara, der auf
einem Motorrad Lateinamerika bereiste und zum Linken wurde, obwohl er
es sich
als Arzt persönlich definitiv leichter hätte machen
können. Rebellen wiederrum
handeln oft mutig aus den unterschiedlichsten Gründen, diese
können aber
erzreaktionär sein, siehe z.B. die Konföderierten im
amerikanischen
Bürgerkrieg. Und ein Meuterer? Meuterer können Soldaten sein,
wie z.B. in der
großen Meuterei in der französischen Armee 1917, die den
Deutschen eine zum
Glück verpaßte Chance gab den Krieg zu gewinnen. Die Masse
der Soldaten hatte
zwar viel Macht aber eben keine politischen Erkenntnisse und war durch
lächerliche Zugeständnisse wieder zufrieden zu stellen.
Aber
die
schönsten und imposante-sten Meuterer sind natürlich Seeleute
gewesen. Sie
waren nicht an Politik interessiert, sie waren asozial und kriminell
und alles
andere als angenehme Zeitgenossen. Sie standen den Piraten viel
näher als den
Revolutionären. Aber durch die besonderen Sozialverhältnisse
auf See in kleinen
Männergemeinschaften auf engsten Raum gepfercht, haben ihre
Aktionen immer
etwas tollkühnes und im heftigsten Sinne die Autoritäten
herrausforderndes.
Deswegen
haben die staatlichen Behörden immer die härtesten Strafen
verhängt die denkbar
sind. Wir haben also alle Essenzen für das schönste
Seemannsgarn: Verzweifelte
Aufständige im Kampf auf Leben und Tod. Zu einigen der rauhesten
Meuterern gibt
es nun lesenswerte neue Bücher.
Caroline
Alexander hat bereits Sha-ckletons legendäre Expedition in die
Antarktis
1914-1915, die Geschichte der Endurance also, spannend beschrieben. Nun
hat sie
mit “Die wahre Geschichte der Meuterei auf der Bounty” die
Hintergründe um die
wohl bekannteste Figur eines ungehorsamen Seemanns aufgezeigt. Das tut
sie
spannend und informativ und sie zitiert reichlich Quellen. Aber in
einer
Hinsicht wird der Leser schwer enttäuscht sein. Der Meuterer
Fletcher Christian
ist wahrlich nicht so wie ihn Marlon Brando im Film verkörpert
hat. Nein, kein
nachdenklicher junger Offizier, der unter ständiger Gewalt und
Terrorisierung
durch den berüchtigten Kapitän Bligh so leidet, dass er nicht
mehr anders kann
als den Gehorsam zu verweigern. Sondern er war weitaus eher ein von
Ehrgeiz und
Standesdünkel angetriebener Mensch, der sich dem Kommando eines
aus
schlechterer Familie kommenden Kapitäns nicht beugen wollte. Als
man dann noch
das ”Paradies” Tahiti verließ, ein Paradies in dem sich Leute wie
Christian mit
den Schönheiten der Natur und vor allem mit den einge-borenen
Frauen und
Schnaps amüsierten, meuterte ein Teil der Besatzung um dorthin
zurückzukehren.
Aber die letzte Stufe des Wahnsinns hat er immerhin noch nicht erreicht
gehabt.
Denn er überläßt Kaptitän Bligh und seinen
Getreuen immerhin eine kleine
Schaluppe. In dieser Schaluppe fährt dieser über 3000
Seemeilen durch
unbekannte Gewässer und rettet den größten Teil seiner
Leute, eine seemännische
Meisterleistung. All dies geschen 1788-1790. Unter dem Strich: Ein
wunderbares
Buch und ein glatter Freispruch für den armen Bligh, der ja vor
allem
unvergessen verkörpert durch Charles Laughton als Bösewicht
über die Leinwände
geistert.
