tote kinder
Die
Rheinische Post veröffentlichte am 8. Oktober die gar nicht
überraschende
Meldung, fast 30 000 Kinder unter fünf Jahren stürben Tag
für Tag “an
behandelbaren oder vermeidbaren Krankheiten wie Durchfall, Bronchitis,
Masern
oder Malaria”. Zwar konnte “die Kindersterblichkeit in
Entwicklungsländern …
zwischen 1960 und 2000 halbiert werden”, aber “im südlichen
Afrika, Kambodscha
und in mehreren Sowjetstaaten” steige die Todesrate an.
Wenn
das
Kapital die gesamte Welt unter dem Gesichtspunkt betrachtet, wo es
gewinnträchtige
Anlagesphären gibt, fallen eben einige Gebiete aus dem Raster. Was
vor
Jahrzehnten noch politisch oder ökonomisch interessant war und
entsprechend
zugerichtet wurde, erfährt heute nur noch eine ordnungspolitische
Behandlung.
Dass dort die Menschen verrecken wie die Fliegen, weiß auch der
letzte
Ignorant. Nun könnte man zu dem Schluss kommen, die Begutachtung
der
natürlichen, technischen und menschlichen Ressourcen der Welt
unter dem
Blickwinkel der Gewinnmaximierung sei zumindest für die Menschen
der III. Welt
äußerst schädlich. Aber die offizielle Diagnose
läuft genau in die andere
Richtung: Die betroffenen Länder leiden nicht an zu viel, sondern
an zu wenig
Kapitalismus. Der freie Welthandel müsse ausgeweitet,
Investitionsmöglichkeiten
verbessert werden (G8-Gipfel in Genua). Genau der Grund, der das Elend
in der
III. Welt herbeigeführt hat, soll nun das adäquate Heilmittel
sein.
So
geht die
ideologische Absicherung des weltweiten Treibens des Kapitals mit allen
seinen
Folgen bis zum Sankt Nimmerleinstag.
Ach
ja, in
der gleichen Ausgabe der Rheinischen Post wird der Chefspezialist
für das Leben
vor der Geburt und nach dem Tode, Papst Johannes Paul II., zitiert. Das
Schicksal ungetaufter toter Kinder sei von “höchstem
Interesse”.
Wenn
schon
die Kinder verrecken, dann bitte – denn ihrer ist das Himmelreich -
ohne
Erbsünde!
Urknall-
und Evolutionstheorie widersprechen nicht der katholischen
Schöpfungslehre,
vernehmen wir sprachlos aus dem Vatikan. Ja, was denn?
macht
agenturschluss!
Unter
diesem Motto hat ein bundesweiter Vorbereitungskreis dazu aufgerufen,
am 3.
Januar 2005, dem Beginn von Hartz IV, aus Protest vielfältige
Aktionen vor den
lokalen Agenturen der Bundesanstalt für Arbeit zu begehen. Ziel
ist es die
Agenturen möglichst lahmzulegen. Den vollständigen Aufruf
findet man unter
http://www.labournet.de/agenturschluss.
Es wird auch darauf hingewiesen, dass
sich die Aktionen “nicht gegen die Beschäftigten der Agenturen und
der Ämter
(richten), die sich ebenfalls dagegen wehren, dass Menschen derart
entwürdigend
behandelt werden sollen - wir hoffen und bauen auf die gegenseitige
Solidarität!” Aktionen wird es auch in Düsseldorf geben.
Achtet
auf
Informationen.
erpressung
ARD-Videotext
Seite 116 am 12.11.2004 (morgens):
- E-On
verdient erheblich mehr
- Siemens
steigert Gewinn deutlich
- Deutsche
Telekom steigert Ergebnis
- TUI
mit operativem Gewinnplus
- Linde:
Mehr Umsatz und Gewinn
- BASF
mit Gewinnsprung
- MAN
mit deutlichem Plus
Nachmittags
finden sich auf der gleichen Seite folgende Meldungen:
- Allianz
übertrifft Erwartungen und
verdoppelt Gewinn
- Mobilcom
steigert Betriebsgewinn
- Salzgitter
verbucht Gewinnsprung
- Computer-Hersteller
Dell legt zu
- Fraport
steigert Passagierzahlen
- BVB:
In zwei Jahren wieder Gewinn
- EnBW
weiter im Aufwind
Am
gleichen
Tag teilt uns das Handelsblatt mit: “Glänzende Gewinne und
kümmerliche
Konjunktur - wie lässt sich das unter einen Hut bringen? Ganz
einfach: Die
großen deutschen Konzerne erzielen ihre Gewinnsteigerungen
überwiegend im
Ausland (...). Die Konzerne haben ihre Kosten im Inland reduziert oder
sind
noch dabei, dies zu tun. Je weniger Wachstum der deutsche Markt
verspricht und
je größer die Kostennachteile deutscher Werke sind, desto
schneller werden sie
weitere Produktionen ins Ausland verlagern ...”
So
funktioniert die Erpressungsmacht des Kapitals: Seid ihr
nicht willig, mehr
zu arbeiten für weniger Geld, dann könnt ihr euch euren
elenden Arbeitsplatz an
den Hut stecken. Wir jedenfalls finden auf dem Erdenrund schon genug
Elendsgestalten, die für noch weniger Geld arbeiten als ihr!
Ist
es
nicht an der Zeit, diesem Treiben ein Ende zu bereiten?
ohne
krankenversicherung
2003
waren
188.000 Bundesbürger ohne gesetzliche oder private
Krankenversicherung. Im Jahr
1995 waren es nur 105.000. Immer mehr Menschen können sich eine
Krankenversicherung nicht leisten oder haben erst gar nicht die
Möglichkeit
dazu, wie z.B. die illegalisierten Menschen. Für sie ist bei
Krankheit oft der
einzige Weg, über befreundete Mitmenschen an eine
Versicherungskarte zu kommen
und sich behandeln zu lassen. Diesen Weg möchten Krankenkassen und
Politik am
liebsten auch noch versperren. Das NRW Gesundheitsministerium fordert,
dass bei
jedem Arztbesuch der Personalausweis vorgelegt werden soll, was die
Krankenkassen allerdings vehement ablehnen. Allerdings fordern sie die
Politik
dennoch dazu auf, gegen den angeblichen Missbrauch etwas zu
unternehmen.
hartz IV in
verzug
Fünf
Wochen
vor dem Beginn von Hartz IV werden die Verantwortlichen für den
reibungslosen
Start in Düsseldorf unruhig. Etwa 80% der betroffenen
DüsseldorferInnen haben
ihren Antrag abgegeben, aber es gibt Probleme mit der Software. Es ist
nur
jedem Betroffenen zu raten, wenn das Geld nicht pünktlich da ist,
Druck
auszuüben und das Geld einzufordern. Weiterhin sind die Standorte
für die drei
groß angekündigten Job-Center unklar. Fest steht jedoch,
dass auch jobfremde
MitarbeiterInnen die Anträge bearbeiten sollen, u.a. 40
TelekommitarbeiterInnen
und im Moment 120 Stadtangestellte. Ärger ist also vorprogrammiert.
hartz IV
auf abwegen
Da
tauchten
doch wahrhaftig Schreiben des Amts für Einwohnerwesen der Stadt
Düsseldorf in
etlichen Briefkästen auf. Im Rahmen von Hartz IV sollen Einkommen
und
weitergehende Informationen zur Arbeitsstelle (soweit vorhanden)
angegeben
werden. Vorher tauchten schon Briefe mit dem Briefkopf der
Arbeitsagentur
(vormals Arbeitsamt und Raider heißt jetzt Twix) auf, in denen
Freiwillige für
den Schutz der Arbeitsagentur angeworben werden. Und dann forderten
Presseartikel dazu auf, diese Schreiben einfach zu vernichten.
Steuergeldverschwendung? Nein, nein, Stadt und Arbeitsagentur beteuern,
dass
diese Schreiben nicht von ihnen stammen. Alles eine böse
Fälschung, um die arme
Bevölkerung zu verunsichern.
big brother
award
Immer
wieder lesenswert und gleichzeitig reichlich erschreckend ist die
jährliche
Verleihung des Big Brother Award. Dieser “Oskar für Datenkraken”
wird von einer
Jury aus Datenschützern für herausragende Produkte der
Datenüberwachung und
–erfassung verliehen. Aus 250 Vorschlägen hatte die Jury insgesamt
acht
Preisträger ausgesucht: darunter die Bundesanstalt für
Arbeit, Canon und die
Billig-Supermarkt-Kette LIDL. Wie jedes Jahr erschien keiner der
Preisträger.