Ein
deutlich finsterer und verrückterer Kerl als Fletcher Christian
war Samuel
Comstock. Er war 1824 Seemann auf dem amerikanischem Walfänger
Globe und gerade
mal 21 Jahre alt. Thomas Heffernan hat seine kurze, aber wüste
Karriere
akribisch in “Meuterei auf der Globe” untersucht. Comstock haßte
Walfänger und
wollte schnicke in einer schönen Uniform in der Kriegsmarine
dienen. Dazu
reichte es allerdings nicht und so entstand in seinem krankem
Gemüt eine
wahrhaft wahnhaft Idee. In der Nacht zum 26.01.1824 zerhackte Comstock
im
wahrsten Sinne des Wortes mit einigen Spießgesellen zusammen den
Kapitän und
die Offiziere an Bord. Den Rest der Crew zwang man zum Mili Mili Atoll
in der
Südsee zu segeln. Dort wollte Comstock den Rest der Besatzung
umbringen um dann
als König der Eingeborenen mit diesen zum Piraten aufzusteigen.
Der Plan hat
allerdings nicht wirklich funktioniert. Ein Teil der Crew floh mit der
Globe um
sich den Behörden zu stellen und sich von diesem Wahnsinn zu
distanzieren. Die
Meuterer, mit denen Comstock an Land gegangen war, witterten wohl seine
Absichten und erschossen ihn. Die Eingeborenen wiederrum waren gar
nicht so
wild darauf, sich von weißen Männern beherrschen zu lassen
und töteten alle
Meuterer mit Knüppeln und Steinen. Zwei Mann allerdings
ließen sie als
exotische (sie hatten noch nie weiße Menschen gesehen)
Leibsklaven für ihre
Häuptlinge am Leben. Jahre später befreite ein amerikanisches
Kriegsschiff
diese beiden Männer aus ihrer Tortur......Eine alles in allem
unglaubliche
Geschichte, die hier nur angedeutet werden kann. In jedem Fall ein
Stoff, den
man verfilmen sollte, aber ich fürchte, daß die Story
unglaubhaft grausam wäre.
Zum
Abschluß sei hier an den größten Bösewicht in
dieser Galerie noch einmal
erinnert. Jeronimus Cornelisz ist kein richtiger Meuterer. Aber nach
dem
Schiffbruch der Batavia 1628 vor Australien errichtete er über die
Überlebenen
der Katastrophe eine unvergleichbare Terrorherrschaft, eine Geschichte,
die
fatal an Colonel Kurtz in Apocalypse Now erinnert.
Alle
drei
Bücher sind nicht nur spannende Geschichten, sondern sie
erzählen etwas über
die Umstände und die Bedeutung der Seefahrt, ineiner Zeit als man
auf
Segelschiffen oft Jahre auf See war Leider erfährt man auch vieles
über die
menschliche Psyche, wer warum revoltiert und wer gehorcht usw. Für
Leute, die
den Typus “edler Revolutionär” (warum fällt mir außer
Che zu diesem Thema
eigentlich nichts ein?) suchen sind diese Aufrührer allerdings mit
Sicherheit
indiskutabel.
Fehri
bookThink
Tank des Neoliberalismus
In
vielen
globalisierungskritischen Debatten um die Denkschulen neoliberaler
Globalisierung taucht wiederkehrend ein Ortsname auf. Die ”Mont
Pèlerin
Society” (MPS) gilt als bedeutendster Think Tank des Neoliberalismus.