Canon erhielt einen Preis, weil Farbkopierer der Firma auf jeder Kopie
eine
unsichtbare Kennung hinterlassen, die einem bestimmten Gerät
zugeordnet werden
können. Die Käufer der Geräte werden hierüber nicht
informiert: Besitzer von
Copyshops berichten aber schon von gezielten Nachfragen durch die
Polizei.
Die
genauen
Ergebnisse kann man lesen unter: http://www.bigbrotherawards.de
umzugsaufforderung
In
Bochum
gehen nach und nach die ersten Umzugsaufforderungen im Zuge der
“Gesetzesreform” Hartz IV ein. So berichtet der Bochumer Mieterverein
von
ersten Fällen. In einem Fall wurde beanstandet, dass die Miete um
13,65 Euro zu
hoch sei. Der Mieterverein erklärt: “Recht zu behalten macht nicht
immer Spaß.
Immer wieder hat der Mieterverein gewarnt, Hartz IV würde zu
Mietervertreibung
führen, weil für die Bezieher/innen von ALG II ab 1. Januar
die gleichen
Mietobergrenzen gelten wie bisher schon für
Sozialhilfeempfänger/innen.
Dementis von allen Seiten. Immerhin, der Sozialausschuss fasste den
lobenswerten Beschluss, § 22 SGB II, der die
Wohnkostenübernahme regelt,
behutsam anzuwenden, um die Bildung von Mieterghettos zu
verhindern. Doch
dieser Beschluss bindet das Sozialamt, nicht aber die Bundesagentur
für Arbeit.
Und die hat jetzt einer Mieterin aus Günnigfeld eine
Umzugsaufforderung
geschickt - wegen 13,65 Eur im Monat! Dabei ist die Wohnung sogar
billiger, als
sie laut Mietspiegel sein dürfte - 4,09 Eur pro qm statt
zulässiger 4,87 Eur.
Auch die Betriebskosten sind eher moderat. Allerdings ist die Wohnung
mit 57 qm
um 12 qm zu groß. Insgesamt ergibt sich eine Überschreitung
der
Angemessenheitsgrenzen von 13,65 Eur. Im Gegenzug hätte die
Agentur für Arbeit
Umzugskosten zu tragen, die die Mieterin auf 1500 Eur schätzt.
Neun Jahre würde
es dauern, bis die Agentur diese Kosten durch die Mietersparnis
wieder herein
bekäme. Aichard Hoffmann vom Mieterverein: “Ein
Musterbeispiel für
betriebsblinde Paragrafenanwendung. Mit
Verhältnismäßigkeit hat das absolut
nichts zu tun. Wenn die Agentur von diesem Trip nicht ganz schnell
wieder
herunterkommt, ist die Ghettobildung vorprogrammiert.”
henkel auf
dunklen abwegen
Waren
müssen verkauft werden und Geld stinkt nicht. That´s
capitalism, das sagt sich
auch die Düsseldorfer Firma Henkel. Fernsehen ist das ideale
mediale
Transportmedium für die diversesten Werbebotschaften. Das haben
auch andere
entdeckt. Fernsehen ist nicht nur hier ein wichtiges Poropagandamittel,
sondern
auch andernorts. Bin Laden schickt werbewirksam seine neuesten
Ergüsse per
Video zu den verschiedensten Fernsehanstalten, irakische selbsternannte
Gotteskrieger
schneiden ihren Geiseln vor laufender Videokamera die Kehle durch und
stellen
den Film ins Internet, us-amerikanische Soldaten foltern ein wenig und
fotografieren sich dabei. Einen anderen Weg nimmt die Hizbollah im
Libanon, sie
nennt gleich einen ganzen Fernsehsender ihr eigen. Hizbollah ist die
radikalfundamentalistische Miliz, die mit Unterstützung von Syrien
immer wieder
Angriffe auf Israel startet und Selbstmordattentäter ausbildet.
Laut Kenner des
“Al-Manar (das Leuchtfeuer) television”, der auch in weiten Teilen von
Europa
über Satellit zu empfangen ist, ist der Sender stramm
antisemitisch
ausgerichtet, mit einer eigenen blutrünstigen Serie á la
Lindenstrasse, die das
“Phantasma der jüdischen Weltverschwörung kolportiert.” Da
wundert es auch
nicht, dass in schönsten farben für Selbstmordattentate
geworben wird. So ein
Sender muss finanziert werden, und wie überall geschieht das
über Werbung. Und
nun kommen wir wieder zu unserem Weisswasch Konzern Henkel, auch der
wirbt dort
Al-Manar. Passenderweise mit ”Der General”. Zumindest listet dies der
Sender im
Juli 2002 auf. Auf eine Anfrage, ob sie immer Werbung dort schalten,
antwortete
der Konzern erst gar nicht. Neben deutschen Firmen (u.a. auch Maggi)
schalteten
bis ein Artikel in der Los Angeles Times erschien, auch
us-amerikanische Firmen
(bspw. Pepsi, Coca-Cola) dort Werbung. Alles nach zu lesen bei Middle
East
Quarterly Winter 2004 http://home.comcast.net/~jat.action/Al-Manar.htm
menschenhandel?
Es
gab
Zeiten, da hießen Schleuser noch Fluchthelfer. Damals existierte
die DDR noch
und jeder Fluchthelfer wurde als wahrer Menschenfreund angesehen, auch
wenn
viele von ihnen das auch nur gegen viel Geld machten. Heutzutage sind
die
abschätzig genannten Schleuser als Menschenhändler
verpönt. In Düsseldorf
findet momentan ein Prozess gegen vier Iraker statt, denen vorgeworfen
wird, 13
Menschen die Flucht nach Europa ermöglicht zu haben. Dies gilt in
den Augen der
Justiz nicht nur als verwerflich, sondern auch als kriminell. Doch was
ist ihr
Vergehen? In der Presse wird vor allem über ihre “schmutzigen
Geschäften”
(Express) hergezogen, dass die Männer für die Fluchthilfe
Geld genommen haben.
Die Rede ist von 1200 bis 3500 Euro pro Person. Wenn man bedenkt, dass
bei
einer Fluchthilfe eine Vielzahl von Leuten beteiligt ist, die alle
bezahlt
werden wollen, sowie die Kosten für diverse Tickets
berücksichtigt und das
Risiko bedenkt, das vor allem die Helfer in der EU zu tragen haben,
relativiert
sich die Summe drastisch. Dass es unter den Fluchthelfern auch schwarze
Schafe
gibt, denen das Schicksal der Flüchtlingen letztendlich egal ist,
soll gar
nicht bestritten werden. Alle jedoch als Kriminelle darzustellen ist
bewusste
Politik, auch gegen Flüchtlinge. Angeprangert wird nicht das
System der
Grenzabschottung der EU-Staaten und dessen tödliche Folgen
für Flüchtlinge,
sondern die Flüchtlinge und ihre Helfer. Als die östliche
EU-Grenze noch die
Grenze zu Polen war, ist es zu tödlichen Unfällen von Autos
mit Flüchtlingen
und Fluchthelfern gekommen, die auf der Flucht vor dem
Bundesgrenzschutz die
Kontrolle über die Wagen verloren hatten und vor Bäume
geknallt sind. Ermittelt
wurde jedoch nicht gegen die Bundesgrenzschutzbeamten, die die
Flüchtigen
regelrecht in den Tod getrieben haben, sondern gegen die
überlebenden
Fluchthelfer. Diese zunehmende Kontrolle der Außengrenzen und die
Vorverlagerung
der Grenzsicherung in angrenzende Staaten der EU macht es
für Flüchtlinge nicht nur immer schwerer,
sondern auch immer gefährlicher. Ohne Hilfe ist es so gut wie
ausgeschlossen,
die EU zu erreichen. Hier geht es letztendlich auch um Angebot und
Nachfrage.