Sie wurde
im April 1947 im Dorf Mont Pèlerin oberhalb des Genfer Sees
gegründet – als
”Kader des Neo-Liberalismus”, wie ein Mitgründer der Zeitschrift
Le Monde
erklärte. Zu jener Zeit galten im kapitalistischen Westen die
wirtschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen von John Maynard Keynes
als
Leitlinien von Politik und Wirtschaft. Eine nachfrageorientierte
Wirtschaftspolitik mit staatsintegrativen Maßnahmen in der
Sozial- und
Arbeitsmarktpolitik galten den Neoliberalen als unzulässige und
sozialistisch
gesteuerte Eingriffe in die Natur des Marktes. Einer der theoretischen
Köpfe
des Neoliberalismus, Friedrich August von Hayek, erklärte in der
Zeitschrift
”WirtschaftsWoche” schon vor Jahrzehnten unter dem wegweisenden Titel
””Ungleichheit ist nötig” der Leserschaft: ”Der Begriff der
sozialen
Gerechtigkeit (ist) in einer marktwirtschaftlichen Ordnung völlig
sinnlos.” Für
die Ideologen des Neoliberalismus ist soziale und materielle
Ungleichheit ein
ebenso natürlicher wie notwendiger Bestandteil der
Gesellschaftsordnung. Hayek:
”Für die Wissenschaft der Anthropologie mögen alle Kulturen
der Welt gleich gut
sein, aber zur Aufrechterhaltung unserer Gesellschaftsordnung
müssen wir die
anderen als weniger gut ansehen.” Hayek und andere neoliberalen
Vordenker wie
Ludwig von Mises, Milton Friedman, Walter Eucken, Wilhelm Röpke
u.a. gehörten
zum Kreis der MPS, dem wegweisenden Modellprojekt der heutigen
neoliberalen
Institute und Initiativen. Die erste realpolitische Umsetzung ihrer
Gesellschaftsvorstellungen entdeckte jene Gesellschaft in dem von ihr
massiv
unterstützten chilenischen Staatsstreich des Diktators Pinochet
gegen die
gewählte sozialistische Regierung Allendes und der nachfolgenden
autoritären
Neoliberalisierung Chiles. Über die blutige Diktatur Pinochets
äußerte sich
Hayek 1981 wie folgt: ”Eine freie Gesellschaft benötigt eine
bestimmte Moral,
die sich letztlich auf die Erhaltung des Lebens beschränkt: nicht
auf die
Erhaltung allen Lebens, denn es könnte notwendig werden, das eine
oder andere
individuelle Leben zu opfern zugunsten der Rettung einer
größeren Anzahl
anderen Lebens. Die einzig gültigen Maßstäbe für
die ‚Kalkulation des Lebens’ können
daher nur sein: das Privateigentum und der Vertrag.”
Wenn
über
die MPS debattiert oder geschrieben wird, taucht als Quelle von Zitaten
und
Erläuterungen oft ein Aufsatz von Bernhard Walpen und Dieter
Plehwe aus der
Zeitschrift PROKLA auf. Nun hat der VSA-Verlag die Dissertation von
Bernhard
Walpen zur MPS in einer vom Autor gekürzten und
überarbeiteten Form
herausgegeben und damit ein Grundlagenwerk über die die Genese des
Neoliberalismus im Allgemeinen und die MPS im Besonderen der
interessierten LeserInnenschaft
bereitgestellt, an dem in Zukunft niemand vorbeikommt, der sich mit der
Thematik beschäftigen will.
Walpen
benennt seiner voluminösen und außerordentlich
kenntnisreichen Untersuchung die
hegemonietheoretischen Analysen von Antonio Gramsci, die Schriften von
Foucault
und Bour-dieu sowie regulationstheoreti-sche Schriften zum
gegenwärtigen
Kapitalismus als theoretische Bezugsrahmen. Dies hat zur Konsequenz,
dass
Walpen nicht nur grundlegend die Gründungsgeschichte und die
Entwicklung der
MPS nachzeichnet, sondern darüber hinaus deren Entwicklung in den
Kontext der
Durchsetzung neoliberaler Gesellschafts- und Regulierungsvorstellungen
stellt.
Historisch ausgehend von ersten neoliberalen Programmschriften Walter
Lippmanns
in den Dreißiger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts wird die
Entwicklung der
MPS von ihrer Gründung bis in die Jahrhundertwende umfassend
beleuchtet. Walpen
weist darauf hin, dass die MPS keinesfalls
verschwörungstheoretisch als eine
Art geheim steuerndes Subjekt zu verstehen sei: ”Mein Ziel war und ist
es
nicht, einen moralischen Diskurs zu führen, der die eigene
Position als
>gut< und die andere als >schlecht< oder gar als
>böse<
darstellt, sondern eine kritische Darstellung der MPS und des
Neoliberalismus zu
liefern.” Die MPS ist laut Walpen ”nur ein Teil eines
größeren, mehr oder
weniger losen, Zusammenhangs von Think Tanks, Stiftungen, Netzwerken,
Bildungsinsti-tuten und Basisorganisationen. In dieser Matrix ohne
steuerndes
Subjekt engagieren sich von fundamentalistischen Gläubigen,
Unternehmern,
Politikerinnen, Intellektuellen und z.T. bis hin zu Präsidenten
Individuen mit
unterschiedlichen konkreten politischen Inhalten und Ausrichtungen.
Weitgehende
Einigkeit herr-scht aber in zentralen Fragen zu Markt und Staat.”