Umsonst ist da nichts. Einem der Angeklagten wird außerdem auch
noch zur Last
gelegt, ein illegales Bankgewerbe betrieben zu haben. Er nahm im Irak
irakisches Geld an und zahlte es in Deutschland in hiesiger
Währung wieder aus.
Dafür nahm er zwei bis drei Prozent Zinsen, was in Anbetracht der
Zinsen
deutscher Banken wohl kaum als übertrieben angesehen werden kann.
Weiterhin
halfen die Angeklagten, mehrere irakische Kinder vor dem Angriff der
USA auf
den Irak nach Deutschland bzw. Großbritannien zu bringen.
Aufgrund des ersten
Krieges der USA wussten die Irakis was auf sie zukommen würde.
Dass Familien
versuchen, zumindest ein Kind in Sicherheit vor den drohenden Bomben zu
bringen, ist da nur zu verständlich. In der Presse werden die
Fluchthelfer als
“Kriegsgewinnler”, die Kinder als Opfer diffamiert. Immerhin haben
diese Kinder
überlebt und mussten nicht wie Tausende Iraker ihr Leben im
Bombenhagel lassen.
Deutschland hatte im Übrigen noch kurz vor dem Krieg Asylgesuche
von Irakern
abgelehnt. Verbrecherisch sind nicht die Fluchthelfer, verbrecherisch
ist die
Politik, die Menschen an der Flucht hindert und die Grenzen abschottet.
Grenzen
auf für alle!
5 euro und
weg
Ein
anerkannter kurdischer Flüchtling sitzt in Düsseldorf in
Abschiebehaft, weil
ihm in der Türkei ein Scheckbetrug im heutigen Wert von fünf
Euro vorgeworfen
wird. Ekrem Eks Familie ist in der kurdischen Stadt Mus des
öfteren Opfer von
Übergriffen türkischer Sicherheitskräfte geworden. Seine
Mutter wurde schwer
verletzt, mehrere Verwandte ermordet. Auch sein Vater wurde unter
ungeklärten
Gründen getötet. Ek gelang die Flucht nach Deutschland
zusammen mit seiner
Tochter. In Italien wurde er zu zwei Jahren Knast verurteilt, weil er
sich in
einer illegalen ImmigrantInnenorganisation engagiert hatte.
Dennoch erreichte
er seine Anerkennung als politischer Flüchtling. Als er am 15.
September nach
Deutschland kam, um seine Tochter zu holen, wurde er in Köln
aufgrund eines
türkischen Haftbefehls verhaftet und sitzt seitdem in
Düsseldorf in
vorbereitender Abschiebehaft. Im Gegensatz zur deutschen hat die
italienische
Justiz bereits am 23. September das türkische
Auslieferungsersuchen mit Verweis
auf Eks Flüchtlingsstatus abgelehnt. Hier machen sich die
Behörden lieber als
willige Helfer der Abschiebepolitik einen Namen.
alle müssen
fallen
100
Jahre
ist es her, dass deutsche Besatzungstruppen ein Massaker an den Hereros
und
Namas veranstalteten. Schätzungsweise 65.000 Hereros und 10.000
Namas wurden
ermordet. Bis heute verweigert Deutschland den Nachfahren eine
Entschuldigung.
In Düsseldorf steht am Frankenplatz ein Denkmal, das an das
Massaker erinnert.
Es wird jedoch nur an drei tote deutsche Soldaten erinnert.
Regelmäßig wird
dieses Denkmal mit diversen Farben verschönert, um an den
Massenmord zu
erinnern. Jetzt steht neben dem Denkmal eine Gedenktafel, die zum
ersten Mal
eine Erklärung des Denkmals gibt. Auf Initiative des evangelischen
Kirchenkreises Ost wird nun auch an den Massenmord erinnert. “Ein
Abbauen macht
keinen Sinn”, so die Superintendentin Oßwald in der RP, ohne
dies jedoch näher
zu erläutern. Auf der Tafel kann man dann Bemerkenswertes lesen.
Das Denkmal
“ist uns eine Mahnung, für die Würde aller Menschen,
Völker und Rassen
einzutreten”. Ja, ja, ganz richtig gelesen. Man solle für
Völker und Rassen
eintreten. Im besten Nazi-Jargon wird hier versucht, das Denkmal mit
diesem
Text positiv umzudeuten. Da wurde offensichtlich der Bock zum
Gärtner gemacht.
In einer Anfrage an die evangelische Kirchengemeinde entschuldigt sich
der
Pressesprecher der evangelischen Gemeinde in Düsseldorf für
die Formulierung.
Demnach ist dies unbedacht von einem ähnlichen Umwidmungstext
eines Denkmals in
Hannover übernommen worden. Aufrichtig bedauert wird die verfehlte
Sprachform.
Da fragt man sich natürlich schon, wie man solche Formulierungen
übersehen
kann? Ob es eine Änderung der Tafel
gibt, ließ der Pressesprecher offen.
bundeswehr
fuck off!
Durch
den
konsequenten antimilitaristischen Widerstand konnte die Bundeswehr
gezwungen
werden Düsseldorf weitestgehend zu verlassen. Nun, ganz so stimmt
es dann
leider doch nicht. Es geht bei der Schließung einiger Standorte
darum, Geld
einzusparen und die Kapazitäten zu bündeln, damit Deutschland
weltweit
einsatzfähig, d.h. kriegstauglich wird. Schon seit 2002 war
bekannt, dass die
Reitzensteinkaserne in Mörsenbroich zum Jahr 2005 aufgegeben wird.
Das Gelände
ist nun an einen niederländischen Investor verkauft worden, der
dort Wohnungen
bauen will. Bis zum Jahr 2010 wird nun auch der größte Teil
der Bergischen
Kaserne in Hubbelrath aufgelöst. Die Zahl der
Bundeswehrangehörigen halbiert
sich dadurch von 3020 auf 1520, davon ein Großteil
Zivilangestellte. In
Düsseldorf verbleiben die Wehrbereichsverwaltung West, das
Kreiswehrersatzamt
und die Standortverwaltung sowie drei militärische Einrichtungen,
das regionale
Netzführungszentrum 30 (Fernmelder), das Zentrum für
Nachwuchsgewinnung und
das zukünftige Landeskommando NRW mit 140
Soldaten. Es bleibt also noch
einiges zu tun für AntimilitaristInnen.
asyl in den
usa
Oberpolizist
Schily, der keinen Anlass auslässt Bürgerrechte immer weiter
einzuschränken und
damit selbst die CSU einfallslos
dastehen lässt, dürfte Schaum vor dem Mund bekommen haben.
Hat doch ein
Berufungsgericht in San Francisco einer in Hamburg lebenden Afghanin
mit
deutscher Staatsangehörigkeit, das Recht auf Asyl in den USA
eingeräumt. Diese
bekam sie nicht wegen der politischen Verhältnisse in Afghanistan,
sondern
aufgrund derer in der BRD. Die permanente Gefährdung, Opfer
rechtextremer
Gewalt zu werden, machten es der Frau unmöglich, in “Germany” zu
leben, befand
die Vorsitzende Richterin. Schily ist jedoch nicht besorgt wegen der
Zustände in
der BRD, sondern wegen dem Ansehen Deutschlands in der Welt.
sek schießt
unbewaffneten an
Am
Abend
des 21. Oktobers wäre es beinahe zu einem tödlichen Einsatz
des Sondereinsatzkommandos
der Polizei aus Essen gekommen. Sie stürmten eine Wohnung in
Oberbilk, in der
sich angeblich ein Verdächtiger in einem Rauschgiftverfahren
aufhalten sollte.
Das schwer bewaffnete SEK trat die Wohnungstür ein und
stürmte die Wohnung. Es
kommt mindestens zu einem Schuss aus einer Waffe eines Polizisten. An
der
Schulter getroffen fällt der unbewaffnete Libanese zu Boden. Die
Situation war
so eindeutig, dass der Staatsanwaltschaft nichts weiter übrig
blieb, als die
Ermittlungen aufzunehmen. Normalerweise werden solche Verfahren gar
nicht erst
eröffnet. Ob bei dieser Ermittlung etwas heraus kommt, darf
bezweifelt werden.
Ermittelt
wird auch nicht wegen versuchtem Totschlag, sondern nur wegen schwerer
Körperverletzung.