Zugleich ist
der Untersuchung Walpens eindeutig zu entnehmen, dass die MPS
verknüpft ist mit
dem neoliberalen Flügel der extremen Rechten. So verkündete
Antonio Martino,
MPS-Mitglied und zudem Re-gierungsmitglied unter Berlus-conis Forza
Italia,
”that Margaret Thatcher’s and Ronald Reagan’s leadership has translated
the
revolution in economic think-ing into actual policy changes.”
Mit
dem
Titel seiner Untersuchung spielt Walpen auf einen Buchtitel von Karl
Pop-pers
Hauptwerk an: “Die offene Gesellschaft und ihre Feinde”(1945). Poppers
“offene
Gesellschaft” richtete sich gegen den Sozialismus. Popper benutzte in
seinen
Schriften ebenso Anspielungen auf andere Schriften: Seine zeitgleich
erschienene Schrift “Das Elend des His-torizismus” bezog sich auf die
Marxsche
Schrift “Das Elend der Philosophie”, einer Antwort auf Pierre Joseph
Proudons
“Philosophie des Elends”.
Als
Titelillustration hat der Autor eine
Radierung von Francisco de Goya aus dem Jahre 1810 mit dem Titel “Gegen
das
Allgemeinwohl” gewählt.
Walpen
hat
mit seiner Untersuchung ein Standardwerk zum Thema geliefert, das
wegweisend
sein wird für alle künftigen Beschäftigungen mit der
MPS. Die Untersuchung ist
erschienen als erste Ausgabe in der Reihe “Schriften zur Geschichte und
Kritik
der Politischen Ökonomie”, deren Herausgeber Michael Krätke
und Karl Heinz Roth
in loser Folge “wegweisende Arbeiten zur Geschichte der politischen
Ökonomie
neu oder wieder zugänglich” machen wollen. Sollte diese
Neuerscheinung ein
Gradmesser für das Niveau weiterer Veröffentlichungen sein,
ist die Mess-latte
sehr hoch angelegt.
TERZ-Tip:
Ein Klassiker für die Zukunft!
Al
C.
bookIn welcher Verfassung ist Europa?
Die Frage ist einfach zu beantworten: Beschissen! Das Buch ist schon vor der Verabschiedung der europäischen Verfassung geschrieben worden. Die verschiedenen Autoren beziehen sich jedoch nicht nur auf diese Verfassung, sondern unterziehen das Konstrukt Europa einer kritischen Bestandsaufnahme. Das Resultat ist verheerend. In den sehr schön kurz gefassten Beiträgen fassen sie die wichtigsten momentanen und zukünftigen Auswirkungen zusammen. Immer wieder stellt sich die Führungsrolle insbsondere Deutschlands heraus. Jedem Wunsch nach einem besseren Europa wird hier deutlich eine Absage erteilt. Besonders deutlich wird dies in den Beiträgen über die europäische aggressive Militärpolitik, die eine Absonderung zu den USA zum Ziel hat. Mit dem Aufbau einer eigenständigen EU Armee, an der Deutschland zu einem Drittel beteiligt ist, sind die ersten Schritte getan. Tobias Pflüger weist ein Präventivkriegkonzept der EU nach. Daran ändern auch die Meinungsunterschiede bspw. beim Irakkrieg nichts. Konkurrenz und Kooperation sind kein Widerspruch. Nichts mehr zu lachen haben Flüchtlinge, wie die Beiträge von Karl Kopp zum europäischen Flüchtlingsschutz und von Helmut Dietrich zu Flüchtlingslagern an den neuen Außengrenzen deutlich zeigen. Immer mehr wird versucht Flüchtlinge an der Flucht zu hindern und sie ”heimatnah” in Lagern unterzubringen. Oder aber wie die Vorschläge Großbritanniens und Schily zeigen Lager in Nordafrika für Flüchtlinge zu eröffnen. Bestimmt wird die EU Politik maßgeblich von den diversen Regierungen, das Parlament in Straßburg ist mehr demokratische Fassade. So gibt es in vielen Bereichen auch keine Kontrolle, die sicherlich auch nicht viel ändern würde. Im Anhang ist der Entwurf der Verfassung vom November 2003 enthalten.