Nicht
alltäglich ist die viermonatige Haftstrafe, zu der ein
Düsseldorfer Richter Ende
Oktober einen 73-jährigen Rentner verurteilte. Er hatte einen
Marokkaner als
“Neger” beschimpft. Deswegen erhielt er einen Strafbefehl von 20
Tagessätzen zu
je 40 Euro, gegen den er protestierte. Im folgenden Prozess beharrte er
auf
seine Beschimpfungen, die er als ganz normale Formulierung versteht. Er
ließ
immer mehr den Rassisten heraus und veranlasste den Richter zu
einer
Haftstrafe. Im Urteil beschrieb er den Angeklagten als “geprägt
ist von einer
diskriminierenden Grundeinstellung” Wegen einer großen
Wiederholungsgefahr
sei eine deutliche Strafe unerlässlich.
schwule und
lesben unerwünscht
Am
28. Juni
1968 wehrten sich Lesben und Schwule in der New Yorker Gaststätte
“Stonewall
Inn” erstmals und militant gegen Polizeirazzien; es gab
Straßenschlachten, die
mehrere Tage andauerten. Dieses Geschehen war eines der
Gründungselemente der
neuen Lesben- und Schwulenbewegung in den USA und hatte entsprechende
Auswirkungen auf die Bundesrepublik. Seit 1988 finden auch in NRW
“Christopher
Street Day”-Feiern statt. Letztes Jahr fand zum ersten Mal auch ein CSD
in
Düsseldorf statt. Nun erhielt die Veranstalterin des
Düsseldorfer CSD einen
Brief von der Stadtverwaltung. Ein weiterer CSD sei in Düsseldorf
“nicht
erwünscht”, weil für die Stadt “nicht verträglich”, wie
Ratsmitglied Frank
Laubenburg, PDS/Linke Liste Düsseldorf, mitteilte. Frank
Laubenburg gehörte
1988 – 1990 zu den Organisatoren der ersten landesweiten CSDs, die
seinerzeit
in Essen, Dortmund und Bottrop stattfanden. Laubenburg
stellte beim Regierungspräsidenten
Dienstaufsichtsbeschwerde gegen OB Erwin, weil aus seiner Verwaltung
heraus die
Veranstaltung des schwul-lesbischen CSD 2005 in Düsseldorf
verhindert werden
soll. Weiterhin nimmt er an, dass dieses
Vorgehen rechtswidrig sein dürfte. In dem Schreiben heißt
es, dass “mit dem
Büro Oberbürgermeister und der Düsseldorf Marketing und
Tourismus GmbH”
abgestimmt sei, dass der CSD nicht zugelassen werden könne. Es sei
nicht
zulässig, dass bei der Verwaltung eingehende Anfragen und
Anträge offenbar mit
der privatrechtlich organisierten “Düsseldorf Marketing und
Tourismus GmbH”
abgestimmt werden und diese dadurch Einfluss auf Entscheidungen der
Verwaltung
nimmt.
prozess
gegen islamisten
Kaum
beachtet, läuft schon seit Wochen ein Prozess gegen Islamisten in
Düsseldorf,
der den neuen Prozessbunker in Hamm einweihte. Alleine das Wort
Islamist reicht
in der Regel aus, sich nicht weiter mit den Angeklagten und den
Prozessen
auseinanderzusetzen. So erfährt man nur durch Zufall von den
Haftbedingungen,
denen sie unterliegen. Angeklagt ist Mohamed D. wegen angeblicher
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Belastet wird er
duch
einen Kronzeugen der Staatsanwaltschaft, der selber für die
Aussage ein
günstigeres Strafmaß erhielt. Wie bedenklich diese Art von
Zeugen sind, zeigte
das jüngst zu Ende gegangene Verfahren gegen Mitglieder der
“Revolutionären
Zellen”. Dem Kronzeugen kaufte der Richter die abstrusesten und sich
widersprechenden Behauptungen ab, nur um die Angeklagten zu
verurteilen.
Mohamed
D.
sitzt in Köln in Isolationshaft. Als Nicht-Deutscher erhält
er kein
Taschengeld. Ein anderer Häftling schickte ihm per Post 20 Euro
und ein paar
Briefmarken, damit er zumindest Kleinigkeiten im Knast kaufen zu
können und ein
paar Briefe zu schreiben. Richter Fliescher vom Oberlandesgericht
schickte das
Geld und die Briefmarken umgehend zurück, da der Gefangene auf
einer
Sanktionsliste der UNO steht und deshalb keinerlei finanzielle
Unterstützung
erhalten darf. Nach der neuesten Schikane des Staatsschutzsenat darf
Mohamed D.
nicht mehr seinen Gebetsteppich und seinen Kamm zur Reinigung vor dem
Gebet
mitnehmen.
eintrittspreis
Deutschlands
größter Energiekonzern kündigt weitere Expansionen in
Italien und Osteuropa an.
Die E.on AG hat es in den Beitrittsländern der Europäischen
Union und bei den
EU-Kandidaten vor allem auf die ehemaligen Staatsbetriebe abgesehen.
Die
Privatisierung der Energieversorgung ist zwingende Voraussetzung
für den
EU-Beitritt. Auf den von E.on eroberten Märkten werden
Massenentlassungen und
die Erhöhung der Energiepreise die Folge sein. Der E.on-Konzern
wird bei seiner
Expansion von der Bundesregierung tatkräftig unterstützt, da
es im ,,nationalen
Interesse” liege, dass Deutschland auf dem internationalen Energiemarkt
einen
,,National Champion” ins Treffen führen kann. (…) Rumänien
ist für die
deutschen Energiekonzerne nicht nur wegen des Potenzials interessant,
das der
inländische Markt bietet. Das Land liegt auf der Route der
geplanten
Nabucco-Pipeline, die Gas aus Iran und dem kaspischen Raum nach Europa
bringen
soll. Im Energiesektor sei Deutschland Rumäniens wichtigster
Partner, umwirbt
der rumänische Wirtschaftsminister Popescu die deutschen
Investoren. Die
Unternehmen könnten auf langfristige Aufträge hoffen. Laut
Popescu sind Anfang
März Vereinbarungen getroffen worden, die deutschen Firmen
Beteiligungen an
Projekten im Umfang von zwei Milliarden Euro ermöglichen. Den
Preis für die
deutsche Expansion hat die Bevölkerung Rumäniens zu zahlen:
Die Privatisierung
der Gasversorgung werde zu steigenden Tarifen und zur Entlassung
überzähligen
Personals führen, sagte Popescu. Der angestrebte EU-Beitritt mache
,,unpopuläre
Maßnahmen” erforderlich, ergänzte der deutsche Chef der
Wintershall-Niederlassung in Rumänien.
(aus:
www.german-foreign-policy.com)
pass
verloren
Als
der
Termin für die letzte Ausgabe eines herkömmlichen
Personalausweises näher
rückte, verloren ganz plötzlich viele ihren Ausweis oder er
landete aus
Versehen in der Waschmaschine, um noch einen alten Ausweis für
fünf Jahre zu
erhalten. Gleiches könnte auch nächstes Jahr vor der
Einführung des neuen
maschinenlesbaren Reisepasses passieren. Beschlossen wurde er von den
EU-Innenministern. Der Ausweis wird neben einem Foto auch einen
Fingerabdruck
enthalten – alles digitalisiert auf einem Chip. Dieser Ausweis wird bei
Kontrolle durch einen Datenscanner gezogen. Dabei können die Daten
gespeichert
werden. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz warnte in einer
Stellungsnahme
vor Missbrauch der biometrischen Daten. Gesichtsbilder können
für die
alltägliche Videoüberwachung verwendet werden.
Es
wurde
bekannt, dass in Testversuchen die Daten aus solchen sogenannten RFID
Chips
über Entfernungen von 30 Metern ausgelesen werden können. Der
“Chaos Computer
Club (CCC)” zeigt auf seinen Internetseiten, dass die angebliche
Fälschungssicherheit ein Hohn und für jeden Laien zu
überlisten ist. Das
Einzige, worauf man beim herkömmlichen Reisepass verzichten muss,
ist die
Einreise in die USA. But who cares? In den USA werden die an den
Grenzstellen
erfassten Daten der Reisenden gespeichert. Unbegrenzt.
www.terz.org - 23.11.2004