Die kurzen Beiträge sind sicherlich nicht ausreichend. In ihrer Fülle geben sie aber einen sehr guten Überblick über das Projekt Europäische Union. Und das ist ziemlich ernüchternd und erschreckend.
Meikel F
bookWas (anti-)deutsch ist
Unter dem Buchtitel “Was deutsch ist” veröffentlichte der Cheftheoretiker “Initiative sozialistisches Forum” (ISF) Joachim Bruhn in seinem Hausverlag seine Vorstellungen vom deutschen Wesen. Bruhn, ein intellektueller Kopf der so genannten Antideutschen, gab seiner Jüngerschaft die Leitlinie zur Positionierung im Nahost-Konflikt vor, die besagte: “Jede Kritik am Staat Israel ist antisemitisch”. Damit könnte eigentlich schon alles gesagt sein, was das Niveau antideutscher Moralimperative angeht und eine weitere Beschäftigung überflüssig werden lassen. Doch auch heute noch ist das antideutsche Sektenwesen trotz erheblicher innerer Gruppenkonflikte noch nicht implodiert und erweist sich gerade in jüngeren Antifa-Kreisen immer wieder als attraktives Identifikationsangebot.
Warum das so ist und wie dies bewegungsgeschichtlich, ideologisch und psychologisch zu erklären ist, lässt sich nun bequem in einem neu erschienenen Sammelband aus dem Unrast-Verlag nachlesen. Bernhard Schmid gibt dort einen lesenswerten Einblick in die antideutsche Genese vom Produkt der Linken in eine neo-autoritäre Sekte, während Markus Mohr und Sebastian Haunss den klassisch autonomen Moralhabitus der “Antideutschen” durchleuchten. Ebenfalls lesenswert sind Wolf Wetzels Untersuchungen zum antideutschen Bellizismus und Detlef Hartmanns Herleitungen der Funktion des Antiamerikanismus-Diskurses. Als Hintergrundartikel zum Nahost-Konflikt sind der Aufsatz von Moshe Zuckermann und das Interview von Gerhard Hanloser mit TERZ-Buchautor Michael Kiefer zu empfehlen. Moshe Zuckermann stellt aus linker Sicht die Frage: was heißt Solidarität mit Israel? Und hierbei benennt er die Gefahr einer sich philosemitisch gerierender Instrumentalisierungen durch Generalisierungen “des Jüdischen”, wie es bei den Antideutschen zur Methode gehört.
Michael Kiefer erläutert seinen Begriff des “islamisierten Antisemitismus” als Transfer eines ursprünglich europäischen Feindbildes und benennt die Gefahren dieses Antisemitismus.
Vier Autoren der “Marx-Gesellschaft” setzen sich mit dem Marx-Verständnis des ISF auseinander und interpretieren es als Affirmation des bürgerlichen Individuums. Ein paar nachdenkenswerte wie zugleich treffende Spitzen zur antideutschen Psychodynamik benennt Ilse Bindseil: “Mit dem Elan des Erfinders votierte er für das Bestehende, sprach sich mit Verve für oder gegen die geläufigen Konstellationen, Israel oder Palästina, USA oder Islam aus, als wären sie die Realität selbst, mehr noch ein begriffsgestütztes wahres Sein, und man bräuchte sich nur zu entscheiden. Von nun an konnte er die Nichtveränderung auch praktisch betreiben, um derentwillen er sich zuvor enthalten musste, konnte er der ganz normale Konkurrent sein, der er in der hierarchischen Konstellation von kritisierter Praxis und theoretischer Kritik immer nur auf absurde, die gesamte Debatte eigentümlich umzentrierende, der Rätselhaftigkeit überantwortende Weise hatte sein können. Da er in einer fundamentalistischen Weise recht hatte, war es nicht einmal verdächtig, sich auf der Seite der Stärke wiedrzufinden, Machtpolitik zu betreiben, à la Joschka Fischer, das heißt als zur bürgerlichen Vernunft gekommene 68er Politik, sondern als die unmittelbare Konsequenz aus den alten Ideen, als wie auch immer befremdliche Erscheinungsform der Verweigerung, unbeirrbare Treue zu den von der Vergangenheit auferlegten Prinzipien.”
Den Rest musst du selber lesen!
Ben H’ur
www.terz.org - 23.11.2004